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Comic Blog


Mittwoch, 07. März 2007

MangaMagie V – Die Ausstellung in Frankfurt

Filed under: Meldungen — Michael um 17:36

Sieger MangaMagie 2006Zwischen dem 26. März und 1. April 2007 werden die drei Siegerarbeiten des Wettbewerbs in der Buchhandlung Schmitt und Hahn im Hauptbahnhof Frankfurt am Main zu sehen sein.

Gezeigt werden: On my way von Anna Ulbricht (1. Platz), Home sweet Home von Natalia Zaitseva (2. Platz) und Was sich neckt … von Ramona Löbke (3. Platz).

Quelle: Pressemitteilung 2/07 Buchhandlung Ludwig

Dienstag, 06. März 2007

Wolverine 36

Filed under: Superhelden — Michael um 20:50

Wolverine 36Wolverine hat sich selbst ein Ziel gesetzt. Wie es seine Art ist, lässt er sich bei der Erreichung des Zieles von nichts abhalten. Im Weißen Haus wähnt man sich sicher vor Eindringlingen: Das ist ein Irrtum.
Auf ungewöhnlichen Wegen verschafft sich Wolverine Zugang und schafft es, sämtliche Verbindungen des Oval Office nach draußen zu unterbrechen. Den Sicherheitsleuten stockt der Atem, denn gleichzeitig jagt eine Rakete auf das Weiße Haus zu. Als Frau Staatssekretär alleine durch die Gänge des Gebäudes geht, muss sie feststellen, dass nicht der Präsident das Ziel des Angriffs ist, sondern sie.
Wolverine hat sie gefunden.

Doch so leicht, wie Wolverine an sein Ziel gelangt ist, bleibt es nicht. Auch der unbekannte Feind hat seine Mannen ausgeschickt. Der Kampf findet sogleich im Weißen Haus statt.

Dabei bleibt es jedoch auch nicht. Die Spur führt weit zurück in die Vergangenheit, als Wolverine sich seinen nächsten Feind selbst herangezüchtet hat. Nuke ist wieder da.
Nuke ist gefährlicher, als er jemals war. Die menschliche Kampfmaschine, die stets schon stärker war als anderen Menschen, wurde künstlich verbessert. Kampf- und Muskelkraft wurden auf das höchstmögliche Level gesteigert. Abhängig von Drogen – die ihn aber nur wieder von seinem Trip herunterbringen sollen – wird er für Missionen benutzt, bei die Auftraggeber einen Amokläufer brauchen.
Der Mann, dessen Gesicht von einer amerikanischen Flagge gezeichnet ist, ist zum Prototyp des bösen Amerikaners geworden.

Gegen diesen Irren wird Wolverine sehr viel von seiner Kraft aufbieten müssen, will er gewinnen.

Wie es Wolverine gelingen kann, nur mit einigen wenigen durchschnittenen Kabeln das Weiße Haus von der Außenwelt abzuschneiden, ist von Autor Daniel Way ein bißchen dick aufgetragen. Wenn es so einfach wäre, müsste man am Verstand der Sicherheitsbeamten zweifeln.

Way nimmt den Leser mit zu einer zusätzlichen Reise in die Vergangenheit. Hier erlebt der Leser mit, wie Nuke entstanden ist, wie er sich erinnert, entstanden zu sein. Die Szenerie, von Way in zwei Teilen erzählt, ist außergewöhnlich brutal. Nuke musste viel erdulden. Diese Pein hat ihm letztlich den Verstand geraubt – und sein Peiniger war niemand geringerer als Wolverine.
Selbst für Wolverine ist dieses Vorgehen sehr hart (und ungewöhnlich), denn meist geht er schnell vor. Diese Foltern spielen sich jedoch langsam ab und die Bilder, von Steve Dillon perfekt gezeichnet, zeugen von Wolverines Genuss, den er bei der Folter empfindet. Blut wird zum Farbklecks in diesem Abschnitt der Geschichte, der ansonsten in eher grauen, braunen Erinnerungsfarbtönen gehalten ist.

