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Comic Blog


Dienstag, 10. Juli 2007

Slhoka – Die Gärten von Sangali

Filed under: SciFi — Michael um 18:45

Slhoka 2 - Die Gärten von SangaliDie Soldaten von Orkrane glauben den Feind besiegt zu haben. Schließlich waren es nur Wilde. Was sollen sie einer wohl organisierten Truppe entgegen zu setzen haben? Die Lanze im Brustkorb eines der Soldaten belehrt die kleine Wacheinheit eines Besseren. – Die Goldköpfe greifen an.
Obwohl die Einheimischen in den Untergrund gegangen sind und immer wieder durch ihre Angriffe Erfolge erzielen, sind es doch nur Nadelstiche. Schnell müssen sie sich immer wieder zurückziehen, wollen sie nicht durch die technologische Übermacht vernichtend geschlagen werden.

Bwa, der Krieg ist eine andere Form der Jagd! Der Fremde in den Reihen der Goldköpfe macht den Verteidigern ihres Landes Mut. Die Kenntnisse des Geländes und die Liebe zu ihrem Land verschaffen ihnen einen unschätzbaren Vorteil.
Während die einen sich darin üben, nicht zu verzagen, bekämpft Slhoka seine eigene Verzweiflung auf der Flucht durch die Abwasserkanäle. Seine Macht, die er auf der Insel durch die Hilfe der Rachegöttin Shani entwickelt hat, ist für Orkrane in ihrem Krieg gegen Zeide von höchster Wichtigkeit. Mit dieser Macht fällt Slhoka das Leben keineswegs leichter, denn zuerst gilt es einmal, diese Macht auch zu beherrschen. Das ist allerdings nicht einfach. Slhoka müsste dazu auch seine Gefühle beherrschen lernen.

Für seine Gefühle interessiert sich außer ihm allerdings niemand. Der Purpurkaiser interessiert sich nur dafür, wie er sich diese Macht gefügig machen kann. Seine Reaktionen auf schlechte Nachrichten sind gefürchtet bei seinen Wissenschaftlern, die längst nicht so weit mit ihren Forschungen sind, wie er gerne hätte.
Auch in Zeide machen sich die Militärs ihre Gedanken über diese neue Waffe, die in Orkrane entwickelt wird. Ohne es zu wissen, setzen sich immer mehr Menschen auf Slhokas Spur. Svendai unterdessen, die Ärztin, die bereits Kontakt zu Slhoka hatte, muss den Flüchtigen vor allen anderen finden. Zu ihrem Pech ist auch ihr ehemaliger Liebhaber hinter Slhoka her und dieser hat noch eine Rechnung mit ihr offen.

Im zweiten Band von Slhoka ist der junge Soldat immer noch auf der Flucht. Nachdem mehr von seiner ungeheuren Macht bekannt geworden ist, sind die Verfolger sogar noch hartnäckiger geworden. Slhoka selbst fragt sich verstärkt, was eigentlich geschehen ist. Einen kurzen Augenblick, so scheint es, konnte er nach der katastrophalen Landung auf einer tropischen Insel das Glück und die Liebe genießen. Seine Geliebte Leidjill steht nun auf der Seite des Feindes – ohne es zu wollen. Experimente haben ihren Willen ausgeschaltet. Für den Feind ist sie unschätzbar, da sie Slhokas Kräfte neutralisiert.

In dieser Ausgangssituation begegnen wir Slhoka. Autor Ulrig Godderidge skizziert uns einen jungen Mann, von dessen ursprünglichem Leben nichts mehr übrig geblieben ist. Alles, was einmal gut und recht war, ist Vergangenheit. Und damit nicht genug. Auf dem Anwesen seines vermissten Freundes wird sein Leben erneut auf den Kopf gestellt.
Godderidge hat die Geschichte sehr gut in einzelne Stationen unterteilt. Slhoka gerät hier von einem Schlamassel in das nächste. Soldaten jagen ihn ebenso wie seine eigenen Zweifel. Die Rachegöttin an seiner Seite hält nichts von ihm, obwohl sie ihm schützend und beratend helfen sollte – nun Götter dürfen auch ein gewisses Maß an Arroganz besitzen.

Es ist erfrischend, wie Godderidge gerade diese spezielle Figur, eine geflügelte Raubkatze, ins Spiel bringt und mit den Erwartungen des Lesers spielt. Shani, so ihr Name, ist keine Einbildung von Slhoka, wie es bei manchen Göttererscheinungen der Fall ist, die sich in Fantasy-Geschichten finden. Wenn sich Shani materialisiert, ist sie auch für jeden anderen sichtbar. Shani ist außerdem sehr schnell reizbar (wie Rachegöttinen eben so sind) und hat ein gemeines Mundwerk. Von Aufmunterung versteht sie gar nichts. Als sie einmal so etwas wie Stolz auf Slhoka empfindet, ist ihr das beinahe peinlich.

