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Comic Blog


Montag, 14. März 2011

Happy Rock

Filed under: Cartoon — Michael um 11:18

Happy RockWer war schon einmal auf einem Live-Konzert? Hände hoch. Und überhaupt: Hände hoch? Wie verhält man sich auf einem Konzert? Wenn man seine Begeisterung zeigt? Oder Zugaben hören und sehen will? Zep hat sich dieses Themas angenommen und zeigt, dass auch die Welt des Rock’n Roll, des Pop, Soul und vieler anderer Musikrichtungen voller Missverständnisse ist.

Es beginnt mit Gittern. Längst dürfen Fans nicht zur Gänze an die Bühne heran. So mancher, der wenigstens nah am Absperrgitter stehen konnte, hat mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Diverse Hautabdrücke oder Abschürfungen sind die Folge. Wo andere Fans nachdrücken, kann der Fan in der ersten Reihe nicht in Frieden zuhören und feiern. Der Fan muss einiges ertragen, es ist nicht immer ein Leichtes, sich auf einen Rockstar einzulassen. Und falls doch, kann es abseits der Bühne, im Rausch der Musik, zu unschönen Szenen kommen, wenn wildfremde Menschen sich abknutschen und der jeweilige Lebensabschnittpartner leider zu früh mit den Getränken zurückkommt.

Die andere Seite der Musik ist nicht bloß die Musik. Die wird getragen durch jene, die sie verkörpern und gleich einen ganzen Lebensstil dazu mitliefern. Musiker machen Veränderungen durch, wie am Beispiel von Madonna demonstriert wird. Durch die Augen eines durchschnittlichen Fans von Rockmusik (vielleicht eine Comic-Version von Zep selbst) erlebt der Leser all die kleinen und großen Abenteuer in Konzertsälen und abseits davon.

Bestimmt es einige Tricks, die nicht zur Nachahmung empfohlen sind. Sich einem Springsteen-Konzert als Rollstuhlfahrer auszugeben, bloß um möglichst nahe an die Bühne zu gelangen, gehört ganz bestimmt nicht dazu. Entsprechend drastisch fällt denn auch die Strafe durch die Rowdys aus. Tokio Hotel, Bruce Springsteen, REM, Joe Cocker, The Beatles, so verschieden die Spielarten des Rocks, so unterschiedlich auch die Reaktionen darauf. Dachte der Rock-Fan noch, Fans von Tokio Hotel seien kleine Kinder, die bei einem Konzert brav auf ihre Stühlen sitzen bleiben, sieht er sich gnadenlos getäuscht. Vielleicht sind die Hotels von heute die Stones von morgen. Zeb legt diese Theorie dem Leser jedenfalls nahe.

Zep ist ein Knubbelnasen-Cartoonist. Die Knubbelnase, besser gesagt, knubbelnasige Männlein und Weiblein mit einfachen Mimiken, biegsam und dehnbar wie Spielzeugfiguren mit Drahtgelenken sind Charaktere, mit denen sich treffend und punktgenau Szenen aus dem wahren Leben skizzieren lassen. Zeps Figuren sind zuweilen so schmal, dass sie sich hinter einem Laternenmast ausziehen können. Auf den dünnen Körper schwankend sitzt ein viel zu großer Kopf, stilistisch eine Mischung aus Brösel und Mordillo. Die harten Brocken, die Sicherheitsleute bei Konzerten, sind dann wirklich sprichwörtliche Brocken, raue Gesellen mit finsterer Visage. Erst kommt der Humor über die Augen, dann folgt der Witz über den Text.

Wer Rock-Musik mag, über die Jahrzehnte verfolgt hat und noch am Ball ist, ein begeisterter Konzertgänger ist, wird vieles wiedererkennen und seinen Spaß haben. Zep hat den Rock-Fan perfekt getroffen. 🙂

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Freitag, 11. März 2011

KAPUZINERSCHULE 1 – Das vergiftete Dorf

Filed under: Mystery — Michael um 19:06

KAPUZINERSCHULE 1 - Das vergiftete DorfEs ist lange her, dass Honore an die Vergangenheit gedacht hat. Im Jahre 1852 kehrt er mit seiner Frau in das kleine Dorf Kerfilec zurück. Das Ehepaar, längst in Paris ansässig, weit weg von allem, gerät nach und nach in den Sog der Vergangenheit, als Honore eigentlich in ein anderes Mädchen verliebt war. Und obwohl dieses Mädchen lange verstorben und begraben ist, kehren die alten Gefühle zurück, die Liebe und die Trauer über den Verlust. Camille, Honores Frau, bemerkt den Sinneswandel ihres Mannes, doch sie ist machtlos gegen den Schatten der Vergangenheit, einer Liebe, die bereits auf dem Schulhof ihren Anfang nahm.

