Dienstag, 14. Januar 2025
Die JUNKYARD DOGS sind nur eine kleine Gruppe innerhalb der us-amerikanischen Armee. Die durchweg jungen Soldaten versuchen ihren Einsatz in Übersee, in VIETNAM zu überleben. Die nächste Mission steht an. Einen Kameraden hat die Gruppe gerade verloren. Ein neuer Soldat soll ihn ersetzen. Der junge Mann ist nicht nur schweigsam, er ist still. Sein Blick ist seltsam unbeteiligt. Sein Auftreten wird von den anderen als Angst interpretiert. Keiner trägt es ihm nach. Alle Soldaten haben Angst und sie tun gut daran, denn es hält sie wach, macht sie aufmerksam. In der Nacht auf der Patrouille geschieht das Unfassbare. Ein feindlicher Soldat will die G.I.s mit einer Sprengladung töten. Der Neue geht dazwischen und fängt die Explosion mit seinem eigenen Körper ab…
Es war einmal in VIETNAM. Ein oft behandeltes Thema in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zahlreiche Schlachten hat die USA geschlagen, in vielen Kriegen gekämpft. Aber das herausragende Trauma, medial immer wieder bemüht, ist VIETNAM. GEOFF JOHNS (Autor) und GARY FRANK (Zeichner), ein Künstler-Dreamteam, haben diesen Zeitabschnitt als Inspiration hergenommen und einen neuen, sehr besonderen HELDEN kreiert, der auf seine Art ein moderner PINOCCHIO sein könnte.
Aber JUNKYARD JOE ist noch mehr. Das muss vorweg geschickt werden. Zwar kann die Geschichte durchaus als alleiniges Werk betrachtet werden, doch gleichzeitig ist sie eingebettet in ein ganzes Comic-Universum, geschaffen von GEOFF JOHNS. Eine Zeitlinie im Anhang setzt den Leser über diverse Charaktere ins Bild: REDCOAT, THE NORTHENER, THE MONSTER, (natürlich) JUNKYARD JOE, AMERICAN WIDOW X, FIRST GHOST und schlussendlich auch GEIGER, dessen Geschichte bereits bei Cross Cult erschienen ist. Und alles zusammen umfasst ein UNERKANNTER KRIEG, in dem die, wie diese Helden auch genannt werden, DIE UNGENANNTEN eine Rolle spielen.
Zurück zu JUNKYARD JOE: GEOFF JOHNS hat hier keinen Killerroboter geschaffen. Sein JUNKYARD JOE hat den Auftrag, Menschen zu beschützen. Derlei kann – muss aber nicht – damit einhergehen, potentielle Bedrohungen auszuschalten. Notfalls endgültig. Freundlich formuliert. Das könnte eine eingleisige Geschichte werden, würde GEOFF JOHNS nicht (wie er das meistens macht) mehrere Schichten hinzufügen, die dem Szenario Tiefe verleihen.
Aus besagter Gruppe Soldaten zu Beginn ist in der Gegenwart ein einziger Mann, MUDDY DAVIS, zurückgeblieben. Dieser hat seine Erfahrungen mit JUNKYARD JOE sehr erfolgreich verarbeitet. Er gab dem namenlosen Roboter, der ihnen im Dschungel das Leben rettete, nicht nur die comicartige Bezeichnung, er schuf auch gleich einen ganzen Comic dazu, der auf den überaus beliebten Comic-Seiten von Tageszeitungen über Jahrzehnte hinweg ein breites Publikum, eine Fanbase gefunden hat. Plötzlich, mitten im Winter, taucht dieser ROBOTER wieder auf. Und MUDDY DAVIS, der zeitweilig an seinen Erinnerungen und seinem Verstand zweifelte, wird mit der Echthit seiner Vergangenheit konfrontiert.
JUNKYARD JOE spricht nicht. Zwar kann er Emotionen ausdrücken (auf seine Weise), doch Worte (kein einziges) kann er dazu nicht nutzen. So liegt es an den Interpretationen der Menschen um ihn herum, ein klareres Bild dieses Maschinenwesens für den Leser zu kreieren. Denn genau das entwirft GEOFF JOHNS hier: keinen schlichten gedankenlosen ROBOTER, sondern tatsächlich ein MASCHINENWESEN. Damit all diese Emotionen im Bild rüberkommen, hat GEOFF JOHNS den Zeichner GARY FRANK an seiner Seite. GARY FRANK hat bislang über mehr als 30 Jahre im Comic-Geschäft gearbeitet und in jedem größeren amerikanischen Comic-Universum seine Spuren bei sehr bekannten Comic-Figuren hinterlassen. An der Seite von GEOFF JOHNS kann er neue Figuren erschaffen.
