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Comic Blog


Samstag, 12. September 2009

RG – Verdeckter Einsatz in Paris 1

Filed under: Thriller — Michael um 11:44

RG - Verdeckter Einsatz in Paris 1Eine Überwachung ist eigentlich eine triste Angelegenheit. Doch manchmal zeigen sich auch in sehr kurzer Zeit Ergebnisse, die zu weiteren Spuren führen, die keiner erwartet hatte. Pierre Dragon ist Polizist in Paris. Er ist Beamter des Renseignements Generaux, dem Nachrichtendienst der französischen Polizei. Der kleine Laden, den er und seine Kollegen im Blick haben, entpuppt sich als Schieberring. Doch plötzlich steht eine Person auf dem Plan, an der auch das FBI interessiert sein könnte. Frechheit siegt: Völlig ohne Termin und sehr dreist verlangt Dragon in der Amerikanischen Botschaft zum örtlichen FBI-Chef vorgelassen zu werden. Das ist nicht unbedingt ein weiterer Beginn einer wunderbaren Freundschaft, aber immerhin ein neuer Kontakt, wie ein Polizist ihn immer brauchen kann.

Ungeschminkte Polizeiarbeit. Oder: Ein Polizist ist auch nur ein Mensch. RG oder auch Verdeckter Einsatz in Paris besitzt jene leichte Melancholie, die in so manchen französischen Filmen mitschwingt. Bereits sehr früh, in alten stimmungsvollen Leinwandromanen mit einem Jean Gabin oder einem Lino Ventura entsteht dieses ganz besondere Portrait des Polizisten schlechthin. Polizist ist nicht nur ein besonderer Beruf. Polizisten sind besondere Menschen. Zumindest in Frankreich.

Pierre Dragon, das Pseudonym des Autors, der in Wirklichkeit auch Polizist ist, und der Name der hier agierenden Hauptfigur wird sich bestimmt gegen diese Behauptung wehren. Eher wird er sagen, dass er nicht ganz normal ist, diesen Job überhaupt zu machen. Sein Beruf bringt ihn kaum den Menschen näher. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen. Die meisten, die sich mit ihm abgeben, sind Informanten. Echte Freunde sind selten. Und irgendwie sind die Illusionen von einst abhanden gekommen.

Polizist zu sein heißt nicht nur, mit einer großen Pistole zu spielen …
Ich will nicht mit ner großen Pistole spielen. Ich will die Bösen verhaften.

Ein kindlicher Wunsch zieht sich durch das Leben des Polizisten Dragon. Als er früher dem Polizisten zuhörte, der bei seinem Vater zu Besuch war, klang dieses Leben noch abenteuerlich. Jetzt ist viel Routine darin zu finden. Selbst eine Überwachung auf einer Party für die Oberen Zehntausend, die allabendlich immer neu stattfindet, sogar mitten im Trubel selbst, mit Champagner und allem Drum und Dran, wird irgendwann eine öde Angelegenheit. Wenn dann noch die Hierarchien greifen, die anderen sich über die wohlverdienten Ergebnisse der eigenen Arbeit hermachen und den Erfolg einheimsen wollen, dann muss die Frage gestattet sein: Warum macht der das alles?

Die Antwort darauf ist leise und zwischen den Zeilen zu finden. Sie ist keine Effekthascherei, eben sehr französisch (weshalb der Comic auch in Schwarzweiß hätte abgeliefert werden können). Und es ist die Antwort, die Pierre Dragon schon als Kind gegeben hat. Rückschläge oder das Zurückstehen in der zweiten Reihe scheinen eben dazuzugehören.

Frederick Peeters, ein Schweizer Künstler, ist nicht ganz so abstrahierend wie ein Guy Davis, aber er geht stilistisch in diese leichfüßige Richtung. Ein Gesicht ist bei ihm aussagekräftig, sofern es öfter gebraucht wird. Gesichter wie die von Wachen der Amerikanischen Botschaft werden nur kurz gebraucht, entsprechend wird auch keine besondere Energie darauf verschwendet. Fast ist es ein Blick durch die Augen Dragons, der sich das merkt, was er später noch brauchen könnte. Der Blick ist sezierend. Was ist wichtig, was nicht? Peeters beobachtet und zeichnet durch die Augen seines Autors. Da fallen die Tuschelinien krumm aus, da ist die Farbe nicht superexakt aufgetragen. Der Zeichner begleitet die Geschichte und erstellt Schnappschüsse, im richtigen Moment wird auf den Auslöser gedrückt, doch es bleibt nicht viel Zeit, dann geht es schon weiter.

Riad an der Seine: Paris, die heimliche Nebendarstellerin. Die französische Hauptstadt ist mehr als nur Kulisse. Sie bietet Ambiente, Kultur, Prunk und Protz, der protzende Gäste in Prunkhotels anlockt. Sie, die Stadt, ist Nährboden für Verbrechen der besonderen Art, die andernorts nicht möglich wären. Es ist Sommer. Die Leute schwitzen, auf den Straßen, in den Cafes, den Bars. Man sucht in der Geschichte wie auch in den Bildern das Spektakuläre. Es findet sich nicht. Vielmehr fesselt einen die Normalität eines vollkommen anderen Lebensaufbaus, der einen Blick auf eine Welt gibt, den der normale Mensch so nicht hat.

Wer sich darauf einlässt, eine echte Geschichte (die nicht so passiert ist, aber passieren könnte) zu lesen, die unspektakulär und spannend gleichermaßen sein kann. Wer die Stile älterer französischer Polizeifilme mag, wie auch Geschichten, die zum Mitdenken auffordern, der sollte einen Blick riskieren. Grafisch erwartet den Leser ein journalistischer Stil, schnell ausgeführt, prägnant. Das ist gewöhnungsbedürftig, passt aber wie die berühmte Faust aufs Auge. Sehr gut. 🙂

RG, Verdeckter Einsatz in Paris 1, Riad an der Seine: Bei Amazon bestellen

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