Mittwoch, 11. März 2026
LUCKY LUKE ist nicht immer vom Glück begünstigt. Mal befindet ersich in Lebensgefahr, mal hat es ihn schon bis nah an die Schwelle zum Tod getrieben. Mal ist er zum Glück da, wo er gebraucht wird. Mal kommt er in letzter Sekunde. Mal ist er Lehrer, Schiedsrichter und mal begegnet er tatsächlich jemandem, der ihm in Sachen Schießkunst das Wasser reichen kann. Aber leicht ist es irgendwie nie so richtig. Das ist der WILDE WESTEN, wo ein einziger Fehler den Tod bedeuten kann…
Man stelle sich vor, jemand wie LUCKY LUKE wäre eine reale Person gewesen. Ein Cowboy, im Land verwurzelt, aber nirgends richtig daheim. Immer unterwegs auf dem Bock einer Postkutsche, immer irgendwie im Niemandsland, zwischen Ansiedlungen, zwischen Ortschaften, aber auch immer irgendwie mitten im Leben, wie die Geschichten von APPOLLO (Text) und BRÜNO (Zeichner) sowie LAURENCE CROIX (Farben) zeigen.
Vorweg: LUCKY LUKE kommt in der 7. Hommage, DAKOTA 1880, erstaunlich ernst daher und ist weit entfernt von der eher lustigen Originalfassung, die zwar mit historischen Themen spielt, diese aber nicht zu sehr aufbauscht. APPOLLO und BRÜNO verfahren da völlig anders. Und sie starten mit einer Hommage in der Hommage, wenn die Postkutsche zu Beginn, mit LUCKY LUKE als Wächter obenauf, im dichten Schneestreiben in einer sehr verlassenen Gebirgsgegend eine ungeplante Begegnung hat. Mutterseelenallein in der weißen Einöde steht ein Mann und bittet um eine Mitfahrgelegenheit. Westernverliebten Lesern, die auch in anderen Medien unterwegs sind, wird das nur allzu bekannt vorkommen.
Aber das ist lediglich der Auftakt. In sieben Kapiteln, plus einem Vor- und einem Nachspiel, erzählt APPOLLO von einem WILDEN WESTEN, der seinen Bewohnern allerhand versprochen hat, wie Besitz, Glück, Freiheit und all diese erstrebenswerten Dinge, aber nur selten austeilt. Und meistens stirbt die Hoffnung irgendwann. Ein Junge namens BALDWIN, der mitansehen musste, wie der Traum seiner Großmutter, GRANDMA GUMBO, nicht erfüllt wurde, erzählt dem Leser aus LUCKY LUKES frühen Zeit, bevor MORRIS sich dieser Figur annahm.
Es sind kurze, sehr einprägsame Geschichten, in der Manier amerikanischer Kurzgeschichten, die den Leser rasch mit einbinden, starke Emotionen aufbauen und mitunter sehr aufwühlend sein können. APPOLLO gelingt das Husarenstück, diese Kunst in die Welt des Cowboys zu überführen, der schneller schießt als sein Schatten (eine Fähigkeit, die hier im Band ebenfalls thematisiert wird). Dabei lässt er auch eine dunklere, rächende Seite des COWBOYS nicht aus. (Das ist wirklich sehr düster!)
Die Ernsthaftigkeit in den Geschichten hat mich (sehr positiv) überrascht, denn es zeigt auf, was LUCKY LUKE auch hätte werden können. Und es zeigt, aus welcher Quelle die Serie ihre Ideen bezieht (bzw. bezogen hat). Und ganz ehrlich: Die Ernsthaftig der Erzählung tut dem Thema und der Figur sehr gut. In diesem Sinne dürfte es gerne einen parallelen Ableger geben, in der APPOLLO und BRÜNO ihrer Vision häufiger Futter geben dürften.
Die Zeichnungen von BRÜNO: Einfach gehalten, klare Linien, pointierte Bilder. BRÜNO schafft es, den gewollten Effekt von APPOLLO (die Geschichten lassen keine Fragen offen) zu übertragen, zu transportieren und zu stützen. Einerseits hat dieser LUCKY LUKE ein klar umrissenes Profil, andererseits bleibt genügend Leinwand für eigene, zusätzliche Interpretationen. Und teilweise mag man sich fragen: Was geht gerade hinter dieser maske vor sich? Denn dieser LUCKY LUKE ist nicht gerade ein Ausbund an optisch überbordenden Gefühlsausbrüchen (obwohl er ein durchaus freundlicher Kerl ist).
Ein Interview mit SIGISMUND FREUDENREICH, Dozent für moderne Literatur an der Abilene State University, schließt die 7. Hommage ab. Das fiktive Gespräch klärt darüber auf, inwieweit die späteren kreativen Köpfe von LUCKY LUKE vom Werk des BALDWIN CHENIER inspiriert wurden (das selbst als Grundlage der vorliegenden Hommage diente). Das ist insgesamt schön erzählt, aber letztlich, wie viele Begebenheiten aus der Originalserie selbst, ist der gesamte so genannte WILDE WESTEN mit all seinen Abenteuern und skurrilen Gestalten Inspiration für den COWBOY gewesen, der seit 80 Jahren seine Leserschaft begeistert (eine mit Fug und Recht getroffene Aussage, kaum eine Figur schafft in der Unterhaltung eine derart lange Lebensdauer!)
Die 7. Hommage weiß mit einer frischen, ganz eigenen Version von LUCKY LUKE zu überzeugen. Die Geschichten aus jener Zeit, bevor er eine WILDWEST-LEGENDE wurde, sind ernst, respektvoll vor der Figur, durchdacht, spannend, dramatisch, traurig, sogar mal düster, auch heiter, eine Reihe von tollen Kabinettstückchen von APPOLLO, auf eine träumerische Art illustriert von BRÜNO. Lesens- und sehenswert für WESTERN- und LUCKY-LUKE-FANS! (Klare Empfehlung eines Westernfans!) 🙂
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Titelbild: © 2026 Lucky Comics/Egmont Ehapa Media
LUCKY LUKE erscheint im deutschsprachigen Raum bei Egmont Ehapa Media (http://www.egmont.de/).
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Montag, 09. März 2026
An unterschiedlichen Plätzen auf der Welt, so scheint es, dreht sich die Welt unterschiedlich schnell. SIGI HASSLER, auf ihrer Reise um die Erde in PERU angekommen, staunt über das Land, die Menschen, die Hilfsbereitschaft, die Freundlichkeit. Aber das Schlechte lauert auch hinter hellen Fassaden. Diese Erfahrung, nicht die erste dieser Art, macht sie einmal mehr, als sie und ihr Team ein Hilfsangebot eines reichen Ranchers annehmen. Rasch ändert sich die Haltung des Hazienderos und eine Nacht wird zum Alptraum. Daheim, buchstäblich einmal um den Globus, hat SIGIS Freundin HANNA ganz andere Probleme, obwohl diese ebenfalls mit einem Mann zu tun haben und ebenso lebensbedrohlich sind…
SIGI HASSLER und ihre Begleiter haben den nordamerikanischen Kontinent verlassen und ihren Weg nach SÜDMAERIKA fortgesetzt. In PERU, in jenen Tagen, der Zweite Weltkrieg ist noch nicht ausgebrochen, sind auf Gebirgsstrecken Werkstätten für Automobile Mangelware. Und Ersatzteile für jeden erdenklichen Zweck lassen sich ebenfalls nicht mittransportieren. So sitzt man erst einmal fest und die findige Gruppe macht sich daran, das entsprechend benötigte Material selbst anzufertigen.
