Harrison Banks bleibt gar keine andere Wahl. Wenn er endlich die Intrige aufklären will, die sein Leben zerstört hat, muss er nach Golden City zurückkehren. Was ihn in der Höhle des Löwen erwarten wird, kann er nicht einmal ansatzweise vermuten.
Die Aufgabe, die er sich selber gestellt hat, scheint unmöglich zu erfüllen zu sein. Banks geht das Wagnis ein. Mit einer alten Polizeiuniform angetan, der privaten Einheiten von Golden City, und einem reparierten Jetski dringt er in die Höhle des Löwen ein. Die Ankunft gelingt, doch von da an läuft alles schief.
Banks hat keinerlei Papiere bei sich und wird sogleich entdeckt. Die eine Wache kann er zwar noch ausschalten, doch dann ist schnell die Jagd auf ihn eröffnet. Der Aufenthalt auf Golden City könnte ungewohnter nicht sein.
Bisher haben Kopfgeldjäger Jagd auf ihn gemacht. Er verbrachte mehrere Monate in einem Hochsicherheitsgefängnis. Er gewann Freunde in Menschen, die er auf normalem Wege niemals kennengelernt hätte. In der jüngsten Vergangenheit ging er mehr Wagnisse ein als in seinem gesamten Leben zusammengenommen.
So ist es für äußerst ungewöhnlich nach so langer Zeit, seine Frau wiederzusehen, die es bisher nicht gemerkt hat, dass sie ein Leben an der Seite eines Doppelgängers führt.
Mit dem Eindringen in den streng gesicherten Komplex von Golden City gehen Banks’ Schwierigkeiten erst richtig los. Der Hinweis, den seine Mutter ihm hinterlassen hat, ist leider nicht vollständig, weshalb er auf Mutmaßungen angewiesen. Als er des Rätsels Lösung findet, ist es für ihn nicht nur eine unbequeme Wahrheit, sondern der blanke Horror. Was seine Mutter in der Vergangenheit tat, hätte er nicht erwartet.
Damals: Harrisons Mutter wünscht sich ein Kind. Aber sie ist auch eine mächtige Frau, die sich nicht auf herkömmliche Reproduktionstechniken verlassen will. Mit Hilfe einer Wissenschaftlerin schafft sie einen geheimen Komplex, dessen Techniken den Untergang für Harrison legten, obwohl sie ihn doch ursprünglich schützen sollten.
Harrisons Chancen scheinen endgültig aufgebraucht zu sein.
Die Akte Harrison, die fünfte Episode von Golden City stellt dem Helden Harrison Banks noch mehr Hindernisse in den Weg. Bisher glaubte man als Leser, es könne für ihn kaum noch schlimmer kommen. Diese Episode belehrt den Leser eines Besseren.
Sehr schnell merkt man, wie der Endspurt der Geschichte eingeläutet wird, denn es schließt sich so mancher Kreis und so manches Geheimnis wird gelüftet, so manche Vergangenheit enthüllt.
Die kleine Gruppe von Strandräubern, bei der Harrison einige Male Zuflucht gefunden hat, erfährt durch ein neues hilfreiches Mitglied etwas über das Verschwinden von Mifas Mutter. Ein alter Feind hat bereits vor vielen Jahren das wenige Glück einer kleinen Familie zerstört. Nicht nur durch dieses Ereignis wird wieder deutlich, wie ungeheuer sympathisch diese kleine Gruppe dargestellt ist. Man wird als Leser nicht mit der Nase darauf gestoßen, aber es erschließt sich einem nach und nach. Umso gemeiner ist es von Autor Daniel Pecqueur, wenn er es wagt, dieser Gruppe etwas zustoßen zu lassen. Im Gegensatz zu Harrison Banks, der ein reicher Pinkel ist, hat man sofort Mitleid mit Mifa und ihren Freunden, sobald ihnen etwas passiert. Allerdings spielt Pecqueur seinem Protagonisten um ein Vielfaches so übel mit. Spätestens jetzt möchte man Golden City auch verfilmt sehen, weil es im vorliegenden Band sehr viele Überraschungen hagelt, die einen bereits im Comic-Format auf eine abenteuerliche Achterbahnfahrt mitnehmen.
Pecqueur nutzt die Heimkehr von Banks, die Architektur von Golden City ausführlich zu beschreiben. Damit gibt er Nicolas Malfin reichlich Gelegenheit, Außenansichten zu zeigen und die Innenräume zu gestalten. Die Räumlichkeiten bestechen durch ein hochfeines Design und könnten geradewegs aus einem Science Fiction-Film stammen. Das Design setzt sich bis in die kleinste Kleinigkeit fort. Es würde nicht verwundern, wenn Malfin auch als Production-Designer bei Filmen oder Spielen tätig wäre.
Im Gegensatz zur hohen Technisierung von Golden City setzt Malfin mit der eher chaotischen Bauweise an der Küste und den Bildern des Meeres ein gutes Gegengewicht. Beide Bereiche können nur durch ihre Gegensätze wirken. Golden City als Handlungsort allein wäre auf die Dauer zu kühl. Diese These bekräftigt sich auch durch die Farbgebung von Pierre Schelle und Stéphane Rosa, die bereits in der Serie Kazandou ein sehr gutes Team bildeten und dort viel Erfahrung im Science Fiction-Genre sammeln konnten.
Golden City befindet sich auf der Zielgeraden und steigert sich weiter. Dank der verschachtelten und eindringlichen Erzählweise steigt die Spannung von Seite zu Seite. Top!
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