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Comic Blog


Samstag, 01. November 2008

Ethan Ringler 1 – Tecumska

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:54

Ethan Ringler 1 - TecumskaEthan betritt die neue Welt forsch, aber auch mit einer großen Portion Naivität im Gepäck. Der siebzehnjährige junge Mann hat den Ozean auf der Suche nach seinen Wurzeln überquert und möchte jegliche Vergangenheit abstreifen. So nimmt er die Finanzen seiner europäischen Familie nicht Anspruch. Nur ausgerüstet mit zwei ungewöhnlichen Pistolen taucht er in die New Yorker Bevölkerung ein. Seine Vorsätze mögen gut sein, sein Durchsetzungsvermögen ist für einen jungen Mann seines Alters auch nicht zu verachten, dennoch wird er von den Ereignissen überrumpelt.

Viele Leute wollen plötzlich etwas von ihm. Auf eine gewisse Weise hat er durch seine aufrichtige Art und sein mutiges Auftreten so manchen beeindruckt. Doch er vernachlässigt, dass er sich in Kreisen von Kriminellen bewegt, die sich für Mut und Ehre nur auf den letzten Plätzen interessieren – wenn sie diesen Charakterzügen überhaupt eine Bedeutung beimessen. Und so wird es binnen kurzer Zeit immer gefährlicher für Ethan, der nicht mehr abzuschätzen vermag, wohin die Pfade ihn führen werden, die er eingeschlagen hat.

Der Westen war noch wild genug und der Osten nicht halb so zivilisiert, wie er gewollt hätte. In dieser Zeit erreicht der siebzehnjährige Ethan Ringler aus Londo kommend die neue Welt. New York ist Jahre 1879 schon eine beeindruckende und pulsierende Stadt. Gemachte Männer, Glücksritter, Taugenichtse und übelste Verbrecher tummeln sich in diesem Moloch.

Gilles Mezzono zeichnet höchst realistisch, in einer qualitativen Mischung aus Hermann, einem späten Jean Giraud und vielleicht einem Colin Wilson – vielleicht noch nicht ganz so ausgefeilt, aber Mezzono ist auf dem besten Weg. Alle drei beispielhaft genannten Zeichner sind dem Western-Genre verbunden, das in dieser Geschichte ebenfalls durchklingt. Amerika durchlebt gewisse Nachwehen, was den Umgang der weißen Invasoren mit den Ureinwohnern betrifft. Die absolut den Menschen verachtende Einstellung, die sich bis in so genannte höchste Kreise zieht, ist aus heutiger, klügerer Sicht ekelerregend. Außerdem, um diesem zeitlichen Phänomen die Krone aufzusetzen, hat sich Autor Denis-Pierre Filippi ein Szenario ausgedacht, das ein furchtbares Geheimis lüftet.

Ethan Ringler, die namensgebende Hauptfigur, ist ein halber Indianer. Seine Herkunft stammt aus einer Zeit, als man glaubte, einen Indianer – oder andere andersfarbige Menschen – einfach nehmen und an einen Ort seiner Wahl verpflanzen zu können, als Menschenrechte für alle noch eine Utopie waren. Ethan weiß um seine Herkunft und möchte endlich Licht ins Dunkel bringen, möchte wissen, wo seine Wurzeln liegen. Dazu bemüht er sich, sein väterliches Erbe abzuschütteln und bei Null zu beginnen. Für einen Siebzehnjährigen war das im New York des Jahres 1879 nicht einfacher als heute – eher schwieriger.

Filippi lässt seinen Helden erst einmal stolpern. Hochmut kommt vor dem Fall, so muss sich Ethan von einer der geheimnisvollen Pistolen trennen, die er bei sich trägt, um wieder an Geld zu kommen. Es handelt sich dabei um Prototypen, die bei den beiden Waffenhändlern sofort auf reges Interesse stoßen, da sie ein neuartiges ungewöhnliches Ladesystem besitzt.

In dieser Zeit, einer Art Post-Wild-West und Prä-Mafia, zeigen sich neue Strukturen, der anfänglichen Schritte äußerst interessant sind. Der Leser darf zusammen mit Ethan eine im Untergrund agierende Bundespolizei kennenlernen. Es ist eine Zeit, die aus europäischer Sicht in dieser Form so oft nicht in Romanen oder Dokumentationen behandelt wird – im Comic noch seltener. Die Verstrickungen im Milieu dieser Stadt, die Verzweiflung der Indianer in dieser neuen Gesellschaftsordnung, die ihnen keinen Platz zuweist – oder nur einen für Menschen unwürdigen – sind eindringlich geschildert, kommen aber auch nicht mit der groben Kelle daher. Es herrscht ein Umgang untereinander, der so normal empfunden ist, dass sich anderweitige Anschauungen kaum entwickeln können. Das ist nicht nur spannend, sondern auch informativ – sofern der Autor seine Geschichte auf der Basis von Recherchen entwickelt hat.

Eine selten behandelte Zeitperiode mit dramatischen und ungewöhnlichen Entwicklungen. Ethan Ringler ist einem bereits nach kurzer Zeit sympathisch, sein Schicksal fasziniert auch aufgrund seiner Abstammung. Filippi weiß die Stadt als Nebendarsteller binnen kürzester Zeit zu etablieren, auch dank der sehr guten grafischen Qualitäten von Mezzono und der guten Kolorierung von Nadine Thomas. Western und Krimi in einem. Prima Unterhaltung. 🙂

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