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Comic Blog


Freitag, 21. November 2008

Voodoo Child

Filed under: Mystery — Michael um 19:22

Voodoo ChildIn einer düsteren Nacht entscheidet sich, wer gegen die Sklaverei kämpft und wer sich gegen die Blauröcke rüstet. Mason Moore glaubte seine Schritte mit Bedacht gewählt zu haben. Die Wut seiner Gegner hat er nicht bedacht. Der Bussard lässt sein Anwesen niederbrennen, alle Menschen darauf töten. Nur einer kann dem Gemetzel entkommen: Gabriel Moore. Schwer verletzt wird er mit einem Schlafzauber belegt, der ihn dem Tod beraubt. Viele Jahre später erwacht Gabriel wieder, das Herz von Rachegedanken an den Bussard zerfressen. Die Bewohner von New Orleans hingegen haben zum Zeitpunkt seines Erwachens ganz andere Sorgen.

Der Hurrikan Katrina hat die weltberühmte Stadt schwer verwüstet. Im Durcheinander der Überschwemmungen und der Obdachlosen verschwinden junge Mädchen. Einige Menschen sind während des Sturms einfach verschwunden, da scheint ein Serientäter zu glauben, dass ein paar Mädchen mehr oder weniger nicht weiter ins Gewicht fallen. Die Spuren führen einerseits in einen Wohnwagenpark, andererseits in das Herz des organisierten Verbrechens. Und stets hängt der Dunkelheit, den finsteren Machenschaften ein Hauch schwarzer Magie an: Voodoo.

Wer ist Gabriel wirklich? Ist er der Engel, für den ihn manche halten? Oder doch nur ein Werkzeug des Bösen?

Weston Cage und Nicolas Cage haben sich dieses Szenario ausgedacht. Ersterer ist der Sohn des berühmten Schauspielers, letzterer ist der Schauspieler selbst, Neffe des Regisseurs Francis Ford Coppola, bekennender Comic-Fan und –Sammler.

Comic-Fans weltweit konnten außerdem seinen Auftritt als Ghost Rider bewundern. Mike Carey, Comic-Autor, hat die Geschichte geschliffen und ausgearbeitet. Voodo, das Geheimnis des Südens, hat schon den Einstieg von Roger Moore als James Bond beflügelt, ist aber ansonsten in der Literatur und im Film eher stiefmütterlich behandelt worden. Diese Lücke erfährt nun, angetrieben von einer überbordenden Phantasie, eine tolle Überbrückung, die wie eine klassische Bürgerkriegsgeschichte im Sinne von Fackeln im Sturm beginnt und in einer handfesten Grusel- und Thrillerhandlung endet.

Gabriel Moore war zu seiner Zeit – fast – ein normaler Junge. Als Kind einer Beziehung eines weißen Gutsbesitzers und einer freigelassenen Sklavin hat er es damals schon nicht leicht gehabt. Ähnlich wie in einer guten alten Geistergeschichte entwickelt sich die Faszination hier aus dem Umstand, dass der Rächer schon tot war, ein Kind ist und wie der Leibhaftige persönlich über seine Opfer kommt – wenn die Beleuchtung stimmt. Denn Gabriel hat ein paar Schwächen, so wie es sich für einen Rachegeist geziemt. Die Dunkelheit ist sein Freund, sie gibt ihm Kraft, aber das Licht einer 60 Watt Birne – im übertragenen Sinne – macht aus ihm ein hilfloses Kind.

Mehr noch: Gabriel hat durch seine Übergangsform dem Herrn des Todes ein Schnippchen geschlagen. Baron Samedi ist wütend über das entgangene Opfer. Nach so langer Zeit will er endlich das, was ihm zusteht. Gabriel balanciert auf der Kante zum Totenreich. Sobald er den Boden mit den bloßen Händen berührt, fällt er in das Reich von Baron Samedi. Nur eine Verstärkung von außerhalb kann ihn retten – sofern man in diesem Zusammenhang von Rettung sprechen kann.

Mike Carey gelingt ein sehr schöner Spagat, denn Gabriels Zustand schwankt zwischen bewunderns- und bemitleidenswert. Einmal ist er der Täter, dann Opfer. Der Leser kann den Weg von Gabriel verfolgen und bleibt gleichzeitig an der Seite von zwei ermittelnden Polizisten auf dem Boden der Tatsachen. Horror und tägliche Polizeiarbeit vermischen sich, es entsteht die Atmosphäre eines Angel Heart, jenes unvergessenen Streifens mit Mickey Rourke.

Dean Ruben Hyrapiet, der hierzulande noch nicht viele Veröffentlichungen vorweisen kann, zeigt mit der vorliegenden Ausgabe sehr gut, dass er durchaus in der Lage wäre in der obersten Liga mitzuspielen und sich auch mit der einen oder anderen Top-Serie zu beschäftigen. Grafisch würde seine Technik zu den Reihen aus der X-Men-Riege passen. Mitunter ist er sehr ausdrucksstark in Mimik und Haltung. Einige Perspektiven sind gewagt und so selten zu sehen. Man merkt, dass hier auch ein Filmkenner am Werk war, der gerne mit Kameraeinstellungen experimentiert. Ebenso gerne wie er realistische Abbilder der Gegenwart schafft, geht er in den Untergrund der Phantasie. Baron Samedi und seine fürchterlichen Genossen – allerdings toll gezeichnet – geben ihm reichlich Spielraum dafür. Das ist auch wenig Darkness und auch ein sehr naturalistischer Mignola. Dank der Farben von S. Sundarakannan verstärkt sich das Grusel- und Horrorflair noch.

Ein beinharter Horror-Grusel-Thriller-Trip, bei dem für jeden etwas dabei ist und der sehr stark auf die phantastischen Elemente des touristischen Voodoo setzt. Ein toll gestaltetes Zückerchen aus einem ansonsten vernachlässigten Fantasy-Bereich. 🙂

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