ERIK ARNOUX zeigt dem Leser, neben aller Dramatik und historischem Kolorit, eine Epoche, die gegenüber heute vergleichsweise von einer spartanischen Technisierung ist und eine Reise um die Welt in einem Auto ein sehr mutiges Unterfangen darstellte. Und dann auch noch, wie es propagiert worden ist, von einer Frau, die dieses Automobil steuert. In diesem Rückblick in Form einer sehr fein gestalteten Graphic Novel werden viele Schwierigkeiten jener Tage deutlich, viele Herausforderungen, die gemeistert werden müssen und zahlreiche Abgründe, derer sich die Menschen jener Zeit ausgesetzt sahen und die teilweise immer noch nicht ausgemerzt sind. Und ERIK ARNOUX spielt mit den schier unerschöpflichen Facetten dieser Welt und ihrer Geschichte.
Nun sind diese Facetten oft von der eher dunklen Seite. Erschüttert muss SIGI HASSLER feststellen, dass in PERU japanische Auswanderer auf den Baumwollfeldern ausgebeutet werden. Die Missstände im eigenen Land, DEUTSCHLAND, übersieht sie getrost, obwohl ihre gute Freundin HANNA vom aggressiven Antisemitismus jener Tage bedroht ist und alles daran setzen muss, um nicht einfach von der Bildfläche zu verschwinden und ihre Cousine zu schützen. So stellt ERIK ARNOUX zwei verschiedene Lebenswege einander gegenüber. Da wird Reise von SIGI HASSLER, so gefährlich sie sein mag, zu einer Art Luxustour, die mit dem wirklichen Leben nicht viel gemein hat.
DAVID MORANCHO, verantwortlich für Zeichnungen und Kolorierung, öffnet dem Leser diese Zeit (wir nähern uns langsam dem Zeitpunkt, da diese Vergangenheit einhundert Jahre zurückliegt) sehr lebendig und anschaulich. Der Leser wird mit einem Schnappschuss aus MACHU PICCHU empfangen, der letztlich nur eine Zwischenstation SIGIS gewesen ist. Grüne menschenleere Weiten, kleine Ansiedlungen, steile Gebirgswege, wo Fahrzeuge einfach nicht das beste Mittel zur Fortbewegung ist und das Pferd immer noch die bessere Alternative. Das ist ein Stück romantisiert, nur um wenig später mit dem gleichen Realitätseifer und einer hohen grafischen Qualität die Kehrseite der Medaille vorzuführen.
Und dabei handelt es sich nur um Eindrücke, die nur in Teilen die Handlung voranbringen und SIGI HASSLER in ihrer Aktion beeinflussen. Die Strecke, von der SIGI gar nichts weiß, dem nämlich, was in BERLIN geschieht, lässt für die Zukunft erahnen, was der Reisenden dort noch bevorstehen wird. DAVID MORANCHO arbeitet mit sehr feinen Outlines und äußerst sanftfarbigen Kolorierungen. So ergibt sich der Eindruck (dafür steht das Titelbild sogar exemplarisch) alter Fotografien oder sogar nachkolorierter Schwarzweißaufnahmen auf der einen Seite, auf der anderen Seite könnten es Zeichnungen sein, die der Künstler vor Ort aquareliert hat.
Augen sagen mehr als tausend Worte. Wer die Zeichnungen von DAVID MORANCHO betrachtet, kann diese Aussage bestimmt unterschrieben. Viele Gefühle lassen sich anhand SIGI HASSLERS Augenpartie ablesen, das zeugt von den Fertigkeiten des Illustratoren und stärkt die sehr filmisch geprägte Umsetzung der Geschichte. Nah an die Charaktere heran, zeigen, wie sie sich fühlen, was sie empfinden. Das reißt einen ohne weitere Erläuterungen mit.
TERRA INCA, die zweite Episode von SIGI, weiß mit ihrer abenteuerlichen dramatischen Geschichte weiterhin zu überzeugen. ERIK ARNOUX erzählt ein sehr ernstes Szenario, in dem einigen Charakteren ein schlimmes Schicksal widerfährt, während und abseits der fulminanten Reise um den Erdball. Dank perfekter Illustrationen von DAVID MORANCHO wird der Leser sehr nah ans Geschehen herangeholt. Die Atmosphäre stimmt auf jeder Seite, ein weiterer Subtext, der den Leser packt. Das sind am Ende Bestandteile des Fundaments, auf dem die Handlung vonstatten geht und einen echten Pageturner kreiert. Für alle Fans von historischen Thrillern und Abenteuern aus den Anfangstagen des 20. Jahrhunderts. Klasse! 🙂
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Montag, 02. März 2026
Man stelle sich vor: Eben noch im Jahr 2026 gelebt, dann schlägt man die Augen auf und zwei wildfremde Frauen schauen einen besorgt an. Darüber hinaus, ein nicht ganz unherblicher Umstand, steht plötzlich der Monat Oktober und das Jahr 1959 auf dem Kalender und die ganzen schönen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts sind passé! TABATHA SANDS soll nun eine Bibliothekarin sein. So behaupten es jedenfalls ihre beiden Mitbewohnerinnen GWENDOLINE FORD und ERIKA GRONBERG. Für TABATHA, eine dreißig Jahre alte und gleichzeitig junge Frau bricht eine Welt zusammen. Denn alles um sie herum ist viel zu echt, um eine Einbildung zu sein. Und je mehr sie sich in diesem NEW YORK im 50er-Jahre-Look umsieht, umso mehr verfestigt sich der Eindruck. Aber wie kam sie hierher? Gehört sie vielleicht hierher und bildet sich ihre Vergangenheit in der Zukunft nur ein? Sehr bald schon hat sie ganz andere Probleme!
LEWIS TRONDHEIM (Autor), FRANCK BIANCARELLI (Zeichner) und JÉRÔME MAFFRE (Farben) nehmen den Leser mit auf eine Zeitreise an der Seite eines Menschen, genauer einer Frau (das ist wichtig und in diesem Zusammenhang ein ziemlicher Unterschied), die von den Segnungen (ein paar gibt es da schon) des 21. Jahrhunderts verwöhnt ist und nun einige Erfahrungen machen wird, die zum Teil verwirrend sind. Von der angenehmeren Sorte ist das Betanken eines Automobils durch eine Tankwärtin mit einer gleichzeitigen Scheibenwäsche durch eine zweite Bedienstete an der Tankstelle. Von einer düsteren Sorte ist das Verhalten eines Showbusiness-Agenten, der seiner Klientel droht, man lande im Hudson (ein Fluss bei und in New York), mit Betonsocken an den Füßen, falls man nicht spure.
