Andrax beschreitet seinen Weg alleine. Holernes, sein alter Freund und Weggefährte, ist auf dem Weg in die Heimat, wo er die königlichen Amtsgeschäfte fortführen muss. Zu lange schon hat seine Frau diese Aufgaben übernommen. Andrax fühlt seit langem wieder Einsamkeit, als er ein kleines Gehöft bemerkt. Aber fremde Wanderer sind hier nicht willkommen. Bei Einbruch der Dunkelheit erkennt Andrax den Ernst seiner Lage. Ein Heulen kündigt das Raubtier an. Eine weiße Wölfin umschleicht den Baum, auf den sich Andrax gerettet hat, und wartet auf ihre Gelegenheit. Doch diese kommt nicht. Am nächsten Morgen zeigt sich auch einer der Bewohner des Gehöfts.
Er bietet Andrax etwas zu essen und zu trinken an, aber immer noch kein Obdach. Auch die seltsamen Vorgänge der letzten Nacht erwähnt er nicht. Andrax wandert weiter durch den Landstrich, der immer unheimlicher wird. Schon bald wartet die nächste Gefahr auf ihn. Einige Bauern wollen das Grauen nicht länger erdulden. Sie haben eine Frau gefunden, die als Verantwortliche für die nächtlichen Übergriffe in Frage kommt. Vielleicht sie es, die als Werwolf in Vollmondnächten ihr Unwesen treibt. Aber ob Wolf oder nicht, Andrax kann es nicht mitansehen und ergreift für die junge Frau Partei. Und schon hat er wieder einige Feinde mehr.
Gegen Götter und Monster lautet die Überschrift des dritten Bandes um den Barbaren, der aus der Vergangenheit kam. Doch Andrax ist mehr. Äußerlich halb nackt, mit einem Schwert bewaffnet, ist Andrax ist ein Sportler des 20. Jahrhunderts, den ein Experiment die Zeiten überdauern ließ. Eigentlich sollte er in einer besseren Welt wieder aufwachen, aber es kam nicht dazu. Diese zukünftige Welt ist ein einziges Puzzlespiel aus verschiedensten Kulturen, Mythen, Zeitperioden, außerirdischen Invasoren und Monstern.
Aber immerhin findet Andrax auch beständig neue Freunde. Manchmal ist die Freundschaft nur von kurzer Dauer, manchmal ist es kurz, weil sie an der Seite von Andrax im Kampf für die gerechte Sache sterben. Einer dieser neuen Freunde ist Rob in the wood. Vollkommen zu recht fragt sich Andrax, ob er es bei diesem Halsabschneider mit Robin Hood persönlich zu tun hat. Wie so häufig bei Mannsbildern, die später zu Freunden werden, steht am Anfang erst einmal eine zünftige Prügelei.
Jordi Bernet hat diesen König der Diebe so gut getroffen, dass man sich als Leser eine richtige Robin Hood-Umsetzung mit allem Drum und Dran von ihm wünscht. Dieser Recke, ein Draufgänger und überaus sympathisch, hat natürlich nicht nur ein Herz sondern auch eine Bande. Aber kurz darauf verliert er ersteres an die Frau, die Andrax zu schützen gedenkt. Und damit – ein beliebter Trick – geht die Geschichte erst richtig los. Denn nach einer eher mittelalterlich geprägten Handlung, und einem Schuss Gruselabenteuer, wird es nun erst recht phantastisch, beinahe märchenhaft.
Marlin (!) heißt der Zauberer, der Andrax und Rob den rechten Hinweis auf ein Mittel gibt, mit dem die junge Frau gerettet werden kann.
Doch bevor das Ziel erreicht wird, warten noch eine Menge Hindernisse, ein verwunschener Felsendom und natürlich eine nicht minder gefahrvolle Heimreise.
Die Bilder sind von Bernet im ersten Abenteuer etwas gröber gezeichnet. Die Seitenaufteilung erfolgt meist über drei Bilder, häufig übereinander, so dass sich durch das Querformat der Grafiken eine Art Kino-Bildausschnitt einstellt. Auf diese Weise lässt sich Bernets Arbeitstechnik viel besser in Augenschein nehmen und bewundern. Jeder einzelne mit Tusche gezogene Pinselstrich ist sichtbar.
Wie da mal so eben ein Gesicht oder eine Action-Szene entsteht, ist wirklich großartig. Natürlich entsteht es mal nicht so eben, denn für diese Technik benötigt es eine ordentliche Portion technischer Versiertheit.
In der Geschichte um Das große Wesen ist Holernes wieder an Andrax’ Seite. Es ist eine klassische Wer ist der Drahtzieher im Hintergrund?-Geschichte. Unheimliche Begebenheiten, die eigentlich Eindringlinge fernhalten sollen, beeindrucken unsere beiden Helden zwar, aber halten sie von gar nichts ab. Im Gegenteil, die Technologie, die hinter all dem steckt, macht Andrax erst recht neugierig.
In dieser zweiten Geschichte ist das Aufeinanderprallen von gängiger Technologie und archaischer Waffen viel stärker ausgeprägt. Ein Panzer trifft auf ein zwergenhaftes Reitervolk. Eine geheimnisvolle Intelligenz im Hintergrund ist noch fremdartiger – und monströser – als vermutet.
Hier wird wieder einmal deutlich, dass Andrax aus einer Comic-Zeit stammt, in der alles möglich war. Heutzutage wird viel zu sehr überlegt, wem was wie gefallen soll und muss und ob etwas bis ins letzte Detail immer logisch ist. Das Schöne ist, dass sich Andrax nicht wie ein Barbar benimmt, sondern dass er derjenige ist, der sich die Fragen noch vor dem Leser stellt. So ist das Geschehen nicht mehr trivial, sondern wird zu einem einzigen großen Rätsel.
Zwei lange Geschichten sind es diesmal, in denen sich Andrax austoben darf und dem Leser einen langen Ausflug weg vom Alltag beschert. Durch die Länge wird die Atmosphäre dichter und Jordi Bernet besitzt viel mehr Möglichkeiten, mit den Charakteren zu arbeiten. Rob in the wood und Holernes sind die besten Beispiele dafür. Besonders letzterer ist inzwischen weit davon entfernt ein bloßer Sidekick zu sein. Spannung und Unvorhersehbarkeit zeichnen diesen Band aus. Top! 🙂
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