Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 15. November 2008

Punktown 2

Filed under: Comics im Roman — Michael um 18:04

Punktown 2Drew bezeichnet sich selbst als Künstler, eine Form von Fleischeskünstler. Er klont. Nicht andere, nein, denn das steht auf rechtlich wackeligen Beinen, aber sich selbst oft und für Geld. Drew spielt mit seinen Klonen. Er verändert sie. Genetisch. Chirurgisch. Er tätowiert sie. Verstümmelt. Erweitert. Er erfindet sich immer wieder neu zur eigenen Belustigung, zur Belustigung anderer. Drew schafft Monströsitäten, entlässt sie in die Freiheit, nach draußen, nach Paxton oder nach Punktown, wie sie es nennen. Er zieht sie an, entlässt sie nackt, verkauft sie, um von dem Geld zu leben und seiner Kunst zu frönen.

Irgendwann verzieht sich das Spiegelbild von Geistern, bekommt Risse. Was ist seinen Klonen nicht schon alles geschehen? Sie wurden getötet, vergewaltigt, ausgeweidet … Aus Spaß. Drew hat das alles kalt gelassen. Er hat seinen Klonen keine Gefühle und noch weniger Intelligenz mitgegeben. Sie sind weniger als Tiere und nur etwas mehr als ein Gegenstand. Eines Tages wagt er etwas Neues. Für einen Auftraggeber schafft er eine Frau, aus sich selbst. Sein weibliches Ich zieht ihn immer mehr an, fasziniert ihn, doch der Tag der Übergabe an den Kunden naht viel zu schnell.

Geschichten aus einer schlimmen, verrohten, emotional verwahrlosten Zukunft. Das ist Cyberpunk, ein wenig Splatterpunk, das ist Blade Runner hinter den Kulissen der Mächtigen. Jeffrey Thomas geht in seiner ersten Geschichte der Frage nach, was wäre, wenn der Mensch sich selber schaffen könnte, nicht andere, nein, sich selbst. Was würde er mit diesen Kopien anfangen? Die Antwort in dieser Geschichte ist erschreckend, denn die Fähigkeit zum Klonen liegt ausgerechnet in den Händen eines jungen Mannes, der sich zunehmend von der Welt abgeschottet hat.

Wer das Schweigen der Lämmer sah oder las, wird sich vielleicht an den Blutadler erinnern, den Mr. Lecter bei seiner Flucht zurückließ. Drew, der Held aus Thomas’ erster Geschichte im vorliegenden Hörstück, inszeniert etwas ähnliches mit einem (noch lebenden) Klon in seiner eigenen Wohnung. Bei aller Beschreibung, die Drew über sich selbst offenbart, ist es genau dieses Kunstobjekt, das sein wahres Seelenleben zeigt.

Jeffrey Thomas beschreibt eine Welt, in der Gefühle jegliche Ausdrucksmöglichkeit haben, aber ihre Nutzung keine letztendliche Erfüllung bringt. Hassmaschine nennt sich eine Erfindung, die in der Lage ist, die negativen Emotionen ihres Besitzers auf und in sich zu bündeln. Ihr Besitzer wird so umgänglicher, pflegeleichter, nachgiebiger. Das kleine lebende Innere des figürlichen Sündenbocks verschrumpelt nach und nach und stirbt ab. Doch was ist, wenn der Druck zu groß wird, so groß, dass selbst ein so ausgeklügeltes Maschinchen nicht mehr standhalten kann?

Thomas spürt dem Mythos des Sündenbocks nach, der hier nicht in die Wüste gejagt wird, sondern stets dabei ist. Es gibt einen fürs Büro, für die heimischen vier Wände, sogar für unterwegs, für die Manteltasche gibt es einen. Und während die einen ihre gewaltsamen Neigungen so verhindern, gehen die anderen ihren Trieben ungehemmt nach. Cardiff lässt sich von seiner Frau nach Strich und Faden betrügen, seine Tochter wird von Punks getötet, aber er selbst beherrscht sich, obwohl er schon eine Waffe gekauft hat, diese mit zur Arbeit nimmt und nur darauf wartet, sie zu benutzen.

Thomas’ Menschenbild einer fortschrittlichen Zivilisation ist furchtbar und zu vielen Zeiten in vielen Epochen denkbar. Er hat sie eher zufällig und für vielfältigere Situationen in der Zukunft angesiedelt. Die Auslöser der Geschichten und die Psyche ihrer Protagonisten sind ähnlich auch in der Gegenwart oder der Vergangenheit denkbar. Die futuristische Atmosphäre hilft dem Hörer nur, mehr Abstand zu wahren, sich weniger in die Geschichten hineinzudenken – was gut ist, da Thomas den gemeinen inneren Kern des Typus Mensch trifft und festhält.

Die Stimmen – in den ersten beiden Geschichten absolut toll: Gerrit Schmidt-Foß als Drew und als verzweifelter Cardiff Jürgen Holdorf – klingen innerlich zerrissen, sie packen, ziehen einen herunter – was furchtbar ist – weshalb man sich nur eine Geschichte am Tag zu Gemüte führen sollte und nur, wenn gute Laune vorherrscht. Wer in düsterer Stimmung ist und sich aufheitern will, ist bei diesen Geschichten am falschen Platz.
Die gesamte Inszenierung lässt Punktown vor dem inneren Auge erstehen, vielleicht verleitet es auch dazu, zu bekannten Optiken wie Blade Runner abzudriften. Einerlei ob die Phantasie oder das Gedächtnis bemüht wird, der Klang baut im Geiste ein großartiges Gebilde.

Grimmig, gruselig, in Abgründe eintauchend, das ist Jeffrey Thomas, dessen Geschichten hier einmal mehr eine originelle Lebendigkeit erfahren und das Dunkle seiner Geschichten noch mehr verdüstern. 🙂

Punktown 2: Bei Amazon bestellen

Lucky Luke – Die Serie 5 + 6

Filed under: Comics im Film — Michael um 14:42

Lucky Luke – Die Serie – Episode 5 + 6Kein Kaffee mehr in Daisy Town! Nirgendwo! Daheim nicht, auch im Saloon nicht. Ein kleiner Rest, ein Handvoll Bohnen nur, artet zuerst zum Zankapfel aus und endet in einer handfesten Keilerei. Und wäre all das noch nicht genug, tauchen genau zu diesem Zeitpunkt zwei neue Gesichter in der Stadt auf. Ein Fabrikant will unbedingt eine Produktionsstätte für Kutschen in der Nähe der Stadt eröffnen. Außerdem trifft eine Politikerin und Frauenrechtlerin in Daisy Town ein. Eigentlich geht damit das ganze Unheil erst so richtig los.

