Und Gott sagte: „Es werde Licht.“ Mit ganz einfachen Worten und Sätzen beginnt das Buch der Bücher, wie es auch manchmal genannt wird. Fest steht, dass dieses Buch einen gigantischen Einfluss auf die Geschichte der Menschheit gehabt hat. Aber dieses Buch ist mit Altem und Neuem Testament auch sehr dick. Der Zugang ist dank einer zuweilen rätselhaften Sprache ist nicht unbedingt leicht. Wenigstens Jugendliche werden eher mit Desinteresse auf diese Texte reagieren. Diese Comic-Adaption soll einen leichteren Zugang bieten.
In verkürzten und aussagekräftigen Szenen findet der Leser alles vor, was in der Bibel Rang und Namen hat. Zu jeder Szene gibt es Verweise zur entsprechenden Bibelstelle, wo der Inhalt anschließend vertieft werden kann.
Lassen wir einmal den religiösen Aspekt beiseite und konzentrieren uns nur auf die Handlung. So gesehen, kann sich jeder Genre-Fan nur die Hände reiben, denn die Bibel ist Fantasy pur.
Die Welt wird von einer göttlichen Macht erschaffen. So erzählt Moses seinen jungen Zuhörern. Doch das erste Paar der Menschheitsgeschichte, ebenfalls von Gott geschaffen, fällt auf die Einflüsterungen einer Schlange herein, die fortan ohne Gliedmaßen ihre Zukunft fristen muss. Adam und Eva verlassen den Garten Eden, und damit erwartet den Menschen auch viel Unheil.
Das Alte Testament schlüsselt die Menschheitsgeschichte auf seine ganz eigene Art auf. Die Stammbäume lesen sich manchmal abenteuerlich, die Altersgrenzen der auserwählten Menschen, auf die Gott immer noch ein Auge hat, haben heestersche Dimensionen. Kain und Abel, der Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft, die Zehn Gebote, die Geschichte von Josua und in vielen Beispielen mehr – Gott hat es den Menschen nicht leicht gemacht. Hier und da zeigt er sich, belohnt, aber er bestraft auch. Der Gott des Alten Testaments ist ein knurriger alter Mann, der seine Kinder mit fester Hand führen will – man kann schwerlich behaupten, dass es ihm immer gelingt.
Auch ist er ein exklusiver Gott, der Gott eines Volkes, einiger Auserwählter. Den Redlichen steht er zur Seite, belohnt sie manchmal, wenngleich diese Belohnung auch auf sich warten lassen kann und der Weg zum Ziel steinig und voller Entbehrungen bleibt.
Wer die entsprechenden Passagen in der vorliegenden bearbeiteten Ausgabe liest, entdeckt diesen Umstand sehr schnell.
Aber es ist auch eine Geschichte der Hoffnung.
Ebenso deutlich bei der Auswahl der Geschichten um Simson und David und vieler anderer ist die Lebendigkeit. Künstler Siku, in seiner Form als Zeichner und Konzepter, setzt diese Lebendigkeit in Rasanz um. Fluchten und Kämpfe, Schlachten und einstürzende Tempel wechseln sich ab mit der Ruhe glücklicher Zeiten, in denen die Stammbäume fortgeschrieben werden. Der adaptierende Erzähler Akinsiku würzt diese Erzählung hier und da mit dem einen oder anderen sehr fortschrittlichen Satz.
Der Geschichte des Volkes von Israel mit all seinen Höhen und Tiefen folgt eine wirkliche Hoffnungsgeschichte, abgebildet im Evangelium. Entgegen der langen Herkunftsgeschichte geht es hier nur um einen besonderen Menschen und sein Schicksal.
Der Beginn allerdings hält schon ähnlichen Horror bereit, dem sich schon die Israeliten gegenüber sahen. Jedes Kind unter zwei Jahren soll wegen einer Weissagung getötet werden. Aber Josef und Maria, die Eltern eines kleinen Jungen, fliehen. Viele Jahre später begegnet ein junger Mann an einer Wasserstelle Johannes dem Täufer. Der Täufer ist schockiert. Er hat den Sohn Gottes gesehen, jenen Mann, auf den er sein Leben lang gewartet hat.
Die Umsetzung von Jesu Leben ist mangaesk gelöst. Schön ist die räumliche Enge so mancher Informationen, die man als Leser so auf einen Blick präsentiert bekommt. So finden sich die Apostel alle beieinander, aber auch die Gleichnisse werden einfacher gezeichnet, kindlich, denn sie sollen auch in aller Einfachheit eine Wahrheit vermitteln. – Das gelingt auch wunderbar.
Nach der Apostel-Geschichte folgt die Offenbarung des Johannes, die Apokalypse. Letztere wird in aller Kurzform abgehandelt, obwohl sie einen wichtigen Teil der Bibel darstellt. Man kann hier auch von einer dramaturgischen Überarbeitung sprechen, denn nach dem Heil, was Jesus brachte, ist die Düsternis der Offenbarung eigentlich ein Rückschritt in die Düsternis des Alten Testaments.
Die Umsetzung findet in Schwarzweiß statt, skizzenhaften Außenlinien und hellen bis dunklen Rasterflächen. Die Figuren sind sehr schlank, drahtig zu nennen. Fast fühlt man sich an eine Mischung aus der berühmten Es war einmal …-Zeichentrickserie und einer handelsüblichen Animeserie erinnert. Auf eine übermäßige Charakterisierung wird verzichtet. Die Figuren und ihre Gesichter bleiben eher gleichförmig.
Es geht hier um einen Abriss, eine Zusammenfassung eines umfangreichen Buches, der alleine stehen kann, aber nicht sollte. Diese Intention der Macher ist eindeutig und sehr lobenswert. Teile der Bibel wurden auf die unterschiedlichste Weise erzählt, gerade, um die jüngeren Leser an diese Geschichte heranzuführen. Dieser neue Ansatz ist gelungen und überaus modern, vergisst aber auch nie, wo die Wurzeln dieser Geschichte liegen, denn der Respekt vor der Materie ist immer spürbar. 🙂
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