Zwar scheint Slhoka sein Leid Leidjill vorerst verloren zu haben, da erschließt sich mit der Doktorin Svendai eine neue Verbündete. Svendai, abenteuerlustig und durchsetzungsfreudig, hat eine außerdem eine risikofreudige wie auch brutale Seite. Damit gehört sie zu der Sorte Frauen in einer Abenteuergeschichte, die einen Mann stets überraschen. Sie ist ein moderner Charakter, dessen ruchlose Art eigentlich nicht sympathisch ist und dennoch kann man nicht anders, als atemlos zu verfolgen, wie sich dieser Charakter durch die Geschichte schlägt. Irgendwann tritt ein Wandel einer solchen Figur ein – nicht immer. Ein solcher Hakenschlag schürt allerdings das Unvorhersehbare einer Geschichte. So verhält es sich auch mit Svendai, von der sich nicht sagen lässt, ob sie nicht doch noch ein Ass im Ärmel hat, das sie lieber für sich ausspielt.

Als Nebenhandlung verfolgen wir als Leser eine kleine Überraschung. Auf der vergessenen Insel entspinnt sich ein Guerilla-Kampf, der Krieg von schlecht bewaffnetem Enthusiasmus gegen moderne Waffentechnik. Gerade aus dieser eingeflochtenen Episode können im Folgenden noch weitere Überraschungen entstehen.

Als Zeichner ist der höchst begabte Adrien Floch gestalterisch für Slhoka zuständig. Die gedeckten, unaufdringlichen Farbgebungen stammen von Lyse. Zusammen präsentieren die beiden Künstler eine zum größten Teil karge Welt im Herrschaftsbereich Orkranes. Die Gärten von Sangali bilden die tröstliche Ausnahme dieser Landschaft. Ansonsten fühlt sich der Betrachter an Gegenden des Nahen Ostens erinnert. Diese staubige Wüstenumgebung hat auch die entsprechende Architektur geboren, eine Spur Realismus, ein Spur Antike und eine Prise Mos Eisley. Sehr schön gelungen sind die alten Fahrzeuge, die ein wenig nostalgischen Citroen-Charme verströmen und sich in den gezeichneten Gassen sehr gut ausmachen.
Demgegenüber setzen die Künstler ein eiskaltes Zeide, auf dessen mit Schnee bedeckten Strassen eine Truppenparade abgehalten wird. Hier zeigt sich ein deutlicher Gegensatz in Kultur, Landschaft und Architektur. – Godderidge führt beides zusammen, indem er zeigt, dass der Kern der Kulturen immer von Gier und Ehrgeiz bestimmt wird. Demzufolge stehen sich beide Seiten in nichts nach. Das Verhalten des Purpurkaisers führt sogar noch den Wahnsinn ins Feld.

Slhoka gerät in der Fortsetzung endgültig zwischen die Fronten. Die Geheimnisse, die er lüften kann, zwingen ihn zur Flucht aus seinem eigenen Land. Eine spannende Jagd durch ein detailliertes Szenario. Mehr davon!

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Samstag, 07. Juli 2007

Justice League Of America

Filed under: Superhelden — Michael um 14:01

Justice League Of America 1Da ist sie also wieder: Die Justice League of America! Gleich auf dem Cover sind viele Helden versammelt, die in all den Jahren als Mitglied oder in anderer Funktion mit den Helden in Berührung gekommen sind.
Superman, Batman, Wonder Woman, Zatanna, Green Arrow, Flash, Hawkgirl, Vixen, Mr Terrific, Dr. Fate, Green Lantern (Hal Jordan), Green Lantern (Kyle Raynor), Green Lantern (John Stewart), Green Lantern (Guy Gardner), Black Canary, Red Tornado, Powergirl, Captain Marvel, Supergirl, Huntress, Batwoman, Nightwing, Captain Atom, Cyborg, Red Arrow, Firestorm, Big Barda, Dr. Light und Mr Miracle stehen auf der Bewerberliste – um nur einige zu nennen.

Doch damit nicht genug. Die drei Führungsmitglieder und Neugründer ziehen auch noch andere Kandidaten in Betracht. So auch Black Lightning, mit dem Batman gute Erfahrungen gemacht hatte. Auch Atom und Firehawk sind im Gespräch.

Es ist erstaunlich, wie sich im Laufe der Comic-Geschichte so alles fügt. Hierzulande erschienen vor vielen Jahren die für diese Ausgabe wegweisenden Sonderalben der Gerechtigkeits-Liga. In Ausgabe 11 stellte sich ein Held dieser Liga eher ungern vor: Black Lightning. Green Arrow wollte diesen Helden gerne in der Liga als Mitglied sehen, doch Lightning weigerte sich. Außerdem outete sich der unscheinbare John Smith seiner großen Liebe Kathy Sutton als Red Tornado. Doch kann ein Android träumen? hieß damals die Frage. Natürlich konnte er, weshalb er auf der Leiter der Menschlichkeit eine weitere Sprosse erklomm.

Interessanter – wenigstens aus der Sicht des Neustarts – wurde es in den Ausgaben 14 und 15 der Reihe. Die Helden zweier Erden starteten einen kleinen Besuchsaustausch. Dabei landeten sie durch einen Zwischenfall auf dem Planeten der fliegenden Städte und ein später häufiger Gegner Supermans stellte sich außerdem vor: Darkseid. Die Zusammenarbeit dieser ungewöhnlichen Mischung von Helden funktionierte. Irgendwann war die Krise zwischen zwei Erden beigelegt, doch die Idee spukte weiter in den Köpfen der Macher.

