Als Modedesignerin hat frau es nicht leicht: Mit eigenen Entwürfen ist es schwer, in den Markt hineinzukommen. Der Diebstahl von Modellen und Zeichnungen kann vorkommen. Alteingesessene Designer halten das junge Gemüse in eigenem Interesse im Zaum. Aber hin und wieder gibt es auch eine Designerin, die sich nicht durch bestehende Regeln einschüchtern lässt. Eine, die ganz nach oben will, komme, was da wolle und manchmal auch gegen jede Chance. Eine dieser jungen Designerinnen ist Laura Lava. Sehr bald merkt sie, wie leicht ein Kontakt Türen öffnen kann. Aber auch das genaue Gegenteil ist möglich.
Von diesen Schwierigkeiten weiß Franka zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Sie macht derweil Urlaub und lässt es sich gut ergehen. Als sie Laura Lava trifft, ahnt die Designerin nicht, dass Franka sie kennt. Es wäre ihr vermutlich auch egal, denn sie benötigt dringend ein Fotomodell. Falls sie nicht in Kürze einen Stapel Bilder ihrer zu erwartenden Kollektion abliefert, ist ihre Karriere schneller begraben, als sie begonnen hat. Und nicht nur die: Jemand trachtet Laura nach dem Leben.
Nach einer Doppelfolge mit einem schon exotisch zu nennenden Abenteuer wird es für Franka nun noch gefährlicher in der Welt der Mode. Die Schönen und Reichen bilden eine Mörderische Konkurrenz, wie sie schon häufiger mehr oder weniger harmlos thematisiert wurden. Bei Agatha Christie brachten sich die Reichen mit Vorliebe um, im Lipstick Jungle machen sich die Schönen das Leben schwer. In beiden Fällen schwingen die Leben jenseits der Normalität. Und in dieses unnormale Leben will Laura Lava unbedingt Eingang finden.
Henk Kuijpers beschäftigt sich auf den ersten Seiten hauptsächlich mit Laura Lava. Franka wird eingangs kurz gezeigt, mehr hat sie zunächst nicht zu tun. Die Vorgehensweise mag unüblich sein, dank der sehr unorthodoxen Laura Lava vermisst man als Leser Franka zuerst auch nicht. Kuijpers schildert Lava als sehr einfallsreiche junge Frau. Geld ist knapp. Um zu leben (von überleben muss hier noch nicht gesprochen werden, das folgt später), lässt sie sich diverse Aktionen einfallen. Sie flieht vor einem Gerichtsvollzieher, leiht sich Kleider, reist in einer speziellen Dreiertasche (genialer Trick), bevor sie sich an ihre eigentliche kreative Arbeit macht: Mode entwerfen.
Die Welt der Mode ist ein Haifischbecken. Dieser Eindruck stellt sich ein. Laura erreicht ihr Ziel. Plötzlich muss sie nicht mehr Schlange stehen, man steht Schlange bei ihr. Aber Kuijpers lenkt seine Laura wieder auf das Wesentliche: Das Leben. Sicherlich hinterlässt die Darstellung der Mode-Branche einen etwas überzogenen einen etwas überzogenen Eindruck. Betrachtet man allerdings das ursprüngliche Entstehungsjahr (1990) und vergleicht mit Produktionen wie Der Teufel trägt Prada, vielleicht sogar Brüno, war Kuijpers mit seiner Darstellung der Szene seiner Zeit irgendwie voraus und gar nicht einmal so überspitzt.
Der Zeichenstil von Henk Kuijpers ist geradlinig, sehr sauber, fast ein wenig geometrisch. Er ist ein Mann der Details. Seine Bilder sprudeln gerade in dieser Ausgabe über von Einzelheiten. Ob die Orte sich nun gerade am Strand befinden, in der Stadt, im Zug auf einer nächtlichen Schiffsparty oder an Land in luxuriöser Umgebung, stets fühlt man sich hier auch an Suchbilder erinnert. Überall geschieht etwas, Kleinigkeiten, die es nach dem ersten Lesen fordern, in einem zweiten Lesen entdeckt und vielleicht auch anders interpretiert zu werden. Kuijpers zeichnet Welten, Ausschnitte davon und er versucht seinen Lesern soviel wie möglich davon zu zeigen.
Daneben liebt er die Action. Mit Laura Lava hat er eine zweite junge Frau, die um keine Kraxelei verlegen ist, die sich regelrecht ins Leben stürzt. Franka steht ihr da in nichts nach. Zwar sind die rasanten Szenen etwas seltener als noch im vorhergehenden Doppelabenteuer, dafür hat sich Kuijpers einige sehr schöne und auch spannende Szenen einfallen lassen, die sich zu jeder Zeit nahtlos in den vorliegenden Band einfügen.
Ab in die Welt der Mode: Nebenfigur Laura Lava kann Franka zwar nicht den Rang ablaufen, aber sie sehr gut ins Konzept der durchsetzungsfreudigen jungen Frau, die kein Risiko scheut und aufs Ganze geht. Ein grundsolides und spannendes Krimiabenteuer für Freunde traditioneller frankobelgischer Comickunst. 🙂
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