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Comic Blog


Donnerstag, 12. Januar 2012

Betelgeuze Gesamtausgabe

Filed under: SciFi — Michael um 18:54

Betelgeuze GesamtausgabeUnten auf dem Planeten werden Frauen gebraucht. Ohne sie wird die kleine Kolonie nicht überleben. Die blonde Frau hoch oben in einer Umlaufbahn über Betelgeuze, auf einem Kolonieschiff, weiß von den Vorkommnissen auf der Planetenoberfläche nichts. Sie wähnt sich allein. Als der junge Mann aus seiner Stasis erwacht, hat sie zwar jemanden, mit dem sie den Geheimnissen an Bord auf den Grund gehen kann, aber die Ergebnisse dieser Nachforschungen werden keine Hoffnungen wecken. Im Gegenteil: Allein im All, ohne die Möglichkeit Hilfe zu rufen oder auch nur irgendwie auf sich aufmerksam machen zu können, scheint es nur eine Prognose zu geben.

Wir sind nicht allein: Auch auf Betelgeuze muss die Menschheit die Erfahrung machen, dass bereits andere vor ihr dort eingetroffen sind. Mehr noch: Diesmal ist sie nicht erwünscht. Autor und Zeichner Leo setzt seine Science-Fiction-geschichte rund um das Leben der auf der Aldebaran geborenen Kim Keller fort und reist mit dem Leser in ein neues Sternensystem: Betelgeuze. Diese Gesamtausgabe fasst die fünf Alben des zweiten Zyklus zusammen.

Der neue Planet, der zur Kolonialisierung auserkoren wurde, ist auf den ersten Blick weniger paradiesisch als Aldebaran, aber immer noch ursprünglicher als die Erde, die unter einer Glocke von Schmutz und Abgasen zu ersticken droht. Der Aufbruch ins All ist eine Notwendigkeit und entspringt nicht einem unbedingten Herzenswunsch. Die Menschheit hat den Punkt zur Umkehr verpasst. Betelgeuze, der bislang noch keine Zivilisation sah, bietet große Wüstengebiete, gigantische begrünte Schluchten und riesige unterirdische Wasservorkommen. Doch die Kolonisation scheint schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt worden zu sein, denn von den tausenden von Kolonisten haben nur wenige die Planetenoberfläche erreicht. Die meisten sind tot, auf ewig im All eingefroren.

Leo präsentiert dem Leser eine Zukunft, die hoffnungsvoll wirkt, aber auch einige Klippen, Abgründe und Steine auf dem Weg liegen hat. Wie schon in Aldebaran birgt jedes Paradies eine Schlange. Bald tauchen Zwänge auf, werden falsche Kompromisse geschlossen, die eine Veränderung zum Besseren verhindern oder sogar rückgängig machen. Leo gelingt durch die Schilderung der menschlichen Beziehungen und der Erforschung dieses neuen Planeten eine außerordentlich dichte Erzählung, die nicht mit Paukenschlägen daher kommt, sondern den Leser für die einzelnen Charaktere vereinnahmt und so mitreißt. Die Figur der Kim Keller ist ein Archetyp der emanzipierten Frau, ungewollt charismatisch, intelligent und sehr weiblich, wie ihr ihre Verehrer stets aufs Neue bestätigen.

Betelgeuze, im Land der tiefen Täler: Aus dem Weltraum sieht der Planet unwirtlich aus. Erst bei näherer Betrachtung enthüllt Leo tiefgrüne Schluchten, breite Flüsse und einen großen Tierreichtum. Leichte Strichführung, größtmöglicher Realismus in der Darstellung und eine ruhige, unaufdringliche, weil natürliche Farbgebung lassen Bilder und Gesamteindrücke entstehen, die an Momentaufnahmen erinnern. In den Raumschiffszenen mag der Vergleich zu Bildern, die in echter Umgebung entstanden sind, vielleicht etwas hinken, doch Leo gelingt der Fingerkniff diese Welt künstlerisch zu dokumentieren. Der Unterschied zwischen der Kühle des Alls, der beigefarbenen Wüsten, der grasgrünen Täler und der kaltgrauen unterirdischen Welt bietet hierfür insgesamt spannende Kontraste.

Sind Leos Gesichtsentwürfe auch nicht so differenziert wie der Rest seiner grafischen Einzelheiten, mag ihm dies angesichts der Fülle der Ausdrücke, die er für diese Weltengestaltung schafft, mehr als nur verziehen sein. Ein Kern des neuen Zyklus weiß besonders zu gefallen: Die Iums (das Titelbild zeigt Kim Keller mit einem dieser schwarzweißen Wesen), optisch angelehnt an Robben, sehr rund, auch knuffig, werden von Leo für beeindruckende Ansichten genutzt. Gleichzeitig bietet er optische Einfälle, die einen häufig innehalten und staunen lassen.

Dieser zweite Zyklus besticht einmal mehr durch seine konsequent ruhige Erzählung, stetige Spannungssteigerung, überraschende Wendungen und Aktionen. Leo ist nicht nur ein geradliniger Künstler mit dem Strich an der richtigen Stelle, er weiß auch punktgenau zu erzählen. Seine Kreationen (Lebewesen vorneweg) faszinieren ein ums andere Mal mehr und die immer neuen Rätsel machen diese Science-Reihe-Reihe zu etwas Besonderem innerhalb des Genres. 🙂

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