In der durch verschiedenste Zeichner aufgestellten einleitenden Episode des vorliegenden Bandes gibt es einen kurzen Abriss der Geschichte der JLA, in der auch die Entdeckung einer zweiten Erde noch einmal kurz gezeigt wird. Insgesamt ist es natürlich nur ein kurzer Abriss der JLA. Bekannte Zeichner wie Jim Lee, Dan Jurgens, George Pérez, Andy Kubert oder Ed Benes geben sich bei diesem Potpourri die Klinke in die Hand. Sehr schön ist der Ausflug in uralte JLA-Zeit, der auch einen entsprechenden Zeichenstil zur Darstellung nutzt.
Im Anhang finden sich einzelne Stationen, genauer gesagt Teams der JLA, wie sie im Laufe der DC-Geschichte auftraten. Anhand dieser Bilder lässt sich auch sehr schnell festmachen, welche Gruppierungen sich deutlicher im Gedächtnis festgesetzt haben als andere.

Ein Neustart bringt natürlich auch immer Probleme mit sich. Die Auswahl der Helden für die neue Gruppierung ist das erste Problem. Supie, Batsie und die Amazone sind sich keineswegs einig über die Zusammensetzung. Im Auswahlverfahren werden dem Leser weitere Helden vorgestellt. Einige zeigen sich bereits in Aktion, wie Black Lightning, der Undercover auf der Jagd ist. Für einen Helden wie Red Tornado nimmt sich die erste Ausgabe der neuen Reihe mehr Zeit. Wir begegnen Red Tornado als Leiche auf dem Seziertisch. Seine Aura führt eine Zwiesprache mit Deadman, einem seltenen Gast in Abenteuern. Interessant ist in dieser Episode auch der Mini-Auftritt von Felix Faust, der nun wirklich kein regelmäßiger Gast ist.

Ich kenne diesen Blick. Ihr bringt die Band wieder zusammen, was? Ollie will tatsächlich schon seinen Bogen holen. In Wahrheit sind Hal Jordan und Black Canary nicht wegen ihm gekommen, sondern wegen Arsenal (Red Arrow). Die Formierung eines Teams bringt auch Schwierigkeiten mit sich – denn wo Helden sind, machen sich auch Feinde bereit, diese zu bezwingen. Ausgerechnet Red Tornado wird zur Grundlage für eine ungewöhnliche Auseinandersetzung.

Zeichner Ed Benes gehört zur Klasse der Zeichner im Stile eines Michael Turner, der hier die Cover geschaffen hat. Nach der Handlungsvorgabe von Autor Brad Meltzer schickt Benes die Liga auf ihr erstes Abenteuer. Benes, der auch die Birds of Prey betreute, zeigt besonders mit dem letzten Bild und dem Auftritt eines ganz besonderen Schurken aus Supermans Leben, das er sich richtig freut, hier aus dem Vollen schöpfen zu können.

Ein schwieriger Start, da er sehr viele Informationen bündelt und sehr viele Hintergrundinformationen voraussetzt, aber auch ein guter Start, da schnell eine Richtung eingeschlagen wird, die ein neues Team an den runden Tisch bringt. Geheimnisvoll, ein wenig unheimlich, mysteriös und spannend. Das macht Lust auf mehr! 😀

Freitag, 06. Juli 2007

Batman – Dark Detective

Filed under: Superhelden — Michael um 19:22

Batman - Dark DetectiveAn einem zauberhaften Abend: Batman testet die Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung des Gouverneur-Kandidaten Evan Gregory. Die Polizei reagiert gewissenhaft und will den Eindringling sogar festnehmen. Es ist ein Leichtes für Batman, diesem Vorhaben zu entgehen.
Als Bruce Wayne mischt er sich unter die versammelten Gäste. Zuerst ist es das übliche Geplänkel unter den Gästen. Bruce ist bekannt wie ein bunter Hund, gibt sich freundlich und begrüßt besonders die Damen. Plötzlich gefriert seine Miene. Unter den Anwesenden hat er eine Frau entdeckt, die schmerzhafte Erinnerungen in ihm wachruft: Silver St. Cloud. Die Frau mit dem wohl klingenden Namen war einst mit Bruce zusammen. Er hatte sie sogar so sehr in sein Leben integriert, dass er ihr seine Geheimidentität anvertraute.

Für die Verwirrung der eigenen Gefühle bleibt Bruce zunächst nicht allzu viel Zeit, denn ohne Vorankündigung stört ein Psychopath die Feier: Der Joker ist da! Sein Anliegen ist so einfach wie wahnsinnig. Er möchte der nächste Gouverneur werden.
Wählt mich oder ich töte euch! – Wer kann dazu schon nein sagen? Batman greift sofort ein, um den Wahnsinnigen aufzuhalten. Leider hat der Joker seine Flucht sehr gut vorbereitet. Das ist nicht die einzige Niederlage, mit der sich Batman abfinden muss. Seine ehemalige Freundin Silver ist nun mit dem Kandidaten des Gouverneursamtes zusammen.

In die Jagd auf den Joker schaltet sich jemand ein, von dem es niemand erwartet hätte. Two-Face überbringt dem weißgesichtigen Kriminellen eine deutliche Warnung. Wie nicht anders zu erwarten, bleibt der Joker von dieser Warnung gänzlich unbeeindruckt. Noch schlimmer: Die Warnung wirkt auf den Joker wie eine Herausforderung.
Und als hätte Batman mit diesem Irren nicht schon genug zu tun, drängen sich Scarecrow und Two-Face auch noch in sein Leben. Für die neu aufkeimende Liebe zwischen ihm und Silver bleibt da nicht mehr viel Zeit.

