Es ist Conan. So sagen die Menschen um ihm herum, wenn sie keine andere Begründung für sein Verhalten finden können. Es ist Conan. Conan ist so und nicht anders. Doch anders ist er, anders als sie. Er wurde auf dem Schlachtfeld geboren und stählt sich bereits als Knabe in Kämpfen und erringt früh die Anerkennung der Erwachsenen und den Neid anderer Jungen. Er lernt den Hass von seinesgleichen kennen. Neugierig beobachtet er ein Mädchen, dass sich mit ihrem Vater, einem geächteten Zauberer in ihre Berge geflüchtet hat. Ein kurzer Moment wie von Liebe stiehlt sich in sein Leben. Bis zu jenem Tag, als ein Befreiungskampf alles verändert.
Wie konnte aus der Figur Conan jener Eroberer, überragende Barbar und Zerstörer werden, wie er in Kurzgeschichten und Romanen, auch in Filmen zu erkennen ist? Der Autor Kurt Busiek, Erzähler unzähliger Abenteuer verschiedenster Reihen und Charaktere, hat sich der Aufgabe angenommen, Conan eine Kindheit und eine Jugend zu geben, bis zu jenem einschneidenden Ereignis, der Schlacht um Venarium, in der Conan endgültig zum Mann reift.
Auf dem Schlachtfeld geboren: Vom ersten Augenblick an wird die Härte Cimmerias deutlich. Die Eltern kämpfen auf dem Schlachtfeld. Gerade noch hat die hochschwangere Frau ihrem Mann das Leben gerettet, kommt auch schon der Sohn zur Welt: Conan. Auf dem Schlachtfeld inmitten der getöteten Feinde geboren, wird es von seinen Stammesbrüdern als Zeichen angesehen. Und in der Tat ist Conan anders, obwohl er sich lange bemüht einer von ihnen zu sein. Bereits sehr früh besitzt er einen ausgeprägten Willen, ein großes Durchsetzungsvermögen und würde sich eher töten lassen, als sich einem Gefühl der Angst zu ergeben, denn Aufgabe kennt dieses Kind nicht. Wenn jemand die stärksten Eigenschaften der Cimmerier in sich vereinigt, dann isr es Conan.
Wenn es um das Überleben geht, wählt Conan das Leben, es sei denn, er sieht sich vor die Aufgabe gestellt, jemanden zu beschützen. Conan ist noch ein Kind, als er den ersten Menschen tötet. Einer seiner Spielgefährten wird zum tödlichen Feind. Genährt durch die Erzählungen von Vätern und Großvätern kennen diese Kinder den Kampf. Der Tod ist in diesem kargen Land sowieso allgegenwärtig. Busiek berichtet, er erzählt nicht nur, von einem bis in den letzten Winkel stimmigen Land, von Menschen, die der Erde um sich herum das Nötige zum Leben abtrotzen. Eigentlich könnten sie gehen. Raubzüge in ferne Länder zeigen, dass sie sich eine neue Heimat suchen könnten. Aber die Cimmerier sind nicht bloß eine Bevölkerung, sie sind dieses Land und gehen eine Einheit mit ihm ein.
Es ist Conan.
Busiek beschreibt Conan als Menschen, der stets um diese Einheit bemüht ist, aber zu anders ist, um jemals dazuzugehören. Als Junge rettet er einem Mann das Leben, indem er einem Wolf im Zweikampf die Kehle mit den Zähnen herausreißt. Wenig später bekämpft er eine Raubkatze ebenso unnachgiebig. Auf einem verwunschenen Schlachtfeld muss er sich gar mit einem Kannibalen auseinandersetzen. Diese und andere Erlebnisse, der Drang, diese auch vollkommen allein zu bewältigen, lassen Conan ins Abseits geraten. Die wenigen schönen Erlebnisse Conans (obwohl der Junge sicherlich seine ganz eigene Definition davon hat) sind leicht zählbar, aber keine Einzelheit in seinem jungen Leben kommt ohne große Intensität daher. Busiek lässt nicht nur Conan, sondern gleich alle Cimmerier am Rande des sprichwörtlichen Abgrunds balancieren.
Diese Intensität wird nicht nur allein durch die Erzählung, sondern auch durch die grafische Darstellung erreicht, die Greg Ruth hier in Perfektion abliefert. Seine Bilder erinnern an Momentaufnahmen, wirken stets ein wenig ruhelos, selbst wenn es sich um Momente der Pause und des Innehaltens handelt. Das Gesicht des kleinen Conan lächelt nur selten. Im Rausch, als Belohnung an der Seite der Männer lacht er aus vollem Halse. Verzückung und Verwunderung sind gleichfalls selten. Man könnte sagen: Conan gehört nicht zu den Menschen, die etwas zu lachen haben. Es herrscht kraftstrotzende, explodierende Gewalt. Blut spritzt wie Gischt, Köpfe und Gedärm fallen auf den Schlachtfeldern. Das wird nicht beschönigt, vielmehr von Greg Ruth wie ein unzensiertes Kriegsgemälde dargestellt. Kämpfe zwischen Cimmeriern und Aquiloniern oder Vanir und Aesir sind nicht jene geschönten Schlachtengemälde, auf denen die Kämpfe hoch her gehen, aber niemand blutet. Ein wenig hat man das Gefühl einer Dokumentation. Der Tod, wie er hier eintritt, gehört so dazu.
Betrachtet man einzelne Geschehnisse, mag es auch sein, dass sie unter dem Einfluss von Werken wie 300 entstanden sind. Die Kämpfe stehen sich in ihrer harten Darstellung in nichts nach. Conans Kampf gegen den Wolf erinnert an den Initiationsritus von König Leonidas. Die Schlacht um Venarium könnte auch der Enge der Thermophylen entrissen worden sein. Die aquarellartige Zeichentechnik von Greg Ruth erhöht allerdings den Realismus der Geschehnisse im Gegensatz zu den Bildern von Frank Miller.
Ein grandiose Beschreibung von Conans Kindheit, kompromisslos, hart, realistisch, vielleicht ganz im Sinne von Robert E. Howard, der, hält man seine Conan-Geschichten zugrunde, sicherlich zufrieden gewesen wäre mit dem Ergebnis. 🙂
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