Kaffee macht müde Männer munter lautet die Devise. Und ohne Kaffee? Dann kommen die Einwohner von Daisy Town auf dumme Ideen. Angestachelt durch die Parolen der Frauenrechtlerin, tauschen Lucky Luke und Lotta Legs die Rollen. Fortan ist sie der Sheriff, während Lucky Luke den Saloon schmeißt. Lotta muss sich erst an ihre Rolle gewöhnen – Verbrecher wollen schließlich nicht jeden Tag zur Räson gebracht werden – Lucky hingegen schwingt den Putzeimer und macht aus dem Saloon nicht unbedingt die schönste, so doch wenigstens die sauberste Kneipe, in der sich die Gäste zu benehmen haben.
Alles könnte so schön sein, würde nicht plötzlich ein windiger Halunke in der Gegend sein Unwesen treiben.

René Auberjonois ist ein heimlicher Komödiant. Bereits in frühen Jahren, bei seinem Auftritt in der Neuverfilmung von King Kong konnte er eine gewisse Komik nicht verleugnen. Das ewige Gezänk zwischen ihm und Armin Shimerman, also zwischen Odo und Quark, in Star Trek Deep Space Nine wäre ohne komödiantisches Talent nicht möglich gewesen. Wenn er hier einerseits als Fabrikant, andererseits als kostümierter Halunke die Gegend unsicher macht, dann spielt er wie jener Gauner, der in der Lucky Luke-Episode Der weiße Reiter auf der Bühne sein Unwesen trieb. Das ist ein wenig grotesk, ein wenig albern, mit viel Spaß und immer mit einem Augenzwinkern – aber nichts anderes kennt der Leser aus den Comics.

Wer anderen eine Braut besorgt … ist nicht zufällig so formuliert wie Wer anderen eine Grube gräbt … In dem kleinen – sehr kleinen – Ort Purgatory leben gerade einmal 13 Männer. 12 von diesen gestandenen Mannsbildern wünschen sich Frauen, aber welche Frau aus dem Osten würde in einer Ansammlung von grob gezimmerten Hütten und Zelten leben wollen? Doch wer hätte das gedacht? Ausgerechnet in St. Louis finden sich ein gutes Dutzend (sogar mehr), die sich auf die lange Reise in den unzivilisierten Westen begeben wollen. Aber wie gesagt, der Weg ist lang und da gibt es noch die Daltons und ausgerechnet die sind gerade einmal wieder ausgebrochen.

Die Verlobte von Lucky Luke taucht hier nicht auf. Wer hinter dieser Episode eine Umsetzung des Lucky-Albums vermutet, sieht sich getäuscht, vielleicht sogar positiv getäuscht, da die Handlung hier ein wenig mehr Spaß macht. Die burschikose Jenny, die sich bereits als Mann, genauer als gesuchter Ganove Dead-Eye Kid, durchschlug, erlebt an der Seite von richtigen Weibsbildern, was es heißt, seine Frau zu stehen. Schießen lernen sie zwar nicht, doch wie es sich sehr bald zeigt, kann ein gut geworfenes Nudelholz einen angreifenden Reiter ebenso aus dem Sattel holen wie eine Kugel.

Wie diese verstaubten Goldsucher schließlich an die Frau kommen, ist ein harmloser und sehr familienfreundlicher Spaß. Ein großes Lob geht in den beiden Episoden an Terence Hill, der sich herrlich zurücknimmt, und den anderen in Sachen Komik zu einem Großteil den Vortritt lässt.

Gelungene Fortsetzungen mit spielfreudigen Gastschauspielern, allen voran René Auberjonois und Ron Carey, der erneut den knurrigen Joe Dalton gibt. Der Geist der Comic-Reihe wird weiterhin gut getroffen. Terence Hill hätte es kaum besser machen können. 🙂

Lucky Luke – Die Serie – Episode 5 + 6: Bei Amazon bestellen

Freitag, 14. November 2008

Neandertal 1 – Der Jagdkristall

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:59

Neandertal 1 - Der JagdkristallLaghou ist geschickt und seinem Stamm durchaus eine Hilfe. Er kann Waffen fertigen wie kein zweiter, aber selber jagen kann er kaum. Sein Hinken lässt es nicht zu, dass er mit seinen Stammesbrüdern Schritt halten kann. Eines Tages ereilt den Stamm eine fürchterliche Nachricht, die Laghous Leben für immer verändern wird. Sein Vater wurde von einem riesigen Bison, der eine Legende unter den Jägern ist, schwer verletzt. Die Männer versammeln sich um den Sterbenden, der nur einen letzten Wunsch an die viel jüngeren Krieger hat. Man solle ihn rächen. Langbart, so der Name, den die Männer dem Bison gaben, muss sterben.

Laghou folgt den Rächern unbemerkt und muss eine grauenhafte Szene mitansehen, die ihn bis ins Mark erschüttert. Als Krüppel ist er ohnehin nicht gut bei seinem Stamm angesehen und ist ständig Anfeindungen ausgesetzt. Würde er sich mit seinem Wissen offenbaren, würde dies seinen sofortigen Tod bedeuten. Ein Zusammentreffen mit dem alten Einsiedler Ghoibu zeigt einen Ausweg auf. Doch diese Möglichkeit birgt einen langen gefahrvollen Weg, von dem niemand sagen kann, ob Laghou zurückkehrt, um seine Mission zu erfüllen: Langbart zu töten!

