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Comic Blog


Montag, 21. September 2015

Elixier 3 – Ein Hauch von Nichts

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:50

Elixier 3 - Ein Hauch von NichtsGötter vergeben selten Aufträge. Als gewöhnlicher Sterblicher sollte man sehr misstrauisch in derlei Angelegenheiten sein, denn bestimmt hat die Sache einen Haken. Bei Tolriq, dem Abenteurer, ist der Ansporn ziemlich einfacher Natur: Er hat kaum eine andere Wahl. Eine bunt gemischte Gruppe macht die Erfüllung der Aufgabe nicht leichter. Die Tatsache, gleichzeitig in Konkurrenz zu einer gegnerischen Partei, einem anderen Gott, zu stehen, erschwert den Wettlauf mit der Zeit zusehends. Eine Prinzessin, die sich zu fein für die Gruppe ist. Ein Dämon, der sich stets im falschen Moment zu erkennen gibt …

Nein, Tolriq hat es wirklich nicht einfach. Da trifft es sich doch, als die Prinzessin Murmillia das ihr verhasste Bündnis aufgibt und die erstbeste Gelegenheit nutzt, um ihr in altes Leben zurückzukehren. Aber für die Bediensteten ist Prinzessin Murmillias Heimkehr eher eine Heimsuchung … Zurück bei ELIXIER. Christophe Arleston (Autor) und Alberto Varanda (Zeichner) haben sich ein paar Jahre, und nicht nur die üblichen ein bis zwei, Zeit gelassen, bevor die ersten beiden Folgen eine Fortsetzung erfuhren. Aufgrund ihrer Talente sind beide gefragte Künstler. Arleston ist stark bei seinen Comic-Kreationen TROY und YTHAG eingebunden. Varanda hat neben seinen eigenen Projekten (BENJAMIN) viel für die Autorenideen anderer Comic-Künstler zu tun. Dies ist nicht die einzige Zusammenarbeit mit Arleston (siehe TROY). Für das Autorenduo ANGE gestaltete er Das verlorene Paradies und blieb damit dem Fantasy-Genre treu.

Alberto Varanda zeichnet sich durch ungeheure Genauigkeit aus, die fast schon, wäre es aus Lesersicht nicht so toll anzuschauen, an eine professionelle Pedanterie grenzt. Wo andere Zeichner Mauern andeuten, Fugen anskizzieren oder Palisadenwände, Holzdächer skribbeln, zeichnet Alberto Varanda Stein für Stein, Brett für Brett, Maserung für Maserung, Dachschindel für Dachschindel. Wenn das Künstlerteam Arleston, Varanda nebst den beiden Koloristen den Leser mit in die Stadt Lorunde nehmen, hat man das Gefühl, die Bilder seien von Straßenkarten und in Natura existierenden architektonischen Vorbildern entnommen worden. Neben dieser prächtigen Umgebung nehmen sich echte Architekturereignisse wie Florenz oder Rom wie Dörfer aus.

Dank der erwähnten Pedanterie, die sich in den modischen Erscheinungen, individuellen Figuren fortsetzen, sich nicht einmal an den Marktständen mit ihren zahllosen Gemüseangeboten erschöpfen, atmet das Ambiente dieser Fantasy-Reihe regelrecht. Was das Charakterdesign anbelangt, rückt Alberto Varanda sich mit seinen optischen Vorlieben, den großen Augen, den Rundungen seiner Figuren in die Nähe von Disney-Standards, aber ebenso auch von Kollegen wie Crisse (Atalante) und zu früh verstorbenen Carlos Meglia (Canari).

Ein großer Verdienst des tollen Gesamteindrucks von Elixier 3 ist bei den beiden Koloristen Nolwenn Lebreton und Jerome Maffre zu finden. Sie wenden eine Farbpalette an, wie sie auch in der Hochzeit der klassischen Malerei zu finden ist, von einigen Auswüchsen ins Himmelblaue und Türkise hinein einmal abgesehen. Das goldbronze leuchtende Titelbild gibt einen sehr guten Eindruck von dem farblichen roten Faden, der sich durch das gesamte Album zieht. Oft darf dieses Licht, das den Farben zugrunde liegt, auch am Himmel, in Sonnenuntergängen, durch Strahlen in Innenhöfe hinein (Stichwort: Hof der Wunder) bestaunt werden. Es beginnt mit diesem Licht und endet damit. Zwischendurch gibt es einige wenige Veränderungen, die stets auf eine Sequenzwandel hindeuten, manchmal heiter, sonst eher geheimnisvoll (Stichwort: Ritt auf dem Tausendfüssler).

Das Warten hat sich gelohnt. Das Erscheinen des dritten Teils der Reihe ließ fraglos auf sich warten, aber die Erzählung ist gelungen, die Optik überragend dank eines Ausnahmecomickünstlers wie Alberto Varanda. Wunderschön anzuschauendes Fantasy-Spektakel. 🙂

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