Immerhin weiß Wolverine aus heutiger Sicht, was er angerichtet hat. Er ist bereit, seine Fehler von damals zu beseitigen. Was das zu bedeuten hat, kann sich der Wolverine-Stammleser zweifelsfrei vorstellen.
Viel zu büßen, gibt es in jedem Fall, denn Nuke läuft ausgerechnet dann zur Hochform auf, wenn jemand die Worte Kein VC. Kein Vietcong. sagt. Auf diese Art richtet Nuke an gänzlich Unschuldigen Massaker an.
Ist die Geschichte anfänglich gewöhnlich (Wolverine macht Supergegner kaputt), driftet sie in die tatsächliche Vergangenheit ab und benutzt den amerikanischen Alptraum Vietnam als Hintergrund.

Steve Dillon, unterstützt von dem farbgebenden Dan Kemp, liefert eine schon technisch exakt zu nennende Arbeit ab.
Besonders gelungen ist Dugan, der rothaarige Schnauzbartträger von Shield, der häufig als Ersatzkommandant zu sehen war. Hat es Zeiten gegeben, als Dugan eher ein zwar muskulöser aber auch beleibter Herr war, ist dieser aktuelle Dugan wieder durchtrainiert und breitschultrig.

Der Auftakt von Blutige Geburt nimmt den Leser in ein Abenteuer mit, in dem es für Wolverine einmal mehr gilt, mit seiner Vergangenheit aufzuräumen. Das geht hart zur Sache, sogar härter und realistischer, als man es vielleicht von ihm gewohnt ist. Spannend ist es allemal.

Montag, 05. März 2007

Renaissance

Filed under: SciFi,Thriller — Michael um 20:47

RenaissanceParis im Jahre 2054. Avalons Werbung findet sich in der ganzen Stadt. Schönheit und Gesundheit werden zu jeder Tages- und Nachtzeit propagiert. Ein Entführung ruft den Polizisten Karas auf den Plan.
Ilona Tasuiev ist einfach verschwunden. Sie arbeitete als Wissenschaftlerin für Avalon. Als höchst intelligente und aufstrebende Fachkraft hat Avalon ein starkes Interesse daran, dass Ilona schnellstmöglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt.
Karas macht bald die Bekanntschaft von Bislane, Ilonas Schwester. Sein Interesse an Bislane wächst während der Ermittlungen. So persönlich angesprochen, verliert er bald den nötigen Abstand zu dem Fall.

Karas hat aber noch andere Probleme. Ilona ist nicht einfach nur verschwunden. Sie hat etwas herausgefunden, das einerseits weit in die Vergangenheit reicht und andererseits für Avalon von höchster Wichtigkeit ist.

Vor langer Zeit forschte Dr. Müller an Kindern, um offiziell ein Heilmittel gegen eine tückische Krankheit zu finden. Inoffiziell waren die Ziele seiner Forschung ganz andere. Ihre Zielsetzungen waren so weitreichend, dass bei Erreichen der Forschungsziele die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert werden würden.
Karas’ Ermittlungen bleiben nicht unbeobachtet. Jemand will verhindern, dass er zu viel an der Lösung des Falles vorbei ermittelt. Menschen werden ermordet, je näher Karas in die Geheimnisse von Avalon vordringt. Der Polizist will nicht kleinbeigeben. Trotz diverser Warnungen will er sich mit einem multinationalen Konzern anlegen.

Nach einer Geschichte von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière sowie der filmischen Vorlage von Christian Volckman schufen der Zeichner Julien Renoult und der Szenarist Greg Newman einen absoluten düsteren Science Fiction Thriller, der grafisch einen außergewöhnlichen Weg beschreitet.

Dunkelheit ist in dieser Geschichte das oberste Gebot – und es spielt keine Rolle, ob es Tag oder Nacht ist. Diese Welt im Jahre 2054 ist kalt, sie ist sehr sauber und sie duldet keine Abweichler. Unter der Oberfläche nehmen sich die, die kalt lächelnd über die Regeln hinwegschauen, was sie wollen. In Paris, der Stadt, in der Historie und Moderne aufeinandertreffen, ist alles zu einer Kulisse verkommen, in der sich eigentlich niemand wohlfühlen kann.