Andersherum, im Dorf selbst, bewirkt das Auftauchen des Ehepaares auch Erinnerungen. Mehr noch: Ängste kommen empor. Hortense fürchtet das Ende ihrer Schule. Das darf nicht geschehen. Schnell ist ein Plan gefasst, einigermaßen unüberlegt, noch schneller umgesetzt, ohne die Konsequenzen ausführlich in Betracht zu ziehen. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn plötzlich vermengen sich Vergangenheit und Gegenwart. Honore wird auf sehr drastische Weise vor Augen geführt, welchen Fehler er in der Vergangenheit beging.

Oft stirbt die Lust in dem Augenblick, da sie verwirklicht wird. Und die Liebe mit ihr.

Im Gespräch mit seiner Frau Camille meint Honore offensichtlich nicht sich und seine Frau. Camille bestätigt sogar, dass diese Weisheit kaum auf sie beide zutreffen kann und doch wissen beide, dass es längst geschehen ist. JB Djian beginnt seinen Zweiteiler um die Geschehnisse rund um die Kapuzinerschule wie eine überaus alltägliche Ehegeschichte. Die Liebe ist erkaltet, denn letztlich ist es eine Ehe, die niemals hätte existieren sollen. Camille liebte Honore, Honore aber liebte Emma. Und Emma starb. So weit, so klassisch. Doch dann geschieht etwas, das das Leben von Honore gründlich auf den Kopf stellt.

An dieser Stelle hält die Phantastik in die Alltäglichkeit Einzug. Ein zunächst harmlos wirkender Zauber fördert eine Begegnung zutage, die ansonsten unglaublich gewesen wäre. Vincent, hierzulande durch seine abgeschlossene ALBATROS Trilogie her bekannt, setzt auf wenige Striche und harte Formen, um einen Charakter zu entwerfen. Gleichzeitig sind die Figuren äußerst zerbrechlich und definieren sich durch ihre gesamte Statur, nicht nur durch Gesicht, Kopfform und Haarschnitt, wie es zuweilen bei seinen Kollegen vorkommt.

In einer sehr ausgefeilten Kolorierung, wie es auf dem Titelbild zu sehen ist, an eine Mischtechnik erinnernd, aus flüssigen Farben und Kreide oder auch Buntstift, entsteht ein Eindruck aus Trickfilmbild und Gemälde. Das ist sehr künstlerisch und sehr schön anzuschauen. In einer einfacheren Kolorierung, mit gerade einmal einer Schattierung, leben die Bilder mehr von ihrem Tuschestrich, der sehr leicht, organisch gezogen, sehr zurückgenommene Grafiken entwirft, die Raum für das geistige Auge lassen. Hier kann der Betrachter das Bild selbst vervollständigen, Charaktere füllen, indem Texte und Dialoge hinzugezogen werden. Während ein Titelbild in seiner Ausführung allein stehen kann, braucht der Inhalt das Zusammenspiel von Text und Bild.

Eine romantisch, phantastische Geschichte: Ehedrama, fantasievolle Einfälle, feinfühlig erzählt, in vollkommen eigenem Stil gezeichnet. 🙂

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Mittwoch, 09. März 2011

IRON MAN – Die Zukunft beginnt 1.1

Filed under: Comics im Film — Michael um 19:36

IRON MAN - Die Zukunft beginnt 1.1Der neue Junge an der Schule, Gene Khan, ist nicht gerade ein Ausbund an Heiterkeit und Freundlichkeit. Seine Kleidung trägt er wie ein junger Bruce Lee, sein Gebaren ist aristokratisch, aber es gibt einen Grund für seine Anwesenheit. Tony Stark, der Junge, der erst vor kurzem seinen Vater verlor und außerdem jegliche Einflussmöglichkeit auf das Erbe seines Vaters, versucht unterdessen hinter die schmutzigen Geheimnisse des Nachfolgers an der Spitze des Stark-Konzerns zu kommen. Seine Ausrüstung, ein gepanzerter und mit Lasern bestückter Fluganzug, ist ihm dabei eine große Hilfe. Obwohl Tony anfangs noch seine Schwierigkeiten hat, das Gerät perfekt zu beherrschen. Viel Zeit zum Üben bleibt ihm jedoch nicht, denn wo ein Held auftaucht, sind die Schurken nicht mehr fern.

