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Comic Blog


Dienstag, 24. Januar 2012

Zombies 2 – Von der Kürze des Lebens

Filed under: Mystery — Michael um 18:40

Zombies 2 - Von der Kürze des LebensEiner? Hunderte! Tausende! Abertausende! Vor diesem Tag haben die Überlebenden sich gefürchtet. Sicher haben sie bisher schon gegen die Untoten gekämpft. Sie haben einen Weg gefunden, sie zu besiegen, endgültig zu vernichten. Aber gegen das da, gegen eine Herde, deren Leiber sich bis zum Horizont erstrecken, die kein Hindernis scheuen, welche Hoffnung, welche Waffe soll es geben, um diese Bedrohung aufzuhalten. Dabei wähnte man sich innerhalb der Gruppe der Überlebenden auf einem aufsteigenden Ast. Es war nicht problemlos, die Bedrohung blieb letztlich, doch hatte man sich arrangiert, organisiert. Die Untoten bildeten keinen größeren Schrecken mehr als Raubtiere. Ihre Gefahr war kalkulierbar.

Für Sam hatte es sich eine gewisse Zeit alles zum Besseren entwickelt. Jedenfalls angesichts der Umstände. Seine Tochter hatte er in den Wirren der Zombiekriege verloren, dafür jedoch einen kleinen Jungen, Josh, gefunden, auf den er wie ein Vater aufpassen konnte. Zuerst war er dieser Aufgabe mit nicht allzu großem Enthusiasmus nachgekommen. Neuerlich sein Herz wieder an jemanden zu binden, war zu anstrengend, zu gefährlich für das eigene Seelenleben in einer Welt, in der es jeden Moment zu Ende gehen kann. Als Josh verletzt wird, steht Sam kurz vor dem Durchdrehen. Nun, da Freunde im helfen wollen, Medikamente für den Jungen aufzutreiben, steht ihm weiterhin noch ein Geheimnis im Weg, um sich wirklich und ernsthaft in die Gruppe integrieren zu können. Erst die Hoffnung darauf, seine Tochter doch noch lebend wiederzusehen, setzt eine Veränderung in Gang.

Von der Kürze des Lebens: Wenn die Akteure einer Zombie-Geschichte eines wissen, ist es genau dieser Umstand. Jeden Augenblick kann alles zu Ende sein. Erzähler Olivier Peru stellt dem Band ein Zitat von Seneca hintenan: Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen. So weit, so philosophisch, so wahr. Peru versetzt den Leser in eine übergeordnete Rolle, der mehr weiß als die Akteure dieses Horrorszenarios: Die Uhr tickt. Und immer schneller. Zuvor allerdings wird wieder Hoffnung in die Augen gestreut. Einige kommen sich näher. Etwas Liebe entsteht. Hoffnung erfüllt sich. Aber Peru setzt die sehr gute Erzählung in Zombies 2 fort, so dass auch hier der große Knall kommen muss. Er wird sehr groß.

Das Lösungswort lautet: Apokalypse. Schon in anderen Zombie-Horrorgeschichten wurde dieser Aspekt sehr verdichtet dargestellt, weit über das ursprüngliche Konzept eines George A. Romero hinaus, der sicherlich etwas ungläubig auf all die Veröffentlichungen schauen muss. Finden sich natürlich Szenen im zweiten Teil der Trilogie, die in so manchem Computerspieler Erinnerungen wecken, finden sich aber auch Bilder, die Lesern von Romanen wie World War Z oder Nation der Untoten bekannter vorkommen werden.

Sophian Cholet, dessen Zeichenstrich zwischen Manga und europäischem Realismus angesiedelt ist, bietet einen sehr genauen, penibel ausgeführten Blick auf das Geschehen. Hier wird nichts verheimlicht, in den Schatten versteckt. Mit Kameraaugen beherrscht Cholet die Fahrten nah an die individuellen Charaktere heran, geht hinaus in die Weite und präsentiert schließlich auf einer Doppelseite eine Ansicht, die in dieser Tragweite besonders unheimlich wirkt. Erschreckend, bedrückend, anrührend, auch brutal sind Attribute weiterer Szenen. Cholet führt jene Charaktere gegen den untoten Feind, für die der Leser dank Perus erzählerischem Geschick Sympathien entwickeln konnte. Cholet beantwortet auch dank Perus Erzählung die Frage, ob Zombies schwimmen können: Ja, wenn die Masse genug nachdrückt.

Farblich wird weiterhin nicht übertrieben, sondern mit Grundstimmungen gearbeitet. Ist es szenisch manchmal auch gewalttätig oder sind die Ansichten auch ein wenig eklig (gehört zu einem Zombie-Szenario zwangsläufig dazu), wird deshalb noch lange nicht das Theaterblut mit dem Bade ausgeschüttet. Hier darf Blut auch gnädigerweise dunkel bleiben.

Dramatisch, packend, apokalyptisch, besser als der erste Teil und mit einem höchst gemeinen Cliffhanger (für den Leser): Wird Olivier Peru dieses Szenario noch mit ein wenig Mitgefühl für seine Charaktere auflösen? So nervenaufreibend kann Horror sein! 🙂

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