Batman – Dark Detective holt ein klassisches Team an den Arbeitstisch zurück, das mit seiner ersten Zusammenarbeit am Mitternachtsdetektiv in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts Comic-Geschichte geschrieben hat. Steve Englehart, Autor, und Marshall Rogers erwecken mit ihrem nostalgischen Stil die gute alte Zeit zu neuem Leben.

Reduzierung auf das Wesentliche kann manchmal zutage fördern, ob der Kern einer Sache auch für sich alleine bestehen kann. In den letzten Jahren haben die Bilder in einem Comic Grafiken gezeigt, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären. Zeichner, Tuscher und Koloristen haben bombastische Bilder geschaffen, die ein ebensolches Gefühl hinterlassen wie der Blick auf ein großes Kinoerlebnis. Aber eine gewaltige Bilderflut kann nicht immer eine gute Handlung ersetzen. Der Rückschritt in Dark Detective, und man darf ihn wohl so bezeichnen, ohne es böse zu meinen, lenkt außerdem wieder mit ungeheurer Eleganz auf das zentrale Thema Batmans zurück.

Batman ist der Mann, der mit einem nach außen oberflächlichen Charakter seine wahre Mission verbirgt. Er ist innerlich zerrissen. Abseits seiner Geheimidentität sehnt er sich nach Liebe, die seine Person natürlich nur schwer bekommen kann. Auch Silver St. Cloud trennte sich einstmals von Bruce Wayne, weil sie die Ungewissheit seiner nächtlichen Ausflüge nicht mehr ertragen konnte. Wer konnte sagen, dass Batman nach einer Nacht voller Gefahren überhaupt zurückkehrt? Und wer wollte mit einem Mann zusammen sein, der tagsüber in der einen Identität arbeitet und nachts in einer anderen? So oder so ist das Zusammenleben mit Bruce-Batman schwierig. Obendrein, als Zuckerguss auf einem ungewöhnlichen Ego, kommt noch eine Kindheit, die auf das Scheußlichste zerstört wurde.

Jeder Batman-Fan weiß, dass der Joker immer wieder für Überraschungen gut ist. Eine politische Kandidatur war noch nicht dabei. Englehart nutzt die Situation für einige abstruse Verhaltensweisen bewährter Figuren aus dem Batsie-Szenario. Interessant eingeflochten ist Two-Face, der es nicht ertragen kann, dass der Joker das Amt mit seiner Kandidatur beschmutzt. In diesem Zuge, in der Entwicklung und den Rückblicken Batmans, kommen auch die dunklen Charaktere nicht zu kurz. Gerade Two-Face versucht sein Leben in den Griff zu bekommen – jedenfalls in der einzigen Weise, die ihm möglich erscheint. Er lässt einen Klon von sich anfertigen. Die Tragödie ist vorprogrammiert, doch Englehart erzählt sie so, dass die furchtbare Wendung absolut überraschend kommt.

Marshall Rogers ist wirklich ein Zeichner wirklich alter Schule. Sein Stil ist dem von Bernie Wrightson recht ähnlich. Was auf den ersten Blick altmodisch wirken mag, ist in Wahrheit aber die Fähigkeit, den rechten Strich an den rechten Ort zu setzen, denn dieser grafische Stil verzeiht keine Fehler. Dank der sparsamen Kolorierung von Chris Chuckry und der zarten Tuscheführung von Terry Austin würden Fehler auch nicht zu verbergen sein.

Blick zurück nach vorn: Der Mitternachtsdetektiv schafft den Sprung in das neue Jahrtausend mit Bravour. Endlich erlebt Bruce Wayne einmal wieder eine schöne Liebesromanze. Alte Feinde können wieder begeistern. So gut kann Batsie sein.

Donnerstag, 05. Juli 2007

Star Wars 62

Filed under: SciFi — Michael um 18:37

Star Wars 62Sergeant Theta 20-8-8 meldet sich zum Rapport im Jedi-Tempel. Nach dem Desaster im Orbit um den Fabrikmond Asturius haben Yoda und Mace Windu noch einige Fragen an den Klonkrieger.
Eine Fehlfunktion zwingt den Raumschiff-Konvoi aus dem Hyperraum. Niemand rechnet mit einem Hinterhalt. Die Droidenkampfschiffe aus einer verborgenen Kampfstation gehen direkt auf Angriffskurs und vernichten sofort den Flankenschutz. Das Raumschiff des Direktor Oviedo gerät in die Anziehungskraft des Mondes und stürzt ab, gefolgt von einem Kreuzer der Klonkrieger, der sich der Droidenverfolger erwehren muss. Der Aufprall ist furchtbar, aber einige Klonkrieger überleben. Die Soldaten sind nicht gewillt, aufzugeben. Eine Suchdrohne bringt sie auf die Spur des anderen abgestürzten Schiffes.

Die Soldaten machen sich auf den Weg. An der Absturzstelle eingetroffen, können sie den Direktor nicht finden. Obwohl das Schiff keine nennenswerten Schäden aufzuweisen scheint, sind alle Passagiere des Raumkreuzers tot. Was ist hier geschehen?