Was wäre gewesen, hätte Tony Stark seine IRON-MAN-Rüstung bereits als Teenager entwickelt und wäre die Handlung nicht so verlaufen, wie es der Marvel-Fan aus dem normalen und dem ultimativen Universum her kennt? Ähnlich wie es bei Spider-Man sowieso schon der Fall war, ist Tony Stark plötzlich auf sich gestellt. Sein Vater kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Fortan lebt er bei der Familie seines Freundes Rhodey und muss hilflos mit ansehen, wie Obadiah Stane die Firma seines Vaters über nimmt und frühere Ideale mit Füßen tritt.

Hilflos? Nein, nicht ganz. Tony Stark, das Wunderkind, das sich im normalen High School Unterricht gehörig langweilt, hat eine Rüstung entwickelt, die nicht nur ihresgleichen sucht, sondern auch von Stane zur Erweiterung der Produktpalette von Stark Industries gewollt wird. Freundlich ausgedrückt: Denn geht es nach Stane, dient der Anzug zur Entwicklung eines ultimativen Soldaten. Dreidimensional animiert, aber im Stile eines herkömmlichen Zeichentrickfilms gehalten, erinnert IRON MAN – Die Zukunft beginnt an Anime-Serien, indem er dort mit Kamerafahrten und Einstellungen seine Vorbilder zu finden scheint. Dieser IRON MAN richtet sich selbstverständlich an ein junges Publikum, denn von einem Playboy Tony Stark, wie aus den Comics und den beiden neueren Kinofilmen her bekannt, ist hier weit und breit nichts zu sehen.

Die Konzeption dieses Tony Stark ist stark an Peter Parker alias Spider-Man angelehnt, allerdings muss Tony sehr schnell lernen, dass er die Verantwortung nicht alleine tragen muss. Rhodey und Pepper werden zu treuen Begleitern und Helfern. Pepper nervt in dieser jugendlichen Form etwas, dafür ist ein Obadiah Stane, stimmlich von Jörg Hengstler interpretiert (lange Jahre als Stimme von Avery Brooks / Benjamin Sisko in der Serie Deep Space Nine zu hören), umso raubeiniger. Rhodey wird gesprochen von Wanja Gerik, der SF-Fan kennt ihn als Stimme von Anakin Skywalker / Hayden Christensen (SW Episode 2 und 3). Tonys deutsche Stimme, David Turba, ist dem Kinogänger durch die Synchronisation des Schauspielers Shia LaBeof her ein Begriff. Alle Sprecher hängen sich richtig rein, so dass die Figuren überaus lebendig wirken.

Die ersten fünf Folgen offenbaren sehr bald einen neue Feinde: Obadiah Stane ist letztlich nur ein Unternehmer mit krimineller Energie (konzeptionell ein kleiner Lex Luthor mit dem Aussehen von Professor X), aber Gegner wie der MANDARIN sind von einem ganz anderen Kaliber. Hier ist der Anime-Einfluss deutlich zu erkennen. Auch die kleineren Bösewichte wie Unicorn und Killer Shrike können optisch diesen Einfluss nicht verleugnen. Fans dürfen sich außerdem auf einen Auftritt von Whiplash freuen, der nicht weniger hartnäckig ist als seine Realfilmvariante (in Gestalt von Mickey Rourke). Dank dieser Gegner und einiger bombastischer Einfälle (im wahrsten Sinne des Wortes) fallen die Action-Szenen krachend rasant aus. Wer von den Comic-Seiten her einiges kennt, kommt hier auf seine Kosten.

