Es herrscht Krieg. Die Kontrahenten, Menschen und Krommioner, bekämpfen sich schon so lange, dass die Ursache für die kriegerische Auseinandersetzung bereits vergessen ist. Doch der Konflikt steht auf des Messers Schneide, denn die Krommioner scheinen eine ultimative Waffe gefunden zu haben.
Die Kampfpilotin Exether Mega von den krommionischen Streitkräften weiß nichts von den Vorkommnissen, die auch sie bald in ihren Bann ziehen werden. Frauen, die nichts von einer Gefahr geahnt haben, werden plötzlich aus heiterem Himmel entführt. Obwohl Exether in einem Kampfflieger unterwegs ist, bedeutet dieses Luftfahrzeug keinen Schutz für sie. Die Entführer sind ihr bereits auf den Fersen.
In der Zwischenzeit bleiben die Bemühungen der Krommioner nicht unbeobachtet. Auf der Erde machen sich die Regierenden Sorgen darüber, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Krieg haben könnte.
Letztlich sind beide Führungsspitzen bereits so degeneriert, dass diese Möglichkeit, die sich durch die neue Macht bietet in keiner Weise als Weg zum Frieden gedeutet wird. Ein Untergrundsender, der die Bevölkerung über die wahren Geschehnisse in Kriegsgebieten aufmerksam macht, wird als lästiges Übel betrachtet, ohne energisch dagegen vorzugehen.
Exether bemerkt schnell, dass Jagd auf sie gemacht wird. Der Zufall will es, dass sie ein abgestürztes Fahrzeug ihrer eigenen Leute ausfindig. Der einzige Überlebende, Doktor Khen, hat seltsamerweise nicht nur seine eigene Personenplakette dabei, sondern auch noch ein Duplikat ihrer Daten. Viel Zeit bleibt Exether nicht, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, denn die Verfolger sind bereits auf ihrer beider Spur.
Die Jagd erfolgt erbarmungslos. Schließlich wird Exether gefangen. Doktor Khen bleiben nicht viele Alternativen, aber bevor es noch schlimmer werden kann, will er wenigstens noch etwas gut machen.
Der Auftakt zum ersten Band von Die vierte Macht mit dem Titel Supramental lässt eine knallharte Science Fiction Welt vor dem Auge des Lesers entstehen. Die Zeichner-Legende Juan Gimenez, die Comic-Fans mindestens durch die ebenso legendären Metabarone bekannt sein dürfte, hat hier wieder einmal ein optisches Meisterwerk vorgelegt.
Diese in drei Bänden abgeschlossene Geschichte hat Gimenez über 17 Jahre hinweg begleitet. Immer wieder hat er an ihr gearbeitet. (Aus Lesersicht kann man nur sagen: Es hätte ruhig eher fertig sein können. 🙂 ) Grafisch geht Gimenez noch den althergebrachten Weg. Es gibt keine Computerkolorierung, Farben verlaufen auch schon mal über die Ränder, nicht jeder Strich sitzt gerade. Der optische Eindruck ist organisch, sehr künstlerisch und sehr perfekt. Es besteht gar keine Frage, dass in diesem Album nicht nur viel Arbeit steckt, sondern auch ein Können, das über Jahrzehnte hinweg immer mehr verfeinert wurde.
Gimenez’ Bilder leben von einer überbordenden Technik. Waffen, Panzerfahrzeuge, Kampfjäger sind spektakulär und könnten auch der Phantasie eines Ingenieurs entsprungen sein. Es ist wunderbar anzuschauen, wie detailfreudig gearbeitet worden ist. Diese Kleinarbeit setzt sich nicht nur in der Technik fort. Selbst in der Gestaltung von Kleidung oder medizinischen Finessen, die einigen Protagonisten das Leben erleichtern sollen, findet sich Gimenez feine Ausführung. (Als Leser versteht man, wo all die Zeit geblieben ist.) Wer sich technisch mit der Optik von Filmen wie Starship Troopers anfreunden konnte, wird an der Atmosphäre von Die vierte Macht seine helle Freunde haben.
Die Geschichte ist beinharte Military-SF mit einer Spur Mystery. Die Mischung macht’s. Was als Abenteuer in einer hoch technisierten Welt beginnt, wird zu einem Finale, dessen Ausmaße an so manche Reißer erinnern, die sich mit Telekinese und anderen Gedankenkräften befassten. Im Auftakt der Geschichte können noch Parallelen zu Der ewige Krieg gezogen. Diese Welt ist ähnlich. Sie ist vom Krieg zerfressen, die Menschen kennen es schon gar nicht mehr anders. Krieg ist zur Normalität geworden, Menschen sterben eben im Kampf, das ist eben so. Gimenez fängt diese Ausgangssituation in wenigen Seiten sein. Gleichzeitig eröffnet er die Jagd auf Exether. Die Geschichte ist, wie so viele SciFi-Kriegsszenarien, absolut düster und lässt keinerlei Raum für Hoffnung. – Damit folgt Gimenez aber einem gängigem Rezept in der Science Fiction. Die Spannung ist gleich von Beginn an sehr hoch und behält diesen Wert auch bei.
Eine wahnsinnig dunkle und mitreißende Science Fiction Geschichte von einem Altmeister des Comics. Juan Gimenez gehört zur alten Garde – die leider immer weniger wird. Gut, besser, spitze!
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Nachtrag:
Unter www.juangimenez.com finden sich viele Beispiele seiner Arbeiten. Besonders interessant dabei sind die Grafiken, die sich Arbeitsschritt für Arbeitsschritt bis zum fertigen Bild aufbauen. 😀