GEIGER war der erste Charakter, JUNKYARD JOE folgte ihm auf dem Fuße. GARY FRANK arbeitet mit starkem Realismus, und jede seiner Figuren besitzt ein höchst individuelles Aussehen. Verwechslungen sind hier ausgeschlossen. GARY FRANK steht qualitativ auf Augenhöhe mit Illustratoren wie z.B. JIM LEE, CLAY MANN oder BRYAN HITCH (letzterer gestaltet die von GEOFF JOHNS für dieses neue Comic-Universum geschaffene Figur REDCOAT). Aber es ist in JUNKYARD JOE nicht nur futuristisch, mysteriös, es ist außerdem auch Familiendrama. In feinen Szenen beweist GARY FRANK seine Meisterschaft, wenn er Figuren ein Gesicht gibt, in denen der Leser selbst sich (und möglicherweise seine eigenen Emotionen) wiederfinden kann. Das Kleinstadtflair hilft hier extrem.
Die Action sehr pointiert eingesetzt und wenn sie ausbricht, ist sie ein Hingucker, aber nie übertrieben oder gar Selbstzweck. Das wäre im Umfeld eines realen nationalen Traumas wie VIETNAM auch fehl am Platz. Ebenso später in der Gegenwart ist es szenisch mehr THRILLER- als SUPERHELDEN-Ambiente.
WOW! Ich mochte schon GEIGER, der neue Akzente setzte, und JUNKYARD JOE, obwohl im selben Comic-Universum von GEOFF JOHNS angesiedelt, lenkt den Blick auf ganz andere Aspekte auf einer Zeitlinie, die von 1776 bis in die Zukunft reicht. Feinfühlig von GEOFF JOHNS erzählt. Viele Charaktere dürfen sich entfalten, viele Facetten halten das Szenario sehr lebendig. GARY FRANK erweckt diesen neuen metallenen Homunkulus sehr schön, sehr realistisch in seinen Bildern und liefert wohl Comic-Seiten ab, die heutzutage absolut State of the Art. Grandios! Für Freunde des Superheldengenres, von Science Fiction und Mystery-Thrillern gleichermaßen. 🙂
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Dienstag, 07. Januar 2025
USA, Lousiana. Eine Gartenparty, das Wetter passt, die Gäste sind in guter Stimmung und in drei Stunden soll eine wundervolle Hochzeit über die Bühne gehen. Die Braut, EILEEN LEROUGES, und Bräutigam himmeln sich an. Doch plötzlich erscheint die Schwester des Bräutigams auf der Bühne, völlig überraschend für das künftige Ehepaar. Und wenig später ist der Bräutigam, TREVOR SMITH, samt Schwester verschwunden. … Buchstäblich für immer.
Aus einer harmlosen Ausgangssituation wird zuerst ein Drama und schließlich ein komplizierter Kriminalfall. Gleich vorweg: RUBINE ist nicht funny, RUBINE ist eine ernste Angelegenheit. Das, was der Leser hier geboten bekommt, entspricht einem klassischen Krimi. MYTHIC mag sich in seiner Eigenschaft als AUTOR sich nicht nur vom Aufbau neuerer SERIEN aus den USA Inspiration geholt haben, auch ältere Kaliber mögen hier durchaus Vorbild gewesen sein.
RUBINE schaltet sich in den Fall ein, als die ehemalige Braut in einem aktuellen Werbevideo ausgerechnet den ONKEL, SIDNEY, ihres verschwundenen Bräutigams entdeckt. Dieser war zeitgleich mit seinem Neffen nicht mehr auffindbar.Endlich, nach vielen Jahren gibt es einen Anhaltspunkt, mit dem niemand, am allerwenigsten die ehemalige Braut, gerechnet hat. Die Liebe von einst mag verflogen sein, was aus dem Mann geworden ist, den sie hatte heiraten wollen, möchte sie trotzdem gerne wissen, um das Kapitel endlich abzuschließen. Also machen sich LIEUTENANT RUBINE KILLARNEY und ihre Kollegin SHIRLEY auf die Suche.
