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Comic Blog


Mittwoch, 25. Mai 2011

RIA – Die Lichtklan-Chroniken 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:49

RIA - Die Lichtklan-Chroniken 1 - Same der HoffnungLoan ist ein Kämpfer. Auf artistische Art vollführt er seinen tödlichen Tanz um die fremden Krieger, die ihn deutlich überragen. Aber Loan weiß auch, wann es besser ist, den Rückzug anzutreten. Sein Versteck, hastig ausgewählt, hätte er gar nicht betreten sollen. So wird jemand erweckt, der überhaupt nicht bereit ist, seine Aufgabe anzutreten. Aber was hilft es? Loan hat es angefangen und führt es weiter. Kurzerhand befreit Loan die junge Frau aus ihrer Geburtsstätte und bringt sie in Sicherheit.

Nicht kleckern. Klotzen! Selten findet man einen derartigen grafischen Aufwand in einem Comic, ganz gleich welchen Genres, ganz gleich woher es stammt, diesseits oder jenseits des Atlantiks (oder sonstiger Meere). Der Auftakt von RIA mit dem fortführenden Titel Die Lichtklan-Chroniken ist ein bildgewaltiges Abenteuer, aufgemacht wie der Abdruck der besten Szenen und Einstellungen eines abendfüllenden Zeichentrickfilms. Die Welt erinnert an eine Zivilisation im Inneren der Erde. Das Stichwort Jules Verne darf hier wieder fallen. Aber wer sich bereits die Skizze im Vorfeld anschaut und sich im Laufe der Handlung mit dem Außenweltler vertraut macht, wird Parallelen zu den Visionen des großen Science-Fiction-Autoren entdecken.

Im Kern ist der Aufbau der Handlung klassisch: Ein Held (der letzte seiner Art). Eine Hoffnungsgestalt (die zu früh erweckt wird und die Last einer friedvollen Zukunft mit sich trägt). Ein Weiser (jemand, der weiß, was zu tun ist). Ein Volk im Verborgenen. Ein Bösewicht (übermächtig, dämonisch, der alles unter seiner Knute vereint oder wenigstens vernichtet wissen will). Ein monströses Heer. Wirkt bekannt, aber die Details sind es nicht. Denn hier wurde sehr viel Wert auf Erscheinungsformen von Landschaft, Kreaturen und Figuren gelegt, wie sie sonst nur in Making-Ofs großer Trickschmieden zu finden sind.

Das erste Buch der Reihe, Same der Hoffnung, hat einen sehr hohen Knuffigkeitsfaktor, der sich bei dem Betrachten insbesondere der Ojos und Morcs sehr schnell einstellt. Die einen pummelig, die anderen schlank, erinnern beide Völker an Wesen aus dem Tierreich, etwas insektenartig, ein wenig mit kleinen Nagern gepaart. Die Fantasie ist hier Trumpf und der Eindruck ist äußerst liebevoll und kindgerecht. Die kriegerischen Auseinandersetzungen, verhalten dargestellt zwar, stehen dem entgegen und bilden einen ähnlichen Gegensatz, wie es der Phantastik-Fan in Taran und der Zauberkessel oder sogar Die Rückkehr der Jedi-Ritter erleben konnte. Wenn Knuffigkeit eine Grundlage bildet, bricht reale Gewalt diesen Effekt manchmal zu sehr auf.

Ein Comic zeigt, was machbar ist! Der Aufwand ist hier deutlich größer als in anderen Comics. Charakterentwicklung, Hintergrundzeichnungen, Kolorierung, Effekte, außerdem findet von Seite zu Seite eine stete Steigerung statt. Selten findet man als Leser im Vorfeld einer Geschichte derart viele Mitwirkende. Das Ergebnis spricht für sich. Die Ansichten haben nicht nur einen sehr lebendigen Zeichentrickfilmcharakter (bei derlei Vorarbeit schreit das Projekt geradezu nach einer tatsächlichen Leinwandumsetzung), die Hintergrundgrafiken mit den eingebundenen Figuren ergeben einen sehr guten plastischen Effekt.

Ein ausführlicher Anhang mit Erläuterungen und Entwicklungsskizzen rundet den ersten Band der Reihe sehr gut ab.

Ein Comic aus Deutschland setzt den Maßstab neu an: Grafische Gestaltung auf hohem Niveau, ein Augenschmaus, wie er so nur selten zu sehen ist. Das Projekt ist wunderschön geworden, eine Fortsetzung ist wünschenswert.

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