Die Zeit der Urmenschen hat immer schon fasziniert. Immer wieder in den letzten Jahrzehnten wurde das Thema neu angegangen, nicht zuletzt wegen neuer Erkenntnisse oder neuer, diese Epoche zumeist romantisierender Geschichten. Wer vor einigen Jahrzehnten aufwuchs wird sich vielleicht an die großartigen Illustrationen zum Thema Urzeitmenschen von Zdenek Burian erinnern, die immer wieder gerne herangezogen wurden, wenn es das Thema zu verdeutlichen galt. Im Comic begegnen die Leser dem Urzeitmenschen – nicht unbedingt dem Neandertaler – in Form von Rahan oder Tunga. Filmisch setzte Am Anfang war das Feuer dieser Zeitperiode ein Denkmal. Im Roman finden sich Ayla und andere Charaktere und jüngst fanden sich im Fernsehen viele Realfilmdokumentationen, die das Leben aus diesen frühen Menschheitstagen realistisch und mit viel Liebe zum Detail und lebensnahen Situationen veranschaulichen.

Somit ist Roudier mit seinem Auftakt Neandertal in einer langen Reihe von Geschichten aus jener Zeit in guter Gesellschaft, mehr noch, er ist auch eine gute Gesellschaft für die anderen.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen behaupten, dass der Neandertaler bereits zur Sprache und feineren Verständigung in der Lage war – ob er es tatsächlich tat, ist eine ganz andere Frage. Sicherlich verfügte er über zwischenmenschliche Riten, die von einem starken Zusammenhalt künden. Roudier, Autor und Zeichner in Personalunion, nimmt sich hier die erzählerische und künstlerische Freiheit, die bisherigen Erkenntnisse über diese Zeit ein wenig zu strecken. Der Neandertaler, jene eigenständige Menschenform neben dem Homo Sapiens, hat auch im Comic Erzähler zu Geschichten animiert, so zum Beispiel in der Science Fiction Geschichte KIN, die den Neandertaler in die Neuzeit hinüberrettet.

Roudier orientiert sich eher phantastisch, indem er gruselige Elemente einfügt, die natürlich dem Unwissen der Neandertaler zu verdanken sind. So wird aus Langbart, dem Bison, ein Überwesen mit rötlich glosenden Augen, dass mit einer ähnlichen Urgewalt angreift, wie es einst das Ungetüm im Film Razorback tat. Wer das Filmtitelbild mit Langbart vergleicht, wird die Ähnlichkeit sehen.

Die Welt von Laghou ist auf ihre Art phantastisch, da sie einen Blick in längst vergangene Zeiten gewährt. Roudier kann ganz wunderbar Landschaften und eine vergangene Tierwelt zum Leben erwecken. Bisons, Hyänen, Wölfe, Przewalski-Pferde oder Mammuts erscheinen vor einer kargen Landschaft, die durch ihr Aussehen den ständigen Überlebenskampf der Neandertaler treffend unterstreicht. Da verwundert es nicht, dass neben phantasievollen Namen der einzelnen Clans und Stämme auch die Blutmenschen vorkommen: Kannibalen, die bei ihren Nachbarn gefürchtet sind, da sie eines der Urgesetze brechen und Menschen fressen.

Roudiers Art zu zeichnen ist im besten Sinne klassisch und überaus realistisch zu nennen. Durch die getuschten Außenlinien schauen die Bilder wie eine Comic-Variante der Bilder des oben bereits erwähnten Zdenek Burian aus, was in diesem Fall ein großes Lob für Roudier sein sollte. Der hohe Grad des Perfektionismus macht aus den Bildern ein optisches Fest für den Leser.
Die Erzählung schwankt darüber hinaus zwischen sehr dialogstarken Seiten und Abschnitten – insbesondere wenn Laghou allein durch die Wildnis zieht – die vollkommen ohne Text auskommen. Gerade bei letzterem zeigt sich, wie gut Roudier allein durch seine Bildsprache zu erzählen vermag.

Ein Abenteuer fern vor unserer Zeit: Roudier hat einen sympathischen Helden geschaffen, der sich mit einer lebensgefährlichen Aufgabe konfrontiert sieht und wie in einem klassischen Abenteuer eine Aufgabe bewältigen muss, um die eigentliche Mission zu bestehen. Mit tollen Grafiken entführt Roudier den Leser in die Steinzeit. Wer gebannt vor den Dokumentationen oder Geschichten dieser Epoche saß – TV, Roman oder gar im Neanderthal Museum – sollte einen Blick in diese liebevoll gemachte Comic-Umsetzung riskieren. 🙂

Neandertal 1 – Der Jagdkristall: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 13. November 2008

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos Testament

Filed under: Cartoon — Michael um 19:28

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos TestamentDie Nachricht ist traurig, aber was will man machen, das ist nun einmal der Lauf der Welt: Onkel Otto ist tot. Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Spirou erfährt von einem Onkel, den er nie kennen gelernt hat und der ist gerade eben verstorben. Natürlich nicht, ohne ein Erbe zu hinterlassen und so müssen Spirou und sein Freund Fantasio in einen entlegenen Winkel von Afrika, um diese Hinterlassenschaft zu finden.

Halt! Ganz so einfach haben es die beiden doch nicht! Bereits in ihren frühen Tagen, als die Beine noch aus dehnbarem Gummi und die Hälse außergewöhnlich lang waren, hat André Franquin seinen Helden schon das Leben besonders schwer gemacht.

Im ehemaligen Haus des Onkels angekommen, der Eulenburg, wartet eine Überraschung auf sie. Jemand anderes durchforstet bereits die Räume nach Hinweisen auf ein weitaus größeres Erbe, als es das heruntergekommene Gemäuer zu bieten hat. Sofort kommt es mit dem Eindringling zum Kampf und der letzte Hinweis ist ausgelegt.

Die Geschichten, die hier in Onkel Ottos Testament erzählt werden, sind aus heutiger Sicht von politisch korrekter Erzählweise weit entfernt. Wenn sich Afrikaner über die gruseligen Darstellungen ihrer Landsleute in Tim im Kongo beschweren, könnten sie hier auch beinahe dazu verleitet werden – allerdings ist Franquin bei näherer Betrachtung überaus herzlich am Werke. Selbst wenn ein einbeiniger Gauner an die Wand geworfen und sein Buckel als Versteck für wichtige Papiere entlarvt wird.

