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Comic Blog


Samstag, 16. Januar 2010

B.U.A.P. 7 – Tödliches Terrain

Filed under: Mystery — Michael um 13:09

B.U.A.P. 7 - Tödliches TerrainEndlich haben die Mitglieder des Teams Zeit, sich mit ihren eigenen Problemen zu beschäftigen. Während Abe professionell zu bleiben versucht und dem Geheimnis des Wendigo nachspürt, kümmert sich Johann um die einfache Angelegenheit, wieder ein Mensch zu sein. Liz nähert sich einem weniger gefährlichen, dafür einem umso regloseren Gast: Miss Panya hat 3000 Jahre überlebt. Nun ist sie ans Bett gefesselt. Doch mit ihrer Hilfe kann sich Liz dem Mann annähern, der sie in ihren Halluzinationen besucht. Liz kann nicht sagen, ob er sie bedrohen oder beschützen will. Einen gibt es jedoch, der genau weiß, was dieses Wesen will. Völlig überraschend gibt sich ein nicht gerade unbekannter Held ein Stelldichein. Nur um gleich darauf wieder zu verschwinden.

Menschen, die vom Bösen befallen sind, haben sich zum beliebten Thema nicht auf dem Gebiet des Horrors ausgewachsen. Sei es der beliebte Werwolf, der Vampir ebenso (der es zu einem eigenen Genre geschafft hat), der Tierhorror in Form eines Reliktes oder auch der reine Menschenfresser, wie er sich in Totem findet: Der Mensch ist immer noch der beste Wolf des Menschen.

Die B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, hat einen Maulwurf in ihrer Mitte. Zuerst ist es sehr fragwürdig, wer der Eindringling ist und das Team folgt einer falschen Spur. Als schließlich die Antwort offen zutage tritt, sind alle schockiert. Mike Mignola und John Arcudi lassen ihr Team nicht zur Ruhe kommen. Gerade noch sind die Bedrohungen von außen nicht aktuell, da kommt die Gefahr aus dem inneren Kreis. Mignola und Arcudi geben einem der Charaktere eine Zeit des Menschseins und lockern so die Atmosphäre zunächst auf: Johann Krauss erhält einen Körper. Und was für einen!

Durch den künstlich entstandenen (und seelenlosen) Körper, den die Behörde auf einem ihrer Einsätze sichern konnte, ist Johann, der bis dahin nur als Protoplasma existierte endlich wieder ein menschliches Leben möglich. Allein der Genuss von Nahrung wird zu einem Erlebnis. Andere menschliche Belange erzeugen geradezu Höhenflüge bei Johann, der über Jahrzehnte auf jegliches körperliche Gefühl verzichten musste (sieht man von eher geborgten Momenten bei Untersuchungen ab).

Aber die Geschehnisse um die B.U.A.P. sind weniger vergnüglich als spannend. Deshalb wird es gruselig, mysteriös, auch brutal: Der Wendigo, der in den Zellen der Behörde einsitzt ist anfänglich der Kern der Fragen. Es entlädt sich eine Welle nackter Gewalt, die die Ruhe zum Einsturz bringt und noch mehr Fragen hinterlässt. Als Leser wird man von den beiden Autoren fest bei der Hand genommen. Den Charakteren wird auf den Zahn gefühlt, die Atmosphäre vertieft. Dadurch treffen die Schicksalsschläge härter. Mignola und Arcudi haben die Figuren nicht nur mit Hintergrundgeschichten versehen, die eine hohe Detaildichte aufweisen, auch ihre Gefühle lassen sich wunderbar ablesen.

Guy Davis bedient sich dieser Vorgaben vortrefflich: Sein Johann, der in einer Art aufgepumpter Arnold Schwarzenegger Version nun das Leben unsicher machen darf und mit kindlicher Freude alles neu für sich entdeckt, lässt einen unwillkürlich schmunzeln. Seiner Liz Sherman, die den Geheimnissen ihrer Halluzinationen auf der Spur ist, wünscht man endlich etwas Frieden. Aber noch besser geraten sind seine Monster: Das Jaguarwesen wie auch der Wendigo strotzen vor Kraft. Obwohl sie gestalterisch einfach wirken mögen, zeigt gerade ersteres, wie eine Figur sich entwickeln und den Leser überraschen kann.

Die seltsame Haltung, die krummen Gliedmaßen, das Maul und auch das zerrissen scheinende Becken könnten den Ideen eines H.R. Giger entsprungen sein. Sie besitzen aber nicht die Eleganz der Kreaturen des Schweizer Künstlers. Dafür entwickelt sich dieser Jaguar-Mensch. Er wächst auf noch bedrohlichere Maße an, erscheint, obwohl er auf einer Raubkatze basiert, dank des Designs wie eine Abart einer Schlange.

Eine sehr tief gehende Episode. Angesichts sonstiger weit reichender Geschichten ist dies hier fast ein Kammerspiel. Natürlich dürfen rätselhafte Ausblicke nicht fehlen. Mignola und Arcudi säen einige interessante Auftritte, die in der Zukunft noch eine Rolle spielen können. Dank der Kolorierung von Dave Stewart ist ein cineastisches Horrorabenteuer entstanden. Top. 🙂

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