Ein SERIAL LOVER, also ein Heiratsschwindler, hat zwar keine Leichen im Keller, dafür aber viele ehemalige Verlobte, wenn nicht sogar Ehefrauen, die er um ihr sauer Erspartes oder Verdientes erleichtert hat. Deshalb wird die Ermittlung auch zu einer Reise in die Vergangenheit mehrerer Menschen. Langsam ergibt sich ein Bild des Mannes und seiner Methoden und seines Charakters. Eines wird sehr schnell klar: Er muss ein außerordentlicher Charmeur gewesen sein, der sich perfekt auf seine Opfer einzustellen vermochte. Das ist sehr unterhaltsam erzählt, zumal, und hier der Kniff des Ganzen, TREVOR SMITH sich sehr unterschiedliche Frauentypen ausgesucht hat, die allesamt auf Art reagieren, wenn das Thema den untergetauchten Hallodri zu sprechen kommt.
Die beiden Comic-Künstler FRANÇOIS WALTHÉRY und BRUNO DI SANO gestalten die Geschichte mit leichten Strich. Ersterer Zeichner hat hier eindeutig die Nase vorn. FRANÇOIS WALTHÉRY gehört noch zur guten alten Generation, die einige Serien groß gemacht hat und genau das darf er mit Fug und Recht auch von sich behaupten. Inzwischen hat sich der Künstler, immerhin Jahrgang 1946, Verstärkung geholt. Da haben sich bei RUBINE schon ein paar Zeichner die Klinke in die Hand gegeben. BRUNO DI SANO ist allerdings schon seit 2011 mit an Bord und hat sich etabliert.
Hier stehen selbstbewusste Frauen mit Charakter im Mittelpunkt (selbst wenn sie sich am Ende vielleicht als Übeltäter herausstellen). Entsprechend sind sie von den beiden Comic-Künstlern gestaltet. Das Ambiente, die städtischen Kulissen, die Landschaften sind von täglichen Eindrücken aus den Vereinigten Staaten reichlich bekannt. Da wird nichts verherrlicht oder beschönigt, manchmal eher etwas karikiert, aber nie so weit, dass es unrealistisch wird.
RUBINE ist eine KRIMISERIE, die sich über die Jahre zu Recht etabliert hat und nun nach einer mehrjährigen Pause ein kleines Comeback feiert. LIEUTENANT RUBINE KILLARNEY hat es immer noch drauf. Das ist eine der Serien, die nicht altern und eine Comic-Figur, der man als Comic-Fan immer noch gerne bei der Aufklärung eines Falles über die Schulter schaut. Ganz besonders in einem kuriosen Fall wie diesem, der wendungsreich ist und erst kurz vor Schluss den Vorhang lüftet. Klasse! 🙂
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Donnerstag, 02. Januar 2025
Ein Halunke betritt den kleinen Ort. Wir befinden uns irgendwann im Mittelalter, die Menschen sind gutgläubig, glauben noch an Zauberei und die Magie von Weihnachten. Ein guter Mensch ist er nicht, der Reisende und bei erster Gelegenheit wird ein Mann, der um ein paar Groschen bettelt, zurechtgewiesen und bedroht. Der Halunke will nichts hergeben, er will etwas einsacken und hat sich dazu einen Trick einfallen lassen. Doch dazu braucht er zwei Gesellen, die ihm helfen. In einer Kneipe findet er zwei Helfershelfer, doch die sind bereits ziemlich betrunken …
Es gibt ein paar klassische Comic-Zeichner, die gehören einfach in die Riege der Top-Künstler ihres Fachs. Einer davon ist JEAN MARIETTE alias MITTÉÏ. Für das Magazin TINTIN schuf er in den 1960er Jahren herzerwärmende Geschichten und Illustrationen sowie Comics zum Thema WEIHNACHTEN. Dazu entführte er gerne in mittelalterliche Vergangenheiten oder auch in literarische Umgebungen im Sinne der berühmten WEIHNACHTSGESCHICHTE von CHARLES DICKENS, der Weihnachtsmär schlechthin. Wenn sich MITTÉÏ jedoch im Umfeld seiner eigenen Epoche bewegt, weiß er aus meiner Sicht noch mehr zu gefallen und die geweckten Emotionen werden deutlich stärker angeschubst.