Eine der Schlüsselszenen, die diese Herzlichkeit deutlich machen, zeigt die Bewachung des Verstecks von Onkel Ottos Erbe. Ein Wasserhindernis wird von Krokodilen beherrscht, ein angeketteter Löwe steht vor dem ersten Eingang. Vor dem zweiten Durchgang steht die Frau des Medizinmannes. Der Mann schickt seine Frau nicht sehr forsch nach Hause, wirkt sie doch auch arg bedrohlich auf ihren eigenen Mann.

Diese Geschichte war Franquins allererster Comic …
Das sieht man!
Aber ob ihr’s glaubt oder nicht: Man hat ihn trotzdem gebeten, weiterzumachen!

Gaston leitet von der ersten kleinen Episode Der Panzer zum verblichenen Onkel Otto über. Die Zeichnungen mögen aus heutiger Sicht sehr merkwürdig wirken und von dem, was der Leser von einem späteren Franquin gewohnt ist, ist er hier noch weit entfernt. Aber der Humor ist hier schon erkennbar. Das Talent zum Slapstick ist klar erkennbar, vielleicht sogar etwas zu überdreht: Fantasio am Steuer eines Panzers. Daraus kann nur Kleinholz werden. Aus allem anderen jedenfalls, nur nicht aus dem Panzer.

Die Zeichnungen kennt der Leser in dieser oder jener aus jenen alten Tagen der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Disney-Studio brachte seine Figuren so und auch ein Franquin hatte noch nicht den eigenen Stil, der ihn markant von anderen abhob. Es waren Gummimännchen, die in diesen Zeiten den Comic und den Trickfilm beherrschten. Besonders von letzterem zeugt so manche Bewegung, die geradewegs aus einem Lehrbuch der Animation im zweidimensionalen Raum herrühren mag. Jede Regung, körperlich oder gefühlsmäßig, ist übertrieben.

In der zweiten Episode, der namensgebenden, findet eine Entwicklung statt. Zu Beginn mag der Leser noch altbackenen Vorgaben wieder erkennen. Aber Franquin gönnt sich den Mut zur Gestaltung eigener Gesichter, Karikaturen fast. Er experimentiert mit Tieren und wirft sie in die humoristische Schlacht. Ein Gorilla wird zum Butler, Raubkatzen schlagen sich um einen schmackhaften Spirou, der von alldem nichts bemerkt. Trotzdem ist es von dort zu den bekannten Franquin-Bildern ein weiter Weg. Es hat sich gezeigt, dass viele Zeichner noch eine deutliche Entwicklung durchmachen. Wer alleine in diesem Band die alten Zeichnungen mit dem einige Worte sagenden Gaston vergleicht, entdeckt einen Unterschied von Tag und Nacht – bildlich gesprochen.

Ein paar uralte und beinahe verschollen geglaubte Mini-Episoden runden die vorliegende nostalgische Comic-Reise ab.

Ein Band für den absoluten Spirou + Fantasio Fan, der einen Blick in längst vergangene Zeiten werfen mag, als die Comics noch sehr jung waren, ein Talent wie André Franquin noch am Anfang stand und ein künstlerischer Rohdiamant war. 🙂

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos Testament: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 12. November 2008

Die Druiden 2 – Die weiße Stadt

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:23

Die Druiden 2 - Die weiße StadtDie Druiden, ja, sie wollen Kinder umbringen. Schnell ist Hilfe geholt. Die erzürnten Dorfbewohner, bereits christianisiert, stürzen sich auf die Druiden. Sie lassen sich keineswegs davon überzeugen, dass die Kinder eigentlich in Sicherheit sind – selbst auf die Aussage der Jungen hin wollen sie nicht glauben. Eigentlich wollten die Druiden nur einen Mann beerdigen, nun sterben sie selbst. Der Hass zwischen der alten und der neuen Religion, der Abstand zwischen alter und neuer Kultur ist groß, sehr groß. Ein neutrales Nebeneinander scheint kaum möglich. Mit diesem Wissen sind die jüngsten Morde schnell erklärt. Aber wer sind die Hintermänner?

Gwenc’hlan, der Druide, der auf beiden Seiten der Religionen respektiert wird – manchmal auch zähneknirschend – hat einen Hinweis auf die Hintermänner der Ereignisse gefunden. Das kleine Symbol zeigt ein Zeichen, das bis dahin untrennbar mit einem Geheimorden innerhalb der christlichen Kirche verbunden war: Imperium Dei. Allerdings gilt dieser Orden als gelöscht. Die Art und Weise des Vorgehens des Ordens hatte auf die Dauer sogar den Heiligen Stuhl in Bedrängnis gebracht. Aber wer könnte sich an den alten Geheimbund erinnert haben und erneut seine Ziele verfolgen?

Budog, ein Mönch und trotzdem ein Freund von Gwenc’hlan, möchte, dass sich der Druide mit Bruder Gwenole trifft, um die neuen Hinweise zu besprechen. Damit kommen Gwenc’hlan und sein Schüler Taran gerade recht, um Zeugen eines sehr alten Rituals zu werden.

Die Reise führt sie in Die weiße Stadt, die einen ähnlichen Anblick bietet wie einst Camelot im Film Der erste Ritter. Die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel haben bereits im ersten Teil der Reihe Die Druiden kräftig zitiert und sie verlassen diese Linie auch jetzt nicht. Filme, Romane und lang existierende Sagen und Mythen finden ihren Weg in ein immer spannender werdendes Szenario.

Die keifende Meute, allen voran die noch lauter als alle anderen schreienden und blutgierigen Weiber (man möge mir den Ausdruck verzeihen), kennt der Leser vielleicht aus Highlander. Die in römische Rüstung gehüllten Soldaten erinnern an Die letzte Legion. Der szenische Abschnitt um Dahud, die Tochter Königs Gradlon, zieht einen Vergleich zu Brunhilde und ihrem Zweikampf mit König Gunter geradezu an. Auch hier wird der Herausforderer offensichtlich durch einen Trick Sieger des Zweikampfes. Der erwähnte Orden des Imperium Dei wirkt nicht sehr zufällig wie eine Mischung aus Opus Dei und Assassini.