Derart gestylt wie die Stadt ist, ist auch die grafische Umsetzung. Ganz selten kann ein Comic die Atmosphäre so dicht transportieren. – Renaissance gelingt dies auf fast schon spektakuläre Weise.
Die Grafiken funktionieren auf verschiedenen Ebenen. Die Hintergründe wurden fotorealistisch umgesetzt. Sieben Grafiker waren an diesen Arbeiten beteiligt. Sehr fein ausgearbeitete Fahrzeuge wie Automobile und Hubschrauber, detailgetreue Pflanzen erhöhen den filmischen Charakter der Handlung – ich kenne den Film nicht, aber angesichts der Umsetzung wächst die Vermutung bei mir, dass die Comic-Umsetzung sehr nah an der Vorlage angelehnt ist. Die Darstellung trifft die Kühle, die sich in so manchem französischen Film findet, der extrem mit Bildern arbeitet.

Schwarzweiß ist auch die Zeichnung der Menschen, insbesondere der Gesichter, die toll in die Hintergründe eingearbeitet sind.
Nur selten dominieren Weiß und Grau. Lediglich an zwei Stellen existiert Farbe in dieser Geschichte, nämlich dann, wenn kindliche Phantasie für einen winzigen Moment gezeigt wird. – Die Kürze dieser Darstellung zeigt auch, dass es für dergleichen in dieser Welt keinen Platz gibt.

Der Mensch agiert zwar in dieser Handlung, aber dennoch bleibt er ein Statist, denn der wahre Hauptdarsteller ist die Stadt, die sich einerseits nicht verändert zu haben scheint und dennoch ganz anders ist.
Die Pointe der Geschichte soll hier nicht verraten werden, aber es sagt viel über den menschlichen Charakter der Menschen in dieser Geschichte aus, die in dieser Stadt, ja, in dieser Welt leben wollen. Ebenso bezeichnend ist es, dass eine derartige Aussage über einen Comic überhaupt gemacht werden kann.
Comics bewegen sich häufig stark an der Oberfläche. Renaissance nimmt den Leser mit wie unter eine Wasseroberfläche.

Der Name der Firma, Avalon, ist nicht willkürlich gewählt. Der Name steht für Träume, eine abgeschiedene Welt – die in Teilen tatsächlich abgebildet wird. Natur findet sich in kleinen Refugien, die hinter Glas gehalten werden. Aber es ist auch eine abgeschiedene Welt von Menschen, die sich bewusst isolieren, weil sie es sich leisten können.
Hier wird die Zukunft zu einem kalten Inferno, dass unter der Oberfläche alles weggebrannt zu haben scheint, was noch an Menschlichkeit übrig war. Ein solches Szenario, was während des Zuschauens/Lesens ähnliche Gefühle auslöste, fand sich auch in Blade Runner. Während Blade Runner im Schmutz versank, erstickt Renaissance in Sauberkeit. Gemein ist beiden ein philosophischer Ansatz.

Hintergründig ist Renaissance eine realistisch anmutende Zukunftsvision, vordergründig ein spannender Thriller in einer technischen Welt. Daraus wurde ein fast experimenteller Comic, der wegen seiner Andersartigkeit höchst neugierig macht: Gelungen! 😀

Renaissance: Bei Amazon bestellen

Samstag, 03. März 2007

Demo

Filed under: Superhelden — Michael um 17:05

Demo 1Marie ist anders. Und sie nimmt Medikamente dagegen. Ihre Mutter achtet streng darauf, dass sie es nicht versäumt, sie einzunehmen. – Aber Marie will nicht mehr.
Es woanders ein besseres Leben geben, eines, das ohne Medikamente auskommt. Einmal hat Marie schon versucht, ohne die Pillen auszukommen. Es wurde ein Höllentrip für sie. Die Schmerzen waren ungeheuer stark und Blut floss. Aber Marie ist inzwischen älter geworden. Sie hat trainiert und die Einnahme der Medikamente immer weiter hinausgezögert. Nun muss nur noch ein Ort her, wo sie ungestört leben kann. Gemeinsam mit ihrem Freund Mike will sie weg. Einen Neuanfang kann man nur an einem Ort wagen, denn wer es dort schafft, schafft es überall: New York City.