Es ist ein augenzwinkerndes Zeitreiseabenteuer, das LEWIS TRONDHEIM dem Fan von nostalgisch anmutenden Szenarien gönnt. Außerdem, um die Hommage an jene Epoche und ihre locker flockigen Geschichten zu unterstreichen, sieht die Hauptfigur TABATHA SANDS einer AUDREY HEPBURN in ihren jungen Jahren sehr, sehr ähnlich. Das ist alles in allem, dies vorweg genommen, eine Art cosy-crime-Abenteuer, dem eine Spur Mystery und einige Ost-West-Agenten beigemischt wurden. Hinzu kommt eine deutliche Verneigung vor einer Zeit, in der nicht alles besser, aber in Teilen einfacher und überschaubarer war.
Beispielhaft für diese Aussage sind die Namensvorschläge für eine Agentur, die Schauspielerinnen und Schauspieler vertreten soll. TABATHA arbeitet sich hierbei an einigen Begriffen der Gegenwart ab und wählt exemplarisch doch nur einen winzigen Teil von Social Media und Popkultur des jungen 21. Jahrhunderts. Aber die Popkultur hat auch längst die 1950er Jahre erfasst und das bringt uns zur GREEN WITCH! Das Viertel GREENWICH VILLAGE in NEW YORK möchte etwas aus sich machen. Diverse Leute, Händler haben sich zusammengetan, um die Werdetrommel zu rühren. Als kleines Wortspiel haben sich kreative Köpfe die GREEN WITCH ausgedacht, eine Figur, die die Aufmerksamkeit auf das Viertel lenken soll. In einer Stadt, in der prinzipiell alles um Aufmerksamkeit buhlt, ist das ein hehrer Vorsatz. TABATHA SANDS avanciert durch ihre zufällige Anwesenheit während eines Castings zu dieser Werbefigur.
NEW YORK im Herbst 1959. Das spielt natürlich eine große Rolle. Zuerst einmal stellt TABATHA SANDS eines klar: Bloß, weil es die 1950er Jahre sind, hat nicht jeder automatisch das Geld, sich entsprechend zu kleiden oder zu motorisieren. Hier wird noch 1940er-Jahre-Mode aufgetragen und es fahren noch eine Menge Autos aus der gleichen Dekade oder sogar aus den 1930ern auf den Straßen. Das Lebensgefühl ist anders. In der U-Bahn unterhalten sich Menschen miteinander (und glotzen nicht auf ihr Smartphone), überhaupt ist echte Kommunikation das Zauberwort. Das trifft auch auf Agenten zu.
Und hier schlagen wir den Bogen zur Arbeit von Zeichner FRANCK BIANCARELLI (und natürlich auch zu dem für die Kolorierung zuständigen JÉRÔME MAFFRE): Das Titelbild verrät neben den drei Frauen auch zwei weitere Protagonisten, nämlich Agent TAYLOR, von der CIA (ja, eben der) und Agent IWANOW, vom KGB (ja, auch genau der). Ersteren gestaltet FRANCK BIANCARELLI wie eine junge Version von ERNEST HEMINGWAY (mit Vollbart), letzterer könnte optisch an einen jungen GARY COOPER angelehnt sein. Bei aller Nostalgie schafft es die feine Strichführung von FRANCK BIANCARELLI zudem noch einen gehörigen Hauch Romantik zu transportieren, die Koloration von JÉRÔME MAFFRE sorgt für den herbstlichen Rest, wenn Lila, Blau, Gelb und Goldorange sich treffen.
GREEN WITCH VILLAGE entführt in jene Zeit und in jene besondere Form, Geschichten zu erzählen, als Stars wie DORIS DAY und ROCK HUDSON die Leinwände romantisierten. LEWIS TRONDHEIM scheint sich an jene Tage erinnert zu haben, als die Waage mehr zur Comedy und Drama ausschlug und Action nicht das beherrschende Element war. Hier lässt sich mit Fug und Recht von einer liebevollen Erzählung sprechen, einer ebensolchen grafischen Umsetzung von FRANCK BIANCARELLI und JÉRÔME MAFFRE. Das Trio liefert hier einen Wohlfühl-Comedy-Mystery-Thriller ab! Sehr gelungen und einfach schön! 🙂
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Donnerstag, 26. Februar 2026
Menschen mit Kräften. Nicht jeder schnappt sich einen bunten Fummel und schwingt sich danach durch Häuserschluchten und jagt das Böse in den Straßen der Stadt. Anonym zu bleiben, selbst im zivilen Look, gelingt trotzdem nicht jedem. Oder jeder. JESSICA JONES hat ihre Position als Privatdetektivin akzeptiert und lebt in gewisser Weise so vor sich hin. Ohne wirkliches Ziel und doch nicht ohne Aufsehen zu erregen. Da wird schon mal ein Auftrag beinahe vermasselt, da geht ein Video viral, das sie zeigt, wie sie einen Mann über einen Sandstrand in Mexiko schleudert. Da wird ein Typ in einer Bar abgeschleppt, nur um später festzustellen, dass dieser Typ ebenfalls Kräfte besitzt. Aber dann… jagt ihr ein Unbekannter ein Messer in die Milz. JESSICA JONES ist schwer verletzt, und ihre Selbstheilungskräfte werden auf eine harte Probe gestellt.
Vorab: Die dritte Staffel ist die beste der Serie. Hier stimmt vieles, ganz besonders das Storytelling und das Zusammenführen der einzelnen Handlungsstränge ist extrem gelungen. Aber: Um das alles so richtig genießen zu können, ist die Vorkenntnis der beiden vorangegangenen Staffeln einfach Pflicht.
Ein paar Akteure: JESSICA JONES, junge Frau mit besonderen Kräften, extrastark, Selbstheilung beschleunigt. Ihr werden Grenzen aufgezeigt. Sie könnte Stahl durchschlagen, wenn die Knochen in den Händen mitspielen würden. Arbeitet als Privatdetektivin. TRISH (PATSY) WALKER, ehemaliger Kinderstar, will eine Superheldin sein, wagt ein lebensgefährliches Experiment. Mit Erfolg: Gesteigerte Athletik, verbesserte Sehfähigkeit in der Dunkelheit. MALCOLM DUCASSE, einst von JESSICA JONES gerettet, nun als Ermittler im Dienst der Rechtsanwaltskanzlei von JERYN HOGARTH. Sieht seine einstigen Ideale zunehmend schwinden. JERYN HOGARTH, eine der besten Anwältinnen in New York, skrupellos, privat wie auch beruflich, schwer erkrankt. DOROTHY WALKER, Mutter von TRISH, extrem ergeizig, machte die Tochter zum Kinderstar PATSY. ERIK GELDEN, kann das Böse spüren, je schlimmer es in einem Menschen gärt, desto stärker sind ERIKS daraus resultierende Schmerzen; ein menschlicher Detektor für das Böse. Und zum Schluss: GREGORY SALLINGER, Serienmörder, in höchstem Maße intelligent, geleitet von einem sehr kranken Fairnessbegriff.
Alle Akteure sind auf dem Schachbrett versammelt und setzen sich in Bewegung. Neben einer stark gezeigten Detektivarbeit, einer sehr sparsam gezeigten Superheldenaktion, wird auch die Schattenseite des amerikanischen Traums beleuchtet. Wo einige Erfolg haben, bleiben andere auf der Strecke. Und selbst wer Erfolg hat, muss auf die eine oder andere Weise dafür bezahlen. Das Verhältnis von Mutter und Tochter WALKER führt zu einem zeitweiligen mehr oder minder tiefen Zerwürfnis. JERYN HOGARTH muss sich ihrer Einsamkeit stellen und den Preis für ihre lebenslange Rücksichtslosigkeit erkennen.