Ein Neubeginn, jugendlich erzählt, altbekannte Charaktere in frischem Gewand. Optisch ansprechend, flott gefilmt, bunt, sympathisch, schön animiert. In diesem Stil, vielleicht etwas erwachsener erzählt, darf es mehr geben. 🙂

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The Vampire Diaries 1.2

Filed under: Comics im Film — Michael um 19:34

The Vampire Diaries 1.2Mystic Falls könnte wie jede amerikanische Kleinstadt sein, hätten nicht Vampire diese Ortschaft als Zuhause auserkoren. Elena und ihr Bruder, die ihre Eltern verloren haben und unter der Obhut ihrer Tante stehen, geraten mitten hinein in eine Auseinandersetzung, deren Wurzeln in ferner Vergangenheit liegen. Stefan und Damon Salvatore, so jugendlich wirkend, sind in Wahrheit Vampire, die mittels verhexter Ringe in der Lage sind, am Tage umherzustreifen. Stefan, der ein Auge auf Elena geworfen hat, besucht sogar die High School. Nachdem die beiden ein Paar geworden sind, Elena (gespielt von Nina Dobrev) sich langsam an die Tatsache gewöhnt, dass ihr Freund ein Vampir ist, ziehen dunkle Wolken auf. Denn die Vergangenheit will nicht ruhen.

Warum sieht Elena aus wie Katherine? Die Vampirin, die für ie Verwandlung der Salvatore-Brüder verantwortlich war, sieht Elena verblüffend ähnlich. Eine Lösung auf diese Frage deutet sich an, aber vieles bleibt im Dunkeln. Weder Stefan und Damon können zunächst die Fragen, die Elena verständlicherweise hat, beantworten. Damon hat sowieso kein Interesse an der Kopie. Obwohl eine derart lange Zeit vergangen ist, hat er nie aufgehört, Katherine zu lieben. Der Vampir, der ansonsten eiskalt ist und über Leichen geht, hat hier seine Schwachstelle. Er kennt nur ein Ziel: Katherine aus der Gruft zu befreien, in der sie seit einer gefühlten Ewigkeit gefangen ist.

Schnelligkeit, keine Verschnaufpausen zeichnen diese Vampirserie aus, die deutlich auf ein jüngeres, auch romantisch interessiertes Publikum ausgerichtet ist, aber den brutalen Aspekt, den ein Vampir nun einmal mit sich bringt, nicht verdrängt. Das Konzept der beiden Brüder, Stefan und Damon, funktioniert hier hervorragend. Stefan ist der Besonnene, beherrscht, um seine Menschlichkeit ringend, während Damon sein Vampirdasein angenommen hat und seine Macht auch liebt und auslebt.

Paul Wesley (trat schon als Bruder von Lex Luthor in der Serie Smallville in Erscheinung) spielt Stefan mit der gebotenen Zurückhaltung, sehr ernsthaft. Weitaus interessanter, weil viel vampirischer, ist die Rolle von Damon, gespielt von Ian Somerhalder. Somerhalder, der optisch ein realer Bruder von Rob Lowe (Brothers and Sisters) sein könnte, ist die perfekte Besetzung für den düsteren Sunnyboy, der zusehends an seiner Liebe zu Katherine zerbricht.

Die Serie nimmt sich bei Spezialeffekten ebenso wie bei Gewalt ziemlich zurück. Wenn die Vampire ihre Fähigkeiten zeigen, ist der Eindruck in Ordnung, aber der Schwerpunkt der Reihe liegt nicht auf kämpferischen Auseinandersetzungen, wie es noch eine Serie wie Blade tat. Das Geheimnisvolle, die Entwicklung der Figuren zueinander und ständig neue Rätsel, sind die treibenden Kräfte der Reihe. Drehbuchautor Kevin M. Williamson, maßgeblich am Zustandekommen der Serie nach den Romanen von Lisa Jane Smith beteiligt, hat bereits mit früheren Filmen wie Scream oder The Faculty bewiesen, dass er nicht nur eine Handlung rasant vorantreiben kann, sondern auch mit Themen, die im Umfeld von High School und College spielen, sehr gut umgehen kann und die Zielgruppe kennt.

