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Comic Blog


Dienstag, 24. Juli 2007

Die vierte Macht – Mord auf Antiplona

Filed under: SciFi — Michael um 13:57

Die vierte Macht 2 - Mord auf AntiplonaAntiplona, ein Planetoid, dessen Angebote viele Vergnügungen für Durchreisende bereithalten, wirkt wie ein riesiges im All schwebendes Schmalzgebäck. Andere nennen es das Glücksrad. Es herrscht ein beständiges Kommen und Gehen. Und irgendwo in diesem Durcheinander hat sich eine Künstlerin unter dem Namen Suprema Power einen Namen gemacht.
Leutnant Iron Ferr glaubt felsenfest in der Künstlerin Suprema Power seine ehemalige Gefährtin Gal wiederzuerkennen. Ihm gelingt es, ein Treffen mit ihr zu abzumachen, aber der Funke springt nicht über. Nichts verrät, ob es tatsächlich Gal ist oder ob sie ihre Identität absichtlich verschleiert.

Derweil hat ein sehr energisch auftretender Mann ein viel größeres Problem. Jemand will ihn umbringen. Dieser Umstand ist auf Antiplona nichts wirklich Besonderes. Aber die Hartnäckigkeit beider Seiten, jene der Verfolger wie auch des Verfolgten, ist außergewöhnlich. Mitleid mit dem Mann, der sich selber Joda nennt, ist nicht vonnöten. Mit der gleichen stoischen Ruhe, mit der er verfolgt wird, hat der fremde Mann mit der undurchdringlichen Brille eine Bombe in einem Massage-Salon gelegt. Der Platscher, den er in einer seltsamen Lebensform hinlegt und die sich durch einen Schuss in eine Art überdimensionales Rührei verwandelt, ist zwar keine Strafe, so doch wenigstens eine unangenehme Nebenerscheinung seines Jobs.

Während sich ein Bandenkrieg in den verschlungenen Distrikten von Antiplona immer weiter ausweitet, erzählt Iron der Künstlerin von seiner früheren Partnerin Gal. Die Erinnerung daran spült vergangene Verlust- und Schuldgefühle nach oben. Viel Zeit bleibt Iron nicht, um zu überlegen, wie er Surpremas richtige Identität lüften kann. Vor seinen Augen kommt es zu einem Entführungsversuch. Die Halunken haben die Rechnung allerdings ohne die bemerkenswerten Fähigkeiten Surpremas gemacht. Ehe sich die Angreifer versehen, ist sie bereits auf der Flucht – geradewegs dorthin, wo schon ein anderer Verfolgter unfreiwillig gelandet ist und sich fragt, wie er von dort wieder entkommen kann.

Mit Die vierte Macht – Band 2: Mord auf Antiplona beweist Juan Gimenez seine gestalterische Stärke auf herkömmliche Art, die Arbeiten, die sich heutzutage auf den Kollegen Computer verlassen, ganz schön alt aussehen lassen. Sicherlich hat die Computerkolorierung ihre Vorzüge und kann ähnlich tolle Ergebnisse erzielen. Doch das Organische, einen halbdokumentarischen Charakter dieser Aquarell-Technik, der sich schon in alten Bildern von Reiseberichten findet, kann eine Computerkolorierung nur schwer erreichen – selbst mit Programmen, die solche Techniken nachahmen, nicht. Echte Farbe und Wasser gehen schon mal eigene Wege und schaffen so sehr augengefällige Effekte.

Eine solche Verfahrensweise gepaart mit dem Einfallsreichtum von Giminez zeigt ein Talent, dass jeden Science Fiction-Film zu einem Ereignis machen würde. – Jedenfalls ist es erstaunlich, dass Gimenez’ Arbeiten noch keinen Einfluss auf ein entsprechendes Szenario haben durften. Seine Vorstellungen von SciFi hätten eine erfrischende Wende in das Medium herbeiführen können.