Morde! Richtige Morde machen JESSICA JONES zu schaffen und schließlich auch ihrer Adoptivschwester TRISH WALKER. Immer höher schaukelt sich die Anspannung auf. In der Popkultur hat sich in manchen Veröffentlichungen die These eingeschlichen, dass gute Menschen, um das Richtige zu tun, zuweilen böse handeln. Das ist eine Idee, die hier verhandelt wird. Die andere: Körperliche Macht kann oft nicht die Probleme auf die Art lösen, die von der Allgemeinheit als gerecht empfunden wird. Das alles, und noch einige Ideen mehr, werden in der dritten Staffel sehr dicht beschrieben, auch der Umstand, dass das eigene Tun, eine Form der Selbstgerechtigkeit zu einer Sucht heranwachsen kann, die keinen Kompromiss mehr zulässt.
Hier wurde keine Minute verschwendet. Ein netter Trick zeigt auch noch jene Szenen, die in einer Folge übergangen wurden und dem Zuschauer später präsentiert werden, so dass sich ein regelrechtes Puzzle zusammenfügt und sich schlagartig ein noch breiteres ausführlicheres Bild einstellt. Eine JESSICA JONES, die mit ihren eigenen Dämonen kämpft und die in TRISH WALKER entdecken kann, was aus ihr hätte werden können (und eigentlich jederzeit aus ihr werden kann).
Ein, zwei Hommage-Eindrücke konnten die Macher sich nicht verkneifen. In den Original-Comics ist TRISH (PATSY) WALKER als HELLCAT in einem knallengen gelben Dress unterwegs. Auch TRISH, auf der Suche nach einem Kostüm, probiert in einem Kostümverleih ein ebensolches Dress an und stellt für sich fest, dass dieses ein absolutes No-Go ist. Im verlauf bedroht sie einmal die Anwältin JERYN HOGARTH, gespielt vom MATRIX-Star CARRIE-ANNE MOSS. Der dort gezeigt Move erinnert doch sehr eindeutig an die (bei Fans) altbekannte MATRIX-Action.
Was noch? Spannend, extrem spannend, sofern man eine dichte Charaktererzählung gemischt mit Detektivarbeit, Krimi, Thriller, mitfühlenden Passagen und auch düstere Geschichten mag. Und natürlich Stories über Menschen mit besonderen Fähigkeiten. (Ohne Cape und Spandexklamotten.) 🙂
Streambar auf Disney+.
Freitag, 20. Februar 2026
KILGRAVE ist tot. JESSICA JONES hat es zu Ende gebracht. Aber das Leben geht weiter. Wie immer. JESSICA muss sich mit der vollbrachten Tat arrangieren, denn wie einer es auch drehen oder wenden mag, sie hat Richter und Henker in einer Person gespielt und KILGRAVE ermordet. Wichtige Fragen wurden darüber hinaus nicht geklärt. Wie konnte KILGRAVE entstehen? Wer hat JESSICA JONES‘ Kräfte zu verantworten? Plötzlich ergeben sich neue Hinweise. Und JESSICA wird gezwungen, diesen nachzugehen, weil mehr und mehr die Familie im Spiel ist. Ihre zweite ebenso wie die erste.
Wir erinnern uns. Bei einem Autounfall verlor JESSICA JONES ihre beiden Eltern und ihren kleinen Bruder. Seit dieser Zeit wähnt sie sich für diesen Unfall verantwortlich. Sie trinkt nach wie vor über die Maßen, ist einigermaßen beziehungslos, freudlos, und unternimmt nur eben so viel, wie es braucht, um genügend Geld zu verdienen.
An diesem Punkt ihres Lebens, als das Joch von KILGRAVE nun abgeschüttelt scheint, finden Veränderungen statt. Eine treibende Kraft ist TRISH (PATSY) WALKER, die den Zustand, kräftelos zu sein, in ihrem Sinne hilflos, nicht mehr ertragen kann. Die Entstehungsgeschichte ihrer Adoptivschwester JESSICA lässt in ihr eine Idee keimen.
Entstehungsgeschichte? Wir erinnern uns an etwas anderes. Helden kommen nicht einfach so über Nacht. Sie entstehen. Die X-MEN sind KINDER DES ATOMS, sie werden infolge äußerer Einflüsse mit Kräften geboren, weil ihr Genom nach den Abwürfen der Atombomben und der freigesetzten Strahlung Anpassungen vorgenommen hat. Freundlich formuliert. Und nicht immer zum Besseren. Oder Helden entstehen durch Forschung und Experimente. Prominent hierbei natürlich STEVE ROGERS alias CAPTAIN AMERICA. Oder sie entstehen durch einen Unfall. Prominent hierbei selbstverständlich BRUCE BANNER alias HULK oder PETER PARKER alias SPIDER-MAN.
Nun also JESSICA JONES. Ohne Familie im Hintergrund war sie das perfekte Versuchsobjekt. Zwei Wochen war sie verschwunden. Anschließend waren ihre Körperkräfte enorm gesteigert, ihre Selbstheilung leistungsfähiger, schneller. Ein Wissenschaftler kommt ins Spiel. Gespielt vom ehemaligen Zylonendarsteller CALLUM KEITH RENNIE präsentiert sich ein Mann, DR. KARL MALUS, der bloß helfen will und doch Unheil anrichtet. JESSICA hat nicht um ihre Kräfte gebeten, ihre Mutter noch weniger. Jawohl, entgegen aller Erwartungen JESSICAS ist ihre Mutter noch unter den Lebenden und ihre Kräfte sind ungleich größer als die ihre Tochter. Leider hat sie ein ähnliches Wutproblem wie der HULK.
Und damit wird es zu JESSICAS Problem. Denn, wenn die eigene Mutter am Ende der Feind ist, wie soll mit dieser Situation umgegangen werden? Diese Fragestellung dreht sich etwas im Kreis und wird sehr erschöpfend erörtert, weshalb, um diesen Kreislauf zu durchbrechen, DAVID TENNANT als KILGRAVE einen Gastauftritt hat. In JESSICAS Geist sind noch einige Reste des Psychopathen abgespeichert, ein Rest-Ich, das wie ein Teufelchen auf ihrer Schulter sitzt (im übertragenen Sinne, versteht sich) und versucht, entsprechende Ratschläge und Anweisungen zu erteilen.
In der Zwischenzeit kommt TRISH WALKER ihrem Ziel näher. Dank DR. KARL MALUS. Schauen wir auf die Comics, wo TRISH (PATSY) WALKER eines Tages zur Heldin HELLCAT wird. Dies wird übernommen und so wird dem Zuschauer eine weitere Entstehungsgeschichte in der Serie gezeigt, eindringlich, aber nicht ganz im Fokus. Und sie ist auch nicht sehr nah an der Comic-Vorlage. Aber letztlich ist TRISH WALKER wichtig, weil ihre Einstellung zum Heldendasein, ihr moralischer Kompass sehr gegensätzlich zu den Richtschnüren einer JESSICA JONES sind. Hier ist eine Konfrontation vorprogrammiert.
