Die Druiden, ja, sie wollen Kinder umbringen. Schnell ist Hilfe geholt. Die erzürnten Dorfbewohner, bereits christianisiert, stürzen sich auf die Druiden. Sie lassen sich keineswegs davon überzeugen, dass die Kinder eigentlich in Sicherheit sind – selbst auf die Aussage der Jungen hin wollen sie nicht glauben. Eigentlich wollten die Druiden nur einen Mann beerdigen, nun sterben sie selbst. Der Hass zwischen der alten und der neuen Religion, der Abstand zwischen alter und neuer Kultur ist groß, sehr groß. Ein neutrales Nebeneinander scheint kaum möglich. Mit diesem Wissen sind die jüngsten Morde schnell erklärt. Aber wer sind die Hintermänner?
Gwenc’hlan, der Druide, der auf beiden Seiten der Religionen respektiert wird – manchmal auch zähneknirschend – hat einen Hinweis auf die Hintermänner der Ereignisse gefunden. Das kleine Symbol zeigt ein Zeichen, das bis dahin untrennbar mit einem Geheimorden innerhalb der christlichen Kirche verbunden war: Imperium Dei. Allerdings gilt dieser Orden als gelöscht. Die Art und Weise des Vorgehens des Ordens hatte auf die Dauer sogar den Heiligen Stuhl in Bedrängnis gebracht. Aber wer könnte sich an den alten Geheimbund erinnert haben und erneut seine Ziele verfolgen?
Budog, ein Mönch und trotzdem ein Freund von Gwenc’hlan, möchte, dass sich der Druide mit Bruder Gwenole trifft, um die neuen Hinweise zu besprechen. Damit kommen Gwenc’hlan und sein Schüler Taran gerade recht, um Zeugen eines sehr alten Rituals zu werden.
Die Reise führt sie in Die weiße Stadt, die einen ähnlichen Anblick bietet wie einst Camelot im Film Der erste Ritter. Die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel haben bereits im ersten Teil der Reihe Die Druiden kräftig zitiert und sie verlassen diese Linie auch jetzt nicht. Filme, Romane und lang existierende Sagen und Mythen finden ihren Weg in ein immer spannender werdendes Szenario.
Die keifende Meute, allen voran die noch lauter als alle anderen schreienden und blutgierigen Weiber (man möge mir den Ausdruck verzeihen), kennt der Leser vielleicht aus Highlander. Die in römische Rüstung gehüllten Soldaten erinnern an Die letzte Legion. Der szenische Abschnitt um Dahud, die Tochter Königs Gradlon, zieht einen Vergleich zu Brunhilde und ihrem Zweikampf mit König Gunter geradezu an. Auch hier wird der Herausforderer offensichtlich durch einen Trick Sieger des Zweikampfes. Der erwähnte Orden des Imperium Dei wirkt nicht sehr zufällig wie eine Mischung aus Opus Dei und Assassini.
Wen kümmert’s? Eigentlich niemanden, das sollte unterstrichen werden. Denn die Mixtur ist rundum gelungen arrangiert. Ein Vorwissen zum Verständnis der Geschichte wird nicht benötigt, alles nötige entwickelt sich aus der Handlung heraus. Es wirkt, als hätten Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel eine Art Schnitzeljagd für den Leser und Kenner mysteriöser Themen wie oben erwähnt geschrieben. Dennoch haben sie eine eigenständige Geschichte entwickelt, eine szenische Essenz oder auch ein Mosaik lang und freudig gehegter Mythen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die Unterhaltung der Menschen geisterten – und es wahrscheinlich noch eine lange Zeit tun werden. Ähnlich wie auch J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis nebeneinander mit ihren Geschichten bestehen konnten, entwerfen auch Istin und Jigourel ihre Version der Ereignisse, mit denen sich bereits andere Autoren beschäftigen.
Grafisch handelt es sich um eine sehr aufwendige und perfekte Umsetzung. Jacques Lamontagne zeichnet und koloriert in Personalunion. In penibler Kleinarbeit zeichnet er die Menschen, scheut keine Perspektive von Gesichtern, verwendet Großaufnahmen, gibt sich regelrecht allen möglichen Physiognomien hin, männlichen wie weiblichen aller Altersstufen, und tobt sich bei der Gestaltung von Mode und Kleidungen aus. Auch mit den Körperlichkeiten seiner Figuren geht er mit einer geradezu erschreckenden Leichtigkeit um.
Landschaftlich und architektonisch reißt Lamontagne ebenso mit. Die weiße Stadt wird dem Leser in einer doppelseitigen Ansicht präsentiert. Ähnlich bombastisch wirkt der gleichfalls doppelseitige Blick auf den Kampfplatz der beiden sehr ungleichen Kontrahenten, Dahud und des Fremden, der um ihre Hand buhlt.
Weiterhin grafisch höchst opulent gestaltet sich die Reihe mit allerlei Anspielungen zu einer geschickt arrangierten Geschichte, die den Leser immer tiefer mitnimmt in ein Geflecht aus Tradition und Neubeginn, Historie und Thriller. Echte Klasse. 🙂
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