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Comic Blog


Samstag, 16. Oktober 2010

Die Bruderschaft der Krabbe 1

Filed under: Mystery — Michael um 18:54

Die Bruderschaft der Krabbe 1Den Jungen fehlt etwas: Genauer gesagt, befindet sich etwas in ihrem Körper, das dort nicht hineingehört. Jeder der Jungen hat etwas davon in einer anderen Region seines Körpers: Eine Krabbe. Vier Jungen gehören bereits zur Bruderschaft der Krabbe, als ein fünfter Junge zu ihnen stößt. Zwangsweise, denn eine Krabbe hat sich in seinem Kopf eingenistet. Die vier anderen weisen ihn in das Prozedere ein. In diesem Kinderheim seien die besten Entkrabber weltweit am Werk. Diese würden die Fremdkörper entfernen. Einen Nachteil gebe es dennoch: Die Ärzte sammelten die Krabbenteile, um daraus etwas zu erschaffen. Es. Ein Monstrum.

Die Jungen können sich nicht gegen die Operation wehren. Alles geht seinen Lauf. Sie werden in einen Operationsraum gebracht, ihnen wird sogar der Grund der Operation gesagt, kurz bevor sie narkotisiert werden. Als sie wieder erwachen, ist alles anders. Der Operationsraum ist fort, das gesamte Kinderheim sogar. Stattdessen finden sie sich in einem großen, uralten Haus wieder. Mehr noch: Einer von ihnen, der eine Beinprothese trug, muss nun voller Erstaunen feststellen, dass er ein neues, vollkommen normales Bein hat. Und das ist erst der Anfang eines grauenhaften Alptraums.

Alptraum: Stets realistisch anmutend. Manchmal merkwürdig, mitunter sogar höchst gefährlich. Auf dieser Grundlage erzählen Mathieu Gallie (Autor) und Jean-Baptiste Andreae (Zeichner) ihre Geschichte um fünf Jungen, die aus einer recht seltsamen Situation in ein lebensgefährliches Abenteuer schlittern. Krabben gehören gemeinhin nicht zu den Lebewesen, die sich in einem menschlichen Körper einnisten. Luftballons mögen tröstlich sein, tragen aber keineswegs dazu bei, ein Leben zu erhalten oder ein rettender Anker zu sein. Mit diesen und anderen Umständen muss sich der Leser erst einmal anfreunden, so surreal es auf den ersten Blick auch wirken mag.

Wer den Einstieg schafft, erhält eine Gruselgeschichte der besonderen Art. Ein wenig erinnert die Grundidee an Eine seltsame Reise von John Bolton und Ann Nocenti. Kinder werden in eine phantastische Umgebung verschlagen und müssen sehen, wie sie wieder entkommen können. War es dort in höchstem Maße surreal, orientiert sich Gallie mit seinem Ansatz an weitaus bekannteren Horrorszenarien und entsprechenden Figuren. So dürfen Freunde von Vampiren sich auf spektakuläre und interessante Auftritte freuen (und mehr). Jean-Baptiste Andreae, der bereits mit der Geschichte um Die mechanische Welt bewies, dass er mit seiner von ihm angewendeten Aquarelltechnik ein Meister seines Faches ist, untermauert sein Können hier einmal mehr.

Die Geschichte lebt sehr stark von Atmosphäre. Dies ist wichtig, da der Hintergrund der Handlung erst einmal schwer zugänglich scheint, da sie nicht so weichgespült und mainstream-artig daher kommt, wie andere Abenteuer, in denen Kinder die Hauptrolle spielen. Alles ist sehr düster, häufig auch Ton in Ton gemalt. Nur ein einziges Mal existiert eine bunte Welt, in der Beschreibung des Kinderheims, wie es vermutlich sein könnte und vermutlich auch nur in der Vorstellung der Kinder ist. Andreae arbeitet mit Beleuchtungseffekten. Wenn in einer Welt, in der Dunkelheit bestimmend ist, das Licht die Bedrohung ankündigt, lässt dies für den Gruselfan einiges erahnen. Insbesondere, da in Sachen Vampir-Design ohne Zweifel Murnaus Nosferatu Pate stand.

Eine ungewöhnliche Gruselgeschichte und deshalb unvorsehbar: Mathieu Gallie spielt mit den Erwartungen des Lesers. Durch die von Baptiste Andreae gemalten Bilder wird diese Welt in phantastischen Grafiken zugänglich. 🙂

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