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Comic Blog


Sonntag, 09. Dezember 2018

MOTOR GIRL

Filed under: Graphic Novel — Michael um 13:59

MOTOR GIRLSAM ist eine junge Frau, die sich nach einem traumatischen Militäreinsatz im Irak auf einen Autofriedhof am Rand einer amerikanischen Wüste zurückgezogen hat. Hier verbringt sie ihre Zeit damit, Fahrzeuge auszuschlachten und mit ihrem Freund MIKE zu sprechen, der nichts Geringeres ist als ein GORILLA. Das Leben verläuft ruhig. SAM ist dankbar dafür. Aber natürlich bleibt es nicht ruhig. LIBBY, eine alte Dame, gehört das Grundstück des Autofriedhofs. Zu ihrer Verwunderung will ein Konzern dieses scheinbar wertlose Stück Land am Rande von Nirgendwo kaufen, aber LIBBY lehnt zum Schutz von SAM immer wieder ab. Doch es stellt sich die Frage, warum jemand dieses Grundstück überhaupt haben will. Eines Tages legt ein UFO, ein außerirdisches Flugobjekt eine Bruchlandung auf dem Autofriedhof hin und die Frage ist teilweise beantwortet …

TERRY MOORE nimmt den Leser auf eine Entdeckungsreise an die Seite einer Frau, SAM, mit, die wirklich Schreckliches erlebt und nun einen Freund gefunden hat, der ihr getreu zur Seite steht. MIKE, der Gorilla, hat Geduld, gibt Ratschläge, die sie nicht grundsätzlich hören will. Er streitet mit ihr, gibt nach, tröstet, baut auf, hat einen bärbeißigen Humor, sorgt sich, kümmert sich, wo sie ihn lässt und er kann. Das ist die eine Seite der Geschichte und so manchem würde sie bereits genügen. Aber wir leben in Zeiten von intelligenter, zuweilen böser Comedy und TERRY MOORE gehört zu solchen Erzählern, die eine Geschichte so aufbauen können, dass man ihm als Leser schlicht alles abkauft. Eben auch das Auftauchen eines Raumschiffs mit außerirdischer Besatzung.

In MOTOR GIRL wird einmal mehr TERRY MOORES Humor zu einem der Antriebsfedern der Geschichte. Denn so sehr SAM innerlich leiden mag, so sind die Gespräche mit MIKE ein Ausdruck eines trockenen Humors. In dieser kaum versiegenden Quelle liegt ein Teil der Kraft dieser starken Frauenfigur. Und TERRY MOORE liebt starke Frauenfiguren, die stets im Mittelpunkt seiner Geschichten stehen. Seine erfolgreichen Veröffentlichungen wie STRANGERS IN PARADISE, RACHEL RISING oder ECHO zeugen davon und sind gleichzeitig eine Empfehlung an jene Leser, die mit MOTOR GIRL Blut geleckt haben. Und noch etwas: TERRY MOORE präsentiert gerne Figuren abseits der Stereotypen. Eine davon ist eine weitere starke Frau: LIBBY (eine Figur, die bereits in STRANGERS IN PARADISE das Licht der Comicwelt erblickte).

Wenn MIKE, der Gorilla, eine Art CHEWBACCA für SAM ist, dann ist LIBBY, die Oma, die sich jeder wünscht. Sorgend, etwas ruppig, mitten im Leben, tough in einer sehr amerikanischen Texasart (was für deutsche Belange vielleicht nicht so stimmig ist, nennen wir es hier einmal norddeutsch direkt, das Herz auf der Zunge). Optisch etwas klein geschrumpelt mit den vielen Jahren, die sie erlebt hat, Lockenkopf und einer großen Brille, hinter der sich die Augen, aber niemals ihre Stimmung verbergen kann. Charaktere wie diese machen die Geschichten von TERRY MORRE stets zu etwas Besonderem. Und sie werden umso stärker, je mehr Raum er ihnen einräumt. Den Platz, den LIBBY einnimmt, ist wie eine Umarmung dieser Tragikkomödie.

Hitze, Anspielungen, Stellungnahmen: Schauplatz des Geschehens ist ein sehr heißes Land, auf das eine glühende Sonne mitleidlos niederbrennt. Schwitzende Figuren, eine Eidechse, die immer nur zwei ihre Füße auf den glühenden Untergrund setzt, schmiltzende Eiscreme oder der Gummibelag eines Tennisplatzes, der sich in eine zähflüssige Masse auflöst, sind die Anzeichen, mit denen TERRY MOORE meist sehr lustig spielt. Kleinere, auch etwas fiese Anspielungen auf literarische Legenden wie HERGÉ oder HERMAN MELVILLE sind mehr oder minder offen untergebracht. Über militärisch überzogene Belange wird fleißig Spott ausgeschüttet, den kriegserschütterten Veteranen gilt das Mitleid und die Verteidigung des Autors und Zeichners. TERRY MOORE feiert außerdem die Freundschaft in verschiedenen Beziehungen innerhalb der Geschichte. Das gilt dem Nerv des Lesers und es trifft haargenau.

Ungewöhnlich, wie immer bei TERRY MOORE, aber ebenso herzlich, menschlich, ironisch. Grundsätzlich cool, lustig, mal laut, mal leise, voller feiner Wendungen. Wie in seinen anderen Arbeiten in schönen Schwarzweißzeichnungen abgeliefert. Ein tragisches Komödiendrama, wie es TERRY MOORE im Medium Comic in den letzten Jahren perfektioniert hat. 🙂

MOTOR GIRL: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

Link: TERRY MOORE auf twitter.

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