Fazit: Interessant, spannend, aber durchaus wieder etwas zu lang (womöglich ein, zwei Folgen). Es geht kürzer, kompakter (DAREDEVIL BORN AGAIN hat es vorgemacht). Aber nach wie vor dank einer sehr feinen Charakterzeichnung wegweisend für MARVEL-Verfilmungen! 🙂
Streambar auf Disney+.
Sonntag, 15. Februar 2026
Straßennamen. Von früher. Aus der Kindheit. Das Aufzählen der Straßennamen soll helfen, das Trauma zu bewältigen. JESSICA JONES nutzt das Therapieinstrument, aber sie hasst es. Und sie glaubt nicht wirklich an dessen Wirkung. JESSICA JONES war einer fremden Gedankenkontrolle unterworfen. Obwohl sie über gesteigerte Körperkräfte und eine deutlich schnellere Selbstheilung verfügt, war sie dem Individuum, das unter dem Namen KILGRAVE agiert, hilflos ausgesetzt. Bis zum Tag ihrer Befreiung. An den sie sich voller Schuldgefühle erinnert. Denn an diesem Tag tötete sie einen Menschen.
JESSIA JONAS wiederentdeckt! Nachdem der MARVEL-Charakter in der 2. Staffel von DAREDEVIL DORN AGAIN zurückkehrt, lohnt sich ein Blick auf diese ungewöhnliche Figur im MARVEL CINEMATIC UNIVERSE, MCU. Grantig, aggro, selbstzerstörerisch, lässt keinen an sich ran, säuft wie ein Loch, frech, arbeitet als Privatdetektivin, nennt ihre Agentur ALIAS INVESTIGATION. Ihre Fälle: Ehebruch, Treuebruch. Mal von Männern, mal von Frauen angeheuert. Das Bild von Beziehungen, das sich ihr bietet, hilft auch nicht dabei, sich selbst auf eine solche einzulassen. Einzige Freundin: Ein junge Frau, TRISH WALKER (ehemals PATSY), die sie bereits aus Mädchentagen her kennt und irgendwie ihre Schwester geworden ist.
Doch dann ist da dieser Mann: LUKE CAGE. Barkeeper. Arbeitet viel des nachts. Verwitwet. Und JESSICA JONES gar nicht so unähnlich. Verbittert. Auch nicht an einer festen Beziehung interessiert. Und mit Kräften ausgestattet. Einer unzerstörbaren Haut. Gesteigerte Körperkraft. Was LUKE CAGE nicht weiß: JESSICA JONES hat seine Frau umgebracht, als sie unter der Kontrolle von KILGRAVE stand.
Da ist Drama vorprogrammiert, vor allem, wenn der Gegenspieler auftritt: KILGRAVE. Absoluter Narzist. Egoist, gänzlich ohne jedes Gewissen. Enorm mächtig, kann jedem seinen Willen aufzwingen. Das genügt schon. Wenn so jemand darüber hinaus eine ziemlich abartige Fantasie entwickelt, entstehen Situationen, die wahrscheinlich jeden MARVEL-Fan verblüffen (und der kennt ja nun wirklich einiges).
Das Schicksal nimmt seinen Lauf, JESSICA will KILGRAVE entkommen, doch der schleicht sich wieder in ihr Leben, bis es ihm sogar gelingt, es erneut zu dominieren. Die verhinderte HELDIN bemüht sich, zusammen mit ihren Freunden (darunter fällt eigentlich auch die enorm erfolgsfixierte Rechtsanwältin JERI HOGARTH, die ihre gleichaltrige Ehefrau WENDY zugunsten eines weitaus jüngeren flotten Fegers, PAM, verlassen will), den Psychopathen in eine Falle zu locken. Was schwierig ist, bei einem Menschen, der sich mit Worten verteidigen kann. Am Ende, das lässt sich nicht anders sagen, gibt es eine paar Splattereffekte.
Die Story könnte etwas kürzer sein, vielleicht ein, zwei Folgen und trotzdem hätte alles erzählt werden können. Insgesamt aber ist die ständige Bedrohung in der ersten Staffel spürbar und sehr, sehr gut umgesetzt. Darüber hinaus ist die Besetzung verdammt gut gelungen. KRYSTEN RITTER als JESSICA JONES, grandios abweisend. DAVID TENNANT als KILGRAVE, exzellent fies. CARRIE-ANNE MOSS als JERI HOGARTH, furchtbar kühl. REBECCA DE MORNAY als DOROTHY WALKER, so was von überspannt ehrgeizig. Und noch einige mehr.
Fazit: Von einer ziemlichen Anzahl von MARVEL-Serien ist die erste Staffel von JESSICA JONES ein echtes Highlight, weil hier der Schwerpunkt auf menschlicher Entwicklung liegt. Und das braucht es als Basis für eine vernünftige Superheldenumsetzung (erst recht, da JESSICA JONES keine Superheldin sein will). Sehenswert als Drama und als MARVEL-Verfilmung! 🙂
Nachtrag: Vielleicht findet noch jemand die erste Staffel auf DVD. Ansonsten ist die ehemalige Netflix-Produktion nun bei DISNEY+ streambar.
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Sonntag, 25. Januar 2026
Ein Mann im Fledermauskostüm schwingt über die Straßenschluchten GOTHAMS hinweg. In einer Gasse überfallen vier Ganoven ein Ehepaar. BATMAN ist zur Stelle. Jemand schreibt Drohbriefe. BATMAN ist zur Stelle. Ein Gangster mit Schrotflinte bedroht das Besitzerpaar eines Lebensmittelladens. BATMAN ist zur Stelle. Bis er eines Tages dann doch nicht rechtzeitig zur Stelle ist. BATMAN ist eben nur ein Mensch…
Wenn eine Geschichte die Kategorie GRAPHIC NOVEL verdient, dann ist es ganz bestimmt die BATMAN-Geschichte KRIEG DEM VERBRECHEN von PAUL DINI (Autor) und ALEX ROSS (Illustrator). Wobei letzterem die größere Ehre für die Entstehung dieses grafischen Meisterwerks zufällt. ALEX ROSS ist ein amerikanischer Künstler, dessen Werke auf dem Gebiet der Comics dem eingefleischten Fan sattsam bekannt sind. Er hat für DC sowie MARVEL irrsinnig tolle Bilder geschaffen. Sein Markenzeichen ist die Gestaltung echter Menschen in Superheldenkostümen. So könnte man es umschreiben. Man stelle sich vor, in den 1950er Jahren wäre es jemandem eingefallen, sich als Batman zu verkleiden, vielleicht auch noch in den 1960ern (aber nicht derart übertrieben wie seinerzeit ADAM WEST), dann würde höchstwahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis wie in den Superheldeninkarnationen von ALEX ROSS dabei herauskommen. Jemand, der Vergleiche optischer mag, findet ein sehr gutes Beispiel in CLARK BARTRAM in dem BATMAN-FANFILM von SANDY COLLORA, DEAD END (Unbedingt empfehlenswert! Gut über das Internet zu finden.).