Wen kümmert’s? Eigentlich niemanden, das sollte unterstrichen werden. Denn die Mixtur ist rundum gelungen arrangiert. Ein Vorwissen zum Verständnis der Geschichte wird nicht benötigt, alles nötige entwickelt sich aus der Handlung heraus. Es wirkt, als hätten Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel eine Art Schnitzeljagd für den Leser und Kenner mysteriöser Themen wie oben erwähnt geschrieben. Dennoch haben sie eine eigenständige Geschichte entwickelt, eine szenische Essenz oder auch ein Mosaik lang und freudig gehegter Mythen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die Unterhaltung der Menschen geisterten – und es wahrscheinlich noch eine lange Zeit tun werden. Ähnlich wie auch J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis nebeneinander mit ihren Geschichten bestehen konnten, entwerfen auch Istin und Jigourel ihre Version der Ereignisse, mit denen sich bereits andere Autoren beschäftigen.

Grafisch handelt es sich um eine sehr aufwendige und perfekte Umsetzung. Jacques Lamontagne zeichnet und koloriert in Personalunion. In penibler Kleinarbeit zeichnet er die Menschen, scheut keine Perspektive von Gesichtern, verwendet Großaufnahmen, gibt sich regelrecht allen möglichen Physiognomien hin, männlichen wie weiblichen aller Altersstufen, und tobt sich bei der Gestaltung von Mode und Kleidungen aus. Auch mit den Körperlichkeiten seiner Figuren geht er mit einer geradezu erschreckenden Leichtigkeit um.

Landschaftlich und architektonisch reißt Lamontagne ebenso mit. Die weiße Stadt wird dem Leser in einer doppelseitigen Ansicht präsentiert. Ähnlich bombastisch wirkt der gleichfalls doppelseitige Blick auf den Kampfplatz der beiden sehr ungleichen Kontrahenten, Dahud und des Fremden, der um ihre Hand buhlt.

Weiterhin grafisch höchst opulent gestaltet sich die Reihe mit allerlei Anspielungen zu einer geschickt arrangierten Geschichte, die den Leser immer tiefer mitnimmt in ein Geflecht aus Tradition und Neubeginn, Historie und Thriller. Echte Klasse. 🙂

Die Druiden 2 – Die weiße Stadt: Bei Amazon bestellen

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1

Filed under: Cartoon — Michael um 18:13

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1Kleine oder besser kleinere Menschen entwickeln zuweilen einen ganz besonderen Biss, einen starken Ehrgeiz oder großes Durchsetzungsvermögen. Aber was ist, wenn diese Menschen sehr klein sind? So klein, dass sie auf einer Handfläche Platz finden? Was ist, wenn diese Menschen so zahlreich sind, dass sie eine eigene Kolonie gründen können? Nein, dann handelt es sich nicht um Schlümpfe, sondern um die Minimenschen, die im Reiche des Cartoons bereits seit 40 Jahren eine Heimat haben und mit ihren Abenteuern aus der Sicht der Winzlinge immer wieder neu überrascht und begeistert haben.

Zum Auftakt sieht der Leser einen Kampfjet, der vor einem blauen Himmel über eine Wiese rast, auf der ein Traktor geparkt ist. Die Umgebung macht schon deutlich, dass es sich um eine gemütlich ländliche Atmosphäre handelt und plötzlich … jagt der Jet vor den Abgasrohren des Traktors daher, die nun wie ein Paar riesige Säulen emporragen. Ein Busch kurz darauf hat gar die Ausmaße eines ausgewachsenen Wäldchens. Als sich nur ein Bild später eine Landebahn aus einer Grasfläche zu entfalten beginnt, begreift der Leser, dass das Szenario sich hart an der Realität befindet und dennoch stimmt etwas nicht. Die Größenverhältnisse!

Pierre Seron, Autor und Zeichner dieser Serie um eine der kuriosesten Siedlungen in der Comic-Geschichte, schmeißt den Leser ohne große Vorankündigung ins kalte Wasser. Er beginnt mit dem berühmten Knall am Anfang einer Geschichte, dem Rätsel, dem Unerwarteten und kreiert so ein Paradebeispiel für eine der Gesetzmäßigkeiten einer fesselnden Handlung. Knall auf Fall entdeckt der Leser nun eine miniaturisierte Welt, die den Anschein des Normalen hat und trotzdem ein Dasein im Verborgenen führt.

Wie ist das passiert? Wie nur?

Diese Fragen stellt Seron selber, nachdem er den Leser gepackt hat. Ein unförmiger, aber ansonsten unscheinbarer Stein ist für die veränderten Verhältnisse verantwortlich. Der Professor, der den Stein fand und an ihm forschte, war das erste Miniopfer, das auf Puppengröße schrumpfte. Nach und nach, durch Körperkontakt jeglicher Art ins Rollen gebracht, schrumpft die gesamte Gemeinde. Auch Tiere bleiben nicht verschont. Die Menschen arrangieren sich mit der neuen Situation und verschwinden für den Rest der Welt. Doch als Minimensch in der Welt der Großen zu leben ist alles andere als leicht, denn für die Gemeinde beginnt ihr neue Zivilisation bei Null.

Die Gefahr der Entdeckung ist das allgegenwärtige Spielelement. Auch sind Menschen von der Größe einer Hand natürlich in allem benachteiligt, was das Umfeld der Großen betrifft. So müssen sich die Minimenschen damit auseinandersetzen, den Ausbau eines militärischen Geländes zu sabotieren. Dank modernster Technik – in der Form, wie man sich gemeinhin moderne oder auch futuristische Technik in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vorstellte – schaffen sie immer den halsbrecherischen Spagat des gerade anstehenden Auftrags. So verschlägt es sie hierbei an die Spitze eines Kirchturms, in die ländliche Idylle und auch in die Praxis eines Psychiaters.

Pierre Seron lässt seiner Phantasie absolut freien Lauf und so ist einfach alles möglich. Diese Ideen ohne Grenzen machen die Minimenschen zu einer Besonderheit. Dies mag auch der Grund für den zeitlosen Humor sein – seltsamerweise sind die futuristischen Fahrzeuge immer noch futuristisch, wirken nur nicht mehr so hipp.