Quinlan Vos gehört zu den Jedi, die Schwierigkeiten geradezu magisch anzuziehen scheinen. Für den Jungen, der von einer Swoop-Gang verfolgt wird, ist er aber auch gerade rechtzeitig zur Stelle. Der fremde Jedi ist ein Geist, denn er dürfte gar nicht existieren. Die Kopfgeldjäger sind der gleichen Ansicht. Wenn es nach ihnen geht, liefern sie den Flüchtling tot bei den zuständigen Stellen des Imperiums ab.

Leia trifft auf Elerion ein. Irgendwo auf diesem Planeten halten sich die Diebe des Datenwürfels auf, auf dem sämtliche Rebellenstützpunkte verzeichnet sind. Ihre Kontaktpersonen haben bereits die Spur aufgenommen. Im Lucky Stars kommt es zur Entscheidung. Zuerst ist Leia über ihre Einsatzkleidung noch ein wenig bestürzt. Schließlich muss sie feststellen, dass der Einsatz der Reize einer Frau manchmal schneller zum Ziel führen können.

Die 62. Ausgabe der Star Wars-Reihe beschert dem Fan drei Kurzgeschichten aus verschiedenen Zeitzonen des Krieg der Sterne-Epos.

In Das Band der Ehre stehen einmal mehr die Klontruppen im Mittelpunkt einer Erzählung. Die ehemals namenlosen Soldaten erhalten immer mehr Format. Ihre jeweiligen Erfahrungen, ihre Narben und ihre Stellungen machen aus den Soldaten zunehmend Individuen, die sich den Respekt der normalen Menschen verdienen, allen voran die Jedi, die in den so genannten Klonkriegen ihre kommandierenden Offiziere sind.
Die vorliegende Geschichte, geschrieben von Ian Eddington und gezeichnet von Steve Pugh, beschäftigt sich mit einem besonderen Einsatz eines kleinen Trupps von Klonkriegern. In einem Rückblick erzählt Sergeant Theta 20-8-8 von der Mission, die zunächst ein Geleitzug ist und zu einer Rettungsmission wird.

Edington zeigt, dass in den vermeintlichen Befehlsempfängern eine große Portion Eigeninitiative und Intelligenz steckt. – Ein Punkt, der entweder von der Konditionierung der Klontruppen herrührt oder vom genetischen Vorbild Jango Fett. Das strikte Vorgehen und die hohe Disziplin sprechen jedenfalls für die Klontruppen und lassen das doch recht schnelle Ableben des Kopfgeldjägers in einem doch seltsamen Licht erscheinen. Wer das heldenhafte Verhalten der Klonkrieger in Betracht zieht, muss sich einfach wundern, warum Jango Fett nicht vorsichtiger gewesen ist, als er Mace Windu entgegen trat. (siehe Episode II)
Andererseits ist angesichts dieser Vergangenheit Mace’ abschließendes Gespräch mit dem Sergeant besonders interessant. Mace weiß ganz offensichtlich zwischen der unehrenhaften Figur des Jango Fett und seinen Klonen, die bisher so viel zur Verteidigung der Republik beitrugen, zu unterscheiden.

Mit der Geschichte Geist findet sich eine wenige Seiten starke Handlung, die aber umso gelungener ist. Hier treffen zwei interessante Charaktere des Star Wars-Universums aufeinander und verbinden die beiden Film-Trilogien auf ihre Art. Einer der faszinierendsten Jedi, die in den Comics ihre Auftritte hatten, ist zweifellos Quinlan Vos. Vos war immer ein wenig rebellisch. Eine Mission an der Seite von Count Doku ließ ihn beinahe der dunklen Seite anheim fallen. Hier hat er den Fall der Republik überlebt. Aber er weiß auch, dass die Zeit der Jedi vorüber ist. Er ist ein Geist, der ebenso schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist.
Die andere Figur dieses Zusammentreffens soll nicht verraten werden. Das Zusammentreffen ist jedoch von Autor Jan Duursema äußerst gelungen in den bestehenden Zeitstrang eingearbeitet worden. Die Zeichnungen von Duursema und Dave McCaig machen aus dieser kleinen Geschichte ein richtiges Sahnehäubchen des vorliegenden Bandes.

Abschließend greift Prinzessin Leia in Lucky Stars ein. Zeichner Paco Medina, der auch schon bei den X-Men aktiv war, steht stilistisch in enger Verwandtschaft zu Ed McGuinness. Seine Bilder sind eher verspielt, sehr cartoony. Nescan Tal’yo, der Dieb, dem Leia auf der Spur ist, ist ein wölfisches Wesen, irres Grinsen sehr stark an die Hyänen aus dem König der Löwen erinnert.
Wer eine auf Spaß und Abenteuer ausgelegte Geschichte mag, und sich eine Verbindung zwischen Star Wars und Disney vorstellen kann, wird von dieser Variante von Drei Engel für Charlie im Weltraum richtig gut unterhalten werden.

