Rivalität hat es in der Route de Maisons Rouges immer schon gegeben, doch nun wird diese Rivalität auf die Spitze getrieben. Das am wenigsten profitable Etablissement soll geschlossen werden. Die jungen Frauen sind empört, aber ihnen bleibt keine Wahl, als sich auf diesen Wettkampf einzulassen. Der Kundschaft mag es gleichgültig sein. Die Männer kommen nur hierher, um sich zu amüsieren. Hinter den Kulissen allerdings, die, wie es sich herausstellt, tatsächlich existieren, brodelt es. Die Liebe, die wahre Liebe, zwingt manchmal zu Entscheidungen, die schmerzen und als Verrat gedeutet werden. So wird aus Liebe manchmal Geschäft oder auch Politik. Ohne es zu ahnen, sind die jungen Frauen der Route de Maisons Rouges längst zum Spielball einer machthungrigen Politik geworden, die schließlich sogar einen Mord zur Folge haben wird.
Die Autoren der hier zusammengefassten Serie begeben sich thematisch für eine Comic-Serie auf ungewohntes Terrain. Das Route de Maisons Rouges, eine Straße mit verschiedenen Bordellen, entführt in die Scheinwelt von Lust und Spaß. Wer eine schärfere Geschichte mit entsprechenden Bildern erwartet, wird ziemlich überrascht werden. Die Route de Maisons Rouges wartet mit wunderbaren Pin-Ups auf, verzichtet aber auf die derbe Zurschaustellung sexueller Ausschweifungen. Das wird der Fantasie des Lesers überlassen. In der Optik eines Zeichentrickfilms, italienisch disneyesk mit ein wenig Terry Dodson (Träume, Spider-Man) und Frank Cho, entspinnt sich die vierteilige Geschichte, die mit weiblicher Homoerotik ebenso spielt wie mit Cartoon-Slapstick der 40er und 50er Jahre.
Die Mischung macht’s. Sobald man sich an die recht freizügig bekleideten Pin-Ups gewöhnt hat (geht schnell), lässt es sich sehr gut und unterhaltsam der Handlung folgen, an der gleich zwei Zeichner beteiligt sind. Den Löwenanteil, die ersten drei Akte übernimmt Vincenzo Cucca den Zeichenstift und setzt dabei einen Maßstab in der Ausarbeitung. Diesem folgt in der vierten Episode Livia Pastore. Im Anhang wird sehr schön auf die Ausarbeitung der Seiten eingegangen, ein weiterer, besonders für den Leser interessanter Blick hinter die Kulissen.
Nachdem die Einleitung und die Vorstellung der Figuren erfolgt ist, die, betrachtet man die weibliche Mehrheit, eher durch ihre Kleidung und Haarfarbe auseinandergehalten werden kann, weniger durch ihre Gesichter, folgen nach den ersten Ränkeschmieden handfeste Mordermittlungen. Sind die Männer bis zu diesem Zeitpunkt entweder besonders putzig geraten (der Bürgermeister wie auch eine Figur, die an einen Einstein im Miniaturformat erinnert) oder besonders gemein wirkend (wie ein typischer Schurke bei Disney oder Bluth), so schlägt der ermittelnde Polizist Detective Giliani aus der Art.
Hier, in dieser Mischung, muss er einem Vergleich zu Brad Pitt standhalten, wie er in Cool World als Polizist zu sehen war. Die Sexbomben, wie sie in der vorliegenden Geschichte reihenweise auftreten, sind allemal solche Granaten, wie sie Kim Basinger in vergleichbarer Rolle in Cool World war. Eine Inspiration durch Jessica Rabbit ist ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Kurzweilig, sehr, sehr schön inszeniert und top gezeichnet, lustvoll komisch, komödienhaft, charmant, vor allem einmal ganz anders. 🙂
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