Samstag, 08. November 2008
Noch sind die Flugteufel mit sich selbst beschäftigt. Das Verhalten dieser Greifvögel ändert sich schlagartig, als sie das seltsame Fluggerät entdecken, das rasend schnell in ihr Revier eindringt. Diese Flugteufel kennen keine Angst. Sie attackieren die Insassen des Fluggeräts. Storm wehrt sich, aber er kann nicht verhindern, dass er die Balance verliert. Er fällt über Bord, mitten hinein in die grüne Hölle unter ihm. Allein auf sich gestellt versucht Rothaar das Fahrzeug unter Kontrolle zu bekommen. Dies gelingt ihr kurz, bevor sie Storm in die Tiefe folgt.
Als Storm die neue alte Welt betrat, verschlug es ihn in die Restbestände der alten Zivilisation wie auch in verschiedene klimatische Zonen, bis … … das Geheimnis gelüftet wurde. Einige Zeit hätte der Leser annehmen können, es mit einer endlosen Reise ohne jeglichen Hintergrund zu tun zu haben. Derlei Szenarien existierten immer wieder einmal, nicht zwangsläufig mit dem Genre Science Fiction verbunden.
Bevor es an die Lüftung des Geheimnisses geht, steht aber erst einmal eine Region auf dem Programm, die wahrlich den Titel Die grüne Hölle verdient. Vor lauter Bäumen sieht der Betrachter hier den Wald nicht. Der Boden ist von knorrigen Wurzeln überwuchert. Zwischen den Stämmen hängt ein undurchsichtiger Nebel, große Blätter bedecken Lücken im Astwerk, Lianen zwischen den Bäumen machen ein Manövrieren mit Fluggeräten so gut wie unmöglich. Man stelle sich ein verwunschenes Amazonasgebiet vor, in dem alles eine gewisse Superlative erreicht und schon ist der Ort für ein außergewöhnliches Abenteuer geschaffen.
Fast jedenfalls. Denn die grüne Hölle hat noch mehr zu bieten. Tief unten am Boden hausen Mutanten, die sich von dem ernähren, was von denen da oben so herunterfällt. Das kann Abfall sein, das können auch Leichen sein. Wenn jemand wie Storm und Rothaar als lebendige Menschen solchen Wesen vor die Krallen kommen, ist das Horror pur. Autor Dick Matena spielt mit dem Gruselfaktor des Kannibalismus ähnlich wie schon H.G. Wells in seiner Zeitmaschine machte, unnachahmlich umgesetzt in der ersten Verfilmung des Themas. Sind derlei Wesen noch vernunftbegabt und können sich durch Worte verständigen, wird der Horror noch eine Stufe höher angesetzt.
Dick Matena belässt es aber nicht dabei. Die Affenmenschen, die in diesem Dschungel leben, wirken wie eine Hommage an den Planeten der Affen, ganz besonders durch den Umstand, dass einer dieser Primaten durch einen im Dschungel lebenden Einsiedler groß gezogen wurde und das Sprechen erlernte. Endzeit- und Westernatmosphäre geben sich in der Folge ein Stelldichein, bis die Geschichte eine Wende nimmt, die an diesem Punkt nicht zu erwarten war. Damit dürfte Matena dem Leser das wohl größte Schnippchen schlagen – indem er einen Haken schlägt, der nicht nur der Geschichte wie auch der gesamten Reihe eine völlig neue Richtung gibt.
Es soll nicht verraten werden, obwohl die Handlung bereits einige Jährchen auf dem Buckel hat. Doch die ganzseitige – und toll gestaltete – Ansicht eines Raumschifffriedhofs am Grunde der grünen Hölle gibt einen kleinen Ausblick darauf, was in Storms Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird.
Don Lawrence kann hier mit seinem Können richtig wuchern. Neben einer realistischen Ansicht von Pflanzenwerk wollen auch Flammen, Wasserfontänen, Hautoberflächen, Felle und vieles andere gemeistert ein. Matena macht es seinem Zeichner zunächst nicht so leicht, indem er Gegner in schlichte Uniformen steckt. Der Aufwand dieser Ausgabe ist immens – und doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Don Lawrence später noch alles leisten wird. Das Cover zeigt ansatzweise, wie sehr Lawrence später seine Bilder perfektionieren wird. Dann werden jegliche Bilder Cover-Qualität haben.
