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Comic Blog


Freitag, 11. März 2011

KAPUZINERSCHULE 1 – Das vergiftete Dorf

Filed under: Mystery — Michael um 19:06

KAPUZINERSCHULE 1 - Das vergiftete DorfEs ist lange her, dass Honore an die Vergangenheit gedacht hat. Im Jahre 1852 kehrt er mit seiner Frau in das kleine Dorf Kerfilec zurück. Das Ehepaar, längst in Paris ansässig, weit weg von allem, gerät nach und nach in den Sog der Vergangenheit, als Honore eigentlich in ein anderes Mädchen verliebt war. Und obwohl dieses Mädchen lange verstorben und begraben ist, kehren die alten Gefühle zurück, die Liebe und die Trauer über den Verlust. Camille, Honores Frau, bemerkt den Sinneswandel ihres Mannes, doch sie ist machtlos gegen den Schatten der Vergangenheit, einer Liebe, die bereits auf dem Schulhof ihren Anfang nahm.

Andersherum, im Dorf selbst, bewirkt das Auftauchen des Ehepaares auch Erinnerungen. Mehr noch: Ängste kommen empor. Hortense fürchtet das Ende ihrer Schule. Das darf nicht geschehen. Schnell ist ein Plan gefasst, einigermaßen unüberlegt, noch schneller umgesetzt, ohne die Konsequenzen ausführlich in Betracht zu ziehen. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn plötzlich vermengen sich Vergangenheit und Gegenwart. Honore wird auf sehr drastische Weise vor Augen geführt, welchen Fehler er in der Vergangenheit beging.

Oft stirbt die Lust in dem Augenblick, da sie verwirklicht wird. Und die Liebe mit ihr.

Im Gespräch mit seiner Frau Camille meint Honore offensichtlich nicht sich und seine Frau. Camille bestätigt sogar, dass diese Weisheit kaum auf sie beide zutreffen kann und doch wissen beide, dass es längst geschehen ist. JB Djian beginnt seinen Zweiteiler um die Geschehnisse rund um die Kapuzinerschule wie eine überaus alltägliche Ehegeschichte. Die Liebe ist erkaltet, denn letztlich ist es eine Ehe, die niemals hätte existieren sollen. Camille liebte Honore, Honore aber liebte Emma. Und Emma starb. So weit, so klassisch. Doch dann geschieht etwas, das das Leben von Honore gründlich auf den Kopf stellt.

An dieser Stelle hält die Phantastik in die Alltäglichkeit Einzug. Ein zunächst harmlos wirkender Zauber fördert eine Begegnung zutage, die ansonsten unglaublich gewesen wäre. Vincent, hierzulande durch seine abgeschlossene ALBATROS Trilogie her bekannt, setzt auf wenige Striche und harte Formen, um einen Charakter zu entwerfen. Gleichzeitig sind die Figuren äußerst zerbrechlich und definieren sich durch ihre gesamte Statur, nicht nur durch Gesicht, Kopfform und Haarschnitt, wie es zuweilen bei seinen Kollegen vorkommt.

In einer sehr ausgefeilten Kolorierung, wie es auf dem Titelbild zu sehen ist, an eine Mischtechnik erinnernd, aus flüssigen Farben und Kreide oder auch Buntstift, entsteht ein Eindruck aus Trickfilmbild und Gemälde. Das ist sehr künstlerisch und sehr schön anzuschauen. In einer einfacheren Kolorierung, mit gerade einmal einer Schattierung, leben die Bilder mehr von ihrem Tuschestrich, der sehr leicht, organisch gezogen, sehr zurückgenommene Grafiken entwirft, die Raum für das geistige Auge lassen. Hier kann der Betrachter das Bild selbst vervollständigen, Charaktere füllen, indem Texte und Dialoge hinzugezogen werden. Während ein Titelbild in seiner Ausführung allein stehen kann, braucht der Inhalt das Zusammenspiel von Text und Bild.

Eine romantisch, phantastische Geschichte: Ehedrama, fantasievolle Einfälle, feinfühlig erzählt, in vollkommen eigenem Stil gezeichnet. 🙂

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