Eine ausgewogene Mischung dreier Geschichten aus dem Star Wars-Universum. Sehr spannend ist die erste, überraschend ist die zweite, gelungen spaßig ist die dritte Geschichte. Perfekte Unterhaltung. 😀

DuO in Hamburg

Filed under: Meldungen — Michael um 12:00

Das deutsche Mangaka-DuO (Asu und Reami) ist zur Präsentation ihres neuen Bandes aus der Reihe INDéPENDENT in Hamburg.
Am 19. Juli 2007 sind die beiden Zeichnerinnen von 15.00-16.00 Uhr im k presse + buch Medienzentrum im Hamburger Hauptbahnhof (Wandelhalle) und signieren ihre Werke.

DuO werden seit 2003 von Egmont Manga & Amine (EMA) verlegt und gehören längst zur Manga-Elite im deutschsprachigen Raum. Der eigenständige Stil der beiden und ihr Hang zu verrückten Ideen sorgen für unverwechselbar skurrile Geschichten. Ihre Space-Comedy-Reihe Mon-Star Attack! schlossen die Mangaka trotz großen Erfolgs nach dem zweiten Band ab und starteten stattdessen „INDéPENDENT“. Im Mittelpunkt: Hip-Girl Épicé, das kaufsüchtige Töchterlein eines waschechten Mafioso. Der im Herbst 2006 erschienene erste Band fesselte die Leser mit viel Action und einer grenzenlos abenteuerlustigen Protagonistin.

Quelle: S&L Pressemitteilung 5. Juli 2007

Dienstag, 03. Juli 2007

Die Abenteuer von Lois und Clark

Filed under: Comics im Film — Michael um 19:14

Superman - Die Abenteuer von Lois & ClarkClark (Dean Cain) wollte sich nicht provozieren lassen, doch als der Boxer ihn verhöhnt, kann er sich nicht länger zurückhalten. Clark steigt in den Ring.
Bevor es zu einer Schlägerei kommen kann, werden die beiden Streithähne getrennt. Lois (Teri Hatcher) hadert mit diesem Auftrag. Durch ihren Vater, der lange Zeit im Sport als Arzt tätig war und sich spektakuläre Behandlungsmethoden ausdachte, kennt sie das Milieu. Aber die Möglichkeit, ihrem Vater zu begegnen, reizt sie nicht. Trotzdem bleiben die beiden Reporter hartnäckig. Denn irgendwas ist faul an der ganzen Sache. Die Boxer sind viel zu stark. Kann es wirklich sein, dass sie mit ihren Kräften Superman herausfordern könnten? Das würde der Kampf des Jahrhunderts sein.

Plötzlich erscheinen Kinder auf dem Fernsehschirm. Sie wollen nicht viel. Das Einzige, was sie verlangen, ist: Sucht nicht nach uns! Diese Kinder sind anders als andere. Sie sind superschlau. Dennoch haben sie ein Problem. Ihre Intelligenz hat keine natürlichen Ursachen, sondern beruht auf einem illegalen Experiment. Bei finsteren Machenschaften in Metropolis findet sich häufig ein ganz bestimmter Mann, der seine Finger im Spiel hat: Lex Luthor. Davon ahnen Lois und Clark zu diesem Zeitpunkt nichts.

Ein relativ unscheinbarer grüner Kristall wird zum Anziehungspunkt. Ein alter Bekannter von Superman taucht wieder auf der Bildfläche auf. Der Kristall hat ihn neugierig gemacht. Könnte dieser Stein eine Waffe gegen die außerirdische Bedrohung durch Superman sein?
Lois und Clark machen sich auf den Weg nach Smallville. Hier scheint es zu einer Verseuchung von Ackerland gekommen zu sein. Bald offenbaren sich ihre Gegner. Clark, zunächst durch das Kryptonit geschwächt, muss hilflos mitansehen, wie seine Eltern als Druckmittel benutzt werden sollen, damit er Superman zur Hilfe ruft.

Die Fernsehserie Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark brachten einmal mehr den Stählernen auf den Fernsehschirm zurück. Im Mittelpunkt des Interesses standen eher seine Abenteuer als Reporter – die natürlich nie ganz ohne die Fähigkeiten eines Superman auskamen. Die Darsteller, Dean Cain als Clark Kent sowie Teri Hatcher als Lois Lane, hatten außerdem die Aufgabe die Liebesbeziehung der beiden Comic-Figuren von Folge zu Folge aufzubauen. Tatkräftige Unterstützung fanden sie dabei durch Schauspieler-Veteranen wie Lane Smith als Perry White, K Callan als Martha Kent, Eddie Jones als Jonathan Kent, Michael Landes (zu Beginn) als Jimmy Olsen und (zu Beginn) Tracy Scoggins als Cat.

Der Clark der Serie war, seinem Comic-Vorbild gut nachempfunden, etwas zurückhaltend und stets darauf bedacht, einen guten Eindruck zu machen. Sein Auftreten hat immer etwas Sympathisches, aber auch Langweiliges. Lois, ein wenig hochnäsig, erfolgreich, hektisch, sehr weiblich, spielt Clarks Fähigkeiten zunächst herunter, bis ihr Chef Perry White beide mehr oder minder zwingt als Team zu arbeiten. Langsam wächst das Duo zusammen, zuerst kollegial, später auch privat. Und irgendwann fällt sogar das letzte Geheimnis zwischen den beiden.

