Grandiosität ist kein Schlüssel zum Erfolg in einem harten Kampf. Diesen Schluss muss Derek Dynamo, der Sohn eines anerkannten Wissenschaftlers, ziehen, als er zusammen mit seinem Partner SUPER DINOSAUR gegen extrem gefährliche Gegner antritt. Beinahe geht der Einsatz schief. SUPER DINOSAURS Ausrüstung wird arg in Mitleidenschaft gezogen. Das ist noch nicht alles: Neue kommen auf die Basis. Sie sollen eigentlich die Arbeit des Doktors erleichtern. Leider, zu Dereks Verdruss, hat das Technikerehepaar auch seine beiden Töchter mitgebracht. Noch mehr Kinder in dieser Einrichtung will Derek nicht, der lieber mit seinem Vater und seinen eigenen Projekten alleine ist. Denn die ungewollte Gesellschaft könnte ein Geheimnis lüften, das nicht öffentlich werden darf.
Robert Kirkman kennt kindliche Wünsche. Es ist das Rezept eines George Lucas, der sich auch mit Chewbacca einen großen, besten Freund schuf. Kirkman, einem anderen medialen Zeitalter entsprungen, hält es lieber mit Dinosauriern und greift einen vergangenen, aber nicht vergessenen Hype wieder auf. Der Spezialist in Sachen Genre-Belebung, siehe auch The Walking Dead oder Invincible, beschäftigt sich in SUPER DINOSAUR nicht nur mit einem Kindertraum. Ganz nebenbei kreiert er noch ein kleines Comic-Universum.
Kirkman selbst sagt, die Geschichte sei für seinen Sohn entstanden, eine Art Pixar-Film auf Papier. Hier greift er aber zu kurz, denn die Figuren sind aufwendiger, die Geschichte ist mit mehr Action belastet und irgendwie auch eine Spur gigantischer, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Pixar steht mehr für Knuffelei. Knuffig ist hier nur der kleine Roboter von Derek Dynamo, einem höchst intelligentem Jungen und SUPER DINOSAURS bestem Freund. Nun ist ausgerechnet dieser SUPER DINOSAUR ein Tyrannosaurus Rex, zwar nur noch drei Meter groß, aber dennoch alles andere als knuffig zu nennen.
Ein Tyrannosaurus Rex ist ein Maul, eine Fressmaschine auf zwei Beinen. Eine solche Vorlage zu einem besten Freund für einen Heranwachsenden zu machen, ist ein kleines Kunststück. Es gelingt durch technische Gimmicks, die einen James Bond, so er sie denn noch verwendete, vor Neid erblassen lassen würde. Denn die kleinen Arme, die einen Tyrannosaurus Rex zu einer gewissen Hilflosigkeit degradieren, werden durch eine Joystick-Steuerung von weitaus mächtigeren Gliedmaßen, allesamt mechanisch, gewinnbringend eingesetzt. SUPER DINOSAUR, der, man könnte es so sagen, Computerspiele als eine Art Training absolviert, lässt sich auf diese Weise, die Austauschbarkeit seiner Ausrüstung, speziell für jede Mission neu ausstaffieren.
Aber zurück zum Anfang: Derek Dynamo, die sympathische Identifikationsfigur, sollte neben SUPER DINOSAUR nicht vergessen werden. Mit einer Spur Manga (oder Manhwa, ganz nach Bedarf) zieht Künstler, Zeichner und Kolorist in einem, Jason Howard eine klare Kante. Er mag die Ecke, wo vielleicht Rundungen sein sollten, konstruiert seine Figuren gerne, wie es aus der asiatischen Comic-Ecke gewohnter ist, aber es finden sich auch Strichtechniken, wie sie im Frankobelgischen aktuell vorkommen, zudem wieder aufgegriffen werden. Die Mixtur ist gelungen, flott, schnell wirkend, tatsächlich wie ein Pixar-Film auf Papier.
Derartige Kreaturen wie hier sucht man bei der Animationsschmiede eher vergeblich, denn dem SUPER DINOSAUR stehen nicht nur intelligente Dinosaurier entgegen. Robert Kirkman greift noch viel tiefer in die Trickkiste eines, vergleichsweise, comic-liebenden Dr. Moreau. Waffenstarrend, muskulös treten sie auf, zwingen SUPER DINOSAUR zum stetigen Wechsel seiner Ausrüstung und sogar eine sehr schicke Hommage an die japanischen Monsterfilme darf nicht fehlen. Fast könnte man meinen, Kirkman und Del Toro (Pacific Rim) hätten sich abgesprochen.
Was für ein Auftakt. Kirkman erzählt mit der Geschwindigkeit einer Zeichentrickepisode. Da hagelt es Überraschungen und optischen Aufwand, kracht es, so dass kindliche Augen, selbst durch Trickserien verwöhnte, voll auf ihre Kosten kommen. Kirkman springt ein Genre weiter und beweist, wie gut er für anscheinend jedes Lebensalter Unterhaltung entwerfen und über weite Strecken zu erzählen vermag. Sauber, poppig illustriert von Jason Howard. SciFi-Kinderherz, was willst du mehr? 🙂
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