Genug spekuliert und geträumt, zurück zum Medium Comic.
Es gibt detailverliebte Zeichner, und es gibt Gimenez. Er scheint von Details besessen zu sein. (Und das ist gut so!) Das betrifft nicht nur die Äußerlichkeiten eines Ortes oder eines Gegenstandes, sondern es betrifft tatsächlich auch seine Funktionalität. Wer sich nur die Eingangssequenz des vorliegenden Bandes betrachtet, wird diese Aussage bestätigen. Die einseitige Ansicht der Anflugzone von Antiplona zeigt eine kreisrunde städtische Anordnung, in der es nur durch die Rotation der Station die erforderliche Schwerkraft gibt. Wer das Raumschiff stehenden Fußes verlassen will, ist zuerst einmal auf Gravitations- oder Magnetschuhe angewiesen, die ihn an Deck halten. An einer vorgegebenen Stelle dürfen die Ankömmlinge auf die Schuhe verzichten. In vorgefertigten Klammern bleiben die Schuhe zurück. – Die funktionale Ausrichtung seiner Bilder findet sich durch eine Bilderfolge auf seiner Homepage untermauert. Dort verwandelt sich ein Koffer in einen Roboter, aus dem wieder eine Feuerwaffe wird.

Wer mag, kann mit dem Auge regelrecht auf Entdeckungstour gehen. Ansammlungen von vernunftbegabten Lebewesen (es tummeln sich ja nicht nur Menschen auf der Station), Technik innerhalb der Station, Raumschiffe und Waffen aus verschiedensten Perspektiven. Beeindruckend ist die Tarnung und spätere Auseinandersetzung eines Raumkreuzers.

Neben der grafischen Vollkommenheit versteht es Gimenez Humor in seine Geschichten einzubauen. Das können durchaus sexuelle Anspielungen sein, die total überspitzt sind. Das können Wesenheiten sein, die beinahe Anspielungen auf bekannte Figuren aus dem Star Wars-Universum sein können. Ein Vergleich zwischen Triple und Jabba ist jedenfalls naheliegend, zumal beide auch noch ein merkwürdiges Schoßtier ihr eigen nennen, das wie eine Abart eines Affen aussieht. Wer sich an dieser Stelle noch keine Gedanken dazu macht, könnte spätestens bei der Sequenz in der Kloake der Station Vergleiche ziehen.
Aber Gimenez spinnt den Faden weiter. Die Lebensformen in der Kloake, eine Form von außerirdischen Piranhas, stellt ihre Tödlichkeit auf sehr drastische Weise unter Beweis.

Humor ist nicht alles, aber eine wichtige Zutat, die Gimenez treffend einzusetzen weiß. Bei all der Komplexität seiner Erzählung bleibt natürlich auch die Spannung nicht auf der Strecke. Die Flucht, die ungefähr zur Halbzeit der Geschichte einsetzt, hat alles, was so ein Run braucht. Diese Sequenz mündet in einer derart opulenten grafischen Gestaltung, dass einem ruhig der Mund vor Staunen offen stehen darf – vor allem immer vor dem Hintergrund, dass Kollege Computer hier zurücktreten musste.

Juan Gimenez ist einfach nur ein Comic-Zeichner, sondern auch ein Künstler in bestem Sinne, der sein Talent nutzt, um Welten zu erschaffen. Seine großartige Phantasie schafft Phantastisches. Die vierte Macht ist nur die Spitze dieses Eisberges. Wer einmal sehen möchte, was Comic bedeuten kann, muss diese Geschichte lesen. Gimenez-Fans kommen an diesem Werk sowieso nicht vorbei. 😀

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Montag, 07. Mai 2007

Die vierte Macht – Supramental

Filed under: SciFi — Michael um 16:11

Die vierte Macht 1 - SupramentalEs herrscht Krieg. Die Kontrahenten, Menschen und Krommioner, bekämpfen sich schon so lange, dass die Ursache für die kriegerische Auseinandersetzung bereits vergessen ist. Doch der Konflikt steht auf des Messers Schneide, denn die Krommioner scheinen eine ultimative Waffe gefunden zu haben.
Die Kampfpilotin Exether Mega von den krommionischen Streitkräften weiß nichts von den Vorkommnissen, die auch sie bald in ihren Bann ziehen werden. Frauen, die nichts von einer Gefahr geahnt haben, werden plötzlich aus heiterem Himmel entführt. Obwohl Exether in einem Kampfflieger unterwegs ist, bedeutet dieses Luftfahrzeug keinen Schutz für sie. Die Entführer sind ihr bereits auf den Fersen.

In der Zwischenzeit bleiben die Bemühungen der Krommioner nicht unbeobachtet. Auf der Erde machen sich die Regierenden Sorgen darüber, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Krieg haben könnte.
Letztlich sind beide Führungsspitzen bereits so degeneriert, dass diese Möglichkeit, die sich durch die neue Macht bietet in keiner Weise als Weg zum Frieden gedeutet wird. Ein Untergrundsender, der die Bevölkerung über die wahren Geschehnisse in Kriegsgebieten aufmerksam macht, wird als lästiges Übel betrachtet, ohne energisch dagegen vorzugehen.