Bloß nichts sagen! Das könnte gefährlich sein. Emmy sagt nichts mehr. Aber es gibt eigentlich auch niemanden, der ihr zuhören würde.
Emmy versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Was Emmy sagt, könnte Realität werden. Und was Emmy gesagt hat, ist unumkehrbar. Emmy fürchtet sich vor ihren Fähigkeiten. Sie fürchtet sich davor, die Pferde könnten wieder mit ihr durchgehen und sie könnte etwas Schlimmes sagen.

Samantha und Sean sind Halbgeschwister. Nach vielen Jahren sehen sie sich ausgerechnet bei der Beerdigung des gemeinsamen Vaters wieder.
Das Treffen spült verborgene Erinnerungen nach oben. Sehr kurz nur gab es eine glückliche, eine gemeinsam verbrachte Kindheit. Allzu schnell brach alles zusammen. Die Scheidung trennte die Geschwister für den Rest der Kindheit. Samantha hasst ihre Kindheit beinahe so sehr wie die Gegenwart.
Aber da ist noch ein Geheimnis, das sie nicht kennt. Ein Geheimnis, das alles ändert.

Autor Brian Wood und Zeichnerin Becky Cloonan haben einen kleinen, aber feinen Trick geschafft. Sie haben mit sehr schlichten Mitteln, ein Superhelden-Thema in die Realität transportiert:
Wie ist die Reaktion eines Menschen, wenn er feststellt, dass er grundlegend anders ist, als alle anderen Menschen?
Mit Demo haben die beiden Comic-Macher einen einfachen, aber ungeheuer stimmigen Weg eingeschlagen.

Independent Comics können sich mehr trauen, als die Arbeiten der Mainstream-Verlage (obwohl es hier in den letzten Jahren auch zahlreiche Experimente gab, die einen Ausbruch aus gängigen Erzählweisen darstellten). Die hier vorliegenden Geschichten sind in der besten Tradition amerikanischer Geschichtenerzähler zu Papier gebracht worden. Die Handlungen wurden komplett entkernt, auf das absolut Notwendige reduziert. Das betrifft die Handlung ebenso wie den grafischen Aufbau. Als Leser vermisst man aber auch nichts. So auf den Punkt gebracht, zieht die Geschichte den Leser schnell herein und führt ihn zu Ziel. Danach bleiben keine Fragen offen, denn die Pointe, der Clou an der Sache sitzt in jeder der sechs Geschichten.

Becky Cloonan probiert sich in diesen Geschichten auch als Zeichnerin aus. In Verlagen, die darauf bedacht sind, Geld zu verdienen, erhalten Zeichner diese Gelegenheit nicht. Wer die Eingangsgeschichte NYC, die Flucht des Paares nach New York City, mit der nachfolgenden Geschichte um Emmy vergleicht, wird deutliche Unterschiede feststellen.

NYC entspricht eher einer neueren amerikanischen grafischen Erzählweise, während Becky mit Emmy viel eher dem Manga nahe kommt. Auch die Geschichte Was du dir wünschst geht stark in die asiatische Darstellungsart hinein – insgesamt sind Anleihen in dieser Richtung kein Wunder, haben Mangas doch eine rein schwarzweiße Darstellung von Comics sehr geprägt, was Technik und Erzählung anbelangt.
Beckys Arbeiten gefallen mir rein subjektiv aber viel besser, wenn sie ihren eigenen Weg beschreitet, so in NYC oder auch Böses Blut und Mädchen deiner Träume. In der ersten Geschichte ist es deutlich, wie sehr sie noch experimentiert, während sie später ihren Stil gefunden hat und sicherer in der Darstellung geworden ist.

Brian Wood ist ein Erzähler. Es gibt die verschiedensten Erzählrichtungen, die besonders in den USA geprägt worden sind. Kurzgeschichten oder Ultrakurzgeschichten, so genannte Short Shorts, die am besten noch mit vorgegebener Wortanzahl auf den absoluten Punkt gebracht werden müssen. Brian Wood scheint diese Gesetzmäßigkeiten für sich entdeckt zu haben. – Ob meine Vermutung stimmt oder nicht, die Intensität der Geschichten spricht für diese Vermutung.

