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Comic Blog


Donnerstag, 16. April 2009

Wolverine: Logan

Filed under: Superhelden — Michael um 16:05

Wolverine: LoganKrieg. Logan liegt in seiner Zelle, bewusstlos, bis ihn ein Neuzugang weckt. Auf das Kennwort hat er als Kanadier nicht die nötige Antwort parat. Der Neue, Leutnant Warren, scheint sich mit Logans Auskünften zufrieden zu geben. Tief im japanischen Feindesland denken die beiden unfreiwilligen Verbündeten bald nur noch an eines: Flucht. Bald wird eines deutlich. Außer dem Überlebensdrang ist den beiden Männern nichts gemein. Warren würde ohne mit der Wimper zu zucken, eine Zivilistin töten. Dank Logan überlebt sie. Sie nimmt den Kanadier aus Dankbarkeit auf und versteckt ihn.

Keiner der beiden rechnet mit Warrens Rachegedanken und seinem unbändigen Hass auf die Japaner. Mehr noch: Warren verfügt über besondere Fähigkeiten. Ohne es zu ahnen, ist Logan einem seiner furchtbarsten Widersacher begegnet.

In der Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs nimmt eine Geschichte ihren Anfang, die sich bis in die Gegenwart zieht. Dieser besondere Gegner, den Logan vernichtet glaubte (und mit dem er sich aus mannigfaltigen Gründen über die Jahre nicht beschäftigen konnte), könnte der erste und letzte besondere Gegner sein. Autor Brian K. Vaughan, der in den letzten Jahren mit Serien wie Y – The Last Man und Ex Machina von sich reden machte und schließlich erzählerische Ausflüge in andere Comic-Universen machte, legt hier eine sehr frühe Episode von Logan hin, lange bevor der Name Wolverine von ihm selbst in Betracht gezogen wurde.

Logan weiß zu diesem frühen Zeitpunkt, dass er über besondere Fähigkeiten verfügt. Seine Selbstheilungskräfte halfen ihm, den Krieg zu überstehen. Nur vor Gefangenschaft ist auch er nicht gefeit. Der kleine haarige Mann hat bisher viel Ablehnung erfahren und Frauen waren sowieso die letzten, die sich mit ihm abgegeben haben. Ausgerechnet in dieser hochgefährlichen Situation begegnet Logan einer Frau, die in sein Inneres blickt und den hochanständigen und ehrenwerten Kern entdeckt. Aber Logan ist niemand, dem ein gutes Ende vergönnt ist (jedenfalls nicht immer). Dessen ist sich auch Vaughan bewusst.

Aus diesem Grund ist der Schauplatz gut gewählt, denn aus historischer Sicht kann aus ihm nichts Gutes erstehen: Hiroshima. Während am Boden eine zarte Liebe entsteht, naht aus der Luft das Verderben, aber nicht das Ende. Vaughan gibt Logan eine sehr kurze glückliche Zeit, eine Erinnerung, die ihn mit Trauer und Wut erfüllt, jahrzehntelang, bis Logan an den Ort von damals zurückkehrt. Das ist sehr eindringlich und auch reduziert beschrieben. Der Leser erfährt vom Krieg, vom Hass, den Umständen, doch der große Rundumschlag bleibt aus und er ist auch nicht wichtig. Inmitten der kleinen abgelegenen Oase der Ruhe, die Vaughan hier schildert, ist der Krieg weit weg, obwohl er gegenwärtig ist. Ein wenig verhöhnt Vaughan diesen charismatischen Marvel-Charakter. Allerdings gingen schon viele Autoren diesen Weg, schenkten Logan einen Funken Hoffnung und nahmen ihm diesen Zustand wieder weg. Auch dafür wurde Logan gemacht.

Als Zeichner steht Eduardo Risso zur Seite. Risso ist immer weniger aus dem Comic-Geschäft wegzudenken. Seine erfolgreichen Veröffentlichungen mehren sich. 100 Bullets, Johnny Double oder Vampire Boy zeigen, wie stark Risso seinen Blick zu fokussieren und das zentrale Element einer Szene einzufangen versteht. Die Stärke seiner Zeichnungen liegt außerdem darin, dass Risso ohne Farbe auskommen kann. In den Bildern lässt sich nichts von unterschiedlichen Linienstärken, auslaufenden Linien oder anderen Techniken entdecken, die sonst hochgehalten werden. Risso kennt eine Linienstärke. Er arbeitet mit einfachen Schatten, er schraffiert, wie es gerade passend erscheint. Obwohl seine Arbeiten so einfach wirken, gibt es Merkmale, die seine Bilder sehr aussagekräftig machen.

Risso arbeitet gerne mit Gegenlichtdarstellungen und Schattenrissen. Aus diesen Schatten zerrt er das heraus, worauf es in diesem Moment ankommt. So werden auch bestimmte Gesichtausdrücke oder Teile eines Gesichtes fokussiert. Gleich auf dem Cover sieht der Leser dies an Logans Gesicht. Dort sind nur die Augen und die Zähne zu erkennen. Man könnte behaupten, Risso arbeite ähnlich wie Frank Miller, nur viel weniger grob. Rissos Bilder werden für dieses Projekt von Dean White koloriert, der dafür eine simple, aber effektive Aquarelltechnik wählte. Das ergibt ein organisches Gesamtbild und weicht damit stark von den sonst zwar aufwendig, doch eher klinisch per Computer kolorierten Arbeiten bei Marvel und Co. ab.

Zurück zu den Wurzeln: Eine unverblümte Erzählung um Wolverine, schnörkellos, tragisch, drastisch. Ein gelungener Erklärungsansatz zu Logans Charakter aus der Feder von Brian K. Vaughan, spartanisch, aber sehr lebendig in Szene gesetzt von Eduardo Risso. 🙂

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