Reizvoller wird die Serie noch durch weitere Zutaten. Vampire sind nicht die einzigen ungewöhnlichen Wesen auf der Welt. Vampirjäger sind hier nicht weit, auch Hexen haben ihren Platz gefunden. Neben den Beziehungen innerhalb der Serie ist das Hintergrundgeschehen sehr ausführlich ausgearbeitet und sorgt für immer neue Überraschungen. Mystic Falls wird so zum Übernatürlichkeitsmagneten, eine Konzeption, die Vampire Diaries mit parallel laufenden Serien und auch Vorläufern gemeinsam hat.

Durch großen Abwechslungsreichtum, eine comic-artige Erzählung ist die zweite Hälfte der ersten Staffel ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Das Zusammenspiel der drei Hauptcharaktere Elena, Stefan und Damon ist stimmig. Die einzelnen Nebenfiguren, allen voran Alaric, der vermeintliche Geschichtslehrer, und Bonnie, die Hexe, sind geschickt eingewoben und werden von Folge zu Folge wichtiger. Spannend und gut. 🙂

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Montag, 07. März 2011

Dylan Dog: Dead Of Night

Filed under: Comics im Film — Michael um 17:48

Dylan Dog: Dead Of NightRupert Everett hat es nicht in die Verfilmung von Dylan Dog geschafft. Der Schauspieler, der optisch die Figur des Privatdetektiven für übernatürliche Fälle inspirierte, ist inzwischen ein wenig zu alt dafür. Stattdessen hat sich Brandon Routh für die Rolle gefunden. Comic-Fans kennen den Schauspieler bereits aus seiner Rolle des Stählernen in Superman returns. Dylan Dog, hierzulande bekannt, auch gemocht, aber beileibe nicht mit dem gleichen Erfolg versehen, wie es in Italien der Fall ist, ist eine Horror-Grusel-Serie mit durchaus auch humorigen Einfällen. Ein treffendes Wort zur Beschreibung könnte skurril sein, einfallsreich und unheimlich passen auch. Dylan Dog mag ein wenig an Figuren wie John Constantine erinnern, ist aber noch unkonventioneller und wirkt weitaus smarter.

Die Runde der anonymen Untoten heißt den Neuen herzlich willkommen. Das Unnormale ist normal. Zombies, Werwölfe, die allseits beliebten Vampire, Dämonen, sie alle haben ihre eigene kleine Ecke in der Welt. Übertritt einer die Grenze und baut Mist, dann ist Dylan Dog zur Stelle. Sam Huntington, ebenfalls in Superman returns als Jimmy Olsen zu sehen, spielt den untoten Gehilfen von Dylan Dog. Als Vampir dürfen sich die Zuschauer auf Taye Diggs freuen. Diggs hat seine Erfahrung in Horrorfilmen (Haunted Hill), dürfte einer breiteren Zuschauerschaft, vor allem einer weiblichen, eher aus Private Practice her bekannt sein.

Der Trailer macht Spaß. Ganz offensichtlich liegt, betrachtet man den Film als Horrorvergnügen, der Schwerpunkt auf letzterem. Zur Erreichung von mehr Zuschauern ist mehr Spaß vonnöten. Immerhin bleibt die Romantik außen vor, trotz einer gut aussehenden Anita Briem, die in der Fernsehserie The Tudors und der Neuverfilmung (so ungefähr jedenfalls) von Die Reise zum Mittelpunkt der Erde dabei war.

Mit Tricks, Spezialeffekten und Masken wird nicht gegeizt, bleibt nur noch abzuwarten, ob der Geist der Comic-Reihe eingefangen worden ist und ob der Erfolg so ausfällt, dass es vielleicht eine Fortsetzung gibt. Zuallererst muss der Film aber erst einmal zu uns in die Kinos kommen, das ist auch keine Selbstverständlichkeit. 🙂

Link zum Trailer: Dylan Dog: Dead Of Night

Samstag, 05. März 2011

Dietrich von Bern 2 – Verrat

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:37

Dietrich von Bern 2 - VerratDie Männer stehen getreu zu ihrem Fürsten, nur untereinander entspinnt sich ein tödlicher Zwist. Wittich und Heime gehen voller Wut aufeinander los. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann einer der beiden fällt. Für Dietrich von Bern ist dies kein Option. Er wagt den gefährlichen Schritt und stellt sich zwischen die Streitenden. Sehr bald wird die Tiefe des Zwists sichtbar, denn Heime richtet eine ungeheuerliche Anklage an Wittich. Dietrich bleibt keine Wahl, er muss den Anschuldigungen nachgehen. Die Konsequenz trifft ihn, der tief im Herzen an absolute Ritterlichkeit glaubt, ins Mark. Am Ende trennt sich Dietrich von einem seiner Gefolgsleute, bitterlich gekränkt und enttäuscht.