Menschen mit Superkräften einmal anders, immer überraschend, auch überraschend realistisch, sofern es bei diesem Thema möglich ist. Erzählerisch und grafisch absolut auf den Punkt gebracht. 🙂

Demo: Bei Amazon bestellen

Freitag, 02. März 2007

Die Schiffbrüchigen von Ythag 3 – Seufzer der Sterne

Filed under: Abenteuer,SciFi — Michael um 22:44

Die Schiffbrüchigen von Ythag 3 - Seufzer der SterneGranit, Callista und Narvath sind wieder auf der Flucht. In der Begleitung ihrer neuen Freunde vom Planeten Ythag, Tao und Krurgor, wähnen sie sich in ihrem Fluchtvehikel zunächst sicher. Doch dann setzt der Antrieb aus.
Zu ihrem Glück bleiben die Gravitationsmaschinen, die das Schiff in der Luft halten, von dem Defekt verschont. Aber Menschen sind flexibel. Schnell haben sie eine alte Idee des Antriebs reaktiviert: Segel. Das Schiff setzt sich wieder in Bewegung.
Die Verfolger unter der Führung des Söldners Dhokas sind davon nicht erfreut, aber die Finsterlinge geben nicht auf.

Daneben hat der junge Narvath noch ganz andere, irdische Probleme. Er ist immer noch völlig in die attraktive Callista verliebt. Doch Callista ist keine Frau, die sich mit kleinen Fischen abgibt. Ein Mann muss für sie Geld besitzen, wenn er für eine Verbindung interessant sein soll. Dreht es sich nur um die Liebe, dann ist ihr eine Frau noch lieber. Kurz gesagt, Narvath hat nicht geringste Chance. – Und er ist nicht nur unglücklich verliebt. Die ehemalige Astronavigatorin, Granit, der Kometenstaub, würde es gerne sehen, wenn Narvath ihr dieses Interesse entgegenbringen würde.
Aber vorerst gibt es noch andere, wichtigere Probleme, die es zu bewältigen gibt.

Ein Positionssignal hat die Neugier der Überlebenden des Absturzes geweckt. Da gibt es nur leider ein Problem. Das Signal führt in ein Gebiet, das von fremden Kreaturen beherrscht wird. Selbst die Feng, denen einst die Hoheit über dieses Gebiet oblag, welches sie zu ihrer Stadt zählten, trauen sich nicht mehr in die inzwischen dunkel gewordenen Gänge.
Granit und ihre Freunde haben keine andere Wahl. Wenn sie eines der vielen Geheimnisse um Ythag lüften wollen, müssen sie sich einmal mehr auf ihrer Reise in Lebensgefahr begeben.

In der dritten Fortsetzung von Die Schiffbrüchigen von Ythag ist die kleine Gruppe einerseits weiterhin auf der Flucht, aber sie haben auch mehr Initiative entwickelt und suchen verstärkt nach einer Möglichkeit, den Planeten zu verlassen. Nach der Vorgabe des Autors Christophe Arleston nutzen sie die ihnen verbliebenen technischen Möglichkeiten, um das Land zu durchqueren. Mit sehr viel Phantasie breiten Arleston und der Zeichner Adrien Floch nicht nur wahnsinnig viele fremde Gestalten vor dem Leser aus, sondern präsentieren auch eine wilde Landschaft, phantastische Technik und gruselige Dungeons.

Arleston und Floch erzählen keine Kindergeschichte. Wie sich sehr schnell zeigt, müssen die Protagonisten eine mitunter sehr gewalttätige Tour De Force bewältigen.
Dhokas, der Söldnerführer, ist ein sehr gutes Beispiel für die Gefahren, denen Granit und ihre Freunden trotzen müssen. Dhokas kennt keine Gnade, stellt seine Interessen über alles andere und erpresst seine Ansprüche mit der Waffe – auch seinen eigenen Leuten gegenüber. Dieser Verbrecher ist den Freunden auf der Spur und der Leser kann sich ausmalen, was sie bei einer Begegnung erwarten wird. – Arleston spielt elegant mit dieser Erwartung und wartet gekonnt mit der einen oder anderen Überraschung auf.