Die verschiedensten Widrigkeiten machten den beiden Reportern wie auch Superman das Leben schwer. Natürlich war Lex Luthor stets ein Garant für die Intrigen im Hintergrund. John Shea gab einen sehr souveränen hyperintelligenten Gentleman-Verbrecher ab. In dieser Rolle wusste er ebenso zu gefallen, wie einstmals Gene Hackman in den ersten beiden Kinofilmen mit Christopher Reeve. Shea kehrte später noch einmal mit einer Rolle in Mutant X in das Comic-Genre zurück. Ein gewichtiger Gegner war außerdem die Verbrechensorganisation Intergang. Die Gegner, die sich unter dem Dach dieser Organisation einfanden, waren sehr unterschiedlich und zumeist eher durchschnittlich. Phantastischer wurde es durch Gegner wie Tempus.

Wie in jeder Serie war es zuerst noch ein wenig holprig. Die Figur der Cat war etwas fehl am Platze. Michael Landes wurde als Jimmy Olsen ausgetauscht und durch Justin Whalin ersetzt. Whalin wirkte jünger und pausbäckiger, ob er auch die bessere Besetzung war, mag jeder für sich entscheiden. Interessant war der Auftritt seines Filmvaters, einer Art Mini-Bond, in einer Folge, die für viel Spaß und Spannung gut war. Scoggins und Landes blieben den phantastischen Themen treu. Scoggins gehörte später zur Stammbesatzung von Babylon 5, während Landes mit der Special Unit 2 unter Dämonen aufräumte.
Gastauftritte von Genre-Schauspielern sorgten immer wieder für neue Impulse. Bruce Campbell, bekannt aus Xena, Mini-Auftritten in drei Teilen von Spider-Man und der Evil DeadReihe sorgte mit seiner unverwechselbaren Art für Humor in der Serie. Denise Crosby erlangte Ruhm als erste Brückenbesatzungstote der Next Generation im Star Trek-Universum. Der inzwischen verstorbene Peter Boyle (zuletzt: Alle lieben Raymond) glänzte als Gangster – um nur einige zu nennen.

Die Tricks sind aus heutiger Sicht bei weitem nicht mehr aktuell. Die Flugszenen muss man stets vor dem Hintergrund eines Fernseh-Budgets sehen. Andere Tricks wie die Superpuste machten schon einen besseren Eindruck. Die Einsätze Supermans waren natürlich nicht der Mittelpunkt, weshalb man wie in der viel jüngeren Serie Smallville nicht so viel wert auf die Tricks legen sollte.
Dank des Zusammenspiels, das im Laufe der vier Staffeln immer besser gelang, wurde die Serie zu einem gelungenen Vergnügen. Auch Nichtcomic-Interessierte konnten hier gut unterhalten werden. Teri Hatcher legte hier die Grundlage für ihre Karriere, bevor sie mit den Desperate Housewives noch einen Zahn zulegte. In dieser Serie liefert sie eine wunderbar zickige Lois Lane mit einer gesunden Portion Sexappeal ab – wahrscheinlich ein Grund für das Ausscheiden der Figur der Cat, die damit überflüssig wurde.
Dean Cain trat weiterhin fleißig auf, Produktionen mit ihm wurden hierzulande aber seltener gezeigt.

Die letzten Folgen wurden vor 10 Jahren abgedreht, trotzdem gehören die Abenteuer von Lois und Clark immer noch zu den besseren Comic-Serien. Humor, Spannung, eine Prise Romantik: Die Serie fängt die Beziehung zwischen Lois und Clark sehr schön ein. Immer noch zu empfehlen. 🙂

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Montag, 02. Juli 2007

Largo Winch – Hüter des Tao

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:23

Largo Winch 15 - Hüter des TaoPeking. Tsai Industries will eine Kooperation mit der Luftfahrt-Sparte des Winch-Konzerns eingehen. Obwohl diejenigen aus der Chefetage, die den Vertrag ausgehandelt haben, mit allen Vollmachten ausgestattet sind, würde man es in China als Beleidigung empfinden, wenn Largo Winch den Vertrag nicht persönlich unterschreiben würde. – Ohne es zu ahnen, wurde für Largo eine neue Falle aufgestellt. Aber wo steckt Largo überhaupt? Es bleiben zehn Tage, um den Konzerneigentümer zu finden. Doch dieser hat sich in ein privates Versteck zurückgezogen. Hier existieren kein Handy und kein Computer. Es gibt nur eine Möglichkeit, mit ihm in Verbindung zu treten: Per Brieftaube.

Davon ist den Managern in der Chefetage leider nichts bekannt. Selbst Miss Pennywinkle, Largos persönliche Sekretärin, hat keine eigene Möglichkeit, ihm eine Nachricht zukommen zu lassen. Schweren Herzens nimmt man Kontakt zu Simon Ovronnaz auf. Largos bester Freund weilt derweil im Urlaub. Seine Erfolge als Frauentyp lassen sehr zu wünschen übrig. Immer wieder wird er auf diesem Gebiet von Silky, Largos Privatpilotin, vorgeführt. Da kommt die Aufgabe, Largo zu benachrichtigen, wie gerufen. Wenig später schickt er eine Brieftaube auf den Weg.

Sind Brieftauben nicht ein Anachronismus heutzutage?
Das Problem ist, Herr Direktor, dass alle anderen Kommunikationswege heutzutage ausspioniert werden.

