Für Häftlinge mit hohen Haftstrafen ist kein Geld mehr da. Vor allem für jene nicht, die sowieso das Ende ihrer Haftzeit nicht mehr erleben werden. Es sei denn natürlich, sie brechen aus. So wie die Daltons immer wieder. Aber derzeit sitzen sie leider und so …
So sollen sie eben aufgehängt werden. Das spart Zeit und Geld. – Na, ganz so einfach ist das auch wieder nicht. Diesmal ist es nicht der Schläue der Daltons zu verdanken, dass die vier Gauner auf freien Fuß kommen. Eine Gesetzeslücke lässt sie das Todesurteil umgehen und direkt in den Hafen der Ehe einlaufen.
Lucky Luke, der seine ganz eigenen Erfahrungen mit den Frauen gesammelt, behält die Daltons im Auge. Die vier Banditen hatten es sich so einfach vorgestellt. Pustekuchen! Ihre Squaws, denn diese Indianerinnen waren die einzigen, die sie nehmen wollten, nehmen ihre Männer ziemlich ran – bis auf Averell. Der hat es nicht nur ziemlich gut erwischt, den hat es auch erwischt.
Bevor Lucky Luke jedoch zum Aufpasser von entnervten Ehemännern wird, gibt es noch ganz andere Abenteuer zu bestehen. Eben ist er noch bei der Entstehung des in Amerika allseits beliebten Burgers dabei, da führt ihn sein Weg auf die andere Seite der Grenze, nach Kanada, ins schöne Quebec. Und obwohl er den nordamerikanischen Kontinent gar nicht verlassen hat, ist hier alles ein wenig anders.
Nach Morris ging das Leben für den Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, weiter. Ein französischer Koch diente als Experiment, ob die Leser etwas mit einem neuen Zeichner anfangen konnten. Achdé (Hervé Darmenton mit bürgerlichem Namen) hatte nach eigener Aussage schon als Kind den Wunsch Lucky Luke Zeichner zu werden. Aber, wie seine Mutter so treffend bemerkte, der hatte mit Morris schon einen Zeichner. Nach dem viel zu frühen Tod von Morris wurde der inzwischen erfahrene Zeichner gefragt, ob Lucky Luke zeichnen wolle.
Er wollte. Der Rest ist, um es so auszudrücken, Geschichte.
Als Nachfolger muss er sich einen direkten Vergleich gefallen lassen – und dieser fällt optisch außerordentlich überraschend aus. Im Seitenvergleich lässt sich kein Unterschied erkennen. Achdé übernimmt das Erbe von Morris mit sehr viel Feingefühl und Respekt vor Serie, der Figur und dem langjährigen Macher.
Und so bleibt auch der Humor erhalten.
Ähnlich wie sich Goscinny und Uderzo mit europäischen Nachbarn auseinandersetzten, nehmen sich Achdé und Laurent Gerra nun die nordamerikanischen Nachbarn der Vereinigten Staaten vor: Kanada.
In einer episodenhaften Erzählung erfährt der Leser, wie Kanada entstand und besiedelt wurde, welche Kriege und Auseinandersetzungen eine Rolle spielten und wie die Französisch-Kanadier endlich begreifen, dass sie ihren Stolz nicht klaglos herunterschlucken, sondern auch behaupten müssen.
Im Grunde aben uns die verfluckten Franzosen den Engländern ausgeliefert.
Hier teert man(n) nicht mit Teer, sondern mit Ahornsirup. Und man(n) serviert leichte Äppchen mit französischen Fritten und geriebenem Käse. Ansonsten … Betrachtet der Leser die Schlägereien im Saloon wird klar, dass nicht alles anders ist im Norden. Und es wird klar, dass Laurent Gerra nicht nur den Humor eines französischen Szenaristen besitzt, sondern sich auch perfekt in die Serie einfindet.
So wird Jolly Jumper mit der bezaubernden Province endlich eine Freundin zuteil – wenn auch nur kurz, schließlich ist er ein einsamer amerikanischer Mustang! Nach vielen Abenteuern wird sogar noch – nachdem es zuvor der Burger war – der Hot Dog erfunden. Kein geringerer als der sonst eher nichtsnutzige Rantanplan steht für dieses Lebensmittel … na, so etwas wie Modell.
Eine kleine Schwachstelle hat Achdé jedoch. Im Bereich der Karikatur war Morris ganz eindeutig besser. Eine Celine Dion ist in Schikane in Quebec nicht erkennbar, allenfalls erahnbar. Aber der Zeichner arbeitet an sich. Im Band Die Daltons in der Schlinge findet eine kleine Hommage einen Western mit John Wayne und Kirk Douglas statt. Selbst ohne die redaktionellen Erläuterungen im Vorfeld – die wie immer sehr gut sind – sind die beiden zu erkennen und sorgen sogleich für eine gehörige Portion Slapstick und Wortwitz.
Es geht nach Morris weiter. Das großartige Comic-Urgestein muss sich keine Sorgen machen. Lucky Luke ist in gute Hände gekommen, die mit viel Gespür für den Geist der Serie und die Figuren die Reihe rundum gelungen fortführen. 😀
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