Zuvor jedoch finden sich noch kleine Mängel – es ist eigentlich eine Frechheit bei solchem Können von Mängeln zu reden. Aber da Lawrence zeigt, dass er es später besser kann, mag man diese Meinung nachsehen. Kleine Mängel sind beispielsweise die weiblichen Gesichter, die sich durch Kuhaugen, Froschmünder und eine durchgängig dreieckige Gesichtsform auszeichnen. Bei diesen duckfaces war Lawrence bei weitem noch nicht so differenziert, wie es alsbald während der Chroniken von Pandarve gelingen sollte. Alles andere ist schon so vorhanden, wie es der Fan bereits kennt, allerdings noch in der Entwicklung – deren Stand hier so manch anderer Comic-Künstler nie erreichen wird.
Ein tolles Abenteuer aus den alten Tagen Storms. Hier zeichnet sich eine Wende zu einem größer angelegten Zyklus ab. Don Lawrence’ Talent zu bewundern, ist immer wieder ein Genuss und ganz besonders in diesem Band mehr als einen Blick wert. Wer lernen möchte, wie’s gemacht wird, sollte die Grafiken in diesem Band genau unter die Lupe nehmen – im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂
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Donnerstag, 06. November 2008
Die Geräte funktionieren alle nicht richtig. Dabei sollte die neue Ausrüstung aus dem Hause Zinco doch die Arbeit der Einsatzteams erleichtern und nicht erschweren. Aber Verbindungen – wichtige Verbindungen – werden nicht hergestellt, ein Rauschen ertönt und die Teams vor Ort sind vollkommen auf sich gestellt. Für Hellboy ist das nichts Neues. Schließlich geht er auch lieber alleine vor, denn so kann er ungehemmt und ohne Rücksicht auf Verluste einfach alles kaputt machen. Wo alles in sich zusammenbricht, kommt wenigstens nichts auf die Beine.
So legt Hellboy eine kleine Zeitbombe. Sehr zum Verdruss seines Chefs Manning, der wieder einmal einen Herzinfarkt fürchten muss, weil der Welt bester paranormaler Ermittler nur Kleinholz hinterlässt. Aber es ist ihm nicht zur Gänze anzulasten, da auch Rasputin seine Vorkehrungen getroffen hat, um dem Abtrünnigen, der der Baba Jaga ein Auge nahm, das Handwerk zu legen und das Leben zu nehmen.
Die Kreise schließen sich. An allen Fronten entstehen gleichzeitig Brandherde. Hellboy und seine Freunde haben alle Hände voll zu tun. Hellboy, gesprochen vom Horror-erfahrenen Tilo Schmitz, sieht sich plötzlich mit mehr als nur einer Vampir-Angelegenheit konfrontiert. Denn Giuresco, der ehemalige napoleonische Offizier, den sogar die Nazis für ihren Vampirsturm rekrutieren wollten, hat eine prominente Mutter: Hekate, die Göttin mit dem Schlangenleib. Nach vielen aufregenden Momenten in diesem zweiten Teil von Der Teufel erwacht wird man als Hörer einerseits gefangen genommen von gruselig traurigen Klang von Elga Schütz (Hekate), andererseits reißt einen das freche Mundwerk Hellboys wieder in die humoristische Ecke – eine Besonderheit der Reihe allgemein, die hier sehr gut eingefangen wird.
Wie aus Freunden Feinde werden, wenn ein Dritter intrigiert zeigt das Verhältnis der beiden deutschen Wissenschaftler Krönen (Peter Woy) und Kurtz (Helmut Gentsch). Krönen, elektronisch verzerrt gesprocen, um den Klang hinter einer Gasmaske hervor zu simulieren, begehrt gegen Kurtz auf, da dieser den furchtbaren Kopf von Wissenschaftlerkollege Von Klempt wieder zum Leben erweckt hat. Eingesperrt in ein gläsernes Gefäß – genauer: dort konserviert und frisch gehalten – klingt die Stimme von Gastsprecher Hennes Bender etwas dumpf aus dem Hintergrund. Die meisten Hörer werden Hennes Bender als Comedian aus Bochum kennen, der durch seine hektische Vortragsweise bei zahlreichen Bühnen- und Fernsehauftritten (wie z.B. in Nightwash) sein Publikum begeistern konnte. Auch hier hat er sichtlich Spaß an seiner ungewohnten Rolle.
