Die beiden Gauner benötigten nicht viel Überzeugungskraft, um Aleksei das Experiment schmackhaft zu machen. Zu ihrem Glück: Denn hätte Aleksei gewusst, wie schmerzhaft die Verwandlung in Rhino ist, hätte er es sich vielleicht noch einmal anders überlegt. Aber die Fähigkeit zum Überlegen ist nicht seine große Stärke. Aleksei ist ein Rammbock, mehr nicht, aber darin ist er spitze.
Neue Schurken braucht das Land. Es ist nicht selten, dass ein Schurke in Vergessenheit gerät, vielleicht sogar stirbt und ein anderer meint, diesen frei gewordenen Platz einnehmen zu müssen. Die im vorliegenden Heft versammelten vier Geschichten beschäftigen sich mit RHINO, einem in der letzten Zeit eher spärlichen auftretenden Schurken. Aleksei Sytsevich, hat sich einstmals in einem Experiment zu einem Superschurken pimpen lassen, wie man auf Neusprech sagen würde. Aleksei wurde durch diese Prozedur superstark und mit einer nahezu undurchdringbaren Haut versehen, konnte ihm eigentlich nichts und niemand etwas anhaben. Sein größter Mangel: Aleksei ist so schlau wie nasses Toastbrot (was er weiß). Allerdings ist er nicht vollkommen herzlos.
Nachdem Autor Fred van Lente und Zeichner Nick Dragotta einen Blick auf die Ursprünge des RHINO geworfen haben, findet ein Wechsel statt. Aleksei geht den für Schurken ungewöhnlichen Weg und lässt sich fangen und einsperren. Aleksei will tatsächlich büßen und einen Neuanfang machen. Die erste Geschichte schildert noch einen wahren Idioten, der für Geld alles macht und das nicht einmal immer richtig. In der nächsten Phase ist Aleksei im Menschsein angekommen.
Grafisch ist die Geschichte Immer weiter vergleichsweise einfach und würde weniger in einer Superhelden-Geschichte, eher in einem europäischen Autoren-Album vermutet werden. Hier dienen die Bilder von Javier Pulido dazu, die Handlung voranzubringen, nichts weiter. Andererseits ist es aber auch eine Rückbesinnung auf einfachere Strichführungen, wie es in den goldenen Comic-Zeiten der Fall war.
He, Neuer! Der neue Rhino zerschlägt nicht weniger und begeht einen folgenschweren Fehler. Keinen sehr neuen Fehler, aber immerhin ist sofort klar, wohin das nur führen kann. Gefährdete Spezies zelebriert den Untergang mit Wucht, im wahrsten Sinne des Wortes. Nur ein Hulk hätte eine Chance diesem Erdbeben zu entkommen. Die Zeichnungen sind nur etwas überzogen (ein wenig Vincent, ein wenig Humberto Ramos), aber sie könnten, da sie in diese Richtung gehen, noch eine Spur eleganter sein.
Eine konsequente Neugeburt mit einer charakterlichen Achterbahnfahrt in kleinen knappen Geschichten. Ein interessanter Übergang für einen Schurken. Spidey tritt hier etwas in den Hintergrund. Muss auch mal sein. 🙂