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Comic Blog


Donnerstag, 05. August 2010

Mouse Guard 2 – Winter 1152

Filed under: Abenteuer — Michael um 21:10

Mouse Guard 2 - Winter 1152Eine Schneedecke, die für Menschen eine geringfügige Erschwernis darstellt, kann für kleinere Wesen nicht nur bei der Fortbewegung eine Katastrophe bedeuten. Leider müssen die Mäuse nach draußen in die unwirtlich gewordene Landschaft. Die Umstände zwingen sie dazu. Gelingt es ihnen nicht, benachbarte Dörfer zu erreichen, geraten ihre Angehörigen in große Not. Schnee und Kälte sind aber nicht die einzigen Gefahren. Eulen und Fledermäuse behindern sie. Daheim lauert weiterhin der Verrat. Und was ist mit diesen Wieseln? Ist die Kolonie der Mäusefeinde tatsächlich verlassen?

Zurück in den Maus-Territorien. Zeichner und Autor David Petersen setzt die einmal begonnene, im Jahr 1152 handelnde Geschichte um die Mäuse der beschaulichen Siedlung Lockhaven fort. Mit dem ersten Band, Herbst 1152, griff Petersen eine alte Idee auf. Mäuse lebten unerkannt und unbeobachtet in einer eigenen kleinen Zivilisation. Die dramatischen Ereignisse um Kämpfe und Verrat des ersten Teils münden nahtlos in den zweiten Teil Winter 1152. Aus den Auseinandersetzungen zwischen den Mäusesiedlungen wird ein Kampf gegen die Natur, als Nahrung und Arzneien sich dem Ende zuneigen und andere Siedlungen um Hilfe gebeten werden müssen.

David Petersen hat eine Welt fern unserer modernen Zeit geschaffen. Mittelalterlich anzuschauen, aber auch sehr klein, kleiner noch als zwergenhaft. Es ist eine Welt der Geheimnisse, die der Leser zusammen mit den Hauptdarstellern, den Mäusen, zusammen entdeckt. An der Seite der Lehrlinge kann diese überaus gefahrvolle Welt erkundet werden. So gelangt der Leser an ungewöhnliche Orte, von denen er niemals vermutet hätte, dass sie existieren.

Ein untergegangenes Reich: Nicht jenes der Mäuse ist gemeint, vielmehr jenes der Wiesel. Es ist eine von vielen Orten, die einen in Spannung versetzen. Rollenspieler dürfte hier ein Kribbeln packen, ist dieses Abenteuer an manchen Stellen doch wie zum Mitmachen angelegt. Das Format des Buches, quadratisch, mag an ein Bilderbuch erinnern und wurde auch 2008 mit dem Eisner Award in der Kategorie Bester Comic für Kinder ausgezeichnet, doch der zweite Teil (wie eigentlich auch der erste Teil) wirkt zu erwachsen für Kinder. Sprechende Tiere machen keine Kinder-Literatur aus. Für ältere Leser, die auch den Charme der Figuren und der Erzählung erfassen können, die ein Faible für das Phantastische haben, dürfte Mouse Guard ein kleines Fest sein.

In meist zwei bis vier Bildern pro Seite darf einerseits der Wanderung der Wache durch die verschneite Landschaft, andererseits den Geschehnissen daheim in Lockhaven gefolgt werden. David Petersen bedient sich sehr feiner Striche. Die Mäuse sind kleine gedrungene Fellknäuel, sehr umrisshaft gezeichnet. Sie leben aus ihrem Handeln und ihren Worten heraus, viel weniger aus einer Mimik, die kaum vorhanden ist. Wie Bedrohung gänzlich ohne Worte funktionieren kann, zeigt die hervorragend inszenierten Begegnungen mit einer Eule und dem anschließenden Kampf im Schnee.

David Peterson zeichnet seine Figuren nicht derart ausführlich, wie es seine Kollegen in der anhängigen Bildergalerie machen. Dafür ist der Gesamteindruck, Integration der Charaktere in die Kulisse, Seitenaufteilung und vieles mehr, derart füllig, dass es filmisch, theatralisch wirkt. Nicht zuletzt sorgt eine plastische und realistische Farbgebung wie auch ein gelungenes Spiel aus Licht und Schatten für einen satten Eindruck, der das Auge förmlich einfängt. Daürber hinaus strahlen die Bilder Ruhe aus, selbst bei packenden Szenen. Peterson nimmt sich nicht nur die Zeit, seine Geschichte zu erzählen, er lässt seinem Leser auch die Zeit, diese ausführlich zu genießen.

(Wenngleich die Spannung manchmal so groß ist, dass man einfach schneller weiterblättern muss. Jedenfalls ging es mir so. Allerdings habe ich dann hinterher wieder vor vorne begonnen. Das ist auch eine Möglichkeit.)

