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Comic Blog


Dienstag, 19. Januar 2010

Der bitterböse Großwesir Isnogud

Filed under: Comics im Film — Michael um 20:26

Der bitterböse Großwesir IsnogudIsnogud verliebt? Unmöglich! Undenkbar! Unwahrscheinlich! Der Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Kalif anstelle des Kalifen zu werden, sieht diese bezaubernde (und wilde) Prinzessin auf dem hiesigen Sklavenmarkt und hat nur noch einen Wunsch, nämlich, dieses weibliche Kleinod zu ersteigern. Als Dreingabe, wie dem Publikum auf dem Marktplatz immer wieder versichert wird, gibt es außerdem eine Dienerin dazu. Isnoguds Startgebot fällt sehr hoch aus. Wirklich sehr hoch. Natürlich macht sich Tunichgud, Isnoguds treuer Diener (und Mietsklave), berechtigte Sorgen. Ganz besonders dann, als ein weiterer Bieter bei der Auktion auftaucht und die Summen in die Millionen gehen. (Selbstverständlich gibt es die Dienerin immer noch als Dreingabe dazu.) Isnoguds Herz pocht. Das muss Liebe sein. Er muss die Prinzessin ebenso besitzen, wie er unbedingt Kalif anstelle des Kalifen werden will. Aber natürlich …

… kommt wieder einmal alles ganz anders.

Isnogud, der Großwesir, der nichts anderes im Sinn hat, als Kalif anstelle des Kalifen zu werden, hat im Schauspieler Michael Youn eine hinreißend gute Besetzung gefunden. Hierzulande bekannter sein dürfte Jacques Villeret als Kalif Harun al Pussah (gesprochen von Oliver Kalkofe). Villeret begegnete dem deutschen Kinozuschauer sehr eindrücklich als Außerirdischer an der Seite von Louis de Funes vor beinahe 30 Jahren. Hier spielt er den bequemen und sehr gemütlichen Kalifen, als sei er die Vorlage für den Comic gewesen.

Es heißt, Louis de Funes sei einmal selbst für die Rolle des Isnogud im Gespräch gewesen. Es ist zweifellos schade, dass es nie dazu gekommen ist, andererseits ist Michael Youn derart schwungvoll und cholerisch aufgelegt, dass er diese Comic-Charakter regelrecht lebt. Als Synchronstimme für diesen Film konnte Rick Kavanian gewonnen werden. Der Comedian hat viele Projekte mit Michael Herbig durchgeführt, allen voran natürlich die Bully-Parade. Kavanian, für seine stimmliche Wandelbarkeit bekannt, gibt der Figur durch sein Spiel noch mehr Tiefe, muss in Sangesszenen allerdings zurückstehen.

Gesungen und musiziert wird hier in bester komödiantischer Musical-Manier, aber die Gesangsstimme von Isnogud ist die von Michael Pan. Pan sprach den Großwesir bereits in Zeichentrickserie Isnogud von 1995. (TV-Zuschauer kennen seine Stimme u.a. von Brent Spinner/Data oder Richard Kind/Chaos City.) Beide Sprecher, Kavanian und Pan, nähern sich bei dieser Figur so sehr an, dass der Unterschied erst auf das zweite Hören auffällt (aber es fällt auf).

Die deutsche Version der Verfilmung wirbt nachdrücklich mit den Stimmen bekannter deutscher Comedians. Kavanian und Kalkofe bilden hier nur den Anfang. Rüdiger Hoffmann verleiht dem dienstbaren Tunichgud, dem Diener Isnoguds, einen leicht tranigen Unterton. Tunichgud ist immer zu Diensten, aber nicht immer schnell genug. Er ist stets bemüht, eine Art gutes Gewissen zu sein, hat aber nur selten Erfolg damit. Demzufolge wurde Hoffmann gut ausgewählt, hätte jedoch noch etwas tiefer klingen können. Weiterhin sprechen Christian Tramitz (demnächst im Kino mit der Komödie: Jerry Cotton) und Mirja Boes (Die dreisten Drei).

Eine echte Überraschung ist Badesalz. Das hessische Komikerduo übernimmt die Sprechrollen der beiden Djinnis Ouz und Ouzmoutousouloubouloubombe. Die beiden Geisterchaoten, ein grüner und roter, passen sich nicht nur perfekt in die bekannte Welt von Isnogud ein, mit Badesalz, Henni Nachtsheim und Gerd Knebel haben sie zwei herrlich babbelnde Stimmen gefunden, in denen manchmal sogar das Hessische durchblinzelt und einen tollen humorvollen Kontrast zur orientalischen Märchenwelt bildet.

Die Welt von Isnogud ist sehr stimmungsvoll und mit Liebe zum Detail umgesetzt worden. Der Prolog, wenn man es so nennen will, ist zunächst noch sehr märchenhaft. Als Erzähler hört der Zuschauer Friedrich Schoenfelder (einst die Synchronstimme von David Niven), der mit seiner großartigen Stimme, in der stets etwas von einem Gentleman mitschwingt, sofort den Zuschauer einzufangen weiß.

Die grafische Aufbereitung durch den Kollegen Computer ist bilderbuchartig. Kleinigkeiten sind überall eingestreut. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken, für den Schmunzler wie auch für den Brüller. Sei es das einsame Tor in der Wüste (für einen Zaun fehlte dem Sultanat offensichtlich das Geld) oder die Gestaltung der verschiedenen Zauberlampen, allen voran jene für gleich zwei Geister. Die Farben sind eine wahre Pracht, die Ausleuchtung sorgt für eine Atmosphäre wie in Tausendundeiner Nacht.

Wie es sich für das Morgenland gehört, sind die Kleidungen und Ausstattungen sehr fantasievoll und bunt. In Tanzszenen und Musikeinlagen wehen die Gewänder. Einer schönen Choreografie folgt perfektes komödiantisches Timing und fängt den Geist der Isnogud-Reihe so ein, als habe ein Fan sich um die Umsetzung gekümmert.

Wer Isnogud kennt, darf sich über eine klasse Comic-Verfilmung freuen. Wer ihn nicht kennt, wird von einer tollen Komödie auf das Beste unterhalten. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Ansehen, lachen, schmunzeln: Mit Isnogud ist ein Spaß für die ganze Familie gelungen. 🙂

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