Eine Nacht in London im Jahre 1825. Der junge Mann hat sich widerrechtlich Zugang zu einem Haus verschafft, kurz gesagt: Er bricht ein. Prinzipiell würde dieser Einbruch zufriedenstellend verläufen, gebe es da nicht Problem: Noch mehr Einbrecher. Der, genauer gesagt, die Einbrüche bleiben nicht unbemerkt. Und getreu dem Motto Mitgefangen, mitgehangen will von jenen, die ihren Besitz verteidigen, natürlich niemand glauben, dass der junge unmaskierte Mann mit den Maskierten nichts zu tun hat. Besonders deshalb nicht, da sie ihm auch noch bei seiner Flucht helfen.
Ein weiterer junger Mann wird bei einer Frau erwischt. Eine junge Frau, ebenfalls auf der Flucht, wird bewusstlos geschlagen und verschleppt. Ein Pärchen findet nicht nur des Rätsels Lösung, sondern auch einen geheimen Gang in die Tiefe. Schließlich treffen die fünf jungen Leute aufeinander, unwissend, dass sie einer komplexen Planung folgen. Das ist zwar nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, dafür jedoch die Zusammenkunft einer Gruppe, die zukünftig allerhand Aufregung und Abenteuer erleben werden.
Die Korsaren der Alkibiades ist kein Titel der schnell von der Zunge geht. Wer aber, neugierig geworden, einen Blick in die Geschichte und auf die Grafiken riskiert, wird schnell feststellen, dass er auf ein Abenteuer gestoßen ist, das sich im besten Sinne im Stile eines Romanes von Jules Verne entwickelt.
Denis-Pierre Filippi, Comic-Fans werden ihn von Produktionen wie Das Buch von Jack oder Coraline her kennen, lässt sich für seine Erzählung viel Zeit. Fünf Hauptcharaktere wollen vernünftig und sorgsam vorgestellt werden. Mehr noch: Die sehr komplexe und hoch geheime Universität mit ihren noch geheimeren Missionen will dem Leser auch nahegebracht werden. Allerdings ist das ein Leichtes, denn spätestens seit ein gewisser Zauberlehrling seines Siegeszug antrat, sind geheime Schulungsstätten eine gute Methode, um Faszination zu schüren. Das Besondere: So manche Forschung innerhalb der Universität, mancher Versuchsaufbau, mancher Raum wird nicht erklärt, bleibt für den Leser rätselhaft und wird ebenfalls, dank des peniblen Zeichenstils von Eric Liberge (Unter Knochen), auch zu einem Hingucker.
Denn Liberge versieht Gerätschaften im Kleinen, Szenarien im Großen mit derart viel Details, dass es leicht fällt, sich in ihnen zu verlieren und die Geschwindigkeit der Handlung auszuhebeln. Sehr gelungen sind Ansichten, in denen er den Raum hat und großformatige, wenigstens halbseitig füllende Bilder erstellen kann. Hier zeigt sich viel Atmosphäre und Geschick, von dem es gerne, auch im Sinne des Lesers, mehr hätte sein dürfen.
Wo Liberge mit tollen Ansichten von Technik und Architektur überzeugt, sind seine Bilder der Figuren auf Individualität bedacht. Erkennbarkeit ist wichtig, lässt aber hier und dort die Figuren etwas maskenhaft erscheinen. Ihre Ausstattung indes, Kleidung, Accessoires und Liberges Fähigkeit besonders kleine Figuren mit hoher Genauigkeit zu zeichnen, macht die kleine Schwäche mehr als wett.
Der erste Teil ist eine umfangreiche, spannende Einleitung, eine Grundlage für unvorhersehbare Abenteuer: Zwei ins Detail verliebte Künstler, Denis-Pierre Filippi (Autor) und Eric Liberge (Zeichner), haben sich hier getroffen und entwerfen eine phantastische Abenteuerwelt, im wahrsten Sinne des Wortes. Sehr schön. 🙂
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