Wunderbar! So lässt sich das Fazit in einem Wort zusammenfassen. Mit seiner Mäusewache ist David Peterson eine rundum gelungene grafische Erzählung gelungen, an der es nichts auszusetzen gibt. Wer Fantasy mag, die trotz ihrer mausischen Hauptdarsteller überaus spannend und höchst menschlich ist, sollte unbedingt einen Blick riskieren. 🙂

Mouse Guard 2, Winter 1152: Bei Amazon bestellen

Link: www.davidpetersen.net (Homepage von David Petersen)

Montag, 02. August 2010

Siegfried 2 – Die Walküre

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:15

Siegfried 2 - Die WalküreDie Dämmerung ließ sich nicht aufhalten. Odin wollte noch warten, aber die Zeit wurde zu lang. Die letzte Walküre kehrte nicht heim. Tief betroffen, von großen Befürchtungen durchdrungen, schickt Odin seine Raben in die Welt hinaus, mit dem Befehl, die Vermisste zu suchen und zu finden. Siegried weiß, noch ahnt er etwas von den Schwierigkeiten in den göttlichen Sphären. Er will die Menschenwelt finden. Seine Zeit an der Seite von Mime war lang, auch glücklich, nun gilt es aber weitere Menschen zu finden und an der Seite derer zu leben, zu denen er gehört.

Das Schicksal ist vorbestimmt. Die Walküre will den Lauf der Welt nicht verändern. Sie will Gewissheit. Einzig, sollte Siegfried versagen, wird sie eingreifen. Doch dafür braucht sie einen Einblick in die Zukunft, für den sie bereit ist teuer zu bezahlen. Sehr teuer. Derweil geht Siegfried seinen Weg, der voller Gefahren ist, der ihn kämpfen lässt, bis schließlich, durch einen Zufall, Wege kreuzen und er der Zauberin Völva begegnet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Märchenhaftigkeit und außergewöhnlich schöne Bilder sorgen für einen vollkommen neuen Blick auf den Siegfried-Mythos. Autor und Zeichner Alex Alice hat etwas Zeit für die Fortsetzung seiner Siegfried-Geschichte gebraucht. Aber das Warten hat sich gelohnt. Es ist eine Geschichte um das Unvermeidliche geworden. Und es ist eine Geschichte, die gelesen werden will. Wenn nötig, mehrmals. Am besten mehrmals. Denn Alex Alice hat die Handlung verschachtelt. Visionen geben Vorausschauen über die Zukunft, während sie geschieht oder schon geschehen ist. Das klingt merkwürdig, funktioniert aber bestens.

Grafisch variiert Alex Alice zwischen höchst realistischen Bildern und Figuren wie auch Charaktere, die geradewegs aus einem Zeichentrickfilm für Kinder entsprungen sein können. Daraus entsteht einerseits die märchenhafte Seite der Bilder, andererseits verstärkt es die Traumatmosphäre der Handlung. Die Welt der Götter, der Riesen und der Menschen ist eine grandiose Kulisse, in der es keine Ansiedlungen gibt. Hier regiert die Natur mit überschwänglicher Kraft. Die Berge ragen schroff empor, düstere Sümpfe fangen das Tageslicht ein, Wasser gräbt sich seinen Weg durch die unendlich scheinende Landschaft.

Alex Alice lässt hierbei Ausblicke entstehen, die wundersam wirken, aber nicht unecht. Es sind Ausblicke, die ein Wanderer auf den Hochalmen der Alpen haben kann. Neben der Natur wirken die Götter und die göttlichen Wesen. Beeindruckend die (wenigen) Szenen, in denen Odin vor den Leser tritt. Noch beeindruckender ist das Zusammentreffen von Odin und seiner fehlgeleiteten Walküre. Alex Alice inszeniert hier wie auf einer Theaterbühne, leise, aber kraftvoll, anrührend.

Mime: Ohne die Figur des Nibelungen-Schmiedes wäre auch der zweite Teil der Saga um Siegfried nur halb so gut. Wo er im ersten Teil ein wenig störend wirkte, sorgt er hier, dass die Theatralik nicht ins unfreiwillig Komische abdriftet. Mime ist der komische Faktor, soll auch komisch sein, nicht die anderen. Mime ist eigentlich der Mensch in dieser Handlung. Wenn er sich beschwert, Nibelungen würden nicht auf Berge klettern, kann man als Leser nur bekräftigend nicken. Nur ein Held oder ein Wahnsinniger würde auf diesen Berg klettern (der eigentlich ein schlafender Riese ist). Und Siegfried ist ersteres, während Mime eher an letzteres glaubt.

Es ist die Geschichte einer Wanderung. Sie erzählt außerdem von Wundern, von Reifung und einer inneren Dramatik. Alex Alice zeigt den Entwicklungsprozess eines Helden in tollen, sehr aufwändig gestalteten Bildern. Ein sehr schönes Epos. 🙂

Siegfried 2, Die Walküre: Bei Amazon bestellen

Link: alexaliceblog.blogspot.com (Blog von Alex Alice mit vielen Beispielen seines Könnens. Man beachte das Bild von Sieglinde.)