WEIHNACHTEN À LA DICKENS ist mein Favorit im hier gezeigten Potpourri von MITTÉÏs Einfällen. Es ist zugleich eine Geschichte, die am besten in unsere Zeit passt, da Armut, im Speziellen Kinderarmut, eines der großen Themen unserer Gesellschaft ist. Ein Lastkraftwagen mit einer großen Ladung voller Sachen, die Weihnachten schöner machen können, kommt in einer Winterlandschaft von der Straße ab und fällt einem kleinen Jungen sozusagen vor die Füße. Anstatt die Ware wieder einzusammeln, überlässt der Besitzer der Waren dem Jungen die komplette Ladung.
MITTÉÏs Arbeiten reichen, wie kurz angedeutet, weit über den normalen Comic hinaus. In großformatigen Illustrationen, aquarelliert, teils getuscht, teils ungetuscht, zeigt er die wunderbare Bandbreite seines Könnens, denn selbst hier variiert er, wandelt den Stil seiner Figuren oder Kulissen. Der WEIHNACHTSMANN ist natürlich ein beliebtes Motiv. Fliegt dieser gerade nicht über den nächtlichen Weihnachtshimmel, liefert er sich sogar auf verschneiter Piste ein Wettrennen mit einem Rallyerennwagen. Und ganz gleich welches weihnachtliche Thema MITTÉÏ sich vornimmt, stets gelingt es ihm, eine schöne, friedvolle Atmosphäre aufzubauen, herzlich, aber oft auch mit viel Humor. Ein Bild mit Weihnachtszwergen in einem (das gehört eben dazu) verschneiten Wald ist ein schönes Beispiel für diese Behauptung.
Darüber hinaus zeigt MITTÉÏ sein Wimmelbildtalent. Eingangs findet sich eine Illustration aus den 1990ern, im Innenteil greift er diese Technik einmal mehr auf. Welche Figur macht hier was, wohin sind sie unterwegs? Findet sich vielleicht jemand, der oder die aus bestimmten Publikationen her bekannt ist? (Ja, gibt es. Gut hinschauen!) Neben märchenhaft (wie in den Geschichten WEIHNACHTEN MIT DUDELSACK, HOLZSCHUHE FÜR CRYSTAL oder DIE DREI STILLEN MESSEN, um nur ein paar zu nennen), literarisch und modern wird es nie vollends gefühlsduselig oder übertrieben feierlich. Im Gegenteil: In DIE DREI STILLEN MESSEN wird ein sündiger Pfarrer dazu verdonnert, noch 300 Christmetten zu lesen, andernfalls ist der Himmel für ihn passé. MITTÉÏ setzt mehr auf das menschliche Element, genauer Mitmenschlichkeit, so zum Beispiel in WEIHNACHTEN UNTER DER BRÜCKE, wenn Obdachlose, die sowieso sehr unter dem Winter zu leiden haben, dennoch ein (halbwegs) schönes Fest erfahren.
Besonders interessant (auch ein wenig kurios) ist die Geschichte DER ROTE WEIHNACHTSBAUM. Ein Junge mit einer gewissen Form der Farbblindheit hat noch nie einen GRÜNEN Weihnachtsbaum gesehen. Das ist so lustig wie weihnachtlich und könnte glatt eine Episode (von vielen) aus dem Leben von JACKY sein. Das ist in seiner erzählerischen Einfachheit und gleichzeitigen emotionalen Effektivität ziemlich bewundernswert.
Nicht alle vom Meister MITTÉÏ selbst geschrieben (aber die meisten), doch komplett illustriert, in einer feinen, und beschaut man sich die Comic-Landschaft, immer noch zündenden Stilistik mit Vorbildcharakter. MITTÉÏ zeigt hier verschiedene Techniken und kann mit jeder überzeugen. Kurzgeschichten, größere und kleinere Grafiken bieten etwas für das Auge und, natürlich passend zur beschriebenen Jahreszeit, für das Gefühl. Für Sammler und ganz besonders für Comic-Freunde! Sehr schön!!! 🙂
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