Sagenhaft: Ein perfektes Wort für diesen zweiten Teil der Lebensgeschichte von Dietrich von Bern und seiner Mannen. Beschäftigen sich Peter Wiechmann (Autor) und Jose Rafael Mendez Mendez (Zeichner) zu Beginn mit einer rein ritterlichen Auseinandersetzung, wie sie in der Realität auch hätte stattfinden können, wird es in der Folge weitaus phantastischer. Die Begegnung mit der Fürstin Saba, mehr noch das Aufeinandertreffen mit dem Zwergenkönig Laurin strahlen eine sehr schöne erzählerische Kraft aus. Wie bereits aus dem ersten Teil gewohnt, gehen Erzählung und Illustrationen Hand in Hand, so dass eine klassisch anmutende und eine durchweg spannende Handlung entsteht.

Dietrich von Bern wird von Peter Wiechmann in eine Richtung geschickt, die geradewegs in die Konfrontation ehemaliger Freunde hineinführt. Hieraus entstehen Legenden, das sind Konstellationen, die in Geschichten zu an den Nerven zerrender Spannung führen können und mitreißen. So ungewöhnlich, auch altmodisch die Erzählweise aus heutiger Sicht wirken mag, so unverbraucht und frisch ist sie inzwischen wieder, da sie einerseits langsamer, behutsamer und bedeutsamer im Gegensatz zu neueren Publikationen ist. Andererseits sind die Episoden zentrierter, sehr stark auf dem Punkt und gönnen sich keine Abschweifungen.

An Jose Rafael Mendez Mendez, dem Zeichner, ist es, stets den Kern einer Szene einzufangen. Er versteht es auf außergewöhnlich schöne Art, die mittelalterliche Welt zu gestalten. Kämpfe sind perfekt choreographiert, Bewegungen und Posen sind stimmig und ausdrucksstark. Dietrich von Bern rückt hierbei mehrfach in den Vordergrund, ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist angesichts einer Vielzahl von Charakteren, die seinen Weg kreuzen oder mit ihm teilen.

Hervorzuheben ist hier die eher für sich allein stehende Episode Der Frevel einer Fürstin. Saba, so heißt die Dame, schickt ihre Leibwächter in den Kampf gegen Dietrich, rein zum Vergnügen und ohne jede Gnade. Besonders der junge Hüne Ecke, der um ihre Gunst buhlt, wirft sich in den Kampf und weigert sich schließlich, obwohl besiegt, aufzugeben. Wie sich Dietrich gegen den mindestens eineinhalb Köpfe größeren und jüngeren Mann beweist, ist sehenswert und so viele Jahre nach seiner Entstehung grafisch immer noch richtungsweisend.

Genau umgekehrt ist das Verhältnis im Kampf Dietrichs mit dem Zwergenkönig Laurin, aber grafisch nicht weniger beeindruckend. Konzentrierte sich Jose Rafael Mendez Mendez vorher auf den Kampf Mann gegen Mann, zeigt sich hier nun ein Reiterkampf, komplizierter darzustellen, aber wunderbar gelöst. Gerade in jenen Momenten, als Laurin sein Heil unter einer Tarnkappe sucht und Dietrich an den Rand der Niederlage treibt, ist sehenswert.

