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Comic Blog


Donnerstag, 08. Februar 2007

Blueberry Chroniken 4 – Das eiserne Pferd und die Sioux

Filed under: Abenteuer,Klassiker — Michael um 19:10

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die SiouxEine Verbindung beider us-amerikanischer Küsten ist der Traum vieler Geschäftsleute und Reisender in den noch sehr jungen Vereinigten Staaten. Die Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific bewegen sich während ihres Baus quer durch das ganze Land aufeinander zu – sehr zum Leidwesen der Indianer, denn mit dem eisernen Pferd kommen immer mehr Weiße, die ihre Lebensgrundlage bedrohen.
Doch nicht nur die Indianer sind bedroht. In der Geschichte Das eiserne Pferd wird sehr schnell deutlich, wie hart auch der Konkurrenzkampf der Gesellschaften untereinander ist, denn je länger die Strecke des Einzelnen ist, umso mehr Eisenbahnlinie kann hinterher vermarktet werden. Spionage und Sabotage mit allen Mitteln sind an der Tagesordnung. Und Blueberry gerät wieder einmal zwischen die Fronten.

Bereits auf dem Hinweg geraten Blueberry und sein neuer Weggefährte Red in Gefahr. Eine riesige Bisonherde, die bewusst in Panik versetzt wurde, droht die beiden Reisenden zu zertrampeln. Die Reise wird nach überstandener Gefahr nicht leichter. Bald schon treffen Blueberry und Red auf Blueberrys alten Freund Jimmy. Schnell ist klar: Jemand wiegelt ganz bewusst die Indianer auf, um den Vormarsch der Union Pacific zu verlangsamen, wenn nicht sogar zu stoppen.
Im Lager der Eisenbahner angekommen ist es für Blueberry noch vor seinem offiziellen Amtsantritt Streit zu finden. Der Gegner heißt Steelfingers, ein Raubein und Verbrecher, der einst eine Hand verlor und durch eine stählerne Hand ersetzte, die er eigens in Europa anfertigen ließ. Mit Steelfingers hat Blueberry gleich von Beginn an einen Feind gefunden, der ihm noch viele Schwierigkeiten machen wird.

Blueberrys Mission ist klar. Da niemand weiß, warum die Indianer derartig in Aufruhr geraten sind, wird der abkommandierte Soldat zu ihnen geschickt, um zu vermitteln. Der junge Mann legt all seine Fähigkeiten und sein ehrliches Mitgefühl in die Waagschale, aber seine Mission gerät zur schwierigsten seit langem. Die Indianer haben keine Geduld mehr. Nur mit Mühe sind sie von einem Treffen auf Häuptlingsebene zu überzeugen. Sitting Bull und Red Cloud erklären sich bereit, Blueberry zu treffen. Leider stehen seine Bemühungen unter einem schlechten Stern, weil Steelfingers seine eigenen Interessen verfolgt, die zufällig mit denen der rivalisierenden Central Pacific Gesellschaft übereinstimmen.

Der Halunke Jethro Steelfingers versteht es sich, sich geschickt auf neue Situationen einzustellen. Was Blueberry sich nicht vorstellen konnte, geschieht. Steelfingers überredet die Indianer zu einem Zugüberfall. Plötzlich geht es für Blueberry und seine Freunde nicht nur um das Geld der Eisenbahngesellschaft, sondern um das nackte Überleben.

Die vierte Zusammenfassung der Abenteuer in den Blueberry Chroniken erweckt eine weitere dramatische Zeit in den jungen Vereinigten Staaten zum Leben: Die große Zeit des Eisenbahnbaus. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud mischen wieder einmal harte Fakten und geschichtliche Ereignisse gekonnt mit abenteuerlicher Fiktion. Erneut entsteht ein Western-Epos, das damals zur Zeit seiner Entstehung wie auch heute den Leser festnagelt und erst wieder loslässt, wenn die letzte Seite gelesen ist.

In diesen Chroniken mit der Überschrift Das eiserne Pferd und die Sioux sind die Geschichten Das eiserne Pferd, Steelfingers, Die Fährte der Sioux und General Gelbhaar zusammengefasst. Alle vier Geschichten gehen beinahe nahtlos ineinander über und bilden so einen sehr spannenden Handlungsbogen.
Sehr auffallend ist in diesen vier Geschichten ist die Verachtung, mit der der Großteil der Weißen den Indianern begegnet. Wer sich über die gut aufbereiteten Informationen im Vorfeld der Handlung über jene Zeit hinaus Details anliest, muss zugeben, dass Charlier die Atmosphäre des Hasses und der Verachtung den Indianern gegenüber perfekt eingefangen wurde.
Gleichwohl kommen Charlier und Giraud auch an der Geschichte nicht vorbei, so ist klar, dass Blueberrys Misserfolg vorherbestimmt ist. Sein Bemühen ist verzweifelt, kleine Erfolge liegen eher in seinem Überleben. Sein Pech ist es außerdem, dass er in der Befehlsstruktur der Armee gefangen ist.

Blueberry, wie von Giraud als Belmondo in Reinkultur gezeichnet, kann gegen den Starrsinn von General Allister nicht an, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Indianer per Waffengehalt zu befrieden und dies auch im tiefsten Winter – selbst gegen Frauen, Kinder und Greise.
Man kann nicht anders, als dieses Westerndrama gebannt zu verfolgen.

Girauds technische Fähigkeiten und sein Talent in dieser Zeit stehen außer Frage. Selbst aus heutiger Sicht gibt es rein gar nichts an den Bildern auszusetzen. Auffällig sind jedoch ein wenig besseren Bilder, wenn Indianer in Szene gesetzt werden, die natürlich wegen ihrer Aufmachung und ihrer Kleidung optisch weitaus mehr zu bieten haben. Vielleicht hat Giraud sie lieber gezeichnet als das übrige Szenario. – Das mag natürlich ein völlig subjektiver Eindruck sein.
Für Humor in diesem Band sorgt selbstverständlich die alte Saufnase Jimmy, der mit Red einen ebenbürtigen Kumpanen erhält. Zum Ausgleich auf der weiblichen Seite taucht Guffie Palmer auf, die Leiterin einer kleinen Variete-Truppe. Giraud zeichnet die resolute Frau mit einem wirklich tollen Schmiss, der ihr lautes Verhalten großartig unterstreicht.

Besser kann Western nicht sein. Ein tragisches Drama aus den Pioniertagen im Wilden Westen. Charlier und Giraud waren ein tolles Team. 😀

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