John Fowler hat es eilig, weil er wieder mal zu spät zum College kommt. Heute sind Ausgrabungen auf dem Campusgelände angesetzt. Daran wäre nichts außergewöhnliches, würden diese Grabungen nicht auch ein uraltes Skelett zutage fördern.
Der Fund weckt in John wahnsinnige Kopfschmerzen. Seinen Freunden bereitet das Skelett weniger Kopfzerbrechen, allenfalls brüten sie darüber, wie sie Professor Hawkins, der die Grabungen überwachte, wieder einmal einen Streich spielen können. Die Lösung ist einfach: Man nehme das alte Skelett und setze es auf Hawkins’ Bürostuhl.
Das ist ein Spaß! – Jedenfalls, solange man nicht dabei erwischt wird. Und John wird erwischt. Für Professor Hawkins ist diese Untat der willkommene Vorwand, um diesen Fowler endlich loszuwerden. Aber ganz so einfach wird es dann doch nicht. John erhält unerwartete Unterstützung, über die er sich zunächst wundert. Nach einer Weile lichten sich die Schleier – keiner der Schüler, auch nicht Johns Schwester, ist auf das vorbereitet, was sich bald in ihrer aller Leben verändern wird. Ein altes Erbe wirft seine dunklen Schatten und Albträume voraus.
Jugendliche Charaktere werden in dieser Fassung der Ereignisse um das Aufbrechen des Höllentores in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. In bester Manga-Manier von J.M gezeichnet, aber in europäischer Lesefolge inszeniert, entsteht hier in schwarzweißer Bilderfolge eine Geschichte, die den anderen Abenteuern des Hellgate London von Ian Edginton und Steve Pugh in Sachen Spannung nicht nachsteht, sich aber an ein jüngeres Publikum richtet.
Wie in einem Jugendbuch entschlüsseln sich die Geheimnisse um die Familie Fowler. Die drei Kinder, John, Lindsey und der kleine Tyler erhalten nach dem Fund des unbekannten Skeletts schließlich einen Hinweis, der sie auf den Dachboden ihrer Wohnung führt und dort …
Es ist interessant, wie Arvid Nelson, der Autor, die Geschichte konzipiert. Diese Kids gehören zur Computerspielgeneration. Wenn ein Monster sich ihnen in den Weg stellt oder eine seltsame Kreatur aus einem Wolkenwirbel nach ihnen greift, rennen sie nicht automatisch fort. Irgendwie haben sie das alles schon einmal gesehen. Und deshalb kassiert so ein Monster dann auch eine saftige Abreibung.
Nelson nimmt die Geschichte nicht allzu ernst. Er will unterhalten. Er kennt seine Leser und weiß, was sie mögen. So wird der kleine Tyler auch einmal mit seiner Lieblingsserie abgelenkt: Mighty Ninja Magical Cyber Assault Team Dangar.
Auf einen Blick in die Serie müssen wir leider verzichten (obwohl der Titel verdammt neugierig macht), aber auf die guten alten nimmersatten Wiedergänger müssen wir nicht verzichten.
In einem anderen Kontext würd ich sagen, sie sähen cool aus. So viel Zeit bleibt Lindsey noch zur Analyse, bevor Hellgate London seinen Jugendbuchcharakter endgültig hinter sich lässt und John mit seinem Dachbodenfund zeigt, was er so alles kann.
Die Spannung schaukelt sich immer weiter auf. Am Ende …
Das soll natürlich nicht verraten werden, aber J.M legt mit seinen Zeichnungen, mit denen er qualitativ auf Augenhöhe eines Hiroki Endo rangiert, recht drastische Bilder vor, die auch auf diese Weise denen von Endo in nichts nachstehen.
Man gewöhne sich nicht zu sehr an die Charaktere, denn nicht alle werden es bis zum Ende schaffen. Die Konstellation, die Arvid Nelson schafft, lässt einige weitere unerwartete Wendungen für die nächsten Abenteuer erwarten. Ein gelungenes Horror-Abenteuer mit Bildern von J.M, dass keine Spielevorlage nötig hätte. 🙂
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