Leider vergisst Simon, dass auch Brieftauben ihre ganz besonderen Schwierigkeiten haben können, ihr Ziel zu erreichen. Damit beginnt das Unheil für Largo. Die Nachricht, die ihn erreicht, führt ihn nach Südfrankreich. Der Aufenthalt ist kurz, aber ereignisvoll. Die Nachricht hat Largo zutiefst beunruhigt. Bald schon ist er auf dem Weg über Dubai nach Hongkong. Largo wird bereits erwartet. Die Vergangenheit hat ihn endgültig eingeholt.

Der Reichtum hat Largo Winch kein Glück gebracht. Zu viele Menschen halten ihn für einen Emporkömmling und für noch mehr Menschen gilt es, mit Largo eine Rechnung zu begleichen.
In Hüter des Tao erhält Largo eine Nachricht, von der er wusste, dass sie eines Tages kommen wird – er ahnte jedoch nicht, dass es so schnell geschehen würde. Ausgehend von den Ereignissen in den Epsioden Makiling und Tiger, während derer er sich einen Gefallen der örtlichen Triaden erbat. Die asiatische Variante der Mafia gibt jedoch nichts umsonst. Eines Tages soll er den Gefallen vergelten. Diese Zeit ist nun gekommen.

Autor Jean van Hamme und Zeichner Philippe Francq zeigen zu Beginn einen Largo Winch, der arg im Zweifel über sich und sein Leben ist. Zurückgezogen, völlig abgeschieden von der normalen Welt, auf einer paradiesisch anmutenden Insel, denkt Largo über sein Leben nach.
Ich bin nicht so stark, wie alle glauben.
In diese Zeit der Selbstzweifel platzt die Nachricht aus der Vergangenheit. Geschickt spielt van Hamme mit den Elementen eines Thrillers. Sein Hauptcharakter, der sowieso am Boden ist und ständig mit Gedanken und Alpträumen aus seiner Vergangenheit gequält, kommt zusätzlich vom Regen in die Traufe. Die Erwartungen, die das Duo van Hamme/Francq mit den letzten Ausgaben geschürt hat, sind sehr hoch. Gleich von der ersten Seite an lassen die beiden keinen Zweifel daran, dass die Falle für Largo von ganz oben gestellt wurde und entsprechend gefährlich für den jungen Milliardär ausfallen wird.

Fällt der Start der Handlung auch in die Chef-Etage, findet gleich darauf ein Wechsel statt. Ein Formen- und Farbenspiel nimmt den Leser zuerst mit auf eine Urlaubsreise nach Nizza und die südfranzösische Küste. Francq zeigt uns Jachthäfen, bunte Märkte und aufreizendes Nachtleben. Van Hamme fügt mit Simon Ovronnaz und Silky ein Paar hinzu, dass für zusätzliche Spannung, Humor und amouröse Verwicklungen gut ist. Wenn ein Frauenheld, ein selbsternannter, mit ansehen muss, wie eine Frau mehr Frauen abschleppt als er, ist wohl etwas faul im Staate Dänemark. So oder ähnlich fällt sein Fazit aus. Jedenfalls fängt Simon an, sich Sorgen über seinen Sexappeal zu machen. Mehr Humor gönnt van Hamme der Geschichte jedoch nicht.

Nach einem sehr kurzen Auftakt nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Alles Nötige erfährt der Leser innerhalb weniger Seiten. Die verschiedenen Charaktere, die Manager und Largos Erscheinung seines verstorbenen Adoptivvaters, geben dem Leser alle wichtigen Informationen, die er zum Einstieg in die Welt von Largo Winch braucht.
Van Hamme wechselt zwischen Action und Schockelementen hin und her. Die Verfolgungsjagd durch die engen Straßen der französischen Hafenstadt erinnert optisch an ähnliche Szenarien von Erzählern wie Roger Leloup. Allerdings könnte die Szenerie in den engen Gassen auch durch Vorlagen alter Bond- oder Belmondo-Filme inspiriert sein. Es mag sein, wie es will, ein Thriller-Fan wird sich wieder einmal direkt zu Hause fühlen. Van Hamme führt den Leser sogleich weiter. Nach einer winzigen Station in Dubai, bei der Largo standesgemäß im Burj Al Arab wohnt, jenem Hotel, dessen segelähnliche Form inzwischen weltweit bekannt ist.

Derartige Schauplätze sind Programm in diesem Band der Reihe. Außenansichten, wie die Straßentäler Hongkongs, wechseln sich ab mit großartigen architektonischen Innenansichten von Spitzenhotels, Villen und palastähnlichen Anlagen. Optisch besonders beeindruckend ist Largos Besuch auf Tsai Island. High Tech steht hier eindrucksvoll neben altehrwürdigem chinesischem Ambiente. Es finden sich sogar die weltbekannten Terrakotta-Soldaten in Tsais Sammlung.
All diese Kleinigkeiten, die sich dank der Gestaltung von Francq immer wieder finden lassen, machen die neue Episode aus dem Leben von Largo Winch zu einem optischen Leckerbissen.

Largo Winch gerät erneut in Schwierigkeiten, die bedrohlicher scheinen als jemals zuvor. Van Hamme und Francq haben sich noch einmal gesteigert – was kaum vorstellbar schien – und liefern einen Abenteuer-Comic ab, der alles hat, was spannende und stilvolle Unterhaltung braucht. 😀

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Oder bei Schreiber & Leser.