Es hat schon viele Zombie-Jäger gegeben. Der Goon ist einer davon. Und er ist kein schlechter. Doch es gibt immer welche, die den Job besser machen. Vielleicht machen sie es, weil sie mehr Leidenschaft für ihre Arbeit an den tag legen. Vielleicht haben sie ganz einfach Hunger: So wie der Bussard. Während eines Gefechtes mit einer Horde Untoter ist er plötzlich da. Seine Waffen vernichten die monsterhaften Quälgeister gleich reihenweise. Lazlo, einer der Untoten, erkennt den Angreifer wieder. Für ihn bedeutet das nur noch eines: Flucht.
Die ersten Geschichten um den Goon waren anders, sie waren gut, sie strahlten erzählerische Anarchie aus. Der zweite Band ist besser. Wer den ersten Band kennt, dem wird sofort auffallen, dass Autor und Zeichner Eric Powell immer noch unangepasst ist, aber seine zeichnerischen Qualitäten gesteigert hat.
Stirb, Fisch, stirb!
Fishy Pete hat dem Goon eine Falle gestellt. Das mag für den Leser, der keine Ahnung hat, was für Geschichten über den Goon existieren, sich vielleicht wie ein Einleitungssatz eines kleinen Gangsterdramas anhören. Fishy Pete, vielleicht ein Typ, der am Hafen sein Revier hat. Vielleicht ist es auch jemand, der Triefaugen und Hängebacken hat. Und der Goon? Das kann alles mögliche sein. Vielleicht ist er besonders stark? Das Problem ist (gut, es gibt keine Probleme, nur Lösungen), also, das Problem ist, dass niemand, der keine Ahnung von dem Goon hat, auch nur ansatzweise etwas von der Welt des Goon erraten könnte. Selbst wenn ihm gesagt würde, dass Zombies und ein Zombiepriester vorkommen, ja, selbst dann würden Mutmaßungen nicht an das herankommen, was Eric Powell sich hier ausgedacht hat.
Und das ist das Gute! Wer würde, ohne es zu wissen, hinter Fishy Pete einen überdimensionalen humanoiden Fisch vermuten, dessen Arme in Haken und Oberschenkel in Holzbeinen enden? Wohl niemand. Die Hand, die in der Tat aufs Stichwort aus dem Nichts erscheint und Fishy Pete eine … Nun, ihn unsanft an etwas erinnert, ist nur eine weitere Überraschung, die sich den gewöhnlichen Erzählregeln entzieht.
Sei es eine handfeste Geistergeschichte oder eine sehr überdrehte Rächergeschichte, Powell, Powell besticht durch ungewöhnliche Einfälle. Mitten in der Handlung wird dem Leser ein Werbespot serviert, nicht irgendeiner natürlich. Man könnte es als eine Humor im Stile eines Kentucky Fried Movie bezeichnen, sehr albern, absolut nicht massentauglich und politisch dermaßen unkorrekt, dass es nur so kracht. Da Powell schon einmal am Werk ist, darf auch der Weihnachtsmann nicht fehlen. Wurde der in Rot gekleidete Polbewohner seinerzeit von Judge Dredd noch als unerwünschter Eindringling vom Himmel geholt, entpuppt sich der Weihnachtsmann hier als echter Retter in der Not.
Seien wir ehrlich: Die Figur des Goon ist toll, aber … sein Sidekick Franky ist besser.
Nun, vielleicht nicht besser … Franky ist der kleine schmächtige Typ. Er ist drahtig, hat Muskeln, große Augen (wie eine Zeichentrickfigur aus den guten alten Tagen) und läuft meistens in einem Unterhemd durch die Gegend (wie die Gangster in den guten alten Tagen). Und viele Haare hat er auch nicht mehr. Aber er hat eine verdammt große Klappe und ist bis in die Haarwurzeln ein kleiner gemeiner Fiesling, wenn es darum geht Monster und anderes Geschmeiß zu vermöbeln (oder schlimmeres zu tun). Während der Goon eine Mischung aus Bud Spencer, dem Seewolf und Sylvester Stallone ist (dem hier die Gesichtszüge vollkommen entglitten sind), ist Franky eher eine Mischung aus Donald Duck, Kater Karlo und einem der kleinen Strolche (klingt merkwürdig, ist aber so).
Optisch hat sich Eric Powell seine Eigenständigkeit erarbeitet, er lässt sich aber dennoch vergleichen. Er hat stilistische Anteile eines Bernie Wrightson und Guy Davis, aber auch ein wenig Mike Mignola. In seinen rein farbigen Bildern, bei denen er auf Außenlinien verzichtet, kommt er durch seine Mischtechnik einem Simon Bisley nahe. Allgemein ist Powells grafische Arbeit recht schwermetallig.
Werwölfe als Reittiere, durchgedrehte Geister, natürlich Zombies, ein Wesen, das den Monty Pythons eingefallen sein könnte und ein autoritärer Weihnachtsmann: Das ist nur ein Ausschnitt aus Eric Powells anarchischem Humor. Powell kann mit dem zweiten Band auftrumpfen. Wer von pechschwarzem bis schwarzeslochschwarzem Spaß begeistert ist, der wird hier genau den richtigen Lesestoff finden. 🙂
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