Tragisch und schaurig anzuhören ist das Schicksal von Ilsa Hauptstein, gesprochen von Katinka Springborn. Bisher konnte sie ihre Brutalität unter Beweis stellen, ein herrisches Gebaren, dann eine verzweifelte Liebe, ihre Hinwendung zu Giurescu, dem Vampir. Hin und her gerissen zwischen der Liebe und der Loyalität zu ihrem Meister Rasputin vertraut sie schließlich den Versprechungen des Mannes, der bereits tot war und ihr ein wenig die Furcht vor demselben nehmen kann.
Ein Geschenk der Baba Jaga wird zu Ilsas Schicksal. Wer die Comics nicht kennt, dem soll auch nichts verraten werden. – Einzig soll gesagt sein: Bei der Vorstellung dieses Schicksals wie auch der akustischen Umsetzung, sträuben sich einem die Nackenhaare.
Eine überaus gelungene Fortsetzung mit vielen Höhepunkten und Knalleffekten, die auf das Konto von Hellboys Holzhackermentalität gehen. Sobald Tilo Schmitz im wiederkehrenden Vorspann seine Zigarre pafft (wunderbarer Einfall) gibt es kein Entkommen mehr. Klasse. 🙂
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Sonntag, 02. November 2008
Arthur und Kei sind auf der Suche nach Abenteuern. Sie sind in einem jungen Mannesalter angelangt, in dem sie sich beweisen wollen, ja, beweisen müssen. Aber wie? Zuerst einmal muss Ausrüstung angelegt, wollen Reittiere gefunden werden. Die beiden Brüder haben keinerlei Besitz, also was bleibt noch an Möglichkeiten, wenn einem bäuerische Arbeit nicht gefällt und man ein Krieger werden will? Stehlen! Aber auch das will gelernt sein. Der Hof, den sie aus der Ferne beobachten, sieht verlockend aus. Da er bewacht ist, wird es wohl kaum ohne Blutvergießen abgehen. Das Schicksal hingegen meint es gut mit den Brüdern und ihrem neuen Begleiter. Ein Nebel zieht auf und verbirgt ihr Tun.
Wer war der berühmte König Arthur wirklich? Was war mit der Tafelrunde? Und Merlin? Welche Rolle spielte der Zauberer bei all diesen grandiosen Ereignissen, die von einem Wendepunkt Britanniens handeln? Vergesst die bisherigen Romane wie Die Nebel von Avalon, schön gefärbte Filme wie Der erste Ritter oder die alten Klassiker wie Die Ritter der Tafelrunde. Das wahre Leben dieses Kriegers war rauer, aber auch magischer, zauberhafter, mystischer. Arthur entwickelte sich langsam von einem die Abenteuer suchenden Räuber zu einem Freiheitskämpfer.
In jenen Tagen streifte ein gereifter Mann durch die Lande, weise, mit einem unbestimmbaren Alter und einem Geheimnis behaftet. Myrddin, so sein Name, wurde von Autor David Chauvel bereits ausführlich im ersten Band Myrddin, der Verrückte vorgestellt. Wer mit den erwähnten Veröffentlichungen oder anderen vertraut ist, wird hier so manches Detail oder diese oder jene Figur wieder erkennen. Aber mehr auch nicht. Der Weg, den Chauvel hier mit seinen Figuren beschreitet, ist anders, viel mythologischer, historisch, aber auch phantastisch.
Wir begegnen Myrddin und seinem Freund und Helfer Taliesin zu Beginn der Geschichte, als sich Myrddins eigenes Leben wieder beruhigt hat, die Geschichte Britanniens jedoch auf des Messers Schneide steht. Das Volk der LLoegr hat sich im Kampf behauptet und das Volk der Kymry zurückgedrängt. Aus diesem Volk geht Arthur als Ziehsohn von Kynyr hervor. Für fünf Kinder ist der gestandene Mann der Vater, zwei von ihnen entstammen seinem eigenen Fleisch und Blut, drei sind adoptiert. Alle verstehen sich prächtig und gedeihen so, wie es sich Eltern nur wünschen können. Myrddin, zu Gast bei Kynyr, entdeckt Arthur und sieht in der Zukunft, was einmal werden wird, aber er schweigt.
