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Comic Blog


Freitag, 06. März 2015

SAGA 4

Filed under: SciFi — Michael um 9:06

SAGA 4In einer Soap-Opera als Schauspieler zu arbeiten, bedeutet nicht gerade das Leben auf der Überholspur. Diese Erfahrung muss auch Alana machen, die zwar eine gute Rolle ergattert hat, aber bald mit dem Stress nicht mehr so fertig wird, wie sie es gerne hätte. Eine ihrer Kolleginnen hat ein Mittel zur Entspannung parat. Marko, der Mann in ihrer kleinen Familie, ist weiterhin untergetaucht, hält sich versteckt vor den Verfolgern, die mit der kleinen Familie, die so nicht existieren darf, kurzen Prozess machen würde. Doch das Verhältnis zwischen Marko und Alana ist belastet. Zunehmend entfremden sie sich. Die kleine Hazel, die die Geschichte ihrer Familie erzählt, fehlen schließlich die Worte.

Liebe in den Zeiten der Soap Opera. Nicht nur das Ehepaar, das es nicht geben dürfte, und ihre kleine Tochter haben ein Problem mit dem täglichen Leben. Im Haus von Prinz IV gärt es, denn die Geburt seines Sohnes hat er in einem Freudenhaus verpasst und selbst Tage später sitzt er seinen Rausch in der Obhut der Prostituierten aus. Als er wieder klar in seinem viereckigen Kopf ist, bricht auch sogleich wieder der Jähzorn durch, der ihn schon häufiger angetrieben hat.

Brian K. Vaughn und Fiona Staples sind Zauberer. Nennen wir einmal nicht die ganzen Preise, die die Serie bereits eingeheimst hat, und gehen der Sache auf den Grund. SAGA hat das Quäntchen Anarchie, es hat viel Humor, es eine Spur der Science-Fiction-Epen, die im Strudel von Star Wars folgten. Star Crash, das alte Battlestar Galactica oder Buck Rogers sind treffende Beispiele im Plastik-Look, den SAGA sehr gut trifft. Es finden sich Elemente von Barbarella, vom Comic wie auch von der späteren Verfilmung. SAGA vermittelt dem älteren Leser eine Retrogefühl, für den jüngeren Leser wird es wieder etwas Neues sein, da sich lange niemand derartig an eine Space-Opera herangewagt hat.

Kindesentführung. Eines der schwersten Vergehen, auch hier in SAGA. Die beiden Comic-Macher nutzen die Gelegenheit zu einer spannenden Hatz, aber auch dazu, um verschiedene Epochen deutlich zu machen. Das Robotervolk ist nämlich nicht nur von Hightechwesen bevölkert, die in ihrem Monarchen ihre Krone der Schöpfung finden. Anstelle eines gewöhnlichen Kopfes sind diese Wesen mit einem Monitor ausgestattet. Das Staatsoberhaupt ist mit einem Haupt gesegnet, das nicht zufällig an einen der neuesten Flachbildschirme erinnert. Da kann selbst Prinz Robot IV nicht mithalten. Aber noch weniger das gemeine Volk.

Denn jene, die einfachste Arbeiten ausführen und am untersten Ende der Karriereleiter rangieren, tragen nicht nur altmodische Monitore mit Drehschaltern auf den Hälsen, ihre angezeigten Bilder werden auch in Schwarzweiß ausgestrahlt. Brian K. Vaughn schlägt auf elegante Weise die Brücke zwischen uralten Science-Fiction-Geschichten, Pulp aus den Anfangstagen des Genres, bis in die Gegenwart, die Klicki-Bunti-Plastikzeit und offenbart, wie wenig sich im Sinne der Unterhaltung im Kern geändert hat. Nur an den Rändern findet sich Neues, neue Interpretationen, neue Ideen, die aus den Zeichen der jeweiligen Zeit entspringen.

Sex sells. Aber eben nicht immer. Und früher schon gar nicht. Jemandem, der sich in einer wichtigen Mission wähnt, dergleichen Mittel zur Überbringung seiner Botschaft aufschwatzen zu wollen, ist selbstmörderisch kurzsichtig. Brian K. Vaughn nimmt die Mechanismen menschlicher Unterhaltung, ihre Methoden und pseudopsychologischen Regeln genüsslich auseinander, zögert aber auch nicht, sie selbst anzuwenden. Das ist dank Fiona Staples auch optisch doppelzüngig und gemein, aber stets mit einem Augenzwinkern.

Eine feine Fortsetzung, die natürlich wieder für einen Wendepunkt sorgt, unvorhersehbar und etwas vernachlässigte Charaktere erneut ins Visier nimmt. Satirisch fies. Herzlich gezeichnet von Fiona Staples. 🙂

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