Exether bemerkt schnell, dass Jagd auf sie gemacht wird. Der Zufall will es, dass sie ein abgestürztes Fahrzeug ihrer eigenen Leute ausfindig. Der einzige Überlebende, Doktor Khen, hat seltsamerweise nicht nur seine eigene Personenplakette dabei, sondern auch noch ein Duplikat ihrer Daten. Viel Zeit bleibt Exether nicht, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, denn die Verfolger sind bereits auf ihrer beider Spur.
Die Jagd erfolgt erbarmungslos. Schließlich wird Exether gefangen. Doktor Khen bleiben nicht viele Alternativen, aber bevor es noch schlimmer werden kann, will er wenigstens noch etwas gut machen.

Der Auftakt zum ersten Band von Die vierte Macht mit dem Titel Supramental lässt eine knallharte Science Fiction Welt vor dem Auge des Lesers entstehen. Die Zeichner-Legende Juan Gimenez, die Comic-Fans mindestens durch die ebenso legendären Metabarone bekannt sein dürfte, hat hier wieder einmal ein optisches Meisterwerk vorgelegt.

Diese in drei Bänden abgeschlossene Geschichte hat Gimenez über 17 Jahre hinweg begleitet. Immer wieder hat er an ihr gearbeitet. (Aus Lesersicht kann man nur sagen: Es hätte ruhig eher fertig sein können. 🙂 ) Grafisch geht Gimenez noch den althergebrachten Weg. Es gibt keine Computerkolorierung, Farben verlaufen auch schon mal über die Ränder, nicht jeder Strich sitzt gerade. Der optische Eindruck ist organisch, sehr künstlerisch und sehr perfekt. Es besteht gar keine Frage, dass in diesem Album nicht nur viel Arbeit steckt, sondern auch ein Können, das über Jahrzehnte hinweg immer mehr verfeinert wurde.

Gimenez’ Bilder leben von einer überbordenden Technik. Waffen, Panzerfahrzeuge, Kampfjäger sind spektakulär und könnten auch der Phantasie eines Ingenieurs entsprungen sein. Es ist wunderbar anzuschauen, wie detailfreudig gearbeitet worden ist. Diese Kleinarbeit setzt sich nicht nur in der Technik fort. Selbst in der Gestaltung von Kleidung oder medizinischen Finessen, die einigen Protagonisten das Leben erleichtern sollen, findet sich Gimenez feine Ausführung. (Als Leser versteht man, wo all die Zeit geblieben ist.) Wer sich technisch mit der Optik von Filmen wie Starship Troopers anfreunden konnte, wird an der Atmosphäre von Die vierte Macht seine helle Freunde haben.

Die Geschichte ist beinharte Military-SF mit einer Spur Mystery. Die Mischung macht’s. Was als Abenteuer in einer hoch technisierten Welt beginnt, wird zu einem Finale, dessen Ausmaße an so manche Reißer erinnern, die sich mit Telekinese und anderen Gedankenkräften befassten. Im Auftakt der Geschichte können noch Parallelen zu Der ewige Krieg gezogen. Diese Welt ist ähnlich. Sie ist vom Krieg zerfressen, die Menschen kennen es schon gar nicht mehr anders. Krieg ist zur Normalität geworden, Menschen sterben eben im Kampf, das ist eben so. Gimenez fängt diese Ausgangssituation in wenigen Seiten sein. Gleichzeitig eröffnet er die Jagd auf Exether. Die Geschichte ist, wie so viele SciFi-Kriegsszenarien, absolut düster und lässt keinerlei Raum für Hoffnung. – Damit folgt Gimenez aber einem gängigem Rezept in der Science Fiction. Die Spannung ist gleich von Beginn an sehr hoch und behält diesen Wert auch bei.

Eine wahnsinnig dunkle und mitreißende Science Fiction Geschichte von einem Altmeister des Comics. Juan Gimenez gehört zur alten Garde – die leider immer weniger wird. Gut, besser, spitze!

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Nachtrag:
Unter www.juangimenez.com finden sich viele Beispiele seiner Arbeiten. Besonders interessant dabei sind die Grafiken, die sich Arbeitsschritt für Arbeitsschritt bis zum fertigen Bild aufbauen. 😀