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Comic Blog


Donnerstag, 08. Mai 2014

ATALANTE 5 – Kalais und Zetes

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:51

ATALANTE 5 - Die Legende - Kalais und ZetesAtalante ist beliebt bei den Freunden, die den Tag mit ihr verbringen und sie umsorgen. Das kleine Mädchen versucht sich an einer neuen Sprache, aber die Laute derer, die mit Schuppen bedeckt sind, wollen ihr einfach nicht ins Ohr. Da steht es mit den Worten jener, die mit Fell und Federn bedeckt sind, schon bedeutend leichter. Doch immer nur lernen ist auf die Dauer nichts für ein Kind. Atalante weist nämlich noch eine andere Begabung auf, die ihr im Verlaufe ihres Lebens noch mehrfach von Nutzen sein wird. Sie läuft unglaublich schnell und hängt die Faune der Reihe nach ab. Wie gut, dass ihre göttlichen Patinnen ein Auge auf Atalante haben, damit diese nicht über ihre Fähigkeiten in Arroganz verfällt.

Einmal Himmel und zurück. Für ihre Rettungsaktion bleibt den vielgestaltigen Mannen um Jason keine andere Wahl als sich auf geflügelten Pferden in die Lüfte zu erheben und eine völlig andere Schlacht als gewöhnlich zu schlagen. Für den Leser halten Crisse, Autor und Zeichner, und Fred Besson, Farben, nicht nur eine auf diese Art selten erzählte Rettung bereit, sie offenbaren auch weitere Erlebnisse aus Atalantes Jugend und ihrem Aufwachsen zwischen allerlei mythologischem Getier. Kalais und Zetes, die beiden Boreaden, um die es sich in dieser Handlung dreht, stehen in Gefangenschaft gegen aberhunderte von Harpyien, die sich einen Spaß daraus machen, sie der Folter und Kampfspielen auszusetzen.

Die in einem Disney-Stil angelegten Grafiken täuschen über das anstehende Drama hinweg, obwohl die griechische Legendensammlung reichlich Figuren zu bieten hat, die auf die eine oder andere Weise in Schwierigkeiten sind. ATALANTE wird in der Himmelsstadt mit einer weiteren derartigen Geschichte konfrontiert, vorgebracht als eine Entschuldigung für das Verhalten eines Wesens, das Menschen zum Fressen gern hat. Der Mensch hat es in dieser Comic-Reihe nicht leicht. Götter lassen sich zwar anbeten, aber so richtig wohl gesonnen, sind sie den Menschen in letzter Konsequenz nicht grundsätzlich. Durch die göttliche Willkür mag kaum Mitleid für die Kreatur aufkommen, dafür umso mehr Begeisterung.

Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich sein, ist es aber bei genauer Betrachtung nicht. Für den Leser liegt in der Bilderpracht der Schlüssel zur Geschichte. Es sind die Feinheiten der gezeichneten Figuren, ein verschmitztes Lächeln vielleicht, grimmige Blicke, eine stolze Haltung, ein Tanz in den Wolken, eine hitzig geführte Diskussion oder ein erbittert geführter Kampf, die hier noch ein wenig mehr als die eigentliche Handlung erzählen und so das Kernelement des Comics auf ganzer Breite ausnutzen. Das ist, auch wenn es viel zitiert ist, Kino für das Auge auf Papier.

Die geflügelten Wesen sind in ihrer Eleganz ein Fest, doch bleiben sie, nachdem sie zuvor bereits ausführlich gewürdigt wurden, in der zweiten Reihe. Wichtiger sind die Geschehnisse innerhalb der Mauern der Himmelsstadt und die Rückblicke in Atalantes Leben sowie die Entstehung der bedauernswerten Amphiristia. Crisse baut seine Figuren regelrecht, zeichnet sehr zartgliedrige Gestalten und sucht das Ungleichgewicht innerhalb der Körper. Riesige Füße stehen schmalen Beinen und kleinen Händen gegenüber. Stupsnasen werden von großen Augen dominiert. Crisse kann mit menschlichen, am besten wahrscheinlich mit weiblichen Körpern umgehen, seine Stärken liegen aber zweifelsohne im Getier.

Hier lohnen sich auch Blicke in die Hintergründe, etwas abseits der Hauptfiguren, wo es sich zeigt, dass selbst die kleinste Figur noch mit Liebe und Sorgfalt bedacht worden ist, obwohl sie auf der eigentlichen Seite kaum größer als ein Fingernagel erscheint.

Ein weiterhin heroisch erzähltes Abenteuer, mit feinen Rückblicken garniert, einer ungewohnt dramatischen Wendung. Grafisch wird die schöne Bebilderung routiniert beibehalten. Wenigstens Band 4 der Reihe sollte bekannt sein, um der Handlung des Mittelteils der zweiten Trilogie der Serie gut zu folgen. 🙂

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