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Comic Blog


Sonntag, 02. November 2008

Fables 7 – Fremde Heimat

Filed under: Mystery — Michael um 17:10

Fables 7 - Fremde HeimatDer Tyrann muss sterben! Blue Boy hat sich eine große Aufgabe gestellt. Hereingelegt und gefoltert musste er erleben, wie seine vermeintliche große Liebe ihn bloßstellte und sich als etwas anderes, tödlicheres entpuppte. Über den Krieg vergaßen viele die Leiden Blue Boys. So befindet er sich nun auf seinem Rachefeldzug, allein, aber bestens bewaffnet. Lange hat er die Heimat nicht gesehen und weiß nichts von den Alleingängen anderer Fables. Jack Horner, den die Menschen aus den Geschichten um die Bohnenranke kennen, die zum Himmel wuchs, hat nur eines im Kopf: Berühmt werden.

Und wo kann ein Mensch heutzutage weltberühmt werden? In Hollywood! Jack wird der Medienmogul hinter den Kulissen. Die Filme über sein Leben werden erfolgreicher als alle Herrn der Ringe zusammen, bis …
Nun, Fables sollten aufpassen, was sie alles über sich und ihr Leben an die Öffentlichkeit tragen.

Nachdem der Krieg vom Feind nach Fabletown getragen wurde und sich seine Bewohner tapfer wehrten, schlägt Blue Boy nun zurück. Es hat schon viel einsame Rächer-Geschichten gegeben, doch nur ganz selten mussten diese Charaktere derart viel Geduld und Geschick aufbringen wie hier.

Die Welt der Märchen und Legenden, so wie sie Autor Bill Willingham sie für diese erfolgreiche Reihe begreift, setzt sich aus verschiedenen Dimensionen zusammen. Jeder Kulturbereich, jede zeitliche Epoche hat ihre ganz eigenen Figuren, Helden, Sagen und Geschichten geschaffen, die in zahllosen Dimensionen, unabhängig vom Glauben an sie, fortexistieren. Blue Boy reist von einer Dimension zur nächsten. Die Reise dauert derart lange an, dass der geheimnisvolle Fremde, der allerlei Dämonen auf seinem Weg tötet, in den Dimensionen bereits zu einer neuen Legende wird.

Ogren und Throk sind einfache Steuereintreiber. Wir, die Leser, begleiten sie gleich zu Anfang, erfahren von ihrem Leben, ihrer Arbeit – die außerordentlich langweilig für Kobolde ist – doch sie sind zufrieden mit sich und der Welt. Einzig die merkwürdigen Geschichten von einem schwarzen Ritter machen ihnen ein wenig Angst. Kurz bevor der Fremde zuschlägt, bläst er in der Nacht in sein Jagdhorn und kündigt sein Kommen an. So spielt Bill Willingham mit den Erwartungen des Lesers, denn als Blue Boy schließlich erscheint, ist sein Auftreten alles andere als gruselig und schon gar nicht so furchtbar, wie es die Kobolde untereinander munkeln.
Nur in der Konsequenz behalten die Geschichten recht.

Willingham schickt seinen Recken auf die Jagd nach dem Kaiser. Ein Riese von Gestalt, gepanzert, vermummt, so empfängt er seine Besucher, um sich ihre Wünsche anzuhören. Für Blue Boy ist dies eine willkommene – und vermutlich auch die einzige – Gelegenheit, in die nähere Umgebung des Herrschers zu schleichen und zuzuschlagen.
Auf diesem Weg dahin und darüber hinaus strotzt und protzt Willingham mit Einfällen, Märchen- und Sagencharakteren, dass es eine wahre Freude ist. Wer sich nur ein Stück weit für Fantasy begeistert, mag dies als Einstieg nutzen, um sich ausgiebig mit der Vergangenheit der Fables zu beschäftigen.

Mark Buckingham präsentiert lustig anzuschauende Koboldvarianten, die ihr Aussehen jedoch Lügen strafen, denn bei aller Putzigkeit können sie hinlangen und sind brutal und mutig wie alle anderen Unholde auch. Verschiedenste Ritter und sogar ein Drache kreuzen Blue Boys Weg, bis er ans Ziel gelangt.
Welche Gestalten ihm noch begegnen, das sei nicht verraten, da es wirklich viele Überraschungen sind, die Willingham hier bereithält. Buckinghams Bilder sind weiterhin wie hauchdünn und zerbrechlich gezeichnet – auch die Gastzeichner halten sich an diese Vorgaben – die Kolorierungen erwecken den Eindruck von Glasbildern. Sie wirken weniger wie gefärbt, mehr wie getönt. So entsteht ein sehr fein ausschauendes Endergebnis.

Der Leser darf sich weiterhin in einem sehr schön erzählten Intermezzo auf ein Wiedersehen mit Mowgli, Baloo und Bagheera, Protagonisten aus dem Dschungelbuch, freuen, obwohl das Wiedersehen für die Beteiligten nicht grundsätzlich gut ausfällt, weil Bagheera eine Haftstrafe verbüßen muss.

Sehr kurzweilig, unvorhersehbar, mit vielen Stellen, an denen Autor Bill Willingham deutlich an der Spannungsschraube dreht. Die gesamte Inszenierung gehört sicherlich zu den besten, die die Reihe bisher hervorgebracht hat, nicht zuletzt, weil endlich ein wichtiges Geheimnis gelüftet wird, das nicht nur den Leser überrascht. 🙂

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