PAUL DINI lässt BATMAN aus seiner Sicht erzählen. Keine Sprechblasen, es gibt wenig, auf vielen Seiten gar keine der üblichen Aufteilungen in Kästen. Manchmal gehen die Grafiken, wenn sie auf einer Seite mehrere Szenen oder Ansichten umfassen, collagenartig ineinander über. Wenig Text wird ausgeschrieben, vieles ist Subtext, den der Leser in den Bilder von ALEX ROSS erfahren darf. Keine Bange, das ist alles sehr gut ablesbar. ALEX ROSS ist ein Meister der Inszenierung sowie technisch wahnsinnig versiert, wenn es darum geht mit Bildern eine Aussage zu treffen oder den Gefühlszustand einer Figur zu übermitteln.
Worum geht’s? KRIEG DEM VERBRECHEN sagt schon viel zum Thema aus. Es ist eine kleinere Geschichte, ohne den mittlerweile erwartbaren Bombast. BATMAN bekämpft das Verbrechen, keine Superschurken. Damit fing auch einmal alles für BATMAN an. Die eigene Leidensgeschichte, der Tod der Eltern, verursacht durch einen Straßenräuber, setzt sich hier fort. Lebensmittelläden werden überfallen, Frauen entführt, Menschen getötet. Der alltägliche Wahnsninn auf GOTHAMS Straßen. BATMAN kann eine Schlacht gewinnen, noch eine und noch eine. Doch PAUL DINI gibt dem maskierten Detektiven nicht das Gefühl, er könne am Ende auch den Krieg gewinnen. Vor allem nicht, da in diesen Krieg auch Kinder involviert sind und traumatisiert werden. So wie der junge BRUCE WAYNE einst.
ALEX ROSS malt photorealistisch mittels GOUACHE. Das sind beeindruckende Darstellungen von Licht und Schatten (bei BATMAN-Szenarien fast schon ein Muss) und feinen Farbgebungen. Bei all dem erlaubt es der Meister dem Leser auch, die Farbgebung genauer unter die Lupe zu nehmen, wie er denn zu den gesehenen Ergebnissen kommt (wer es noch genauer mag, kann das zudem in diversen Youtube-Videos anschauen). Und es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Die BATMAN-Maske zum Beispiel erlaubt seinem Träger, weitaus mehr Emotionen als gewöhnlich zu zeigen, passt sie sich doch seinem Mienenspiel an, so dass nicht nur die untere Gesichtshälfte Ausdrücke mitteilt.
ALEX ROSS zeigt aber nicht nur die nächtliche Seite GOTHAMS. An der Seite von BRUCE WAYNE gibt es einen Ausflug in die Hochfinanz, viel heller, doch unter dem Strich ist es nicht weniger verbrecherisch. PAUL DINI nutzt dieses Ambiente, um zu zeigen, dass ganz gleich welche Seite BRUCE WAYNE wählt, die des finanzstarken PLAYBOYS oder des DUNKLEN RITTERS, er immer mit dem Verbrechen zu tun hat. Ausruhen gibt es für diesen Charakter nicht. Aber vielleicht ein wenig Hoffnung.
Ja, es ist am Ende nicht ganz hoffnungslos für BATMAN, schwierig bleibt es auf jeden Fall. PAUL DINI ist in seiner Erzählung über den DUNKLEN RITTER um Realismus bemüht, ganz so wie es ALEX ROSS mit seinen Illustrationen ist. Das steht einem SUPERHELDEN ohne Superkräfte sehr gut zu Gesicht. Wie verlustreich und mühselig ein solches Leben sein kann, verrät ein Blick auf den bloßen Rücken des Helden, der ein einziges Narbenfeld ist. Geniale Bilder, schlicht und eindringlich erzählt, ganz bestimmt eine der berührendsten Darstellungen aus dem Leben des Fledermausmanns. Top!!! 🙂
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Sonntag, 18. Januar 2026
Der JOKER ist tot, aber nicht vergessen. Eine Bande, als Clowns verkleidet, die Gesichter weiß geschminkt, Buttons mit dem Konterfei des Jokers auf den Jacken und den Basecaps, treibt ihr Unwesen, stiftet Chaos. BATMAN ist als maskierter Rächer immer noch in GOTHAM unterwegs und greift ein. Doch so gut er (meistens) seinen Job erledigt, kann er doch nicht an allen Orten gleichzeitig sein. So kann er nicht verhindern, dass auch HARVEY DENT auf offener Straße überfallen wird. Der will sich nicht unterkriegen lassen und den potentiellen Ganoven seine Wertsachen überlassen. Kühl und fast schon versiert, schlägt er die Gauner in die Flucht…
Als es damals, so zwischen 1987 und 1988 hieß, TIM BURTON werde einen BATMAN-Film inszenieren, stand die Fan-Welt eine ganze Weile Kopf. Niemand hatte einen MICHAEL KEATON als BRUCE WAYNE auf dem Schirm, ein JACK NICHOLSON als JOKER war schwer zu verdauen. 1989 änderte sich dieses Bild, denn was TIM BURTON auf die Leinwand brachte, war Comic pur, sein BATMAN wurde richtungsweisend, das BATMOBIL ikonisch und die Version von GOTHAM CITY war eine irre düstere Version jener Stadt, in der ein VIGILANT dafür sorgt, die Verbrechensquote auf seine Weise zu senken. Es gab eine Fortsetzung, in BATMANS RÜCKKEHR, leider war nach dem Auftauchen von PINGUIN und CATWOMAN mit TIM BURTON Feierabend (nicht so ganz für MICHAEL KEATON).
Aber der Comic ist ein Medium, das ebenfalls für Fortsetzungen bekannt ist. Wenn ein Film oder eine Serie Schluss machen, kann der Comic ein Thema oder eine Interpretation aufgreifen und fortführen, wie z.B. BUFFY. BATMAN ’89 ist weitere eine Fortsetzung und, das sei vorweg gesagt, eine überaus gelungene. Denn sie holt ein (gezeichnetes) Gesicht ins BATMAN-UNIVERSUM des TIM BURTON zurück: BILLY DEE WILLIAMS als HARVEY DENT. Zumindest in der Comic-Umsetzung erfüllt sich das gesteckte damalige Ziel, den Schauspieler in der Maske des TWO-FACE in Erscheinung treten zu lassen.
Und das ist beileibe nicht alles. CATWOMAN lässt sich wieder blicken. Wer den zweiten BATMAN-FILM mit MICHAEL KEATON gesehen hat, hätte es sich denken können. Aber BATMAN bleibt nicht allein auf weiter Flur, denn ein SIDEKICK kündigt sich an. Einiges läuft hier anders als in den übrigen Verfilmungen, ebenso in den Comics selbst (wo der Leser durchaus vor lauter SIDEKICKS den Überblick verlieren kann).
Autor SAM HAMM greift die Atmosphäre der beiden Vorlagen mit Feingefühl und Tiefgang auf. TIM BURTON kreierte COMIC auf der Leinwand, aber seine Charaktere waren echt, packend, echte Schicksale. Was nicht zuletzt den Darstellungen von MICHAEL KEATON und JACK NICHOLSON geschuldet war. Nun also ist HARVEY DENT an der Reihe seine Platz in der BATMAN-HISTORIE einzunehmen. Der Staatsanwalt hadert mit seinem Leben. Beizeiten stellt sich die Frage nach den verpassten Gelegenheiten, den Abzweigungen, denen man im Leben nicht gefolgt ist und was hätte sein können, wäre man sie gegangen. Fragen, die sich der/die eine oder andere sicherlich auch schon mal gestellt hat. Aber als ein schwerer Schlag ihn trifft, ausgerechnet, als er einem anderen Menschen zur Hilfe eilt, hört er auf, Entscheidungen zu treffen. Er lässt den Zufall entscheiden. Mittel einer Münze.