Grafisch sind die Bilder von Seron äußerst frankobelgisch klassisch. Die Minimenschen reihen sich optisch ein in Publikationen wie Boule & Bill, Gaston oder Spirou + Fantasio. Nicht nur die Gesichter, sondern auch die Gesichtsausdrücke – ganz besonders die cholerisch rot angelaufenen wie auch die verdutzten – sind typische Franzosengesichter, möchte man als anderssprachiger Leser fast sagen, wenn einem Komödianten wie Pierre Richard oder Louis de Funès vor dem inneren Auge herumspuken.

Ein zeitloser Spaß, in dem allein die Beschaffung von Zucker bereits zu einem großen Abenteuer wird. Seron hat einen Klassiker der Komödie allgemein geschaffen, der immer noch Vorbildcharakter hat. Für alle Altersgruppen geeignet. 🙂

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 11. November 2008

Y – The Last Man 8 – Japanische Nächte

Filed under: SciFi — Michael um 18:40

'Y - The Last Man 8 - Japanische NächteJapan ist anpassungsfähig. Das hat es im Laufe seiner jüngeren Geschichte immer wieder bewiesen, seit es die Zukunft ins Land ließ, seit es beschloss, die Segnungen der westlichen Zivilisation anzunehmen und zu verbessern. Und was der japanische Mann kann, kann die japanische Frau noch besser, wenigstens jetzt, da die Männer nicht mehr da sind, um gegenteiliges zu behaupten. Das organisierte Verbrechen hat auch neue Mittel und Wege gefunden, sich mit der veränderten Situation abzufinden. Selbst für ein Leben ohne Männer haben sich Ideen gefunden.

Yorick und seine Begleiterinnen haben endlich Japan erreicht. Sie wollen unbedingt den entführten Ampersand wieder finden, einen kleinen Kapuzineraffen, der neben Yorick das einzige männliche Exemplar auf dem Planeten Erde ist. Agentin 355, die Yorick zur Seite steht, muss sich sogleich im Kampf bewähren. Ihre Gegnerin wird schnell eine wichtige Verbündete und, vielleicht viel wichtiger, zur Wegweiserin in dieser neuen Szene, die sich in Japan etabliert hat. So haben es Yorick und 355 vergleichsweise einfach. Viel schwieriger wird es für Dr. Allison Mann und ihre Freundin, denn sie stoßen auf eine Spur, die zur Lösung des Rätsels führen könnte, des Rätsels, über das sich viele Menschen den Kopf zerbrechen: Wie konnte es dazu kommen, dass von einem Moment auf den anderen alle Männer starben?

Auf der anderen Seite des Erdballs haben einige Frauen andere, aber nicht unwichtigere Probleme: Israelische Panzer rollen durch Kansas und ihre Besatzungen haben nur eines im Sinn: Sie wollen den letzten Mann auf Erden finden und das schnell!

Mehr Tempo, mehr Hintergrundinformationen, aber wie immer in einer ausgewogenen Mischung aus Erzählung, Charakterzeichnung und Action. Die Gerüchteküche um die Verfilmung brodelt, Namen wie Shia LaBeouf werden in die Runde geworfen – der, sollte er nicht den Yorick spielen (was durchaus gut passen würde), so hoffentlich rechtzeitig mal einen jungen Dave Gahan spielen wird. Aber das nur am Rande.

Es genügt Autor Brian K. Vaughan nicht, ein unglaubliches Rätsel auf die Menschheit loszulassen, mehr noch, er schickt den Leser quer durch die Kulturen auf der ganzen Welt und zeigt Veränderungen, die kurios sind, traurig, wahnsinnig, aber auch hoffnungsvoll. Einige Fäden laufen inzwischen wieder zusammen – es ist immerhin die achte Ausgabe der Reihe. Dennoch haben die Erkenntnisse neue Fragen, äußerst wichtige Fragen aufgeworfen. Langsam ist ersichtlich, dass die Katastrophe auf menschliche Initiative zurückzuführen ist, nur der Grund fehlt bislang. Von anderer Seite, israelischer, türmt sich eine neue Gefahr für Yorick auf, nachdem die japanischen Intrigen vorerst gebannt scheinen.

Das globale Wettrennen mit beschränkten Mitteln, das von Vaughan hier entworfen wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt viele Spezialisten unter den Frauen, sicherlich auch solche, die einen Kampfjet fliegen können, doch in der Masse sind diese Spezialisten viel zu wenige. So wird ein Kampfeinsatz fast zwangsläufig zu einer Art Guerrilla-Kampf. Wenn drei israelische Panzer sich auf amerikanischem Territorium bewegen und dabei mit keinerlei Gegenwehr rechnen müssen, zeigt das in nur einem Bild, die ganze Misere, in der sich die Menschheit im Augenblick – der Handlung – befindet.

Pia Guerra kann sich in ihren Zeichnungen diesmal mit einigen eher wenigen Action-Szenen künstlerisch auseinandersetzen und findet viel Spielraum in Szenen zwischenmenschlicher Natur. Inzwischen hat sie ein Optimum ihrer Bilder erreicht, die einen glasklaren Aufbau und eine ebensolche Optik aufweisen. Keine Experimente, keine unnötigen Linien. Guerras Zeichnungen sind von einem beinahe sterilen Perfektionismus geprägt. Erstaunlicherweise wirken die Bilder nicht kalt – was auch auf die Intensität der Szenen zurückzuführen ist.
Gute Beispiele hierfür sind Szenen zwischen Dr. Mann und ihrer Freundin Rose. In Schlüsselmomenten darf sich Guerra auf einer ganzen Seite ausbreiten. Wenn Dr. Manns Mutter Rose versehentlich, weil in Unkenntnis der Lage, schwer verletzt, dann ist der Blick auf das Geschehen fast schon sezierend.

Gleich auf, genau am Stil von Guerra orientiert, arbeitet Goran Sudzuka, wie es sich in den Schlussepisoden zeigt, in denen der Leser noch mehr aus der Vergangenheit von Nebenfiguren erfährt, die sich gerade für die kommenden Folgen profilieren. Wenn man es nicht weiß, sind Unterschiede in den Bildern auf den ersten Blick nicht (auf den zweiten auch nicht) zu erkennen. Das ist perfektes Teamwork, in dem sich Sudzuka zugunsten einer einheitlichen Optik zurücknimmt.

