Kein Kaffee mehr in Daisy Town! Nirgendwo! Daheim nicht, auch im Saloon nicht. Ein kleiner Rest, ein Handvoll Bohnen nur, artet zuerst zum Zankapfel aus und endet in einer handfesten Keilerei. Und wäre all das noch nicht genug, tauchen genau zu diesem Zeitpunkt zwei neue Gesichter in der Stadt auf. Ein Fabrikant will unbedingt eine Produktionsstätte für Kutschen in der Nähe der Stadt eröffnen. Außerdem trifft eine Politikerin und Frauenrechtlerin in Daisy Town ein. Eigentlich geht damit das ganze Unheil erst so richtig los.
Kaffee macht müde Männer munter lautet die Devise. Und ohne Kaffee? Dann kommen die Einwohner von Daisy Town auf dumme Ideen. Angestachelt durch die Parolen der Frauenrechtlerin, tauschen Lucky Luke und Lotta Legs die Rollen. Fortan ist sie der Sheriff, während Lucky Luke den Saloon schmeißt. Lotta muss sich erst an ihre Rolle gewöhnen – Verbrecher wollen schließlich nicht jeden Tag zur Räson gebracht werden – Lucky hingegen schwingt den Putzeimer und macht aus dem Saloon nicht unbedingt die schönste, so doch wenigstens die sauberste Kneipe, in der sich die Gäste zu benehmen haben.
Alles könnte so schön sein, würde nicht plötzlich ein windiger Halunke in der Gegend sein Unwesen treiben.
René Auberjonois ist ein heimlicher Komödiant. Bereits in frühen Jahren, bei seinem Auftritt in der Neuverfilmung von King Kong konnte er eine gewisse Komik nicht verleugnen. Das ewige Gezänk zwischen ihm und Armin Shimerman, also zwischen Odo und Quark, in Star Trek Deep Space Nine wäre ohne komödiantisches Talent nicht möglich gewesen. Wenn er hier einerseits als Fabrikant, andererseits als kostümierter Halunke die Gegend unsicher macht, dann spielt er wie jener Gauner, der in der Lucky Luke-Episode Der weiße Reiter auf der Bühne sein Unwesen trieb. Das ist ein wenig grotesk, ein wenig albern, mit viel Spaß und immer mit einem Augenzwinkern – aber nichts anderes kennt der Leser aus den Comics.
Wer anderen eine Braut besorgt … ist nicht zufällig so formuliert wie Wer anderen eine Grube gräbt … In dem kleinen – sehr kleinen – Ort Purgatory leben gerade einmal 13 Männer. 12 von diesen gestandenen Mannsbildern wünschen sich Frauen, aber welche Frau aus dem Osten würde in einer Ansammlung von grob gezimmerten Hütten und Zelten leben wollen? Doch wer hätte das gedacht? Ausgerechnet in St. Louis finden sich ein gutes Dutzend (sogar mehr), die sich auf die lange Reise in den unzivilisierten Westen begeben wollen. Aber wie gesagt, der Weg ist lang und da gibt es noch die Daltons und ausgerechnet die sind gerade einmal wieder ausgebrochen.
Die Verlobte von Lucky Luke taucht hier nicht auf. Wer hinter dieser Episode eine Umsetzung des Lucky-Albums vermutet, sieht sich getäuscht, vielleicht sogar positiv getäuscht, da die Handlung hier ein wenig mehr Spaß macht. Die burschikose Jenny, die sich bereits als Mann, genauer als gesuchter Ganove Dead-Eye Kid, durchschlug, erlebt an der Seite von richtigen Weibsbildern, was es heißt, seine Frau zu stehen. Schießen lernen sie zwar nicht, doch wie es sich sehr bald zeigt, kann ein gut geworfenes Nudelholz einen angreifenden Reiter ebenso aus dem Sattel holen wie eine Kugel.
Wie diese verstaubten Goldsucher schließlich an die Frau kommen, ist ein harmloser und sehr familienfreundlicher Spaß. Ein großes Lob geht in den beiden Episoden an Terence Hill, der sich herrlich zurücknimmt, und den anderen in Sachen Komik zu einem Großteil den Vortritt lässt.
Gelungene Fortsetzungen mit spielfreudigen Gastschauspielern, allen voran René Auberjonois und Ron Carey, der erneut den knurrigen Joe Dalton gibt. Der Geist der Comic-Reihe wird weiterhin gut getroffen. Terence Hill hätte es kaum besser machen können. 🙂
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