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Comic Blog


Freitag, 29. April 2011

KREUZFAHRER 1

Filed under: Mystery — Michael um 22:23

Kreuzfahrer 1 - Das Gespenst mit den SilberaugenDas Experiment misslingt: Schon wieder! Der soeben Getötete erwacht zwar, doch die Kreatur ist nicht zu steuern. Mit höchster Mordlust greift sie ihre ehemaligen Peiniger an. Was geht da in den Katakomben vor sich? Für die Kreuzritter ist es nicht weniger ein Rätsel als für die islamischen Verteidiger. Die Mission zur Lösung des Rätsels will gut vorbereitet sein. Vor allem braucht es dazu die Männer (auch Frauen). Kämpfer mit außergewöhnlichen Fertigkeiten oder wenigstens mit außergewöhnlichem Wissen. Ein Garant für Erfolg oder gar das eigene Überleben ist es dennoch nicht.

Das Gespenst mit den Silberaugen: Obwohl der Titel der Reihe, Kreuzfahrer, die Thematik begrenzt, wird der Leser sehr schnell überrascht. Aus einer Kreuzfahrergeschichte wird eine Handlung mit Horrorelementen. Geschickt werden von den Autoren Izu und Nikolavitsch wahre Sachverhalte, Orte und Begebenheiten gemischt und phantastische Elemente eingestreut, die geradewegs aus einem Egoshooter wie Resident Evil stammen könnten. Mit dem einzigen Unterschied, dass unseren Akteuren hier keine Schusswaffen zur Verfügung stehen (na, fast nicht).

In der realen Historie war es nicht mit einem Kreuzzug getan, besondere Ordnung haben die jeweiligen Aktionen zuweilen auch vermissen lassen. Der vorliegende erste Band der Reihe setzt mit dem fünften Kreuzzug ein. Beide Seiten, Ungläubige aus der jeweiligen Sicht, haben Zeit gehabt, sich ausreichend kennenzulernen und ihren Hass zu vervollkommnen, allerdings sind auch Beziehungen geknüpft worden. Manchmal erreicht Diplomatie und Verhandlung das, was Schwerter und Säbel nicht vermögen. Izu und Nikolavitsch bringen eine dritte Partei, die Assassinen, ins Spiel. Diese versuchen ihre Macht auszubauen und den ultimativen Krieger zu schaffen. Da die Assassinen auch bereit waren für den Alten vom Berge in den Tod zu gehen, macht es hier auch keinen Unterschied, ob sie überhaupt noch zu einem vernünftigen Gedanken fähig sind.

Zombies? Vielleicht. So genau lässt es sich nicht bestimmen, was sich den Kriegsparteien in den Katakomben entgegenstellt. Fest steht allerdings, dass Izu und Nikolavitsch mit allen Regeln neuerer Erzählkunst spielen. Gerade in erwähnten Egoshootern, in denen eine gewisse Hintergrundhandlung immer wichtiger und so zum Garant einer gewissen Langlebigkeit des Genres geworden ist, finden sich derlei Erzählstrukturen nicht selten wieder. Eine Gruppe wird zusammengeschmiedet, sogar eine Frau ist dabei und darf gehörig austeilen. Anschließend, die Akteure sind vollzählig, geht es erst richtig los.

Zhang Xiaoyu, dem Zeichner und als Kolorist Beteiligtem, ist es zu verdanken, dass dieses Mittelalterszenario mit all seinen Horrorelementen außerordentlich gut funktioniert. Stilistisch ist Zhang Xiaoyu nur ein wenig im fernöstlichen Comic wiederzufinden. Viel mehr geht seine Art zu zeichnen in die Richtung eines italienischen Altmeisters wie Paolo Eleuteri Serpieri, der mit seinen Publikationen um Druuna viele Leser gefunden hat. Feine Außenlinien formen die Figuren. In leicht wiedererkennbarer Technik werden die Schattierungen schraffiert. Die Technik erinnert nicht nur an besagte Comic-Richtung und den genannten Künstler, vielmehr wirkt es wie eine vereinfachte Radierungsform, vielleicht etwas skizzierter.

Xiaoyu zeichnet möglichst realistisch. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Figuren, obwohl er auch sehr gut mit Umgebungen arbeiten kann, wie ein doppelseitiges Bild eines Angriffs von See her auf einer Stadt beweist. Die Kolorierung ist dicht, nicht zu viel und nicht zu wenig. Sie versucht den Eindruck von Räumlichkeit zu verstärken. Ebenso wird das Tuscheschwarz durch leichte Farbüberlagerung verstärkt in das Bild integriert.

Ein Bild ändert alles. Freilich soll hier nicht verraten werden, um welches Bild es sich handelt. Aber jeder Leser wird es leicht entdecken und bestimmt ebenso erstaunt sein, wie ich es bei der Lektüre war. Mittels eines Bildes versprechen die Macher eine Menge neuer Rätsel und die Auflösung dieser Geschichte muss zwangsläufig ungewöhnlicher als angenommen ausfallen.

Sehr spannend, zuweilen recht brutal, ein Mix aus Historienabenteuer und Horrorthriller. Toll aufgebaut und mit einigen Action-Sequenzen, die es in sich haben. Man darf auf den zweiten Teil gespannt sein. 🙂

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