Hoch spannend, aber auch mit einigen komischen Momenten – dank Yorick – der Leser findet ein dramatisches Finale des Japan-Abschnitts, außerdem den Prolog eines von langer Hand vorbereiteten neuen Handlungsstrangs, in dem eine weitere Bedrohung auf Yorick wartet. Ein rätselhafter Cliffhanger vertröstet den Leser auf die nächste Folge. 🙂

Y – The Last Man 8 – Japanische Nächte: Bei Amazon bestellen

Montag, 10. November 2008

The Walking Dead 7 – Vor dem Sturm

Filed under: Horror — Michael um 18:48

The Walking Dead 7 - Vor dem SturmDas Leben könnte so schön sein – wenn die lebenden Toten nicht wären. In der selbst gewählten Umgebung eines ehemaligen Gefängnisses hat sich die Furcht vor der Außenwelt noch einmal verstärkt. Doch es sind nicht die Untoten, die den Überlebenden Sorgen bereiten, sondern andere Menschen, die kommen könnten. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die den Menschen Angst macht. Die Gedanken schweifen zurück und graben alte Wunden auf. Neue Wunden werden noch lange für ihre Heilung brauchen. Oder sie heilen nie.

Vieles ist mit der kleinen Gruppe geschehen, es hat einige unerwartete Entwicklungen innerhalb der Gruppe gegeben und ein Sicherheitsgefühl hinter einem doppelten Drahtzaun zu entwickeln, vor dem sich die Untoten tummeln, ist nicht gerade leicht. Außerdem schwebt die Bedrohung durch die Menschen in der kleinen Stadt Woodbury wie ein Damoklesschwert über der Gemeinschaft. Und die Menschen um den ehemaligen Polizisten Rick tun gut daran, den selbst ernannten Gouverneur Philip aus Woodbury zu fürchten. Zwischen Schießübungen, der Suche nach Nachschub, persönlichen wie auch körperlichen Tragödien, setzt sich immer mehr Gleichklang durch, hinter dem der Untergang geradezu zu brodeln scheint.

In der siebten Runde des Endzeit-Knallers The Walking Dead von Robert Kirkman hat eine Art innere Entspannung stattgefunden. Sicherlich passieren eine Reihe von brutalen Ereignissen, doch die Menschen sind ein gutes Stück weit abgestumpft und bei weitem nicht mehr so leicht zu erschüttern wie noch zu Beginn der Ereignisse. Nach den Geschehnissen in Woodbury, die wieder einmal gezeigt haben, dass der wahre Wahnsinn nicht von nach Menschenfleisch gierenden Zombies ausgeht, sondern von wahnsinnigen Menschen, fühlt man sich auch als Leser in der Nähe von berechenbaren Untoten eher in Sicherheit.

Es lässt sich dank der Erzählung sehr gut nachvollziehen, wie sehr sich die einzelnen Charaktere nach Normalität sehnen. Ein Kind kommt zur Welt, eine Ehe wird geschlossen. All das und noch mehr muss neben dem Überlebenskampf bestehen. Hier schleicht sich Routine ein – trotz Schießtraining – und die Menschen werden anfällig für Fehler. Das gute Verhältnis, weitestgehend jedenfalls, untereinander lässt immer noch den Wunsch aufkommen, mit anderen Menschen gut auszukommen. Das stellt sich schnell als fataler Fehler heraus. Einzig Michonne, die erst sehr spät zu der Gruppe stieß und von dem Gouverneur brutal gefoltert wurde, hat ihre Kampfeswut nicht nur bewahrt, sondern auch verstärkt. Kirkman hat in ihrer Figur einen Charakter geschaffen, der nicht zögert und die Frage Er oder ich? nur auf eine Art beantwortet: Ich! Gleichzeitig ist sie innerlich zerrissen, ein Zustand, der nicht oft hervorbricht, aber einiges aussagt.

Das Besondere – immer noch – ist die Stimmigkeit und Vielschichtigkeit der Charaktere, die aus The Walking Dead mehr machen als eine simple Horror-Geschichte. In Wahrheit sind die Zombies zu einer Nebensache verkommen, die kaum mehr Schrecken auslösen als ein Rudel Hyänen. Der Schauer, auch der Horror, ganz wie man es ausdrücken will, fällt nicht mehr größer aus als bei der Ansicht eines Dokumentarfilms von der Überquerung einer Herde Gnus über einen von Krokodilen bevölkerten Fluss. Man weiß als Zuschauer, dass sie angreifen und ihre Opfer packen werden, es stellt sich einzig die Frage, wann es wieder so weit ist. Das Resultat hier ist einzig der Sorglosigkeit wie auch dem Lebensüberdruss der Opfer zuzuschreiben.

Charlie Adlard ist ganz einfach in der Geschichte wie zu Hause. Die einzelnen Protagonisten bestechen durch eine sehr gute Unverwechselbarkeit. Gesichtszüge und einzelne Gefühlsregungen, die hier ebenso gern gezeigt werden wie in den Großaufnahmen eines Sergio Leone, sind schön umgesetzt. So schwankt der Eindruck zwischen Spaghetti-Western und Werken eines Quentin Tarantino – so ließe sich allein von der Erzählweise her durchaus ein Vergleich zu Death Proof ziehen, in dem die bisherigen Erzählweisen auf die Spitze getrieben wurden. Wer sich den Knalleffekt zum Schluss des vorliegenden Bandes anschaut und die Geschichte als lange Einleitung betrachtet, wird diesen Eindruck nachvollziehen können.