Ein hervorragender zweiter Teil: Wer Band 1 mochte, kommt an dieser Folge nicht vorbei. Wer toll gestaltete Sagen mit perfektem Strich und ruhiger, stilsicherer Erzählung sucht, liegt hier genau richtig. 🙂

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Mittwoch, 02. März 2011

HELLBOY 11 – Der Krumme

Filed under: Mystery — Michael um 20:17

HELLBOY 11 - Der KrummeDer Wanderer war zwanzig Jahre lang fort. Er hat viel gesehen. Eine Gestalt wie Hellboy, mit steinerner Hand, abgesägten Hörnern, roter Haut, einem Schwanz und merkwürdigen Füßen, flößt ihm weder Angst noch Respekt ein. Allenfalls macht es ihn neugierig. Hexenkugeln bringen die beiden sehr ungleichen Männer auf die richtige Spur. In der Hütte, die sie zunächst verlassen vorfinden, liegt die menschliche Haut einer Frau auf dem Bett. Die beiden Männer warten. Lange kann es nicht mehr dauern, bis die Hexe nach Hause zurückkehrt. Aber die Hexenjäger täuschen sich. Die Gefahr lauert ganz woanders.

Für den Mystery-Fan findet sich hier ein abwechslungsreicher Querschnitt durch das Hellboy-Universum und gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie gute unheimliche Comics heutzutage funktionieren können. Einfallsreichtum und der Weggang von bestehenden Monströsitäten wie den allseits beliebten Vampiren oder Werwölfen machen diese Geschichten aus, die aus dem unerschöpflichen Fundus von Mignolas Ideen wie auch globalen Mythen und Legenden zehren.

Die hier vorliegende Geschichtensammlung untertitelt sich mit der umfangsreichsten Handlung Der Krumme. Mike Mignola, der Hellboy-Erfinder, und Zeichnerlegende Richard Corben entwerfen vor den Augen des Lesers eine klassische Mär um Hexen, teuflische Versuchung und versuchte Priester und das Eingreifen von Hellboy, der sich in einer höchst abgelegenen Gegend behaupten muss. Richard Corben, der sich einen klangvollen Namen im Bereich phantastisch orientierter Comics gemacht hat, versteht sich auf monströse Kreaturen, die ein wenig an Bodybags erinnern, weniger an den Film als vielmehr an die Stimmung, die allein bei diesem Wort mitschwingt.

Corben gelingen abstoßende Wesen, manchmal höchst glibberig wirkend. Seine Figuren tragen den Wahnsinn in ihren Augen, ein Grinsen ist zumeist nicht von dieser Welt. Seine Menschen, die Kreaturen allgemein haben stets einen etwas kleinwüchsigen Charakter, in dem der Kopf besonders ausdrucksstark ist. Allgemein weiß Corben über die Gesichter viel zu transportieren, die er, so oft es eben geht, im richtigen Licht darstellt. Ein Strahler oder ein Spot wird so positioniert, dass er eine besonders theatralische Atmosphäre schafft. Corben inszeniert seine Szenen im Stile alter schwarzweißer Horrorfilme mit modernen Horroreffekten.

Realistischer im Stil ist die Arbeit von Jason Shawn Alexander. Die Auseinandersetzung zwischen Hellboy und dem wiedererwachten Piraten Blackbeard würde als Sequenz für einen dritten Kinofilm taugen. Blackbeard ist ein Raubein, nicht adelig oder schwelgt in Geheimnissen. Er ist geradeheraus, er will wie Hellboy auf die Kacke hauen und das machen die beiden vor der düsteren Kulisse eines Sumpfes mit dem milchigen Auftrag (nachgemachter) echter Farben. Der Tuschestrich ist schnell, etwas abstrakt, der Arbeit eines Jordi Bernet (Torpedo) durchaus verwandt.

Über die Arbeit von Mike Mignola muss nicht mehr viel gesagt werden. Auch nicht über Guy Davis, der hier eine Geschichte zeichnet und mittlerweile mit der Ablegereihe B.U.A.P. fest etabliert ist. Interessanter allerdings ist die Arbeit von Duncan Fegredo mit der Geschichte Das Mal, da dieser Zeichner einen guten Mittelweg zwischen Mignolas Vorgaben und eigenem Zeichenstil gefunden hat. Mignola schreibt, er habe die Handlung in der U-Bahn entworfen. Tatsächlich ist die Geschichte kurz und knackig, zügig erzählt, schnell gelesen, aber ein sehr gutes Beispiel für eine wirklich packende Kurzgeschichte.

Ein sehr spannender Querschnitt aus dem Hellboy-Universum, der unterhält, ohne in die allgemeine Handlungslinie einzugreifen. Als Schnupperband, für Mystery-Fans ohne Vorkenntnisse lesbar. 🙂

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