Die Jahre vergehen. Kei, Kynyrs leiblicher Sohn, und Arthur sind enge Freunde, ja Brüder, als entstammten sie den gleichen Eltern. Bedächtig, ausführlich, aufregend für den Leser, erzählt Chauvel seine Sage, die auch immer wieder von kleineren Geschichten und Beschreibungen durchbrochen wird. Diverse Krieger, die später an der Seite von Arthur reiten und kämpfen, haben ihre ganz besonderen Fähigkeiten und Namen. Vor einer Schlacht wünscht sich Arthur eine Ablenkung durch einen Barden, der ihm eine spannende Legende erzählt. Durch diesen Trick, wenn man es so nennen kann, entwirft Chauvel nicht nur ein groß angelegtes Bild von Arthurs Leben, sondern auch eine vielschichtige Ansicht eines längst vergangenen Britanniens.
Jerome Lereculey zeichnet höchst realistische Bilder und reiht sich mit seinem Können in die Riege der großen Künstler im Bereich Comic ein. Wer sich an Filme wie Braveheart erinnert und diesen in all seinen Ausprägungen mochte – Ausstattung, Kämpfe, Schlachten, Abenteuer – wird sich hier optisch gleich wohl fühlen. Lereculey verweigert sich keiner Herausforderung. Massenszenen finden hier in einer Fülle statt, die den Details auf den Leinwänden älterer Meister ähneln. Das Land Britannien erhält durch die gezeigte Landschaft, die Wohnstätten in verschiedenen Ausführungen, spezifische Kleidungen und Waffen einen richtig stofflichen Charakter, als habe es reale Vorbilder für diese Grafiken gegeben – ganz so wie bei alten journalistischen Zeichnungen, bevor die Fotografie diese Technik der Reiseberichte ablöste. Kraftvolle und doch sparsam eingesetzte Farben, ausgeführt durch Jean-Luc Simon, unterstreichen die Mischung aus Sagenerzählung und Dokumentation.
Kraft- und liebevoll erzählt. Arthur ist wahrhaftig von David Chauvel als keltisches Heldenepos angelegt (so der Untertitel der Reihe). Es ist so spannend, wie alte britannische (auch englische) Sagen immer sind. Wer glaubte, sämtliche Facetten der Arthur-Sage zu kennen, sieht sich getäuscht. Mit vielen neuen Ideen ist Arthur packende Historien-Unterhaltung. 🙂
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Der Tyrann muss sterben! Blue Boy hat sich eine große Aufgabe gestellt. Hereingelegt und gefoltert musste er erleben, wie seine vermeintliche große Liebe ihn bloßstellte und sich als etwas anderes, tödlicheres entpuppte. Über den Krieg vergaßen viele die Leiden Blue Boys. So befindet er sich nun auf seinem Rachefeldzug, allein, aber bestens bewaffnet. Lange hat er die Heimat nicht gesehen und weiß nichts von den Alleingängen anderer Fables. Jack Horner, den die Menschen aus den Geschichten um die Bohnenranke kennen, die zum Himmel wuchs, hat nur eines im Kopf: Berühmt werden.
Und wo kann ein Mensch heutzutage weltberühmt werden? In Hollywood! Jack wird der Medienmogul hinter den Kulissen. Die Filme über sein Leben werden erfolgreicher als alle Herrn der Ringe zusammen, bis …
Nun, Fables sollten aufpassen, was sie alles über sich und ihr Leben an die Öffentlichkeit tragen.
Nachdem der Krieg vom Feind nach Fabletown getragen wurde und sich seine Bewohner tapfer wehrten, schlägt Blue Boy nun zurück. Es hat schon viel einsame Rächer-Geschichten gegeben, doch nur ganz selten mussten diese Charaktere derart viel Geduld und Geschick aufbringen wie hier.
Die Welt der Märchen und Legenden, so wie sie Autor Bill Willingham sie für diese erfolgreiche Reihe begreift, setzt sich aus verschiedenen Dimensionen zusammen. Jeder Kulturbereich, jede zeitliche Epoche hat ihre ganz eigenen Figuren, Helden, Sagen und Geschichten geschaffen, die in zahllosen Dimensionen, unabhängig vom Glauben an sie, fortexistieren. Blue Boy reist von einer Dimension zur nächsten. Die Reise dauert derart lange an, dass der geheimnisvolle Fremde, der allerlei Dämonen auf seinem Weg tötet, in den Dimensionen bereits zu einer neuen Legende wird.
