Red Dust hat so eine Ahnung und wenn er die hat, dann muss er sich beeilen. Die Spur in der Nacht zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Plötzlich fällt ein Schuss. Dust beeilt sich und betritt alsbald eine unwirkliche Szene, die allerdings keinen Zweifel daran lässt, dass er es mit einem Mörder zu tun hat. Einem Mörder, dem es nicht darauf ankommt, wie viele Tote auf seiner Reise zurückbleiben.
Ein echter Kriminalfall: Greg geht noch ein Stück weiter weg vom klassischen Western, auch vom Beginn der ersten Comanche-Abenteuer, hin zu einer neuen Art Western, zivilisierter, mit mehr Rätseln versehen. Im vorliegenden 10. Band der Reihe Comanche verabschiedet sich Zeichner Hermann. Es heißt, seine grafische Umstellung von Feder oder Pinsel auf dünnen Tuschestift (ein eher technisches Zeichengerät), habe alte Fans seines Zeichenstils etwas erzürnt. Beide Stile besitzen jedoch ihre Eigenständigkeit, sie könnten sogar von zweierlei Künstlern stammen. In jedem Fall dürfen sie gleichberechtigt nebeneinander stehen. Hermann entwickelte sich mit der neuen Art zu zeichnen weiter, und war hiermit durchaus eine Art Vorreiter. Niemand sollte einem Zeichner vorwerfen, sich auszuprobieren.
Weg von der Prärie: Laramie. Bevor es allerdings in die Zivilisation geht, muss Red Dust zuallererst die Arbeit eines Revolvermannes tun, von der er sich eigentlich losgesagt zu haben glaubte. Die Menschen um den Helden herum scheren sich nicht um Schwüre und Ängste, des Mannes, der Selbstjustiz übte und entsprechend dafür bezahlt hat. Greg lässt seinen Westmann denn auch mit einem zwiespältigen Gefühl in die Stadt reiten. Zwar ist hier alles wohl geordnet, aber hinter den feinen Kulissen (denen sich auch ein Red Dust unterwirft) gärt es.
Auch hier findet eine Abkehr der anfänglichen Geschichten statt. Die Triple-Six-Ranch hatte noch Probleme und keine Leute. Ein Revolverheld sollte Comanche umlegen. Jetzt steht ein kleines Herrenhaus auf der Ranch. An Arbeitern mangelt es nicht. Die Welt hat sich um die Farm herum weitergedreht, der Westen ist noch mehr erobert worden. Und Greg geht noch einen Schritt weiter. Er bringt hier bereits den modernen Western zu Papier, wie in den letzten Tagen eines John Wayne so kaum zu finden war. In neuerer Zeit gehen Western wie Appaloosa, Der Mann, der Liberty Valance erschoss oder The Missing eher in diese Richtung.
Zivilisationsprobleme: Ein verwirrter Geist findet sich selten als Motiv eines Westerns oder auch als Handlungsantrieb. Derlei Verdrängung, aus welchen Gründen auch immer, ist gerne in Thrillern gesehen. Im Western hat er Seltenheitswert. So könnte man die 10. Folge von Comanche auch als Westernthriller bezeichnen, mit einem Handlungsaufbau versehen, der sich heutzutage sogar schon in Fernsehserien findet. Aus einem Rätsel wird zunächst eine klassische Ermittlung, später dann ein Wettlauf gegen die Zeit. Das Ende erinnert ein wenig an eine Sequenz in Reisende im Wind.
Hermann datierte die Zeichnungen auf 1982. Zwei bis sieben Bilder teilen eine Seite streng auf, ohne Experimente. Das Auge kann dem Geschehen in aller Ruhe folgen. Die einzelnen Bilder wolle alle ungeteilte Aufmerksamkeit. Hektik entsteht nicht, der Lesefluss wirkt wie durch viel Erfahrung optimiert. Die Kolorierung übernimmt Fraymond, ebenfalls ohne Experimente. Weniger ist mehr, lautet die Devise auch in diesem Bereich. Zwar werden weniger farbliche Stimmungen bedient, als man es von anderen Folgen her gewohnt ist, Western-Feeling entsteht trotzdem.
Ein Abschied, aber ein gelungener: Hermann verlässt Comanche, (verließ, muss man sagen), aber er geht mit Bravour und einer schönen abschließenden Arbeit. Für Western-Fans ohnehin ein Muss. Neulinge sollten diesen Band aber nicht als Einstiegsband wählen, da eine gewisse Kenntnis der Charaktere in jedem Fall vorausgesetzt wird. 🙂
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