Robert Kirkman lässt es unter der Oberfläche köcheln und nutzt die Zeit, um sich noch einmal ausgiebig mit den Charakteren zu beschäftigen, die Charlie Adlard sehr gut in Szene setzt. Es ist wirklich die Ruhe vor dem Sturm. Fans der Serie werden Kirkman diesen ausführlichen Tiefgang sicherlich verzeihen, der diese Reihe wohltuend von anderen abhebt. Sehr gut. 🙂

The Walking Dead 7 – Vor dem Sturm: Bei Amazon bestellen

Samstag, 08. November 2008

Marvel Zombies 3 – Vorschau

Filed under: Meldungen — Michael um 18:55

Marvel Zombies 3 - VorschauDie Marvel Zombies sind einfach nicht tot zu kriegen – na, oder besser gesagt klein zu kriegen, so dass sie keinen Schaden mehr anrichten können. Die Meldung ist nicht die neueste, zugegeben, aber egal. Auf newsarama.com lassen sich 11 Seiten des neuen Horror-Knallers online bestaunen. Wie gewohnt geht es heftig zur Sache – sehr heftig sogar. Wer dem Thema nichts abgewinnen kann, Finger weg: Marvel Zombies 3 – Vorschau.

Außerdem: Jedem seine Märchen und Fabeln. Mit den Avenger Fairy Tales hat auch Marvel nach dem Erfolg von Fables die phantastische Märchenwelt für sich entdeckt: Zur Vorschau auf marvel.com.

Ach, ja, da wir gerade beim Thema sind: Erinnert die Haltung des Helden mit der futuristischen Kettensäge an jemanden? Ja, klar: Bruce Campbell. Diesen kann man mit seiner Website zum Film bewundern: My Name Is Bruce. Hier nimmt sich der Horrorheld zusammen mit seinem Kollegen Ted Raimi (Xena) selber auf die Schippe.

Zombiepowder 2

Filed under: Mystery — Michael um 18:46

Zombiepowder 2Dieses junge Mädchen ist so waghalsig, dass es selbst dem hartgesottenen Gamma die Sprache verschlägt. Der Leichtigkeit nach zu urteilen, mit der sie in lebensbedrohlichen Situationen immer noch die Ruhe bewahrt, ist Wolfina, so der Name der jungen Frau, ein Naturtalent. Ihre Leistungen haben ihr die Bewunderung der Gesetzeshüter eingebracht. In gerade einmal zwei Jahren, so heißt es, habe sie 68 Fälle aufgeklärt und 23 kriminelle Organisationen zerschlagen. Auch diese Information nötigt dem hartgesottenen Gamma äußersten Respekt ab – was jedoch nichts daran ändert, dass er erst einmal mächtig in Schwierigkeiten steckt.

Magst du vielleicht meine Brüste anfassen? Wolfina ist um keinen Spruch verlegen. Und Gamma Akutabi, der Haudrauf, derjenige, der sich niemals von Gangstern der übelsten Sorte abschrecken lässt, gerät bei der schlagfertigen Wolfina in arge Verlegenheit. Das ungleiche Paar rauft sich zusammen, nicht zuletzt, weil gemeinsame Feinde zur Kooperation zwingen. Mystic, ein Magier, der nicht nur selber kämpft, sondern auch kämpfen lässt, bringt die beiden in Schwierigkeiten.

Die zweite Episode von Zombiepowder mit dem klangvollen Untertitel Can’t kiss the ring (of the dead) präsentiert einen neuen Handlungsstrang, der sich mit dem Geheimnis der Ringe beschäftigt, die maßgeblich zur Entstehung des Zombiepowders beitragen. Nebenher muss sich Gamma Akutabi mit einem neuen Gegner auseinandersetzen, der auch auf der Jagd nach den Kleinoden der Macht ist.

Das Zombiepowder, genauer seine Entstehung könnte eine Idee aus einem alten Zombie-Film sein, aus jenen Tagen, als diese untoten Wesen noch keine Menschen fraßen und im Kern ein Teil des Voodoo-Glaubens waren. Diese Ringe, die das Zombiepowder erst ermöglichen, werden aus menschlicher Lebenskraft gespeist. So jedenfalls ließe es sich beschreiben. Bevor der Ring Kraft geben kann, muss er sie zuallerst einmal aufnehmen. Tite Kubo, der mit seiner Serie Bleach als Manga und Anime in aller Fan-Munde ist, hat hier eine Serie geschaffen, die vor allem eine gewisse apokalyptische Tendenz besitzt. Sie hat Ähnlichkeiten zur Realität, weicht aber auch von ihr ab. Wenn ein Zirkusbesitzer, auf dessen Konto über 20.000 Tote (!) gehen sollen, hinter den Zombieringen hinterjagt und skurrile Kampfszenen aufeinanderfolgen, kann man sich als Leser des Eindrucks nicht erwehren, es mit einer Art japanischem dunklen Turm zu tun zu haben.

Gammas Gegner ist ein freakiger männlicher Zatanna, vielleicht auch jemand, der wirkt, als sei er dem Psycho Circus entflohen. Hier hätte Tite Kubo noch ein wenig mehr Mut beweisen und mehr Zirkusinsassen zum Einsatz bringen sollen. Der Auftritt des … (überraschen lassen) kurz vor Schluss gibt einen Eindruck, mit welcher Wucht eine größere Gruppe regelrecht durch die Handlung gefetzt wäre.

Die Zeichnungen sind in jedem Fall weiterhin fetzig, mitunter rasend schnell in Szene gesetzt. Wenn es rund geht, geht es rund, aber so richtig. Da Gamma nicht mehr der einzige ist, der im Kampf seinen Mann steht (na, gut, Wolfina steht ihre Frau, um auch ganz korrekt zu sein). Wer Mangas optisch kennt und mag, wird keine Überraschungen erleben. Tite Kubos Bilder sind solide Arbeiten, die den Gesetzmäßigkeiten des Genres gehorchen – außerdem sind es frühe Arbeiten, inzwischen ist er noch besser geworden. Seine Charaktere sind gelungen und kommen besonders durch die Konstellation zur Geltung. Einzeln sind sie gut, zusammen noch besser.

Eine spannungsgeladene zweite Folge mit einem sehr guten neuen Charakter – Mangas bringen erfreulicherweise viele starke Frauenfiguren hervor. Tite Kubo hat eine Fortsetzung geschrieben, die man erst ganz zum Schluss erst wieder weglegen mag. 🙂

Zombiepowder 2: Bei Amazon bestellen