Ogren und Throk sind einfache Steuereintreiber. Wir, die Leser, begleiten sie gleich zu Anfang, erfahren von ihrem Leben, ihrer Arbeit – die außerordentlich langweilig für Kobolde ist – doch sie sind zufrieden mit sich und der Welt. Einzig die merkwürdigen Geschichten von einem schwarzen Ritter machen ihnen ein wenig Angst. Kurz bevor der Fremde zuschlägt, bläst er in der Nacht in sein Jagdhorn und kündigt sein Kommen an. So spielt Bill Willingham mit den Erwartungen des Lesers, denn als Blue Boy schließlich erscheint, ist sein Auftreten alles andere als gruselig und schon gar nicht so furchtbar, wie es die Kobolde untereinander munkeln.
Nur in der Konsequenz behalten die Geschichten recht.
Willingham schickt seinen Recken auf die Jagd nach dem Kaiser. Ein Riese von Gestalt, gepanzert, vermummt, so empfängt er seine Besucher, um sich ihre Wünsche anzuhören. Für Blue Boy ist dies eine willkommene – und vermutlich auch die einzige – Gelegenheit, in die nähere Umgebung des Herrschers zu schleichen und zuzuschlagen.
Auf diesem Weg dahin und darüber hinaus strotzt und protzt Willingham mit Einfällen, Märchen- und Sagencharakteren, dass es eine wahre Freude ist. Wer sich nur ein Stück weit für Fantasy begeistert, mag dies als Einstieg nutzen, um sich ausgiebig mit der Vergangenheit der Fables zu beschäftigen.
Mark Buckingham präsentiert lustig anzuschauende Koboldvarianten, die ihr Aussehen jedoch Lügen strafen, denn bei aller Putzigkeit können sie hinlangen und sind brutal und mutig wie alle anderen Unholde auch. Verschiedenste Ritter und sogar ein Drache kreuzen Blue Boys Weg, bis er ans Ziel gelangt.
Welche Gestalten ihm noch begegnen, das sei nicht verraten, da es wirklich viele Überraschungen sind, die Willingham hier bereithält. Buckinghams Bilder sind weiterhin wie hauchdünn und zerbrechlich gezeichnet – auch die Gastzeichner halten sich an diese Vorgaben – die Kolorierungen erwecken den Eindruck von Glasbildern. Sie wirken weniger wie gefärbt, mehr wie getönt. So entsteht ein sehr fein ausschauendes Endergebnis.
Der Leser darf sich weiterhin in einem sehr schön erzählten Intermezzo auf ein Wiedersehen mit Mowgli, Baloo und Bagheera, Protagonisten aus dem Dschungelbuch, freuen, obwohl das Wiedersehen für die Beteiligten nicht grundsätzlich gut ausfällt, weil Bagheera eine Haftstrafe verbüßen muss.
Sehr kurzweilig, unvorhersehbar, mit vielen Stellen, an denen Autor Bill Willingham deutlich an der Spannungsschraube dreht. Die gesamte Inszenierung gehört sicherlich zu den besten, die die Reihe bisher hervorgebracht hat, nicht zuletzt, weil endlich ein wichtiges Geheimnis gelüftet wird, das nicht nur den Leser überrascht. 🙂
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Samstag, 01. November 2008
Ethan betritt die neue Welt forsch, aber auch mit einer großen Portion Naivität im Gepäck. Der siebzehnjährige junge Mann hat den Ozean auf der Suche nach seinen Wurzeln überquert und möchte jegliche Vergangenheit abstreifen. So nimmt er die Finanzen seiner europäischen Familie nicht Anspruch. Nur ausgerüstet mit zwei ungewöhnlichen Pistolen taucht er in die New Yorker Bevölkerung ein. Seine Vorsätze mögen gut sein, sein Durchsetzungsvermögen ist für einen jungen Mann seines Alters auch nicht zu verachten, dennoch wird er von den Ereignissen überrumpelt.
Viele Leute wollen plötzlich etwas von ihm. Auf eine gewisse Weise hat er durch seine aufrichtige Art und sein mutiges Auftreten so manchen beeindruckt. Doch er vernachlässigt, dass er sich in Kreisen von Kriminellen bewegt, die sich für Mut und Ehre nur auf den letzten Plätzen interessieren – wenn sie diesen Charakterzügen überhaupt eine Bedeutung beimessen. Und so wird es binnen kurzer Zeit immer gefährlicher für Ethan, der nicht mehr abzuschätzen vermag, wohin die Pfade ihn führen werden, die er eingeschlagen hat.
