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Comic Blog


Freitag, 06. Juli 2007

Batman – Dark Detective

Filed under: Superhelden — Michael um 19:22

Batman - Dark DetectiveAn einem zauberhaften Abend: Batman testet die Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung des Gouverneur-Kandidaten Evan Gregory. Die Polizei reagiert gewissenhaft und will den Eindringling sogar festnehmen. Es ist ein Leichtes für Batman, diesem Vorhaben zu entgehen.
Als Bruce Wayne mischt er sich unter die versammelten Gäste. Zuerst ist es das übliche Geplänkel unter den Gästen. Bruce ist bekannt wie ein bunter Hund, gibt sich freundlich und begrüßt besonders die Damen. Plötzlich gefriert seine Miene. Unter den Anwesenden hat er eine Frau entdeckt, die schmerzhafte Erinnerungen in ihm wachruft: Silver St. Cloud. Die Frau mit dem wohl klingenden Namen war einst mit Bruce zusammen. Er hatte sie sogar so sehr in sein Leben integriert, dass er ihr seine Geheimidentität anvertraute.

Für die Verwirrung der eigenen Gefühle bleibt Bruce zunächst nicht allzu viel Zeit, denn ohne Vorankündigung stört ein Psychopath die Feier: Der Joker ist da! Sein Anliegen ist so einfach wie wahnsinnig. Er möchte der nächste Gouverneur werden.
Wählt mich oder ich töte euch! – Wer kann dazu schon nein sagen? Batman greift sofort ein, um den Wahnsinnigen aufzuhalten. Leider hat der Joker seine Flucht sehr gut vorbereitet. Das ist nicht die einzige Niederlage, mit der sich Batman abfinden muss. Seine ehemalige Freundin Silver ist nun mit dem Kandidaten des Gouverneursamtes zusammen.

In die Jagd auf den Joker schaltet sich jemand ein, von dem es niemand erwartet hätte. Two-Face überbringt dem weißgesichtigen Kriminellen eine deutliche Warnung. Wie nicht anders zu erwarten, bleibt der Joker von dieser Warnung gänzlich unbeeindruckt. Noch schlimmer: Die Warnung wirkt auf den Joker wie eine Herausforderung.
Und als hätte Batman mit diesem Irren nicht schon genug zu tun, drängen sich Scarecrow und Two-Face auch noch in sein Leben. Für die neu aufkeimende Liebe zwischen ihm und Silver bleibt da nicht mehr viel Zeit.

Batman – Dark Detective holt ein klassisches Team an den Arbeitstisch zurück, das mit seiner ersten Zusammenarbeit am Mitternachtsdetektiv in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts Comic-Geschichte geschrieben hat. Steve Englehart, Autor, und Marshall Rogers erwecken mit ihrem nostalgischen Stil die gute alte Zeit zu neuem Leben.

Reduzierung auf das Wesentliche kann manchmal zutage fördern, ob der Kern einer Sache auch für sich alleine bestehen kann. In den letzten Jahren haben die Bilder in einem Comic Grafiken gezeigt, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären. Zeichner, Tuscher und Koloristen haben bombastische Bilder geschaffen, die ein ebensolches Gefühl hinterlassen wie der Blick auf ein großes Kinoerlebnis. Aber eine gewaltige Bilderflut kann nicht immer eine gute Handlung ersetzen. Der Rückschritt in Dark Detective, und man darf ihn wohl so bezeichnen, ohne es böse zu meinen, lenkt außerdem wieder mit ungeheurer Eleganz auf das zentrale Thema Batmans zurück.

Batman ist der Mann, der mit einem nach außen oberflächlichen Charakter seine wahre Mission verbirgt. Er ist innerlich zerrissen. Abseits seiner Geheimidentität sehnt er sich nach Liebe, die seine Person natürlich nur schwer bekommen kann. Auch Silver St. Cloud trennte sich einstmals von Bruce Wayne, weil sie die Ungewissheit seiner nächtlichen Ausflüge nicht mehr ertragen konnte. Wer konnte sagen, dass Batman nach einer Nacht voller Gefahren überhaupt zurückkehrt? Und wer wollte mit einem Mann zusammen sein, der tagsüber in der einen Identität arbeitet und nachts in einer anderen? So oder so ist das Zusammenleben mit Bruce-Batman schwierig. Obendrein, als Zuckerguss auf einem ungewöhnlichen Ego, kommt noch eine Kindheit, die auf das Scheußlichste zerstört wurde.

Jeder Batman-Fan weiß, dass der Joker immer wieder für Überraschungen gut ist. Eine politische Kandidatur war noch nicht dabei. Englehart nutzt die Situation für einige abstruse Verhaltensweisen bewährter Figuren aus dem Batsie-Szenario. Interessant eingeflochten ist Two-Face, der es nicht ertragen kann, dass der Joker das Amt mit seiner Kandidatur beschmutzt. In diesem Zuge, in der Entwicklung und den Rückblicken Batmans, kommen auch die dunklen Charaktere nicht zu kurz. Gerade Two-Face versucht sein Leben in den Griff zu bekommen – jedenfalls in der einzigen Weise, die ihm möglich erscheint. Er lässt einen Klon von sich anfertigen. Die Tragödie ist vorprogrammiert, doch Englehart erzählt sie so, dass die furchtbare Wendung absolut überraschend kommt.

Marshall Rogers ist wirklich ein Zeichner wirklich alter Schule. Sein Stil ist dem von Bernie Wrightson recht ähnlich. Was auf den ersten Blick altmodisch wirken mag, ist in Wahrheit aber die Fähigkeit, den rechten Strich an den rechten Ort zu setzen, denn dieser grafische Stil verzeiht keine Fehler. Dank der sparsamen Kolorierung von Chris Chuckry und der zarten Tuscheführung von Terry Austin würden Fehler auch nicht zu verbergen sein.

Blick zurück nach vorn: Der Mitternachtsdetektiv schafft den Sprung in das neue Jahrtausend mit Bravour. Endlich erlebt Bruce Wayne einmal wieder eine schöne Liebesromanze. Alte Feinde können wieder begeistern. So gut kann Batsie sein.