Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 05. Mai 2007

Batman 4

Filed under: Superhelden — Michael um 14:45

Batman 4Der Joker erhält eine einmalige Chance und nutzt sie. Er tötet Batman! – Das glaubt er wenigstens. Plötzlich zieht Batman eine Pistole und schießt!
Niemand könnte über Batmans Verhalten erstaunter sein als der Joker. (Obwohl er Batman auch schon in einer ähnlichen Verfassung erlebt hat.) Kurz darauf wird er seltsamerweise von Batman gerettet – dem echten Batman. Während Commissioner Gordon von seiner Begegnung mit dem Joker erholt und das Gift abbaut, das ihm ein schiefes Grinsen im Gesicht beschert hat, geht Batman alias Bruce Wayne seiner täglichen Beschäftigung nach.

Diese Beschäftigung hat jedoch rein gar nichts mehr mit dem Auftreten eines nichtsnutzigen Playboys zu tun, der sich die Tage und Nächte mit mehr oder weniger heiratswilligen jungen Frauen um die Ohren schlägt. Selbst Butler Alfred, der auch eine ruhige Phase zu schätzen weiß, kommt nicht umhin, ihn auf dieses doch sehr langweilige Verhalten hinzuweisen. Ob Bruce will oder nicht, er muss an seinem verruchten Image arbeiten. Was liegt näher, als der Besuch bei einer Vernissage, bei der er inmitten von luftig bekleideten Damen Stoff für die Klatschspalten liefern kann.

Allerdings wird Bruce bereits beobachtet. Jemand ist zurückgekehrt, den er lange nicht mehr gesehen hat. Diese Person hat noch jemanden mitgebracht, von dem Bruce nichts weiß. Vorab jedoch muss Bruce das tun, was Batman mitunter am besten kann: Kämpfen.

Was eben noch eine gelungene Party war, wird zu einem Schlachtfeld, auf dem sich Batman gegen einen Man-Bat behaupten muss – und noch einen, und noch einen, und noch einen. Einem Unbekannten ist es gelungen, das Man-Bat-Programm zu perfektionieren, um eine kleine Armee dieser Kreaturen zu züchten. Mit Schwertern ausgerüstet, stürzen sie sich gesammelt auf Batman, der in eine der gefährlichsten Situationen seines Lebens gerät.

Batman 4 läutet einen Zweiteiler ein, der Batman eine ziemliche Nuss zu knacken gibt. Zu einem von Batmans sehr alten Feinden zählt der mysteriöse Ra’s al Ghul. Dieser Feind, der irgendwo zwischen Mogul und Dämon angesiedelt war, hatte eine Tochter, die Bruce Wayne (oder besser dem Detectiv, wie er immer genannt wurde) sehr wohl gesonnen war. Wie es aussieht, hat während eines alten Abenteuers tatsächlich ein Abenteuer stattgefunden, eines von der romantischen Art. Obwohl dieses Abenteuer für den Leser schon länger zurückliegt, hat diese Affäre vor gar nicht langer Zeit Früchte getragen: Batman hat einen Sohn namens Damian.

Dieser von Autor Grant Morrison erdachte Sohn ist dem Verhalten nach eine ähnliche düstere Kreatur wie sein Namensvetter aus der alten Omen-Trilogie (Der vierte Teil zählt nicht.). Die Tochter von Ra’s al Ghul, Thalia, die wahrlich einiges von ihrem Vater gewöhnt ist und so manches drastische Erlebnis mitgemacht hat, kann diesen Sprössling nicht mehr bändigen. Lieber befiehlt sie einer Heerschar von mannsgroßen Fledermäusen, als weiter auf dieses kleine Biest aufzupassen.
Doch zurück zum Anfang. Aus Bruce Wayne ist Langweiler geworden. Der Tagesablauf, den Morrison hier schildert ist sehr durchgeplant und ausgefüllt, aber erfüllend ist er wohl nicht. Bruce lebt und arbeitet konzentriert – konzentriert auf seine zweite Existenz und vernachlässigt dabei total seine Tarnidentität, sofern man sie so nennen will. Immerhin ist Wayne auch der Chef eines Multimillionendollar-Unternehmens. Davon ist aber auch nichts mehr zu merken. Bruce’ wilde Zeit liegt solange zurück, dass Butler Alfred dem ehemaligen Playboy Verhaltensregeln und vorgefertigte Sätze mit auf den Weg geben muss. – Daraus hat Morrison eine sehr schöne Szene gemacht.

Zeichner Andy Kubert ist ein Comic-Talent, wie er mehrmals in größeren Publikationen unter Beweis stellen konnte. Sein Batman ist ebenso versiert, wie es seine Arbeiten in Marvels Ultimativem Universum waren oder auch im Comic-Ereignis 1602. Demzufolge ist es keine Überraschung, dass die vorliegende Batman-Ausgabe perfekte Unterhaltung aus der Welt des dunklen Ritters ist. Dank der Farbgebung von Dave Stewart entsteht eine schöne Plastizität.

Eine feine Idee ist Batmans Kampf in einer Ausstellung, in der sich viele Bilder finden, die ganz offensichtlich auf Comic-Vorlagen basieren. Im Sinne eines Roy Lichtenstein, der den Comic auf die Leinwand bannte, finden sich auch hier Grafiken, die außerdem den Kampf an der einen und anderen Stelle kommentieren.

Wer es noch ausgefallener mag, wird sich auch über die Zusammenarbeit von Batman und Riddler freuen. Der abgeschlossene Kriminalfall in der zweiten Hälfte des Bandes bildet einen guten Kontrast und hat einen eher klassischen Aufbau. – Batman ist wieder da! Sehr gut. 🙂