Der Westen war noch wild genug und der Osten nicht halb so zivilisiert, wie er gewollt hätte. In dieser Zeit erreicht der siebzehnjährige Ethan Ringler aus Londo kommend die neue Welt. New York ist Jahre 1879 schon eine beeindruckende und pulsierende Stadt. Gemachte Männer, Glücksritter, Taugenichtse und übelste Verbrecher tummeln sich in diesem Moloch.
Gilles Mezzono zeichnet höchst realistisch, in einer qualitativen Mischung aus Hermann, einem späten Jean Giraud und vielleicht einem Colin Wilson – vielleicht noch nicht ganz so ausgefeilt, aber Mezzono ist auf dem besten Weg. Alle drei beispielhaft genannten Zeichner sind dem Western-Genre verbunden, das in dieser Geschichte ebenfalls durchklingt. Amerika durchlebt gewisse Nachwehen, was den Umgang der weißen Invasoren mit den Ureinwohnern betrifft. Die absolut den Menschen verachtende Einstellung, die sich bis in so genannte höchste Kreise zieht, ist aus heutiger, klügerer Sicht ekelerregend. Außerdem, um diesem zeitlichen Phänomen die Krone aufzusetzen, hat sich Autor Denis-Pierre Filippi ein Szenario ausgedacht, das ein furchtbares Geheimis lüftet.
Ethan Ringler, die namensgebende Hauptfigur, ist ein halber Indianer. Seine Herkunft stammt aus einer Zeit, als man glaubte, einen Indianer – oder andere andersfarbige Menschen – einfach nehmen und an einen Ort seiner Wahl verpflanzen zu können, als Menschenrechte für alle noch eine Utopie waren. Ethan weiß um seine Herkunft und möchte endlich Licht ins Dunkel bringen, möchte wissen, wo seine Wurzeln liegen. Dazu bemüht er sich, sein väterliches Erbe abzuschütteln und bei Null zu beginnen. Für einen Siebzehnjährigen war das im New York des Jahres 1879 nicht einfacher als heute – eher schwieriger.
Filippi lässt seinen Helden erst einmal stolpern. Hochmut kommt vor dem Fall, so muss sich Ethan von einer der geheimnisvollen Pistolen trennen, die er bei sich trägt, um wieder an Geld zu kommen. Es handelt sich dabei um Prototypen, die bei den beiden Waffenhändlern sofort auf reges Interesse stoßen, da sie ein neuartiges ungewöhnliches Ladesystem besitzt.
In dieser Zeit, einer Art Post-Wild-West und Prä-Mafia, zeigen sich neue Strukturen, der anfänglichen Schritte äußerst interessant sind. Der Leser darf zusammen mit Ethan eine im Untergrund agierende Bundespolizei kennenlernen. Es ist eine Zeit, die aus europäischer Sicht in dieser Form so oft nicht in Romanen oder Dokumentationen behandelt wird – im Comic noch seltener. Die Verstrickungen im Milieu dieser Stadt, die Verzweiflung der Indianer in dieser neuen Gesellschaftsordnung, die ihnen keinen Platz zuweist – oder nur einen für Menschen unwürdigen – sind eindringlich geschildert, kommen aber auch nicht mit der groben Kelle daher. Es herrscht ein Umgang untereinander, der so normal empfunden ist, dass sich anderweitige Anschauungen kaum entwickeln können. Das ist nicht nur spannend, sondern auch informativ – sofern der Autor seine Geschichte auf der Basis von Recherchen entwickelt hat.
Eine selten behandelte Zeitperiode mit dramatischen und ungewöhnlichen Entwicklungen. Ethan Ringler ist einem bereits nach kurzer Zeit sympathisch, sein Schicksal fasziniert auch aufgrund seiner Abstammung. Filippi weiß die Stadt als Nebendarsteller binnen kürzester Zeit zu etablieren, auch dank der sehr guten grafischen Qualitäten von Mezzono und der guten Kolorierung von Nadine Thomas. Western und Krimi in einem. Prima Unterhaltung. 🙂
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