Überraschender für den Leser ist die Expedition in den Dungeon, die sich bald als Hommage an eines der Dungeon-Leinwandabenteuer schlechthin entpuppt – Arleston gelingt es zu Beginn noch, dies geschickt zu verschleiern. Doch spätestens mit dem Auftauchen einer gewissen Königin muss es jedem Genre-Fan klar sein, womit er es hier zu tun hat. (Manches mag vielleicht sogar an Moria erinnern. Ganz gleich, was Arleston sich gedacht haben mag, die Verbeugung vor den großen Vorbildern ist absolut gelungen.) Von Floch wird eine äußerst ausdrucksvolle Situation in Szene gesetzt, die für die Beteiligten nur eines verheißt: Noch größeren Ärger.

Adrien Floch hat den Auftrag, die Spannung der Geschichte grafisch zu transportieren. Man weiß als Leser kaum, wo man zuerst mit dem Lob beginnen soll. Als Freund von gelungenen Science Fiction-Abenteuern, Space-Operas, liebe ich es die Atmosphäre aufzunehmen, die durch die technischen Finessen, die wilde Natur und die ungewöhnlichen Kreaturen geschaffen wird.
Floch gelingt es durch die erzählerische Vorgabe, viele Gegensätze in diesem Album zu vereinen. Wie die Geschichte einerseits und der Anhang mit einer ganzen Reihe von Skizzen und Entwürfen sowie Making-Offs andererseits zeigt, überzeugt Floch mit einer enormen Vielseitigkeit.
Es zeigt aber auch, dass selbst für einen professionellen Zeichner vor dem perfekten Ergebnis auch viel Arbeit steckt. – Aber es verhehlt auch nicht, dass handwerkliches Geschick nicht ohne Talent auskommt. Floch besitzt augenscheinlich beides.

Während sich die Geschichte spannend weiterentwickelt, entspinnen sich in zwei Nebenhandlungen kleine Geheimnisse, auf deren Enthüllung man zusätzlich gespannt sein darf.

Im dritten Teil wird das Abenteuer auf einem sehr hohen Niveau forterzählt. Rasant, düster, mit einer ordentlichen Portion Fantasy, so wird dem Leser mit dieser Erzählung der Mund wässrig gemacht auf die Fortsetzung. 😀

Die Schiffbrüchigen von Ythag 3 – Seufzer der Sterne: Bei Amazon bestellen

Donnerstag, 01. März 2007

Die Legende der Drachenritter – Akanah

Filed under: Abenteuer,Mystery — Michael um 20:37

Die Legende der Drachenritter 2 - AkanahAkanah erinnert sich daran, als sie und ihr Bruder von Drachenrittern gerettet wurden. Es ist lange her, lehrte sie aber sehr früh den Ernst des Lebens, denn ihr Bruder war vom unheilbaren Übel befallen.
Der Rat der Drachenritterin gefällt ihr nicht. Sollte ihr Bruder vom Übel befallen werden, wäre es besser, ihn zu töten. Akanah befolgt den Rat schweren Herzens und legt damit ihren weiteren Lebensweg fest. Ihre Tat, die sich nicht vermeiden ließ, verfolgt sie viele Jahre, bis hin zu ihrem Erwachsenenleben.
Später wird sie selbst zur Drachenritterin.

Es ist eine Zeit, in der die Drachen auf die Welt zurückgekommen sind. Niemand weiß, warum das geschah, nur, dass es nichts Gutes bedeutet, das finden bald schon jene heraus, die in der Nähe eines Drachennestes leben.
Zuerst verändert sich das Land, dann folgen sämtliche Lebewesen. Aus Menschen und Tieren werden Monster, die ihrerseits jeden angreifen. Auch Drachen sind stets auf Beute aus. Die einzigen Menschen, die nicht vom Übel befallen werden, sind Jungfrauen. Außerdem kann ein Drache ihre Anwesenheit nicht spüren.
So entstand der Orden der Drachenritter, allesamt Jungfrauen, ausgebildet für den Kampf gegen Monster und besonders gegen Drachen.

Das Leben einer Drachenritterin ist nicht einfach, aber Akanah und ihre Freundin nutzen jede Gelegenheit für ein wenig Spaß. Kaum hat ihr Luftschiff angelegt, machen sie sich in der Nacht davon, um eine zünftige Schlägerei vom Zaun zu brechen.
Für Frauen, knapp bekleidet und attraktiv, ist es ein Leichtes zum Ziel für sich anbiedernde Trunkenbolde zu werden. Sie ahnen nicht, dass sie das leichte Ziel sind.