Der berühmte Münzwurf ist ein Markenzeichen von TWO-FACE alias HARVEY DENT. Sie entspricht dem Kriminellen, zu dem er geworden ist. Eine Seite ist entstellt, die andere heil. Hat ein TOMMY LEE JONES in BATMAN FOREVER nur mehr einen Abklatsch eines JOKERS gespielt (er war dort der Darsteller des TWO-FACE), ist die von SAM HAMM geschriebene Interpretation vielschichtiger aufgebaut und weitaus tragischer. Denn irgendwo ist in HARVEY DENT ein Ehrenmann übrig geblieben. Nicht umsonst wird er von der Tochter des COMMISSIONERS, BARBARA GORDON, geliebt, die den Fußstapfen ihres Vaters folgend ein COP geworden ist. SAM HAMM kann sich aber nicht von der POPKULTUR lösen, denn sein TWO-FACE hat ähnlich wie GOLLUM ein Problem mit einem anderen ICH. So entscheidet letztlich nicht nur die Münze, auch die böse Seite hat in HARVEY DENT ein Mitspracherecht.
Eine Comic-Fortsetzung eines Films kann am Ende nur funktionieren, wenn die Optik bzw. die Grafik der Vorlage angepasst ist. JOE QUINONES, der Zeichner, und LEONARDO ITO, der Kolorist, schaffen das mit mehr als nur Bravour. Solch exakten Bilder, die mit einer geradezu architektonischen Genauigkeit daherkommen, sind nicht so häufig gesät. Illustratoren, die ihre eigenen Techniken haben, ihre eigenen Figuren entwerfen, sind meist nicht in der Bedrouille, etwas nachzeichnen zu müssen. Wenn JOE QUINONES einen MICHAEL KEATON zu Papier bringt, den markanten Mund des Schauspielers zeichnet (weshalb BATMAN sich eigentlich bis zum Dorthinaus maskieren konnte, am Mund blieb er immer erkennbar), dann kehrt TIM BURTONS BATMAN tatsächlich zurück.
Dem Design der bekannten Figuren angepasst, ist auch jenes der neuen Charaktere wie DRAKE WINSTON. Anfänglich erinnert das Auftreten durch einen sehr flatterhaften Überwurf an die Figur des Helden aus UNBREKABLE, gespielt von BRUCE WILLIS. Die anderen Charaktere, BARBARA GORDON vorneweg, sind perfekt gestaltet. Alles in allem für Comic- und BATMAN-FANS ein grafisches Fest!
Top! Ganz bestimmt eine der besten Comic-Fortsetzungen, die es gibt. Richtig liebevoll gestaltet und erzählt, eine echte Verbeugung vor der Vorlage. Wer wissen will, wie die Geschichte damals filmisch hätte weitergehen können, kann hier vorbehaltlos zugreifen! 🙂
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Donnerstag, 01. Januar 2026
Die Welt muss nicht mehr real aussehen. Würde sie jemand vermissen? Den echten Anblick? Dank modernster Technik müssen Menschen nicht mehr abseits des üblichen Lebens in andere Welten gleiten. Sie können mittels Interface und Internet dauerhaft ein Bild, eine Sicht ihrer Wahl über die echte Welt legen und darin leben. Jeder sieht, was er oder sie möchte. Jeder und jede hat die ganz eigene Wahrnehmung. Das soll Zufriedenheit garantieren. Aber es gibt tatsächlich immer noch Menschen, die sich nicht mit computergenerierten Ansichten zufrieden geben wollen, die nicht abdriften wollen, die alles so sehen wollen, wie es wirklich ist. Dieser Zustand nennt sich CLEAR-Modus. SAM DUNES, ein Mann mit Vergangenheit, PRIVATDETEKTIV, gehört zu jenen, die sich nicht der Wirklichkeit verschließen wollen. Doch gegen den Strom zu schwimmen, kann zu ernsthaften Problemen führen. Lebensgefährlichen Problemen…
SCOTT SNYDER, Autor, der von seinen Arbeiten zu AMERICAN VAMPIRE her bekannt ist, der sich quer durch das DC-Universum geschrieben hat und Charaktere wie BATMAN, SUPERMAN oder WONDER WOMAN betreut hat, liefert eine beinharte Science-Fiction-Story ab. In Anlehnung an die gute alte NOIR-Ära und Geschichten wie 1984 oder BLADE RUNNER ist eine Geschichte entstanden, die durch ihre Geheimnisse und Erzählweise sehr schnell eine starke Sogwirkung entwickelt. Der Trick: Was ist echt? Wer hat die Kontrolle? Und wie konnte eine Tote vorhersehen, dass sie ermordet werden würde?
2052. Der nächste Trick: Zunächst sieht es gar nicht danach aus, dass es hier um einen Mord geht. Der Leser ist beim Ableben der baldig Toten zugegen, darf den Sprung beobachten und nirgends ist eine Art Zwang erkennbar. Die Welt schwankt zwischen düster und grell, es regnet, eine Comic-Sonne hängt am Himmel und Drache, aus dessen Maul Flammen züngeln, bedroht einen altmodischen Turm. In dieser Welt kann alles nach allem aussehen. Was nichts am Tod der von SAM DUNES geliebten Frau ändert. Manche Fakten bleiben unverändert. FRANCIS MANAPUL, Zeichner und Kolorist in Personalunion, ist maßgeblich für die Funktionalität der Geschichte verantwortlich. Diese Welt ist auf das Sehen ausgelegt, also muss der Leser diese Welt nacherleben können, um zu verstehen, was hier und gleichzeitig in der Hauptfigur SAM DUNES vor sich geht.
Der Auftakt, viele Bilder, die parallel zueinander laufen, unterschiedliche Wahrnehmungen und Konstrukte, manifestieren sich bei dem ersten Zusammentreffen mit SAM DUNES erneut. SAM hat Schwierigkeiten. Eine Verfolgungsjagd. Und jetzt passiert optisch etwas, mit das Medium Comic am besten arbeiten kann. Was erlebt SAM DUNES während der rasenden Fahrt? Was sehen andere? FRANCIS MANAPUL kann dieses erleben auf einer Einzelseite oder einer Doppelseite perfekt inszenieren und die Gleichzeitigkeit der Wahrnehmung imitieren.
Wahrnehmung ist das große Thema der Geschichte. Was der Mensch sieht und hört, mit seinen Sinnen erfasst. An was und wie er sich erinnert. Wie Erinnerungen aus den tiefsten Schichten des menschlichen Gedächtnisses hervorgezaubert werden kann und was eine glasklare Erinnerung mit der Psyche anrichtet. Hier kann sich Autor SCOTT SNYDER durch aus mit den Vibes eines PHILIP K. DICK messen. Obenauf sitzt ein furchtloser wie auch verzweifelter Held, der eigentlich nicht mehr allzu sehr am Leben hängt, sich aber in einen Racheakt verstiegen hat, der all sein Streben und Sinnen in Anspruch nimmt. Da bleibt für anderes kaum mehr Zeit.
