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Comic Blog


Donnerstag, 13. November 2008

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos Testament

Filed under: Cartoon — Michael um 19:28

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos TestamentDie Nachricht ist traurig, aber was will man machen, das ist nun einmal der Lauf der Welt: Onkel Otto ist tot. Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Spirou erfährt von einem Onkel, den er nie kennen gelernt hat und der ist gerade eben verstorben. Natürlich nicht, ohne ein Erbe zu hinterlassen und so müssen Spirou und sein Freund Fantasio in einen entlegenen Winkel von Afrika, um diese Hinterlassenschaft zu finden.

Halt! Ganz so einfach haben es die beiden doch nicht! Bereits in ihren frühen Tagen, als die Beine noch aus dehnbarem Gummi und die Hälse außergewöhnlich lang waren, hat André Franquin seinen Helden schon das Leben besonders schwer gemacht.

Im ehemaligen Haus des Onkels angekommen, der Eulenburg, wartet eine Überraschung auf sie. Jemand anderes durchforstet bereits die Räume nach Hinweisen auf ein weitaus größeres Erbe, als es das heruntergekommene Gemäuer zu bieten hat. Sofort kommt es mit dem Eindringling zum Kampf und der letzte Hinweis ist ausgelegt.

Die Geschichten, die hier in Onkel Ottos Testament erzählt werden, sind aus heutiger Sicht von politisch korrekter Erzählweise weit entfernt. Wenn sich Afrikaner über die gruseligen Darstellungen ihrer Landsleute in Tim im Kongo beschweren, könnten sie hier auch beinahe dazu verleitet werden – allerdings ist Franquin bei näherer Betrachtung überaus herzlich am Werke. Selbst wenn ein einbeiniger Gauner an die Wand geworfen und sein Buckel als Versteck für wichtige Papiere entlarvt wird.

Eine der Schlüsselszenen, die diese Herzlichkeit deutlich machen, zeigt die Bewachung des Verstecks von Onkel Ottos Erbe. Ein Wasserhindernis wird von Krokodilen beherrscht, ein angeketteter Löwe steht vor dem ersten Eingang. Vor dem zweiten Durchgang steht die Frau des Medizinmannes. Der Mann schickt seine Frau nicht sehr forsch nach Hause, wirkt sie doch auch arg bedrohlich auf ihren eigenen Mann.

Diese Geschichte war Franquins allererster Comic …
Das sieht man!
Aber ob ihr’s glaubt oder nicht: Man hat ihn trotzdem gebeten, weiterzumachen!

Gaston leitet von der ersten kleinen Episode Der Panzer zum verblichenen Onkel Otto über. Die Zeichnungen mögen aus heutiger Sicht sehr merkwürdig wirken und von dem, was der Leser von einem späteren Franquin gewohnt ist, ist er hier noch weit entfernt. Aber der Humor ist hier schon erkennbar. Das Talent zum Slapstick ist klar erkennbar, vielleicht sogar etwas zu überdreht: Fantasio am Steuer eines Panzers. Daraus kann nur Kleinholz werden. Aus allem anderen jedenfalls, nur nicht aus dem Panzer.

Die Zeichnungen kennt der Leser in dieser oder jener aus jenen alten Tagen der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Disney-Studio brachte seine Figuren so und auch ein Franquin hatte noch nicht den eigenen Stil, der ihn markant von anderen abhob. Es waren Gummimännchen, die in diesen Zeiten den Comic und den Trickfilm beherrschten. Besonders von letzterem zeugt so manche Bewegung, die geradewegs aus einem Lehrbuch der Animation im zweidimensionalen Raum herrühren mag. Jede Regung, körperlich oder gefühlsmäßig, ist übertrieben.

In der zweiten Episode, der namensgebenden, findet eine Entwicklung statt. Zu Beginn mag der Leser noch altbackenen Vorgaben wieder erkennen. Aber Franquin gönnt sich den Mut zur Gestaltung eigener Gesichter, Karikaturen fast. Er experimentiert mit Tieren und wirft sie in die humoristische Schlacht. Ein Gorilla wird zum Butler, Raubkatzen schlagen sich um einen schmackhaften Spirou, der von alldem nichts bemerkt. Trotzdem ist es von dort zu den bekannten Franquin-Bildern ein weiter Weg. Es hat sich gezeigt, dass viele Zeichner noch eine deutliche Entwicklung durchmachen. Wer alleine in diesem Band die alten Zeichnungen mit dem einige Worte sagenden Gaston vergleicht, entdeckt einen Unterschied von Tag und Nacht – bildlich gesprochen.

Ein paar uralte und beinahe verschollen geglaubte Mini-Episoden runden die vorliegende nostalgische Comic-Reise ab.

Ein Band für den absoluten Spirou + Fantasio Fan, der einen Blick in längst vergangene Zeiten werfen mag, als die Comics noch sehr jung waren, ein Talent wie André Franquin noch am Anfang stand und ein künstlerischer Rohdiamant war. 🙂

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