Das Schiff soll auf Geheiß des Drachenritter-Ordens Pierrano anlaufen, eine Stadt, die bereits tief in einem von einem Drachen verseuchten Gebiet liegt. Zwar sind bereits Drachenritter unterwegs, um das Untier zu töten, doch nicht immer sind die Kriegerinnen auch erfolgreich oder schnell genug.

An Bord des Schiffes befindet sich auch ein Begleiter des Aman-Ordens, eine religiöse Gemeinschaft, die in direkter Konkurrenz zum Drachenritter-Orden steht. Jan, der Abgesandte wird gegen das Übel von einem Talisman geschützt, wenngleich alle Drachenritter die Wirksamkeit des Talismans anzweifeln, den diese Kleinode haben noch nie funktioniert. Jan lässt sich nicht irritieren und begleitet sie bis zum Ziel.

Der zweite Teil von Die Legende der Drachenritter – Akanah erzählt in loser Folge die Saga des Ordens weiter. Die kleine Akanah, die dem Leser im ersten Band als kleines Kind kurz begegnete, ist inzwischen erwachsen und hat als Ritterin ihre ganz eigenen Abenteuer zu bestehen.
Das Erzählerduo Anne und Gerard, kurz AnGe schreibt auch den zweiten Teil der Saga fort, während mit Philippe Briones ein neuer Zeichner diese Episode übernommen hat.
Vergleicht man die zeichnerischen Stile, den von Briones mit dem seines Vorgängers Alberto Varanda lassen sich optisch kaum nennenswerte Unterschiede feststellen.

Briones hat im vorliegenden schöne Design-Aufgaben mit den Luftschiffen und vielen Stadtansichten zu erfüllen. Gerade die neue Art der Fortbewegung, die im ersten Band noch nicht vorgestellt wurde, trägt viel zur Atmosphäre der Geschichte bei und wird später ein wichtiges erzählerisches Element. Schön gelöst sind auch seine Kleidungsentwürfe. Eine deutliche Unterscheidung zu Varanda ist die Darstellung des Drachens. Briones gestaltet ihn viel klassischer, zumal der Leser diesmal einen fliegenden Drachen präsentiert bekommt.
Dieser Drache ist nicht zuletzt der Handlung durch Ange um einiges größer, sondern ist um ein vieles gewalttätiger. Der Kampf, den die Drachenritter zu bewältigen haben, ist viel dramatischer geraten als im ersten Band.
Hier konnte ich den Band erst beiseite legen, als der Kampf entschieden war, denn was sich hier dank des Schauplatzes entspinnt (und von Briones toll in Szene gesetzt wird), ist Spannung pur.

Zuweilen liegt es nicht in unseren Händen. Zuweilen fällt die Entscheidung ohne uns. Und zuweilen gibt uns das Schicksal ein Zeichen, um uns zu beweisen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Der Kern dieser Geschichte sind die Drachenritterinnen und ihr Umgang mit dem Leben. Die Frauen dieses Ordens haben andere Werte in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt, als andernorts in dieser Welt üblich. Männer sind zweitrangig und auch tabu, denn wer seine Jungfräulichkeit verliert ist zwangsläufig des Todes.
Wie die Ritterin an der Seite von Akanah und ihrer Freundin vormacht, ist das Leben eines Drachenritters ein ernstes. Vieles wird geplant, Ordensregeln müssen befolgt werden, doch nicht immer gelingt das auch so, wie es gedacht war.
Akanah verliebt sich. Eine neue Welt und eine neue Perspektive tut sich auf. Es lockt ein Leben, in dem sie nicht als alte nutzlose Jungfer enden muss.

AnGe spielt mit ihren Protagonisten, lässt sie hoffen, nur um das Drama immer weiter zu steigern. Wie eine Wende im Leben verstanden werden kann, ist letztlich auch Auslegungssache – diese Erfahrung macht auch Akanah.

Ein feines Fantasy-Abenteuer in einer unbekannten Welt, die sich mit diesem zweiten Band etwas mehr enthüllt, aber noch viele Geheimnisse ungelüftet lässt. Endlich haben Drachen im Comic wieder ein spannendes Zuhause. 😀

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