Spannung? Aber ja! Je tiefer SAM DUNES gräbt, je komplexer die Handlung und die dargestellte Welt werden, umso faszinierender und packender wird CLEAR. Und was uns FRANCIS MANAPUL dazu auf das Papier zaubert ist ein schlichter Bilderrausch und Fest für all jene, die einen Hang zum CYBERPUNK haben.
Bombe! Eine Perle des Genres Science Fiction und nebenbei noch eines in der Nische Cyberpunk. Eine schlüssige Geschichte, ein starker, aber verlorener Privatdetektiv, eine Bilderflut mit Illustrationen auf höchstem Niveau. Vorbildlich und erste Klasse! 🙂
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Mittwoch, 05. November 2025
EBENEZER GRUMP, wegen seiner Missetaten nur als DER VAMPIR MIT DEN ROTEN AUGEN bekannt, zieht eine Blutspur durch Deutschland. Berlin, Hamburg, Hannover. Binnen zwei Jahren legt ihm die Kriminalpolizei 60 Morde zur Last. Als ihm der Boden in Deutschland zu heiß wird, wechselt er den Standort und begeht den Fehler, ausgerechnet nach LONDON zu reisen, wo ihn mit dem Privatdetektiven HARRY DICKSON ein unerwartet starker Gegner erwartet. Die Flucht geht weiter. EBENEZER GRUMP kehrt in die Heimat zurück, dicht verfolgt von HARRY DICKSON. Im beschaulichen HILDESHEIM endet die Jagd, und der Mörder gibt auf. Eines Tages erreicht HARRY DICKSON in LONDON eine ungewöhnliche Einladung. Er soll an der Hinrichtung des Unholds teilnehmen. Eigentlich sollte jetzt alles vorbei sein. Aber die Geschichte fängt gerade erst an…
Nach einer Romanvorlage des Schriftstellers JEAN RAY schicken DOUG HEADLINE (Autor), LUANA VERGARI (Autorin), ONOFRIO CATACCHIO (Zeichner) und HIROYUKI OOSHIMA (Farben) die Graphic-Novel-Fassung des amerikanischen Privatdetektiven (mit Wahlheimat LONDON) ins dritte Rennen im Kampf gegen das BÖSE. Wenn ein Mörder um sein Seelenheil fürchtet und von HARRY DICKSON verlangt, er möge dafür Sorge tragen, dass die Hinrichtung durch das Fallbeil auch tatsächlich durchgeführt wird, dann haben HARRY DICKSON und sein Assistent TOM WILLS es wirklich und wahrhaftig mit einem außergewöhnlichen Fall zu tun. Und in der Tat ist dies erst der Auftakt zu einer Hatz, die noch so manch befremdliches Ereignis nach sich ziehen wird.
VAMPIRE haben über die Jahrzehnte nichts von ihrer gruseligen Anziehungskraft verloren. Selbst nach dem Hype im noch jungen Jahrtausend kann den geneigten Leser eine gute Vampirgeschichte immer noch das Fürchten lehren. JEAN RAYs Roman LE VAMPIRE AUX YEUX ROUGES erschien 1933, ist also als Vorreiter innerhalb des Genres zu bezeichnen. DOUG HEADLINE und LUANA VERGARI adaptierten den Stoff und schufen daraus das Drehbuch für einen atmosphärisch ungeheuer dichten Gruselkriminalfall, der bis zuletzt ein Pageturner (Seitenumblätterer) bleibt. Die ganze Zeit über stellt sich die unausweichliche Frage: Ist der Unbekannte, derjenige, der hinter allem steckt, ein VAMPIR? Oder hält jemand HARRY DICKSON und TOM WILLS zum Narren?
Die Handlung durchläuft sechs verschiedene Kapitel und man darf sagen, dass diese sehr unterschiedlich ausfallen. Die Geschichte spielt mit Orten, Kulissen, auch Charakteren, die neue Fragen aufwerfen, neue Lösungen anbieten. Das deutsche HILDESHEIM bietet mit seinen Gassen, den alten Häusern, dem Gefängnis nebst Schafott schon eine Menge ordentliches Ambiente für einen wohligen Schauer. Doch es kommen noch ein paar Sahnehäubchen obenauf, denn allein bei diesen Settings bleibt es nicht, weit gefehlt! DOUG HEADLINE und LUANA VERGARI werden sich hier an den richtigen Stellen der Romanvorlage bedient haben. Und gleichzeitig die passenden Örtlichkeiten für die Fertigkeiten eines ONOFRIO CATACCHIO gefunden haben, weil der Zeichner daraus das passende Umfeld für das mysteriöse Abenteuer schaffen kann.
Die grafische Linie von ONOFRIO CATACCHIO ist sehr sauber, sehr klar, eine Technik, bei der jeder Strich sitzt. Die Qualität des Titelbildes setzt sich ebenso im Innenteil des Bandes fort. Die Kolorierung von HIROYUKI OOSHIMA auf dem Cover verfügt zwar über weitreichendere Schattierungen als der Innenteil, der Qualität tut das auf den Folgeseiten allerdings keinen Abbruch. ONOFRIO CATACCHIO hat HARRY DICKSON und TOM WILLS nicht nur durch einen deutlichen Altersunterschied voneinander getrennt, er hat dem amerikanischen Detektiv auch ein kantiges Äußeres beschert. Wäre die Pfeife nicht, HARRY DICKSONS beliebtes Utensil während seiner Fälle, wäre der mitunter in einem TRENCHCOAT auftretende Detektiv auch gut dazu geeignet, die Straßen von CHICAGO oder LOS ANGELES sicherer zu machen, ganz im Stile eines SAM SPADE oder PHILIP MARLOWE.
Im letzten Drittel wechselt der Schauplatz der Handlung (mehr wird nicht verraten), und mit diesem Wechsel erfolgt auch ein erfrischender Tausch der Kulisse. Alles wird noch düsterer, geradezu klassisch zu nennen. Selbst das, was im Jahre 1933 an Modernität existiert, gerät auf einmal ins Hintertreffen. Fast schon findet, wenn die Annehmlichkeiten des Alltags in den Hintergrund rücken, eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit statt. Das gibt nicht nur den Grafiken, sondern auch der Handlung einen neuen Schwung für einen hervorragend spannenden Endspurt.
Ich bin begeistert. In Band 3 der Reihe HARRY DICKSON tritt der Detektiv als rundum starke Figur auf, deren Arbeit man als Leser mit Spannung verfolgt. Allein aus der Vorgeschichte, hier kaum mehr als ein Intro, würde andernorts ein komplett eigener Roman entstanden sein. Aufbauend auf diesen Informationen entspinnt sich ein Szenario, das sich dem offensichtlichen Grusel ebenso widmet wie der teils kranken Psyche, teils verlorenen Seele manches Charakters. Das klare Design ist schlichtweg schön zu nennen und nimmt den Leser auf leichte Art mit auf eine packende Reise durch eine schauerliche Krimihandlung. Beste Genre-Unterhaltung! 🙂
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