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Comic Blog


Samstag, 18. April 2009

Ultimate Origins

Filed under: Superhelden — Michael um 10:49

Ultimate OriginsSpidey hatte schon viele seltsame Begegnungen, aber ein Mann, der nur mit einer lilafarbenen und ausgeleierten Hose bekleidet ist, gehörte bislang nicht dazu. Spider-Man wundert sich noch mehr, als das Militär ein besonderes Interesse an diesem merkwürdigen Mann zeigt. Allerdings kann sich Peter Parker einen Reim auf dieses Interesse machen. Aus dem eher normal gewachsenen Mann mit der lilafarbenen Hose wird wenig später ein giftgrüner drei Meter hoher mit Muskeln bepackter Koloss. Dieser Hulk entzieht sich dem Zugriff der Soldaten durch einen gewaltigen Sprung. Da kommt selbst ein Spider-Man nicht mit.

Etwas ist faul auf dem nordamerikanischen Kontinent. Einige Kräfte scheinen fest entschlossen zu sein, den ultimativen Soldaten zu schaffen. Erste Versuche, im Labor wie im Feld, verliefen wenig ermutigend. Der Präsident höchstpersönlich will keinen Vorzeigesoldaten mehr auf dem Schlachtfeld auf einer Fahne liegend verbluten sehen. Es muss einen Weg geben. Und es gibt ihn tatsächlich. Einige Individuen sind widerstandsfähiger als andere. Sie nehmen die Injektionen an, erleben allerdings Phasen allergrößter Schmerzen und sind schwer zu bändigen.

Langsam kommt ein Geheimnis ans Licht, so unglaublich, dass es niemand der Akteure, die sich nun auf entgegengesetzten Seiten wiederfinden, für möglich gehalten hätte.

Die Ultimate Origins lüften ein Geheimnis nach dem anderen. Manche werden beiläufig angesprochen (aber dennoch so, dass die Überraschung sitzt), andere auf den Punkt genau geschildert und sehr detailliert. Die Eröffnungsszene, in der Spider-Man auf den Hulk trifft, ist nur ein Vorgeschmack dessen, was sich Top-Autor Brian Michael Bendis wieder ausgedacht hat. An seiner Seite, verantwortlich für die Umsetzung der Bilder, ist Butch Guice. Guice ist kein Bryan Hitch, der Maßstäbe für das Ultimative Universum setzte, aber er ist auf dem besten Wege sich ein Kopf an Kopf Rennen mit seinem Künstlerkollegen zu liefern.

Ultimate Origins ist in mancher Hinsicht eine Überraschung. Nur ganz selten wurden Geheimnisse oder Hintergründe einer einzelnen Figur derart kompromisslos gelüftet. Hier geschieht es gleich der Reihe nach. Es wäre unfair, einige Begebenheiten, hier zu lüften, aber gezeigt zu bekommen, wie Peter Parker nicht nur den Hulk, sondern auch Nick Fury kennen lernt, ist faszinierend einfach gelöst und höchst dramatisch dazu. Während sich in der Vergangenheit Konstellationen herausbilden (Magneto und Charles Xavier, Nick Fury, Wolverine und Shield, Hank Pym und Bruce Banner), entsteht in der Gegenwart etwas ganz anderes und eine neue (nicht unwichtige) Figur wird geboren. Das ist auch schon fast falsch, denn nebenher noch ein weiterer ultimativer Charakter eingeführt, wieder eher beiläufig, aber für die Zukunft der Ultimativen von Bedeutung. Die Fantastischen Vier, sonst für ganz eigene und ebenfalls besondere Handlungsstränge gut, verkommen hier fast zu Statisten.

Das Nachwort berichtet über die einzelnen Versuche Marvels, ihre eigenes Universum auf neue Füße zu stellen oder in andere Universen vorzustoßen. Nichts hat so recht geklappt, bis es ultimativ wurde. Inzwischen, wie schon oft festgestellt, hat die neue Ernsthaftigkeit, derer es andere Vorreiter als Marvel gegeben hat, auch in das normale Universum Einzug gehalten. Zeichner wie Butch Guice treiben das Ultimative Universum weiter voran, indem sie spektakuläre Ansichten schaffen.

Ein besonderer Ausflug (immer wieder gern gesehen) geht hier ins Wilde Land. Hier haben Mutanten eine Zuflucht gefunden, hier können sie unbehelligt an einer Zukunft bauen. Guice geht sehr respektvoll mit den einzelnen Charakteren um. Es ist ungewiss, ob er es nur als Job betrachtet, oder ob es ihm doch eine gewisse Ehre ist, die Entstehung eines Helden zu zeichnen, aber hier ist nichts dahingeschludert. Ein wenig erinnern die akribisch gezeichneten Bilder an die Arbeitsweise von Russel Braun. Braun zeichnete Wahre Freunde, ein Batman-Abenteuer. In einem Teilabschnitt dort geht es ebenfalls um die Zucht von Supersoldaten. Als der erste dieser Soldaten fertiggestellt ist, erinnert die Gestaltung dieser Szene an den ersten Auftritt von Captain America in diesem Band. Zufall oder Absicht? Keine Ahnung. Fakt ist, dass zwischen dieser Batman-Geschichte und Ultimate Origins satte 18 Jahre liegen.

Wer eine richtig gute Entschlüsselung zur Entstehung von Helden lesen möchte, liegt hier genau richtig. Die verschachtelte Erzählweise erschwert etwas den Einstieg, dafür ziehen die Zeichnungen den Leser sofort in ihren Bann. Top. 🙂

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