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Comic Blog


Donnerstag, 17. Dezember 2009

Blueberry 47 – 1276 Seelen

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:28

Blueberry 47 - Die Jugend von Blueberry 18 - 1276 Seelen1276 Seelen sind tot. Getötet in einem Krieg, in dem Bruder gegen Bruder kämpft. Die Armee der Nordstaaten richtet mit ihren Kanonen ein Massaker an Männern, Frauen und Kindern an. Als Jim Thompson nichtsahnend auf seinem Pferd zurückkehrt, findet er alle seine ehemaligen Nachbarn in Blutlachen liegend vor. Die Raben tun sich bereits an den Leichnamen gütlich. Zuerst rebelliert Thompsons Magen, dann verliert er den Verstand. Thompson, ein Mann Gottes, beginnt im blinden Wahn einen Rachefeldzug. Der Mann des Friedens wird ohne zu zögern zu einem Mörder.

Verrückte jagt man mit einem Verrückten. So denken sich es zumindest jene, die mit Mike Blueberry zu tun hatten. Der Pinkerton-Agent Baumhoffer trifft Blueberry in einer sehr misslichen Situation. Der junge Mann wurde um all sein Geld betrogen und macht in seinem betrunkenen Zustand nicht den Anschein, als wäre er Herr der Lage. Ein Bad in der Pferdetränke stellt wenigstens den Verstand wieder her. Für Baumhoffer kann sich Blueberry trotzdem nicht erwärmen. Für den Auftrag ebenso wenig. Aber wie gesagt: Verrückte jagt man mit einem Verrückten. Am besten mit einem, der das Herz am rechten Fleck hat.

Der Cineast unter den Blueberry-Lesern wird sich angesichts des merkwürdigen Gottesmannes vielleicht an den ebenso seltsamen wie wahnsinnigen Gottesmann aus Poltergeist 2 erinnert fühlen. Ihre Motivation ist zwar eher unterschiedlich, doch sind sie auf ähnliche Weise von sich eingenommen und von der Weisung des Herrn überzeugt. Francois Corteggiani hat den Wahn dieser Figur sehr schön eingefangen. Jim Thompson, der Name der Figur, die Blueberry jagt, tötet mit einem Lächeln und einem zynischen Satz auf den Lippen.

Der jugendliche Blueberry besitzt bereits viel seines gealterten Ichs, allerdings fehlt die Kaltschnäuzigkeit noch. Corteggiani zeigt in der Tat einen jungen Mann, der noch Erfahrungen sammelt und nicht jede Konsequenz einschätzen kann. Andere Männer in seiner Situation würden nicht so reagieren wie er, wenn sie von einem Kind in einem Feindeslager erwischt würden. In späteren Bürgerkriegsszenarien wird er sehr viel planvoller zu Werke gehen, ganz besonders dann, wenn ihm die Verantwortung für weitere Menschenleben unter seiner Führung anvertraut wird.

Mit Michel Blanc-Dumont ist ein Zeichner an der Arbeit, der auch respektvoll mit dem Spitznamen Architekt belegt werden könnte. Unzweifelhaft liegt den Bildern aus seiner Feder auch eine große Natürlichkeit inne, aber sie wirken nie hingeworfen oder flüchtig. Bei Blanc-Dumont ist nichts dem Zufall überlassen. Die winzigen Striche wirken wie bei einer penibel angelegten Radierung. Man könnte auch sagen, Blanc-Dumonts Zeichnungen sehen aus wie die Planung zu einer dreidimensionalen Umsetzung. Schwächen lassen sich nicht finden. Seine jugendlichen Gesichter sind ebenso toll anzuschauen wie die harten Burschen und die klapprigen Außenseiter.

Die Farbgebung von Claudine Blanc-Dumont ist innerhalb des Albums bei weitem nicht so farbenfroh wie das Titelbild vielleicht vermuten lässt. Diese Kriegswelt kommt äußerst gedeckt, vielleicht in manchen Teilen sogar fahl daher. Das ist allerdings stimmig, denn eine farblich zur Schau gestellte Heiterkeit würde der Geschichte vollkommen zuwider laufen.

Ein in sich geschlossener Handlungsteil um die Jagd auf einen verbrecherischen Fanatiker. Aber auf das Ende der gesamten Geschichte muss der Leser in der Fortsetzung warten. Corteggiani entwirft ein düsteres Kriegsgeschehen, in dem sich hinter den Kulissen ebenso viel abspielt, wie offiziell bekannt wird. Bestens von Blanc-Dumont umgesetzt. 🙂

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