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Comic Blog


Mittwoch, 12. November 2008

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1

Filed under: Cartoon — Michael um 18:13

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1Kleine oder besser kleinere Menschen entwickeln zuweilen einen ganz besonderen Biss, einen starken Ehrgeiz oder großes Durchsetzungsvermögen. Aber was ist, wenn diese Menschen sehr klein sind? So klein, dass sie auf einer Handfläche Platz finden? Was ist, wenn diese Menschen so zahlreich sind, dass sie eine eigene Kolonie gründen können? Nein, dann handelt es sich nicht um Schlümpfe, sondern um die Minimenschen, die im Reiche des Cartoons bereits seit 40 Jahren eine Heimat haben und mit ihren Abenteuern aus der Sicht der Winzlinge immer wieder neu überrascht und begeistert haben.

Zum Auftakt sieht der Leser einen Kampfjet, der vor einem blauen Himmel über eine Wiese rast, auf der ein Traktor geparkt ist. Die Umgebung macht schon deutlich, dass es sich um eine gemütlich ländliche Atmosphäre handelt und plötzlich … jagt der Jet vor den Abgasrohren des Traktors daher, die nun wie ein Paar riesige Säulen emporragen. Ein Busch kurz darauf hat gar die Ausmaße eines ausgewachsenen Wäldchens. Als sich nur ein Bild später eine Landebahn aus einer Grasfläche zu entfalten beginnt, begreift der Leser, dass das Szenario sich hart an der Realität befindet und dennoch stimmt etwas nicht. Die Größenverhältnisse!

Pierre Seron, Autor und Zeichner dieser Serie um eine der kuriosesten Siedlungen in der Comic-Geschichte, schmeißt den Leser ohne große Vorankündigung ins kalte Wasser. Er beginnt mit dem berühmten Knall am Anfang einer Geschichte, dem Rätsel, dem Unerwarteten und kreiert so ein Paradebeispiel für eine der Gesetzmäßigkeiten einer fesselnden Handlung. Knall auf Fall entdeckt der Leser nun eine miniaturisierte Welt, die den Anschein des Normalen hat und trotzdem ein Dasein im Verborgenen führt.

Wie ist das passiert? Wie nur?

Diese Fragen stellt Seron selber, nachdem er den Leser gepackt hat. Ein unförmiger, aber ansonsten unscheinbarer Stein ist für die veränderten Verhältnisse verantwortlich. Der Professor, der den Stein fand und an ihm forschte, war das erste Miniopfer, das auf Puppengröße schrumpfte. Nach und nach, durch Körperkontakt jeglicher Art ins Rollen gebracht, schrumpft die gesamte Gemeinde. Auch Tiere bleiben nicht verschont. Die Menschen arrangieren sich mit der neuen Situation und verschwinden für den Rest der Welt. Doch als Minimensch in der Welt der Großen zu leben ist alles andere als leicht, denn für die Gemeinde beginnt ihr neue Zivilisation bei Null.

Die Gefahr der Entdeckung ist das allgegenwärtige Spielelement. Auch sind Menschen von der Größe einer Hand natürlich in allem benachteiligt, was das Umfeld der Großen betrifft. So müssen sich die Minimenschen damit auseinandersetzen, den Ausbau eines militärischen Geländes zu sabotieren. Dank modernster Technik – in der Form, wie man sich gemeinhin moderne oder auch futuristische Technik in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vorstellte – schaffen sie immer den halsbrecherischen Spagat des gerade anstehenden Auftrags. So verschlägt es sie hierbei an die Spitze eines Kirchturms, in die ländliche Idylle und auch in die Praxis eines Psychiaters.

Pierre Seron lässt seiner Phantasie absolut freien Lauf und so ist einfach alles möglich. Diese Ideen ohne Grenzen machen die Minimenschen zu einer Besonderheit. Dies mag auch der Grund für den zeitlosen Humor sein – seltsamerweise sind die futuristischen Fahrzeuge immer noch futuristisch, wirken nur nicht mehr so hipp.

Grafisch sind die Bilder von Seron äußerst frankobelgisch klassisch. Die Minimenschen reihen sich optisch ein in Publikationen wie Boule & Bill, Gaston oder Spirou + Fantasio. Nicht nur die Gesichter, sondern auch die Gesichtsausdrücke – ganz besonders die cholerisch rot angelaufenen wie auch die verdutzten – sind typische Franzosengesichter, möchte man als anderssprachiger Leser fast sagen, wenn einem Komödianten wie Pierre Richard oder Louis de Funès vor dem inneren Auge herumspuken.

Ein zeitloser Spaß, in dem allein die Beschaffung von Zucker bereits zu einem großen Abenteuer wird. Seron hat einen Klassiker der Komödie allgemein geschaffen, der immer noch Vorbildcharakter hat. Für alle Altersgruppen geeignet. 🙂

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