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Comic Blog


Montag, 13. April 2009

Frank Lincoln 1

Filed under: Thriller — Michael um 18:19

Frank Lincoln 1Gegenüber seinen Mitmenschen markiert Frank Lincoln den harten Knochen. Etwas mundfaul, kompromisslos, ist er in seinem Job als Privatdetektiv am Ball und lässt sich nichts vormachen. Als Vater versagt er schmählich und weiß nicht einmal, was er falsch macht, es sei denn, er wird mit der Nase darauf gestoßen. Seine größte Niederlage ist es denn auch, den Geburtstag seiner eigenen Tochter zu vergessen. Schlimmer noch: Seine Tochter wird langsam erwachsen. Selbst das scheint an ihm vorbei zu gehen. Doch als das Leben seiner Tochter bedroht wird, steht es für ihn außer Frage, was er tun wird, um ihr Leben zu retten: Alles, was nötig ist!

Mit Frank Lincoln erwartet den Leser einmal mehr eine tolle Mischung aus Krimi und Thriller. Marc Bourgne nimmt den Leser mit in den hohen Norden, zum abgelegensten Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika: Alaska. Der flächenmäßig größte Bundesstaat ist vergleichsweise außergewöhnlich gering besiedelt, aber eine gleichzeitig mit einer faszinierenden und außergewöhnlichen Natur gesegnet. Diese und das Klima prägen die Menschen und das alltägliche Leben und machen aus ihnen einen sehr eigenwilligen Menschenschlag.

Das und die Tatsache, dass Frank Lincoln ein Privatdetektiv ist, macht aus der Hauptfigur einen besonderen Charakter. Frank ist ein gestandener Mann. Optisch vom Schlage eines Richard Hatch (Kampfstern Galactica 1978, Battlestar Galactica 2003) ist Frank Lincoln ein zwiespältiger Charakter. Er ist kein schlechter Mensch, musste jedoch das Verschwinden seiner Frau hinnehmen und seine Tochter alleine groß ziehen. Bei letzterem hat er mit sich selbst kämpfen, vergisst sogar ihren Geburtstag, weil er lieber mit seinen eigenen Seelenqualen beschäftigt ist und sich wie ein Trampeltier verhält. Marc Bourgne, Autor und Zeichner, hat sich um eine Hauptfigur bemüht, die Ecken und Kanten hat und sich dem Leser nicht gleich erschließt, indem sie vor Sympathie strotzt.

In sehr klaren und klassischen Linien, vielleicht vergleichbar als stilistische Mischung aus William Vance (XIII), Hermann Huppen (Comanche) und von der Exaktheit der Linien her auch Roger Leloup, entsteht ein sehr schöner Blick auf die Akteure und ihre Umgebung. Alaska ist kalt, so scheint es. Der Schnee, die Straßen, die Weite der Wildnis und die (scheinbare) Teilnahmslosigkeit von Frank Lincoln greifen sehr schön für einen Gesamteindruck ineinander. Besonders gelungen fallen die Eindrücke aus, wenn Bourgne sich viel Raum gestattet. Die Stadt mit ihrer Architektur wird kurz zum Darsteller, die verschneiten Wälder künden von der Weite, die sich letztlich nur mit einem Hubschrauber überwinden lässt. Eine Ölplattform zeugt von Einöde, Einsamkeit und sogar Menschenfeindlichkeit.

Genau solche Themen lässt Bourgne in seine beiden ersten Geschichten um Frank Lincoln einfließen und ist damit weit von einer Heiterkeit im Sinne von Men In Trees entfernt. Das Ergebnis lautet: In Alaska lässt es sich leicht sterben. Alaska ist als Handlungsort schon exotisch zu nennen, die einzelnen enger gefassten Schauplätze sind es in noch stärkerem Maße. In Das Gesetz des hohen Nordens, der ersten der beiden Episoden im vorliegenden Sammelband, findet sich eine kleine einsame Hütte im Nirgendwo (fast so wie in einer Sequenz in Bodyguard). Noch eingezwängter ist die Atmosphäre im zweiten Teil Off-Shore. Hier begleitet der Leser Frank auf eine Ölbohrplattform. Auf einem stählernen Koloss, meterhoch über der Wasseroberfläche und mit keinerlei (guten) Möglichkeiten zur Flucht wird das Szenario in der zweiten Hälfte der Geschichte beinahe zu einer Art Kammerspiel.

Bourgne präsentiert ein klassisches Wer ist der Mörder? Hier fiebert man als Leser nicht nur gerne mit, sondern kann auch fein miträtseln. Die Figur des Frank Lincoln wird im Verlauf transparenter, denn zusammen mit ihr erfährt der Leser, welche Qualen Frank begleiten und warum er so knurrig ist. (Letztlich muss man sich nach einer großen Enthüllung fragen, warum er nicht noch knurriger ist, aber vielleicht kommt dies noch in einer der Fortsetzungen.)

Noch ist das letzte Geheimnis nicht gelüftet und es scheint nach der bisherigen Erzählung sicher, dass das Wühlen in der Vergangenheit zu weiteren wenig gewünschten Ergebnissen führen wird. Marc Bourgne hat einen Helden geschaffen, dessen Zugang sich nur langsam erschließt, der einem dafür aber auch stärker ans Herz wächst. Für Krimi- und Thriller-Fans findet sich hier spannend geschriebenes und sehr gut gezeichnetes Lesefutter. 🙂

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